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Freundschaft Plus – oder einfach beste Freunde?

Gibt es die platonische Freundschaft zwischen Mann und Frau?

Glaubt man der Harry-und-Sally-Theorie, so können Mann und Frau keine Freunde sein, weil sie früher oder später sowieso im Bett landen werden. Aber muss eine Sympathie zwischen den Geschlechtern direkt in dieses Verhältnis abrutschen? Oder besteht da nicht noch eine andere Ebene an Vertrauen und Zuneigung?

„Steht er auf dich?”, fragt meine Freundin Rike, während wir in unserem riesigem Teller Nachos mit Hackfleisch herumstochern. Nein, tut er natürlich nicht. Er ist mein bester Freund. Er ist männlich, ich bin weiblich und ja, wir sind befreundet. Nur befreundet. Ganz ohne Freundschaft Plus. Er schreibt mir täglich, er weiß alles über mich und wir fahren zusammen in den Urlaub. Aber da ist trotzdem nicht mehr als Freundschaft – auch, wenn das schwer zu glauben scheint.

Ja klar, mein bester Freund liegt manchmal stundenlang neben mir und ich erzähle aus meinem Leben, meinen unzähligen gescheiterten Beziehungen und meinem Typ Mann, den ich irgendwann mal heiraten werde. Aber das ist ja nichts Ungewöhnliches, das sollte doch ein Teil jeder guten Freundschaft sein.

Freundschaft Plus

Das gibt es nicht!

In der heutigen Zeit, in der sich die Lebenswelten von Männern und Frauen stark überschneiden, sich Geschlechterrollen und Stereotype auflösen, ist die platonische Freundschaft zwischen den Geschlechtern irgendwie normal. Es muss nicht immer Freundschaft Plus sein.

Trotzdem bleiben diese Beziehungen auf Sympathieebene immer unter Verdacht. Haben die wirklich nichts miteinander? Ist da auch wirklich keine sexuelle Beziehung im Spiel, wenn sich die Zwei so nahe sind? Klischees behaupten ja, dass es eine Freundschaft zwischen Mann und Frau nicht gebe, dass es grundsätzlich zu Mehr kommen muss, sobald ein Mann eine Frau nett und auch noch attraktiv findet.

Und ja, manchmal ist es wirklich schwer, eine Grenze zwischen platonischer und echter Liebe zu ziehen. Bleibt nicht unterschwellig immer der kleine Reiz am anderen Geschlecht? Es passiert so schnell. Und was spricht eigentlich gegen Freundschaft Plus? Vieles!

Ein lauer Sommerabend unter Sternenhimmel, ein Glas Wein zu viel, eine ausgelassene Stimmung und schon kann der Freund des anderen Geschlechts plötzlich attraktiver wirken, als er das sollte. So hoch ist das Risiko, dass man einmal nicht nachdenkt und den Dingen ihren Lauf lässt. So kopflos ist die Handlung manchmal, die man am nächsten Tag vielleicht bereuen wird.

Freundschaft Plus?!?

Manche behaupten, dass die meisten Freundschaften zwischen Mann und Frau entstehen, weil Frau damit frühere Enttäuschungen kompensieren möchte, sie von mehr ausging und die Freundschaft von ihr sozusagen als Trostpreis angenommen wird. Angeblich funktioniert eine Symbiose zwischen Mann und Frau auch nur, wenn einer der beiden in festen Händen ist oder sie sich aus einer  schon beendeten Beziehung zwischen den Beiden heraus entwickelt.

In den meisten Fällen hat der eine wohl auch mehr Absichten als der andere. Oft besteht keine Balance zwischen der sich gegenseitig zuwerfenden Zuneigung. Oder aber der Mann lässt sich, wie in der Evolution eben vorgesehen, von seinen Trieben leiten, um vorsätzlich für genügend Nachkommen zu sorgen. Und Kinder entstehen nun mal nicht aus einer reinen Freundschaft heraus.

Ein Mann ist doch auch nur ein Freund

Aber – einer Freundschaft zwischen Mann und Frau entsteht wie jede andere Freundschaft auch. Man verbringt Zeit miteinander, lernt sich kennen und findet eine gemeinsame Basis. Mit der Zeit vertraut man sich immer mehr an, teilt mehr Lebensdinge miteinander und versucht, Kontakt zu halten. Man erkundigt sich nach dem allgemeinen Wohlbefinden, fragt nach Details und Nebensächlichkeiten.

Irgendwann hat man das Gefühl, dass der Andere einem mit Rat und Tat zur Seite steht, dass man ihn in Entscheidungen miteinbeziehen möchte und, dass man Glück und Leid mit ihm teilen kann. Irgendwann gehört der Freund einfach dazu. Warum also sollte genau diese Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau nicht möglich sein? Sind wir alle geschlechtsgelenkte Wesen, die sich bei geringstem Anflug von Attraktivität nicht mehr zurückhalten können? Sind wir ferngesteuert immer auf der Suche nach Bestätigung, Aufmerksamkeit und körperlicher Nähe?

Ist diese eine Anziehungskraft direkt ausschlaggebend dafür, dass eine Freundschaft nicht funktionieren kann oder liegt hier nicht der besondere Reiz, sich mit einer attraktiven Person des anderen Geschlechts zu umgeben? Oder haben wir nicht auch manchmal Angst, ein schon bestehendes Vertrauensverhältnis durch Sex kaputt zu machen? Lässt das Prickeln nicht eh irgendwann nach, wenn man sich in- und auswendig kennt?

Ich mag ihn sehr – mehr auch nicht

Eine Attraktivität muss nicht zwangsläufig zu einer gegenseitigen Anziehung führen. Auch wenn es vielleicht selten vorkommen mag, gibt es doch Männer und Frauen, mit denen man sich gerne umgibt, die nicht direkt als „potenzieller Partner” gehandhabt werden. Der Zauber einer Freundschaft kann nicht vom Geschlecht ausgemacht werden.

Vielmehr benötigt Freundschaft doch Sympathie, eine große Portion Verständnis, eine ähnliche Sicht aufs Leben oder aber genügend Reibung bei Themen, die für Diskussionsstoff sorgen. Ein guter Freund ist einer, der einen kennt und trotzdem mag, heißt es. Und das kann doch auch eine Person anderen Geschlechts sein.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass mein bester Freund nicht auf mich steht. Ich bin nicht sein Typ Frau, er ist nicht mein Typ Mann – und selbst wenn, verbindet uns eher eine Beziehung, wie sie bei Bruder und Schwester der Fall ist. Eine Freundschaft zwischen Mann und Frau ist also möglich. Auch ohne Freundschaft Plus. Und auch, wenn das bei Harry und Sally irgendwie nicht geklappt hat und auch, wenn meine Freundin Rike mir nie glauben wird, dass mein bester Freund eben nicht auf mich steht.

(Text: Christina Hubmann / Foto: Lina Mardo by jugendfotos.de)

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Kommentare (1)

  • Manuela Kirchschlager

    Wir waren 10 jahren ein paar seit 5 jahten getrennt wegen. Missverstaehnisse er hat seit 3 jahren eine neue und kommt immer zu mir und zu nittem um sex zu haben und liebt seine traumfrau welche freundschaft nennt man sowas

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Über den Autor

Christina Hubmann
Redakteurin

Christina Hubmann wollte eigentlich mal Busfahrer werden, ehe sie sich entschloss, doch "irgendwas mit Medien" zu machen. Schreiben tut sie nämlich schon immer gern. Und wie das Leben ohne dieses Internet funktioniert hat, fragt sie sich schon seit Längerem - erfolglos.

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