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Mit der Deutschlandfahne zu Olympia

Eine Brücke zwischen Fans und Athleten

In Berlin legte sie am letzten Januarwochenende einen Stopp ein. Davor war sie unter anderem schon in Dresden, Rohpolding, Würzburg, Göttingen, Oberhof und Frankfurt am Main. In der Mainmetropole begann Ende Dezember ihre lange Reise. Eingepackt ist in eine schwarze Plastiktüte ist das schwarz-rot-goldene Objekt derzeit ein beliebtes Fotomotiv: die Deutschlandfahne.

DeutschlandfahneAlles begann mit einem Aufruf über das soziale Netzwerk Facebook. Anfang Dezember hatte die Deutsche Sporthilfe dort mit der Aktion „Werde zum Fahnenträger“ geworben. Auf einer Deutschlandfahne sollen Grüße an die deutsche Olympiamannschaft gesammelt werden, die dann bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi überreicht wird. Zuvor soll die Fahne aber noch zu den Fans in ganz Deutschland gelangen. Jeder kann Fahnenträger werden und die Fahne ein Stück mitnehmen.

Doch wie kam es eigentlich zu der außergewöhnlichen Aktion? „Wir haben die Fahnenaktion als Experiment gestartet und wollten schauen, ob es mit der Begeisterung der Sportfans in Deutschland möglich ist, eine Deutschlandfahne mehr oder weniger ungeplant durchs Land reisen zu lassen. Bisher klappt das super!“, sagte Jens kleine Brörmann, Referent Kommunikation bei der Deutschen Sporthilfe.

Interessenten waren schnell gefunden
Der Aufruf über die Homepage sowie den sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter war kaum gestartet, da meldeten sich bereits die ersten Interessierten. So wie Christoph Schill. Er war einer der Ersten, der das Objekt der Begierde beim Silvesterlauf Werl-Soest bei sich trug.

„Ich mache halt gerne bei außergewöhnlichen Sachen mit, sofern diese für etwas Sinnvolles stehen. Das ist hier der Fall“, sagte Schill, der sich im Ziel unter anderem mit der Langstreckenläuferin Sabrina Mockenhaupt und der Fahne fotografieren ließ. Auch bekam er während des Laufs von Schornsteinfegern noch einen kleinen Talismann überreicht – einen Schornsteinfeger, der seitdem an der Fahne baumelt.

Bisher brachte der kleine Mann mit dem schwarzen Hut richtig viel Glück. Immer fanden sich sportbegeisterte Menschen, die die Fahne ein Stück ihres Weges begleiteten und fleißig Unterschriften sammelten. Sportlich wurde es auch Anfang des Jahres. In Oberhof, dem Thüringer Wintersportmekka, kämpften die Biathleten beim Weltcup um Normen und Platzierungen. Und das vor einer Kulisse der Extraklasse.

Olympische Deutschlandfahne auf TourWinterliche Grüße aus ganz Deutschland
Mittendrin Andreas Lange, dessen Tochter Jessica seit fast einem Jahr am Oberhofer Skigymnasium lernt und trainiert. Biathlon ist die Welt der 16-Jährigen, die aus Olsberg im Sauerland kommt. Ihr Vater brachte sie an dem Wochenende zurück ins Internat, im Gepäck hatten sie die Deutschlandfahne, auf der Nachwuchssportler des Internats ihre Grüße hinterließen.

„Wir haben ein Sportmanagement. Da in Oberhof auch mehrere Biathleten starten, haben wir gedacht, ein paar liebe Grüße zu sammeln und unseren Sportlern wie natürlich auch allen anderen damit Motivation zu geben“, sagte Kathleen Lange, die die Aktion einfädelte.

