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Interview mit der Liebe

Ein fiktives GesprÀch mit der Liebe

Hallo LIEBE. Schön dass du da bist, Kaffee fĂŒr dich? Schwarz oder mit Milch? Ja? Nein? Du gibst nicht auf jede Frage eine Antwort – das merke ich schon. Ein paar Antworten habe ich dann aber doch noch bekommen.

Laura Gassner: Ich freu mich, dich kennen lernen zu dĂŒrfen! Die Ehre erweist du ja nicht jedem, oder?!
Die Liebe: Kommt immer darauf an, ist bissl wie mit Maria und Josef damals, musst mich schon reinlassen! Aber du hast ja gefragt – also – da bin ich.

Liebe

Als ob das so easy ist. Mal im Ernst: Du weißt, dass viele nach dir suchen, wie und wo findet man dich?

Meistens bin ich einfach da, wie die Brille auf der Nase, die man vergeblich sucht. Viele wollen oder können mich aber nicht wahrhaben. Wortwörtlich! Ich komm halt nicht immer als Riesen Explosion aus Einhörnern und Konfetti – aus der Mitte springt dann noch am Besten Chaning Tatum oder Gisele BĂŒndchen – wie Viele das halt erwarten.

Ne, so eben nicht immer. Manchmal komm ich eher wie so n Kabelbrand. Jetzt ist da bei vielen von euch Menschen aber ne BrandschutztĂŒr vorm Herzen – keine Chance also fĂŒr mich. Das sind die, die am Lautesten nach mir schreien, aber insgeheim haben sie keine Ahnung, was ich bin oder ob sie wirklich bereit sind fĂŒr mich!

Gut dann klĂ€r uns mal auf – was bist du denn?

Ich bin Vertrauen, LoyalitĂ€t und Zuneigung – das ist die Kombi, die Menschen und ihre Seelen verbinden kann. Kannste auch die Wissenschaftler fragen, die werden dir das Ă€hnlich erklĂ€ren – nur weniger romantisch.
Wenn ich einmal wahrhaftig da bin, dann geh ich auch nicht weg.
Auch das hör ich oft: „Er hat Schluss gemacht, weil er mich nicht mehr liebt“. Nein, Quatsch. Er oder hat sich nur bewusst oder unbewusst dagegen entschieden in EUCH zu investieren.

Frag doch mal deine Mama, die kann dir was von Liebe erzĂ€hlen. Ob du stinkst oder nicht, ob du dich mal wieder hysterisch gegen ihre Schnittchen wehrst oder ob sie dich mit drei Promille vom Dorf nebenan abholen soll. Sie liebt dich. Immer in der gleichen IntensitĂ€t, immer gleich aufregend. Und warum? Weil aufrichtige Liebe stabil ist. Ich bin zwar nicht immer einfach – aber das bist du auch nicht. Leider lassen sich so wenig Menschen zeigen, wie aufrichtig Liebe auch außerhalb von Familie sein kann.

Ja aber oft hat das ja nen Grund, dass Menschen keine Lust mehr auf dich haben, du bist manchmal echt verletzend! Warum eigentlich? Warum bringst du Menschen dazu, aus Frust in ner halben Stunde ein Kilo Eis auf Einmal wegzulöffeln?

Ich hab gehofft dass du das fragst, denn das ist der Knackpunkt. Nicht die Liebe an sich ist verletzend – und nicht ich als solche verĂ€nder mich in der zwischenmenschlichen Beziehung – sondern du, dein Partner – eure Lebenssituation, eure Ansichten und WĂŒnsche.
„Kind, das ist der Lauf der Dinge“- kommt dir jetzt bekannt vor, von Mama, oder?

