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Lima – eine Stadt voller Gegensätze

Ein Reisebericht der versucht über den Tellerrand zu blicken

Laut, schmutzig und bunt sind die Schlagwörter die einem vielleicht als Erstes bei einem Gang, vor allem durch die etwas ärmeren Viertel der Metropole einfallen. Doch was dahinter steckt, ist viel Charme und Herz. Das kann man entdecken, wenn man das Ganze mit ein bisschen Ironie und der Gelassenheit der Peruaner angeht.

Lima, die Hauptstadt Perus, mit ihren knapp neun Millionen Einwohnern und der guten Lage an der Küste des Pazifiks ist gezeichnet von Gegensätzen und Widersprüchen. Nicht umsonst verbindet die “Limeños“ zu ihrer Stadt eine ausgeprägte Hass-Liebe, denn Lima hat sowohl liebenswerte als auch verachtenswerte Seiten. Von sozialem Elend, Armut und den dazugehörigen Armenvierteln am Stadtrand bis hin zu Luxusimmobilien und Vergnügungsmeilen für die wohlhabende Bevölkerung, ist in Lima alles zu finden.

Lima Reisebericht aus Peru

Als Tourist, vor allem als europäischer bekommt man meist nur Letzteres zu sehen, bewegt man sich als “Gringo“ auch außerhalb der touristischen Viertel unter Umständen auf gefährlichem Pflaster. Als Gringos werden in Peru und allgemein in Lateinamerika die “Weißen“ bezeichnet und wie die Namensgebung schon erahnen lässt: Als Gringo fällt man auf!

Das erhöht nicht nur die Gefahr ausgeraubt oder gekidnappt zu werden, sondern auch alltägliche, praktische Dinge werden von der Andersartigkeit bzw. der Herkunft beeinflusst. Im Klartext bedeutet das, dass man damit rechnen muss immer den Gringo-Preis zu bezahlen, welcher teilweise um ein Vielfaches höher ist als der für Einheimische, selbst dann wenn man über gutes Verhandlungsgeschick verfügt.

Limas Verkehr: ganz nach dem Motto „Was lange währt…“

Auf den Straßen Limas läuft man mitunter Gefahr sein Leben zu riskieren. Neben dem Smog der durch die etwas in die Jahre gekommenen Gefährte die Atemwege zuschnürt, kann man den Fahrstil der Peruaner als eher liberal bis hin zu anarchistisch bezeichnen.

Ohne Zweifel ist eine der wichtigsten Fähigkeiten, die man als Autofahrer und auch Fußgänger in Peru beherrschen muss, das Ausweichen. Auch wenn viele Autos nicht unbedingt in dem besten Zustand sind und einige Teile für eine sichere Ausstattung nach deutschem Standard eventuell fehlen – eine Hupe. Oft auch eine nachträglich eingebaute und im Sound aufgemotzte ist immer vorhanden und wird auch häufig, um nicht zu sagen ununterbrochen sozusagen als Ersatz für Blinker und Co., eingesetzt.

Reisebericht aus LimaDie durch das Hupen ausgedrückte Verzweiflung ist allerdings durchaus nachvollziehbar, denn der Verkehr in Lima ist sprichwörtlich zum Haare raufen, weswegen die Taxifahrer mit Bestimmtheit feststellen, dass es in Lima mehr Autos als Menschen gibt. Wenn man durch die Straßen Limas fährt, fallen einem ungewöhnlich viele Hostels, auf Spanisch “Hostal“ oder auch “hospedaje“, auf. Im hiesigen Sprachgebrauch werden mit dieser Art der Übernachtungsmöglichkeiten vorwiegend günstige Unterkünfte mit Mehrbettzimmern und wenig Komfort assoziiert.

Ersteres und Letzteres mag vermutlich auch für die angesprochenen “Hostals“ in Lima zutreffen, allerdings ist der Sinn dahinter ein anderer. Die Neonlichter und Aufschriften wie “Jakuzzi“ und “LED TV“ lassen den wahren Zweck dieser preiswerten Unterkünfte erahnen – denn es handelt sich schlicht und ergreifend um so etwas wie Stundenho(s)tels in denen vorwiegend junge Pärchen einige “romantische“ Stunden verbringen können.

Einer der Hintergründe für die nicht zu vernachlässigbare und zum Stadtbild dazugehörende Vielzahl solcher Hostels ist, dass aufgrund der angespannten Arbeitsmarktlage und niedrigen Mindestlöhnen viele junge Erwachsene länger, als vielleicht gewollt, mit ihrer Familie zusammenleben und das oft auf engem Raum.