Von Oberhof ging es dann weiter in Richtung Nordthüringen – in den Südharz nach Nordhausen. Die Rolandstadt zeigte sich sehr spontan und grüßt nun durch viele schöne Worte die deutschen Olympioniken. Ihre Grüße hinterließen unter anderem die 6A der Staatlichen Regelschule „G. E. Lessing“, die 6b der Petersbergschule, Klaus Gorges, Präsident des Kreissportbundes, Michael Döring, Mannschaftsleiter der Bundesligaboxer des Nordhäuser SV sowie Kulturdezernentin Hannelore Haase und die 1. Beigeordnete Jutta Krauth. „Beste Grüße und viel Erfolg!“ schrieb Haase. Krauth notierte: „Viel Erfolg wünscht der Landkreis Nordhausen.“

Bevor die Fahne weiter in Richtung Süden zum Biathlon-Weltcup nach Ruhpolding ging, legte sie noch zwei Stopps in Göttingen und Würzburg ein. In der Universitätsstadt Göttingen nahm Sören Fischer sie schließlich in Empfang. „Ich hatte die Aktion über den Newsletter der deutschen Sporthilfe mitbekommen, den ich als Sponsor erhalte. Ich, als Sportler, war gleich von der Aktion begeistert, dass so den Athleten für Olympia von vielen Fans, Freunden, Sportlern und vielen anderen Unterstützung zuteilwerden kann“, sagte Fischer und warb umgehend auf Facebook für den Standort.

„In Göttingen sind so viele Sportbegeisterte, denen durch so eine Aktion einmal die Möglichkeit gegeben werden kann, Grüße für die deutsche Olympiamannschaft zu kommen zu lassen, in einer tollen Art und Weise.“ Als Ort der Übergabe hatte er das Gänseliesel, seit 1901 ist die Brunnenfigur das Wahrzeichen Göttingens, vor dem Rathaus gewählt. Es ist zudem das meistgeküsste Mädchen.

Weiter zum Short Track
Nicht meistgeküsst, aber mit noch mehr Grüßen wurde die Fahne an den nächsten Träger weitergereicht. So gelangte sie über die Stationen Würzburg und Ruhpolding in den Osten des Landes, nach Dresden. In der sächsischen Hauptstadt wurden Mitte Januar die Europameisterschaften im Short Track ausgetragen.

Zum Zuschauen verdammt war Torsten Kröger. Der Shorttracker zog sich Mitte September beim Deutschland-Pokal durch einen Sturz schwere Verletzungen an beiden Armen zu. Der große Traum des Rostockers, der Start bei den olympischen Winterspielen in Sotschi, war geplatzt. Dabei ist er trotzdem, nämlich mit einem Gruß auf der Deutschlandfahne, die er als Fahnenträger von Dresden weiter nach Berlin mitnahm.

„Dennoch bin ich ein großer Fan von solchen Aktionen und möchte der Sporthilfe etwas für die jahrelange Unterstützung zurückgeben. Ich betreibe natürlich immer noch professionell meine Sportart. Aber für mich war es eben besonders wichtig, die Sportler, die es zu ihrem großen Traum geschafft haben, einen kleinen Motivationsschub zu geben. So wissen alle Olympioniken, dass auch die Fans hinter ihnen stehen. Das ist für mich und für jeden sehr wichtig“, sagte Kröger, der nun in der Heimat die Daumen für seine Teamkollegen drückt.

Deutschlandfahne als Symbol der Gemeinschaft
Die Fahne verbindet in jeder Hinsicht. Und schlägt eine Brücke zwischen Fans und Athleten. Sowie sicherlich auch Samstag, 1. Februar, wenn in der Arena in Leipzig die deutsche Handball-Nationalmannschaft auf eine Weltauswahl von Spielern, die in der Bundesliga Akzente setzen, trifft. Ziel der Deutschlandfahne ist der von der Deutschen Sporthilfe organisierte Ball des Sports, Europas größte Benefiz-Veranstaltung, am 8. Februar in Wiesbaden.

„Wir sind uns sicher, dass wir unter den Gästen jemanden finden, der ebenso begeistert wie seine Vorgänger ist und die Fahne mit nach Sotschi nimmt“, sagte kleine Brörmann. In der quirligen Stadt am Schwarzen Meer könnte sie beispielsweise im Deutschen Haus hängen oder aber von Wettkampfstätte zu Wettkampfstätte reisen. Ob sie womöglich doch nur an einem Ort verbleibt, mochte kleine Brörmann nicht sagen: „Das entscheidet sich vor Ort und kommt auf den Fahnenträger an.“ Schließlich lebt die Aktion doch von ihrer Spontanität und den Menschen, die sie begleiten.

(Text: Sandra Arm / Fotos: Karsten Thorhauer)

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