Einfaches Beispiel: Stell dir vor, deine Karre ist kaputt, du hast nen Platten, also ne VerĂ€nderung, die ziemlich stört. Wenn du da jetzt natĂŒrlich keinen neuen Reifen drauf packst, fĂ€hrst du zwar noch ein StĂŒck, aber nicht mehr weit. Dann ist aus. Aber die Entscheidung liegt bei dir – zurĂŒcklassen und neues Auto kaufen oder aber altes Auto hegen und pflegen. Genauso ist das auch mit deiner Beziehung – wenn sie auf wahrhaftiger Liebe aufbauen soll, musst du dich konkret fĂŒr mich – also fĂŒr die Liebe – entscheiden! Und dein Partner im besten Fall natĂŒrlich auch…

Solange dir beide also genug Aufmerksamkeit schenken, bleibst du also. Gut. Aber was, wenn meine Liebe gar nicht erst erwidert wird? Wieso kann ich Liebe ĂŒberhaupt fĂŒr jemanden empfinden, der nicht das Gleiche fĂŒhlt?

Danke fĂŒr deine unglaublich typischen Fragen, du Liebeskasper. Woher weißt du denn, dass es Liebe ist, was du da ziemlich einseitig empfindest? Das denken Leute hĂ€ufig.

Weil Sie mich mit der einfachen Kombi aus (sexueller) Anziehungskraft, dem Streben nach gleichen Interessen und vor allem ner dicken Portion Illusion verwechseln. Denk dochmal zurĂŒck an Tim aus der 7. Klasse – heute fragst du dich – ob du wĂ€hrend deiner intensiven Verliebtheitsphase vielleicht doch eher zuviel Robby Bubble hattest.

Im Nachhinein ist immer alles so viel einfacher und klarer. Dann ist es auch nicht mehr so schlimm, dass es mit Tim, Katharina oder Chris nicht geklappt hat. Trotzdem bist du ganz schön kompliziert! Kann ich dich ersetzen? Mit was Einfachem? Sex oder so?

Willst du jetzt ne romantische oder die wissenschaftliche Antwort darauf?

Die romantische bitte.

Also gut. Einen Teil von mir kannst du dir durch Sex sicherlich holen, Zuneigung nĂ€mlich. In diesem Fall dann die Körperliche. Damit kann man sich schonmal ne Zeit ĂŒber Wasser halten. Aber LoyalitĂ€t und Vertrauen – das wird schwierig. Es gibt Menschen, die ziehen das durch, das sind die, die mich nie kennengelernt haben und auch keineswegs Interesse daran haben. Schade, weil eigentlich gehe ich mit Sex Hand in Hand. Klingt das nicht furchtbar sĂŒĂŸ? Die Kombi aus mir und Sex ist großartig. Du solltest keinen von uns beiden ersetzen!

Woran erkenne ich denn den Unterschied zwischen Mr. Right oder Mr. Right Now? Wieso muss ich soviele Tausend Frösche kĂŒssen und andere finden gleich die Prinzessin fĂŒr’s Leben?

Naja, es gibt Leute die kommen mit dieser Pseudo-Liebe von der ich eben gesprochen hab super klar. Bemerken sie als solche gar nicht. Freuen sich daher gleich ĂŒber Mr. Right oder eben die Prinzessin. Da taugt halt das Aussehen vom anderen, beide spielen gern Tennis und wollen beide mit spĂ€testens 33 die dritte Terrasse ausgebaut haben. Passt. Super Interessengemeinschaft von innen, vermeintlich große Liebe von außen. Sowas kann funktionieren. Weil du das, wenn du damit glĂŒcklich bist, nicht in Frage stellst. Da merkst du dann erst kurz vor der Scheidung, dass das nicht Mr. Right war.

Das passiert dir nicht, wenn du ein bisschen ĂŒber mich nachdenkst und weißt, was du da fĂŒr dich selbst erwartest. Und wenn du in der Wartezeit wirklich so viele Frösche kĂŒssen musst, sei dankbar, nicht nur fĂŒr dein starkes Immunsystem sondern auch, weil du dann weißt was du nicht willst bzw. willst. Wie viel das wert ist, erfĂ€hrst du, wenn du mich mal kennenlernst.

Okay. Danke Liebe! Bleibst du noch auf’n Bier?

(Text: Laura Gassner / Foto: Franziska Maxi MĂŒller by jugendfotos.de)
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Über den Autor

Laura Gassner
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