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Männer sind auch nur Frauen, nur irgendwie anders

Kolumne “Der ganz normale Wahnsinn”

Amy Graham schreibt hier in ihrer Kolumne regelmäßig über ihren persönlichen Wahnsinn des Alltags. In dieser Ausgabe geht es um das männliche Geschlecht und wie ignorant sie manchmal durch die Welt tigern.

Ganz normale Wahnsinn

Gestern hatte ich meinen Mädelsabend. Das lief zwar nur über Skype, war aber besser als nichts. Mit Château und meinem Notebook kuschelte ich mich ins Kissen. Allerdings verlief unser virtuelles Treffen anders als erwartet. Anstelle kräftig über andere herzuziehen und über Jungs, den Job und den Chef zu lästern, musste ich Sina erst einmal wieder aufbauen. Dazu muss ich erklären, dass sie seit zwei Jahren mit ihrem Freund zusammen lebt. Sie war total durch den Wind, fand sich unverstanden und ungeliebt.

Wir stellten zweifelsfrei fest, dass Männer und Frauen einfach nicht zusammenpassen. Das fängt ja schon damit an, dass Männer (wenn sie eine Weile mit uns zusammen sind) einfach nichts mehr wahrnehmen. Da kann Frau von Glück sprechen, wenn ihm die neue Frisur auffällt, oder der neue Duft von Versace. Klar hat es den Vorteil, dass wir dem Partner nicht jedes Mal erklären müssen, wo der neue Mantel oder die Plateau Stiefeletten herkommen. Das ist zumindest ein Vorteil für diejenigen von uns, die sich rechtfertigen wollen oder gar müssen. Ich habe immer angenommen, dass mein Freund den Abwasch nicht machen will und einfach so tut, als ob er ihn nicht sieht, oder dass ich ihm egal bin, weil er meine neuen Ohrringe nicht sieht. Aber es läuft darauf hinaus, dass einem Mann diese Dinge wirklich nicht auffallen. Aber woran liegt das? Männer sind doch irgendwie auch Menschen, oder? Sehen wir uns das rein biologisch an. Am Anfang stehen die Hormonproduktion und die Verteilung der Chromosomen, die dafür verantwortlich sind, ob wir eine Frau werden, oder eben nicht.

Die unterschiedlichen Hormone haben weit mehr Bedeutung, als das Geschlecht. So ist zum Beispiel das männliche Testosteron unter anderem dafür verantwortlich, Gegenstände besonders gut räumlich wahrzunehmen. Die weiblichen Geschlechtshormone, also die Östrogene, verbessern die Sprachfähigkeit und werden mit Empathie assoziiert. Außerdem gibt es durchaus strukturelle Unterschiede im Gehirn zwischen den Geschlechtern. Aber auch die Gesellschaft spielt eine Rolle. Bereits die Erziehung hat essenziellen Einfluss auf die Entwicklung und treibt die Geschlechter auseinander und spielt sie gegeneinander aus. So werden seit Generationen Vorurteile gelehrt und gelebt. Das hat natürlich Auswirkungen auf unser Zusammensein.

Trotz dieses Wissens tut es mir jedes Mal weh, wenn er meine neue Frisur direkt übersieht. Ich habe eineinhalb Stunden beim Friseur verbracht, habe schon lange davor mit mir gerungen die richtige Farbe auszusuchen und mir den jungen Schnitt aus einer eigens dafür gekauften Zeitschrift gesucht. Und das sieht er nicht? Er liebt mich nicht. Das ist die einzig sinnvolle Erklärung.

Ich kann Sina also gut verstehen. Aber nun wissen wir es besser. Denn es gibt noch Hoffnung. Laut einer Studie, die sich mit den geschlechtsspezifischen Unterschieden befasste, sind die Gegensätze überhaupt nicht so groß, wie früher angenommen. Eigentlich ist der Mann auch nur eine Frau. Nur durchschnittlich 15 Prozent schwerer und besser im Speerwerfen. Aber, mit ein wenig Übung kann er durchaus auch den Abwasch und die Wäsche bewältigen. Er braucht nur etwas länger für den Lernprozess. Und auch wenn Du es nicht glaubst, mit der nötigen weiblichen Motivation schaffen das sogar Männer. Ich habe Sina jedenfalls dazu geraten, beim nächsten Mal ihre neuen Haare inklusive Push-up vorzustellen. Okay, die Haare sind danach hin, aber er wird es sich genauer ansehen wollen. Versprochen.

In diesem Sinne. Eure Amy.

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Über den Autor

Amy Graham
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