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Kinderbuch für Erwachsene

Eine Kurzgeschichte zur Weihnachtszeit

Es war in der Weihnachtszeit, es war windig und kalt – für die nächsten Tage war Schnee vorhergesagt worden. Auf einer verlassenen Straße hinter den Wäldern schmückte Familie Steinhof ihren Weihnachtsbaum. Mit Lichtern, Kugeln und Lametta.

Als am Abend die Kinder ins Bett gingen, fingen Herr und Frau Steinhof an zu streiten.
„Du weißt ganz genau das ich Weihnachten hasse!“ sagte Herr Steinhof.
Seine Frau sagte: „Ja, aber die Kinder die brauchen doch Weihnachten, an irgendwas müssen sie doch glauben!“
„Aber nicht an so ein Fest bei dem es nur um Geschenke und Weihnachtsdekoration geht. Ich bin es leid. Damit ist jetzt ein für alle mal Schluss!“
Herr Steinhof stand auf und riss die Lichterkette vom Wohnzimmerfenster.
Seine Frau versuchte ihn davon abzuhalten – doch …. es gelang ihr nicht.

Kurzgeschichte Weihnachten

Herr Steinhof war nicht aufzuhalten. Er nahm den Adventskranz, die Kerzen und ja auch das Rehntier und warf es hinaus. Dann ging er zum Weihnachtsbaum, der große Grüne mit goldenem Lametta, bunten Lichtern und roten Kugeln. Frau Steinhof schrie: „Hans bitte hör doch auf, den haben die Kinder sich so sehr gewünscht!“

Doch alles bitten und betteln war zwecklos. Herr Steinhof nahm den Baum und schmiss ihn auf die Straße. Etliche Kugeln zerbrachen, doch eine fiel vom Ast herunter und kullerte die Straße entlang.

Sie wurde immer schneller, die rote Kugel, die im Licht der Laterne funkelte.

Am Ende der Straße begann die Stadt. Der Wind hatte die Kugel immer weiter vorangetrieben bis sie an einer Straßenkreuzung am Gulli stecken blieb.

Am nächsten Morgen liefen die beiden Kinder Silke und Mike zu ihrer Bushaltestelle am Ende der Straße. Sie sahen sehr traurig aus und Silke sagte zu Mike: “ Das kann er doch nicht machen, Weihnachten einfach so aus dem Haus werfen.“ Mike entgegnete: “Was können wir denn dafür, dass er so ein verbitterter Mensch ist, der Weihnachten hasst! Nur weil er es hasst, müssen wir es nicht auch hassen!“

Als der Bus kam hatten sich Mike und Silke wieder beruhigt, denn für sie war klar, sie glauben an Weihnachten und das lassen sie sich auch nicht nehmen.

Etwa eine halbe Stunde später an der anderen Seite der Kreuzung war Memmet gerade auf dem Weg in die Grundschule. Er wollte gerade bei Grün über die Straße gehen, da sah er im letzten Moment die rote Kugel, die am Gulli lag. Memmet hob sie auf und ging über die Straße.

Auf der anderen Seite angekommen blieb Memmet einen Moment lang stehen um sich die Kugel genauer anzusehen. Er fand sie wunderschön, rot war seine Lieblingsfarbe und dies muss ein Zeichen von Alah gewesen sein.
Mit guter Laune und seiner roten Kugel lief Memmet weiter zur Schule. Dort erzählte Memmet seiner Lehrerin Frau Birko stolz von seiner neuen Errungenschaft.
Frau Birko erklärte ihm, dass die rote Kugel schmuck für einen Weihnachtsbaum sei und das die Christen an Weihnachten einen Tannenbaum damit schmücken. Memmet war begeistert. Die Vorstellung von einem riesengroßen Baum in der wohnung mit Lichtern und roten Kugeln brachte Memmet zum strahlen.

Als Memmet nach der Schule zu Hause ankam sagte er zu seinen Eltern: „Wir brauchen einen Tannenbaum!“ Seine Mutter Isa fragte ihn, wie er darauf kommt. Memmet erzählte von seinem Fund am Morgen und das es ein Zeichen von Alah war und von seinem Gespräch mit Frau Birko.

Seine Mutter Isa hörte ihm geduldig zu und erklärte Memet, dass der Weihnachtsbaum nicht zu ihrer Religion, dem Islam gehöre. Doch Memet war klever. „Ja aber das können wir doch ändern!“ Isa blickte zu ihrem Mann. Sein Blick war finster. Er sah Memet mit bösem Blick an und sagte: “Du hast kein Zeichen von Alah bekommen. Alah würde niemals wollen das wir ihm untreu werden! Es gibt keinen Weihnachtsbaum und in diesem Haus wird auch kein Weihnachten gefeiert! Hast du mich verstanden Memet?“

Memet nickte und lief weinend in sein Zimmer. Er holte die rote Kugel aus seiner Tasche und sah in sie hinein. Als er merkte das sich sein Gesicht darin spiegelte, wischte er sich die Tränen weg und sprach zu sich: Jetzt bin ich noch klein aber wenn ich groß bin, werde ich einen Weihnachtsbaum haben und die rote Kugel wird das erste sein, was ich daran aufhänge.

Memet nahm die rote Kugel und versteckte sie in einer Kiste unter seinem Bett.

Viele Jahre sind vergangen. Memet ist inzwischen selbst Vater geworden, von einem kleinen Mädchen.

Und jedes Jahr zur Weihnachtszeit kauft Memet einen Weihnachtbaum und stellt ihn ins Wohnzimmer. Und wie jedes Jahr hängt er zu allererst die rote Kugel an den Baum.

Memet weiß das er Recht hatte. Es war ein Zeichen von Alah und vielleicht auch von Gott, um den Hass zwischen den Menschen zu beenden und das schöne zu sehen.

So sah Memet die rote Kugel als Zeichen seines Glaubens und Alah wacht weiterhin über ihm und seiner Familie!

- So einfach kann Integration sein, wenn man nur hinsieht, hinhört und aufmerksam ist. -

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