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Mittermeier: „Ich bin der Johannes Heesters der deutschen Stand Up Comedy“

Interview mit Michael Mittermeier
Gerade feiert Michael Mittermeier¬†sein 20-j√§hriges B√ľhnenjubil√§um und tourt mit seinem neuen Programm „Safari“ wieder durch Deutschland. Neben seinem beruflichen Erfolg hat am 1. Januar seine Tochter Lilly Magdalena auch sein Familiengl√ľck komplettiert. In einem exklusiven Interview erz√§hlte er back view von seiner Studienzeit.

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back view: Dein aktuelles Programm Safari ist ja auch ein R√ľckblick auf Deine bisherigen B√ľhnenerlebnisse. In sofern k√∂nnte man es ja auch als eine Abschiedstournee bezeichnen – wenn Du jetzt noch einen Preis f√ľrs Lebenswerk bekommst, k√∂nntest Du Deine Karriere quasi schon beenden.
Mittermeier: Das w√§re ja super – dann mache ich die n√§chsten 40 Jahre nur noch Abschiedstourneen und sacke flei√üig Preise ein. Vielleicht ist das ja auch das Erfolgsrezept der Stones, die touren ja auch seit Jahren zum letzten Mal durch die Welt. Aber auch bei Jerry Lewis hat jeder darauf gewartet, dass er aufh√∂rt. Heute ist er 80 und steht immer noch auf der B√ľhne und bringt alle zum Lachen. Also keine Sorge, ihr werdet mich nicht los. Ich bin der Johannes Heesters der deutschen Stand Up Comedy.

Gerade in politischen √Ąu√üerungen bist Du oft sehr angriffslustig. Hast Du schon mal eine deiner fr√ľheren Aussagen bereut?
Eigentlich bereue ich gar nichts. Ich erz√§hle ja nichts auf der B√ľhne, weil es gerade in ist. Wenn dann sollte das schon deine eigene Meinung und √úberzeugung sein. Ich meine schau dir doch mal die Politiker an da drau√üen. Auch die erz√§hlen Mist. Manchmal sogar sehr viel. Wenn du nur mal so eine Populistensau wie Roland Koch nimmst. Was dieser Mann in den letzten Wochen alles von sich gegeben hat, so etwas k√∂nnte ich niemals auf der B√ľhne mit meinem Gewissen vereinbaren.

Im aktuellen Programm Safari rufst Du auf der B√ľhne zu einem Boykott der Olympiade in Peking auf. Ist diese Aussage zu hart f√ľr die CD-Ver√∂ffentlichung? Oder ist es einfach nur aus Platzgr√ľnden rausgeflogen?
Nein, da √ľberrascht mich jetzt die Frage eher ein wenig. Eine CD ist ja nicht als Kampfmedium gedacht, sondern eher wie ein Buch – ein Roman. Es soll die Leute unterhalten. Eine CD geht eine gute Stunde, die man sich bequem auch mal auf der Autofahrt anh√∂ren kann. Von daher ist dieser Teil nur einer von vielen, der einfach herausgek√ľrzt werden musste.

Glaubst Du, dass Deine Botschaften beim Publikum √ľberhaupt ankommen und nicht zwischen all den gro√üen Lachern etwas untergehen k√∂nnten?
Das ist immer eine schwierige Frage. Ich hoffe einfach, dass es bei einigen zum Nachdenken anregt. Mir ist klar, dass ich keinen Wahlkampf betreiben kann und √ľbrigens auch √ľberhaupt nicht will. Ich √§u√üere schlicht und einfach meine eigene Meinung und hoffe ab und zu mal den Nerv einiger Menschen zu treffen und zu Diskussionen anzuregen. Was mein Publikum mit meinen Aussagen anstellt, liegt also ganz alleine in ihren H√§nden.

Du spielst gerne mit der Macht das Publikum zu lenken. Machst Du lieber Witze √ľber Au√üenstehende oder macht es mehr Spa√ü, sich mit dem Publikum in der Halle direkt etwas anzufeinden?
Ich will mich auf keinen Fall mit meinem Publikum anfeinden. Die Leute haben Geld bezahlt weil sie mich m√∂gen und von mir unterhaltet werden wollen. Und da ist es auch √ľberhaupt keine Kunst sich auf die B√ľhne zu stellen und Leute fertig zu machen, die sich eigentlich auf einen sch√∂nen Abend gefreut haben.

Aber Du spielst ja schon gerne mit den lokalen Unterschieden und hast zum Beispiel in Bamberg immer wieder direkt gegen das Frankenvolk gestichelt.
Na klar, spielt man in Hamburg, wird nat√ľrlich √ľber die Bayern gewitzelt und umgekehrt. Aber gerade das ist doch auch das sch√∂ne an den Tourauftritten. Und wenn ich in Franken bin, dann will ich sie keinesfalls angreifen. Die sind nun mal langsamer und geben einem ungern sofort Auskunft, das kann man dann doch auch sagen.
Aber insgesamt sind die wichtigen Themen in meinem aktuellen Programm Klimaschutz, Chinesen und die deutschen Politiker und nicht das ausspielen des Publikums. Wobei es das Geilste ist, wenn man Zurufe aus dem Publikum bekommt und sich dadurch ganz eigene Witze aufbauen und sich durch den ganzen Abend ziehen. Im Prinzip ist das auch f√ľr das Publikum etwas, womit man sich identifizieren kann. Damit merkt es erst, dass da kein abgehobener K√ľnstler auf der B√ľhne steht und sein Programm runterspielt, sondern auch auf die Zuschauer eingeht.