Nur so lässt sich auch die Auslagerung der Pärchen Quality-time in diese an Bordelle erinnernden Unterkünfte erklären – zumal es bereits einen Skandal gab, bei welchem aufgedeckt wurde, dass in vielen der Hostals versteckte Kameras installiert und die heiklen Aufnahmen auf Pornoseiten veröffentlicht wurden.

Kulinarisches Mekka

Reisebericht aus LimaPeru hat kulinarisch so einiges zu bieten. Nicht umsonst wurde das Andenland von den World Travel Awards schon mehrmals, auch im Jahr 2015 wieder, zum besten kulinarischen Reiseziel der Welt gewählt. Die Hauptstadt vereint dabei gewissermaßen alle Geschmäcker des Landes und hat eine große Auswahl an verschiedensten Fleisch- und Fischgerichten im Angebot wie die Spezialitäten „Anticuchos“ – gegrillte Rinderherzen oder „Ceviche“ – in Limettensaft gegarter Fisch.

In Peru kommt man kulinarisch gesehen, außer vielleicht als Vegetarier, wirklich auf seine Kosten, auch wenn man sich als deutscher Haustierbesitzer bei einer der Spezialitäten, nämlich dem gegrillten Meerschweinchen etwas überwinden muss.

Empfehlenswert ist dabei etwas außerhalb der touristischen Viertel auf Restaurantsuche zu gehen, denn meist isst man in kleinen, unspektakulär aussehenden Restaurants mit traditioneller peruanischer Küche am besten. Ein gutes Indiz ist bei der Wahl hierbei die Anwesenheit vieler Einheimischer. Ebenfalls bei der Getränkewahl sollte man experimentierfreudig sein und unbedingt eine der selbstgemachten Limonaden wie z.B. die „Chicha Morada“ aus violettem Mais oder natürlich die neongrüne etwas giftig aussehende „Inca Cola“ probieren.

Ein persönlicher Geheimtipp ist außerdem der „Emoliente“, ein Getränk welches aus Heilkräutern auf der Basis von Getreide und Leinsamen hergestellt und mit Limettensaft verfeinert wird. Kaufen kann man diese wahlweise kalt oder lauwarm servierte Vitaminbombe an kleinen Straßenständen, wo sie frisch zubereitet wird und man auf Wunsch sogar noch einen kostenlosen Nachschlag bekommt.

Stadt der Kultur(en)

Lima hat auch kulturell einiges zu bieten und ist das Paradebeispiel für die Verschmelzung der spanischen mit der peruanischen, andinen Kultur. Die Architektur der Altstadt ist geprägt von wunderschön verzierten spanischen Kolonialbauten und Kirchen und wurde im Jahre 1991 sogar in den Rang des UNESCO Weltkulturerbes erhoben.

Reisebericht aus LimaEine Vermischung der Kulturen ließ sich schon zu Zeiten des Eroberers Pizarro nicht vermeiden und so kann man in einem Franziskaner Kloster, welches am Hauptplatz Limas dem „Plaza de Armas“ gelegen ist, ein Bild bewundern, welches exemplarisch dafür scheint. Das Werk zeigt das letzte Abendmahl Jesu, allerdings stehen anstatt wie sonst Brot und Fisch Meerschweinchen und Chillis auf dem Speiseplan und ein Hund tollt mit den Kindern neben der Tafel.

Wenn man aus den Armenvierteln in die Altstadt oder auch die umliegenden Bezirke fährt, dann scheint es, als wäre man plötzlich in einer anderen Welt gelandet. Man kann regelrecht die europäische Brise spüren, die in der Luft liegt. Dementsprechend sauber und aufgeräumt ist auch die Altstadt. Die andinen Straßenverkäuferinnen, die Salsa Musik, die aus den Geschäften und Bars tönt, und Inkaruinen, welche man zufällig mitten in Wohngebieten entdecken kann, verweisen dann jedoch auf den wahren Ort des Geschehens und das ist auch gut so.

Auch wenn viele der beschriebenen Facetten Limas auf den ersten Blick abschreckend wirken, es lohnt sich einen zweiten Blick zu wagen und sich auf Stadt, Kultur und Leute einzulassen, denn man wird es nicht bereuen und mit viel Herzlichkeit und Lebensfreude belohnt.

(Text und Fotos: Heidi Bundschus)

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