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Mann hat’s nicht einfach

Weltmännertag am 3. November

 

In Zeiten der Emanzipation kann man(n) es natürlich nicht auf sich sitzen lassen, dass nur frau einen eigenen Tag hat. Frauen hatten dieses Vorrecht schon 92 Jahre für sich gepachtet, als man in Wien auf die Idee kam, auch einen Tag den Männern zu widmen.

Am 3. November 2000 kamen Andrologen, die Universität und die Gorbatschow-Stiftung auf die Idee, die Gesundheit des Mannes mit dem Weltmännertag zu fördern. Im politischen Sinne sollen die zentralen Themen des Tages die Wehrpflicht, das Lebensalter und vor allem die Gesundheit der Männer sein. Kein Wunder, wo Mann nicht einmal weiß, was der Unterschied zwischen Avokado und Fenchel ist. Es ist kein Geheimnis, dass Männern bei Obst und Gemüse der Durchblick fehlt.In der Frischeabteilung im Supermarkt steht fast jedem Mann ein großes Fragezeichen ins Gesicht geschrieben.Zum Glück kam irgendwann irgendjemand auf die Idee, Fast Food, Fertiggerichte und Konserven zu erfinden, um der chronischen Unterernährung aller Single-Männer entgegen zu wirken. Vielleicht liegt es auch daran, dass Frauen im Schnitt sieben Jahre älter werden als die geschlechtliche Konkurrenz. Im gesellschaftlichen Sinne jedoch kann Frau diesen Tag einfach nutzen, um sich über Mann auszulassen.Es gibt wahrscheinlich kaum einen anderen Tag im Jahr, an dem derartig viele Männerwitze übers Radio gesendet werden. Viel mehr kann man auch nicht erwarten, wo wir Frauen eh schon längst damit aufgehört haben, Männer und ihre Problemchen ernst zu nehmen. Dass Männer sowieso regelmäßig sterbenskrank sind, ist kein Geheimnis. Selbst der Bodybuilder mit XXL-Muskeln fängt bei Schnupfen an zu weinen. Na ja, daraus könnte ja auch eine gefährliche Krankheit werden.

Dennoch gibt es Situationen, in denen Frauen Männer beneiden. Auf dem Volksfest zum Beispiel, wenn Mann einfach auf die Seite rückt und sich erleichtern kann, während Frauen erst eine 1,65 Kilometer lange Schlange vor dem Toilettenhäuschen überwinden muss. Oder, dass Männer einfach streiten können, ohne gleich loszuheulen. Und natürlich regelmäßig alle vier Wochen für ein paar Tage – Ausnahme Schwangerschaft. Wobei auch das nicht gerade ein Punkt ist, der bei vielen Frauen auf Begeisterung stößt.

Immerhin sind es wir Frauen, die neun Monate mit einer Kugel herumlaufen, um danach ein Jahr lang weder schlafen können noch ein eigenes Leben haben. Die Entscheidung für eine Karriere und den Rabenmutter-Titel oder gegen die Selbstverwirklichung, die Wahl der Langeweile und den Hausfrauen-Titel fällt wahrlich nicht ganz so einfach. Aber genug von den Frauen, um die Männer soll es gehen. (Und im Großen und Ganzen ist wohl sowieso jede Frau sehr froh darüber mit dem Doppel-XX geboren worden zu sein).

Wenn es Männer also glücklich macht, dass ihnen einer der 365 Tage unseres Jahres gewidmet wird, ist alles gut. Immerhin dürfen sie sich wichtig fühlen, umgarnt werden und den ganzen Tag nach Herzenslust jammern. Und so lange es den Tag des deutschen Butterbrots und den Welttoilettentag gibt, gönnen wir auch den Männern ein bisschen Freude. Und vielleicht klappt es dann ja auch mit dem Waschbrettbauch.

(Text: Miriam Keilbach, Foto:  Malte Tiedemann)


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Über den Autor

Miriam Keilbach
Redakteurin

Miriam war 2007 im Gründungsteam von backview.eu. Sie volontierte beim Weser-Kurier in Bremen und arbeitet seit 2012 als Redakteurin bei der Frankfurter Rundschau. Ihre Themen: Menschen, Gesellschaft, Soziales, Skandinavien und Sport.

Anzahl der Artikel : 59

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