Was hast Du f√ľr Erinnerungen an deine Studienzeit an der Ludwig-Maximilians-Universit√§t in M√ľnchen?
Also ich konnte und wollte in meiner Studienzeit immer nebenbei Kabarett machen. Wobei ich in dieser Hinsicht eigentlich ein schlechtes Beispiel bin. Ich hatte vor und w√§hrend meines Studiums nie ein bestimmtes Ziel vor Augen. Ich wollte einfach studieren, um einen universit√§ren Abschluss in der Tasche zu haben. Au√üerdem konnte ich das gut als intellektuellen Ausgleich zu meinen B√ľhnenauftritten nutzen.
Klar bringt Politik und Amerikanistik einem auch f√ľr die Allgemeinbildung und das weitere Leben viel, aber ich hatte nie einen bestimmten Berufswunsch den ich durch mein Studium erreichen wollte.

Das Studium selbst ist in Deinen Augen also nicht das Wichtigste?
Nein, ganz im Gegenteil. Ich betrachte es als sehr wichtig, dass man sich nicht nur auf das Studium selbst konzentriert, lauter Einsen schreibt, aber dann am Ende das Gelernte in der Realität nicht umsetzen kann. Deshalb sollte man sich immer neben dem Studieren selbst immer im Klaren sein, was mache ich hier eigentlich und vor allem wo will ich hin. Man sollte sich einfach selbst ausprobieren und auch mal schräge Gedanken verwirklichen, um sein eigenes Ich zu finden.

Ist das Leben eines Vaters wirklich so hart, wie Du es vor allem in deinen fr√ľheren B√ľhnenprogrammen bef√ľrchtet hast? Wie nervig ist es denn, eine eigene Teppichratte zu Hause zu haben?
Ich habe ja nie gesagt, dass Kinder nervig sind! Ich habe nur beschrieben, wie Eltern mit ihren Arschlochkindern immer wieder ankamen und von ihnen geschwärmt haben. Da musste man einfach irgendwann die Schnauze voll haben.
Aber ich liebe Kinder! Das sind die Anarchisten unserer Zeit. Bauchentscheidungen pur – das ist doch total geil. Sie denken nicht nach und fackeln nicht lange, sondern machen einfach.
Das sollte man auch als Erwachsener heute noch in vielen Situationen beherzigen. Der Kopf ist ne Drecksau, der Bauch dahingegen l√ľgt nie. Und genau deshalb hatte ich nie etwas gegen Kinder, sondern liebe ihre Art zu Leben.

Wer muss denn jetzt k√ľrzer treten in Sachen B√ľhne – Du oder Deine Frau Gudrun?
Da werden wir schon gemeinsam einen Weg finden und keiner muss seine beruflichen W√ľnsche und Ziele komplett zur√ľckstellen.

Wie war es auf der Echo-Verleihung?
Nat√ľrlich super wie immer. Ich habe noch nie schlechte Echoverleihungen erlebt. Aber das beste ist auch nicht die Verleihung selbst, sondern einfach weil man viele Freunde treffen kann. Jeder K√ľnstler ist das ganze Jahr √ľber auf Tour und hat Auftritte. Da wird es einfach schwer Zeit zu finden, um sich wirklich mal zu treffen. Aber beim Echo sind dann irgendwie immer alle da. Alle meine Freunde, mit denen ich teilweise schon gemeinsam auf der B√ľhne gestanden habe, wie zum Beispiel die Sportis, Ray, Sasha oder Xavier.

Vervollständige bitte folgende Sätze:

Wenn ich Langweile habe, dann …
Ist das auch gut, aber ich habe eigentlich nie Langeweile!

In zehn Jahren bin ich …
Immer noch am Touren und mit viel Freude dabei.

Als Student war ich…
Sehr eineiig. Wie gesagt, ich hatte nie ein bestimmtes Ziel, das ich durch mein Studium erreichen wollte. Ich hatte einfach ein sehr gutes Sozialleben und das Gl√ľck, dass alle meine besten Freunde das gleiche studiert haben. Und ehrlich gesagt, h√§tte ich das glaube ich ohne sie auch gar nicht alles durchgestanden.

Vielen Dank f√ľr das Interview!

Rezension seines aktuellen B√ľhnenprogramms Safari: JA –¬†Gudrun ist schwanger!
Info: Die CD zu Safari ist ab sofort im Handel erhältlich.

(Interview: Konrad Welzel / Foto: Michael Mittermeier)
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√úber den Autor

Konrad Welzel
Gr√ľnder und Chefredakteur von back view

Konrad hat back view am 06. April 2007 gegr√ľndet - damals noch in diesem sozialen Netzwerk StudiVZ. Mittlerweile tobt sich Konrad ganz gerne im Bereich Social Media aus und versteht Menschen ohne ein Facebook-Profil nicht - daf√ľr ist er viel zu neugierig!!!

Anzahl der Artikel : 158

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