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Leidenschaftlich und unspektakulär

Album-Rezension: „In Our Heads“ von Hot Chip

„In unsere Köpfe“ will sich die Band Hot Chip spielen. Mit spielerischem Synthie-Pop melden sich die fünf Briten zurück. Hauptsache es ist optimistisch und fröhlich, jedoch auch nicht mehr als das. „In Our Heads“ ist tanzbar, doch verpufft danach leider sang- und klanglos wie ein unspektakulärer Discobesuch in der Erinnerung.


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Der Opener „Motion Sickness“ drängt sich erfrischend unangenehm auf. Langsam stoßen klassische Instrumente zu dem Synthiebeat hinzu, der in das Album einleitet, und drücken, was das Zeug hält. Die Zusammenführung futuristischer Klänge und altbekannter Instrumente ist es, die auf dem fünften Album der Gruppe immer wieder begeistert.Mit einem treibenden Bass kündigt sich „How Do You Do?“ an.

In der Strophe noch zurückhaltend, entladen sich Spiel- und Lebensfreude erst im Refrain. Joe Goddard, sowohl Sänger als auch Songwriter der Band, beschreibt die Intention von „In Our Heads“ ganz simpel: „Wir haben versucht, etwas Fröhliches und Lebendiges zu schaffen, und das ist uns gelungen. Manche Leute scheinen positive und fröhliche Musik wohl irgendwie für kitschig zu halten. Mir ist das egal. Ich will mir keine Scheiben von Bands anhören, die ständig ihre Komplexe und Probleme verarbeiten müssen. Sowas interessiert mich nicht.

„Statt sich in den Lyrics in Selbstmitleid zu suhlen, versuchten Joe Goddard und Alexis Taylor lieber,  den optimistischen Sound zu kreieren, den man von Musik erwarten kann. Die erste Single-Auskopplung „Night & Day“ ist einer dieser Tracks, die ganz unvermittelt auf Hot Chips Album auftauchen und in einen ansteckenden, hypnotischen Refrain entführen, der den Zuhörer mit seinen futuristischen Klängen wie ein Raumschiff umgibt.hotchip_text

Das schönste Beispiel für sanftere Töne, die die fünf Musiker aus London auch anschlagen können, ist wohl „Look At Where We Are“. Mit eine Schellenkranz und Alexis Taylors hohen Vocals schlägt die melancholische Ballade ganz andere Töne und einen ganz anderen Rhythmus an.

Der Nachteil eines Albums wie „In Our Heads“ ist leider: Es kann mit drei bis vier guten Songs aufwarten, verpufft jedoch danach in der Musikgeschichte, es wird zweimal angespielt und dann im CD-Regal vergessen. Obwohl es diesen ganz speziellen unverwechselbaren „Hot-Chip-Sound“ inne hat, fällt es schwer, einen richtigen Ohrwurm auf dem Album zu finden, ein Lied, dass man auch nach zehn Jahren noch einmal gerne hören würde.
Somit bleibt die bunte Synthiepop-Mischung nur im Mittelfeld der Musik, was vielleicht auch damit zusammenhängen mag, dass die Songs auf „In Our Heads“ geschrieben wurden, während Alexis und Joe an anderen Projekten arbeiteten. Schade, dass gerade dieses Projekt zwischen Tür und Angel entstand.

(Text: Ronja Heintzsch / Fotos: ADD ON Music, Steve Gullick)


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Über den Autor

Ronja Heintzsch
Ressortleiterin Kultur

Konstruktive Kritik in bitterscharfen Kommentaren üben, die Welt bereisen, auf aktuelle Problematiken hinweisen - all dies sind Gründe, aus denen Ronja beschloss, sich dem Metier Journalismus zu verpflichten. Schließlich gibt es noch einige unaufgedeckte Watergate-Affären in dieser Welt.

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