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Leben wie bei Blatter’s

25. Senf der Woche: Geld regiert die Welt
senf_teaser Bestechen oder bestechen lassen – das ist wohl das einzige Problem, das dem alten und neuen FIFA-Boss Joseph Blatter schlaflose Nächte bereitet. Kritik hagelt von allen Seiten, aber schwingt dabei nicht auch der pure Neid mit? Was würde ich mit so viel Macht und Narrenfreiheit machen? Ein Gedankenspiel.

„König Fußball regiert die Welt“ heißt es in einem alten Schlager. Heute würde es eher so klingen: „König Blatter regiert die Fußball-Welt“. Und  da könnte auch der Kaiser Franz Beckenbauer nichts daran ändern. Wie fest Joseph Blatter in seinem beheizten Ehrensessel sitzt, wurde in der vergangenen Woche wieder mehr als deutlich. Trotz breiter Kritik von allen Seiten, konnte er sich erneut als Chef der FIFA durchsetzen.
Der Schweizer wurde wiedergewählt. Mögliche Gegenkandidaten wurden allerdings bereits frühzeitig aus dem Feld geräumt. Im Prinzip ist jeder in diesem Haufen alter Fußballgreise in irgendwelche Korruptionsskandale verwickelt. Das Problem ist deshalb, dass jeder, der es sich erlaubt auch nur den Ansatz einer Kritik gegen den Gaddafi des Fußballs – Joseph Blatter – zu äußern, wird an den Pfosten der Öffentlichkeit genagelt. Kritik ist strengstens verboten. Es sei denn, sie kommt vom FIFA-Diktator selbst.

Wo bleibt die Rote Karte gegen Blatter und dem ganzen Haufen um sich herum? Wer kann diese Machenschaften stoppen? Will sie überhaupt jemand aufhalten? All diejenigen, die an den wichtigen Entscheidungsposten ausharren sicherlich nicht. Denn auch sie ernten die finanziellen Vorzüge dieses Systems von „Gib-mir-Geld-bekommst-du-WM“.
Wie hat da Franz Beckenbauer eigentlich die Weltmeisterschaft 2010 nach Deutschland holen können? Oder war das womöglich die letzte saubere Entscheidung? 2010 Südafrika, 2014 Brasilien, 2018 Russland und 2022 Katar. Schon Südafrika war höchst umstritten. Spätestens bei einer Weltmeisterschaft in Katar wird klar, dass es den Verantwortlichen weder um Fußballtradition, noch um angemessene klimatische Verhältnisse für eine ordentliche Weltmeisterschaft geht. Wer zahlt, der bekommt!

Ja klar, ich mag jetzt meckern. Ist ja moralisch auch wirklich sehr verwerflich. Andererseits bin ich auch fasziniert und neidisch. Was könnte man nicht alles anstellen mit so viel Macht, Geld und Narrenfreiheit? Eine eigene kleine Welt erschaffen, unantastbare Entscheidungsgewalt – ohne Rücksicht nehmen zu müssen auf Politik, Gesellschaft, Medien.
Aber ich bräuchte eine neue Sportart – die ich selbst aufbaue, ganz groß raus bringe, und damit als Vater des Erfolges unantastbar werde. Eine Randsportart, die ich ganz groß raus bringe? Vor einer Woche gab es in Frankfurt den fünften Treppenlauf – internationaler: SkyRun! 1344 Stufen in 06:29 Minuten. SkyRun: Anstrengung, Schweiß, spektakuläre Gebäude und eine tolle Aussicht im Ziel – das wäre mein neues Steckenpferd.

Ich kaufe mich ein, werde Vorsitzender des Deutschen Treppenlauf Bundes und dann natürlich auch einer neuen internationalen SkyRunOrganisation – kurz: SRO. Alle zwei Jahre gibt es eine große Weltmeisterschaft. In tollen Ländern, die ich schon immer einmal bereisen wollte. MIR wir dann ja sowieso alles bezahlt. Sponsoren sollten sich auch schnell finden lassen. Denn beim SkyRun geht es darum, möglichst schnell, möglichst viele Treppenstufen hinter sich zu lassen. Das ist natürlich verlockend, die Höhe des zu besteigenden Gebäudes Jahr für Jahr zu toppen.

Bisher lassen sich solche Treppenläufe natürlich schlecht vermarkten. Es wurde schlicht falsch aufgezogen. Die Treppenhäuser sind für solche Großveranstaltungen nicht ausgelegt. Kein Platz für Kamerakräne, für Streckenreporter und wo bleibt die Publikumsnähe? Die Fans müssen den Schweiß der Sportler auf der eigenen Wange spüren können, wenn die SkyRunner an ihnen vorbei spurten.
Die Lösung ist ganz klar: Es müssen spezielle SkyRunTürme gebaut werden. Gebäude, die für solche Treppenläufe ausgelegt sind und im Rest des Jahres gerne als Büro genutzt werden können. Aber nicht umgekehrt, wie es im Moment fälschlicherweise abläuft. Große Glastürme mit modernster Ausstattung, um spektakuläre Außenaufnahmen zu ermöglichen.

Die ersten Weltmeisterschaften 2012 werde ich mir nach Australien legen – beziehungsweise die SRO wird das selbstverständlich ganz demokratisch und frei entscheiden – da wollte ich schon lange mal hin! In Sydney direkt vor der Oper, zwei Jahre später auf dem Berg von Machu Picchu in Peru und 2020 wird es den ersten SkyRun auf dem Mond geben.
Klar, große Ziele – aber die muss man sich auch setzen, wenn man zu viel Macht und Geld hat!

(Text: Konrad Welzel / Zeichnung: Christina Koormann)


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Über den Autor

Konrad Welzel
Gründer und Chefredakteur von back view

Konrad hat back view am 06. April 2007 gegründet - damals noch in diesem sozialen Netzwerk StudiVZ. Mittlerweile tobt sich Konrad ganz gerne im Bereich Social Media aus und versteht Menschen ohne ein Facebook-Profil nicht - dafür ist er viel zu neugierig!!!

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