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Die Kulturgeschichte des Brotes

Von Bauern, BĂ€ckern, BĂŒrgern

Vom FrĂŒhstĂŒck bis zum Abendbrot, es ist unser tĂ€gliches Brot. Jeder Deutsche verzehrt im Schnitt bis zu 80 Kilogramm davon im Jahr. Aber bis dahin ist es eine lange Geschichte. Das Museum der Brotkultur zu Ulm hat den Tisch gedeckt und lĂ€dt ein, diese Geschichte zu erleben.

Wes Brot ich ess

Am Anfang stand der Hunger, als der Ulmer Unternehmer Willy Eiselen zusammen mit seinem Sohn Hermann Eiselen 1955 den Grundstein fĂŒr das „Museum der Brotkultur“ in ihrer Heimatstadt legte. Aus der eigenen Erfahrung des Hungers und des Mangels der Nachkriegszeit war und ist es bis heute das Anliegen dieses Museums die Bedeutung des Brotes fĂŒr die Entwicklung der Menschheit aufzuzeigen.

„Unser tĂ€gliches Brot gib uns heute“, beten Christen weltweit. Ob damit Baguettes, Sandwiches, Toast, Bocadillos oder vielleicht russische Butterbrotti oder aber Pita gemeint ist, das ist schwierig zu sagen. Das Brot ist weltweit zuhause.

RundstĂŒcke, Schrippen, Wecken oder schlicht Brötchen, Deutschland ist die Kornkammer der Brotkultur. Jede Region, jeder Dialekt hat seine eigene Bezeichnung dafĂŒr. Aber egal wie man es auch dreht und wendet, knetet und backt, die Grundzutaten sind stets die selben geblieben; Mehl, Wasser, Salz und Hefe. Dabei stimmt sogar der bayerische Wahlspruch: “Das Reinheitsgebot unser flĂŒssiges Brot.“ Bereits die alten Sumerer verfassten eine Bierhymne an die Göttin des Bieres Nimkasi, in der sie erlĂ€uterten, wie man aus gebackenen flĂŒssiges Brot machen konnte.

Brot Weihnachten




Brot ist Kult

Aber Brot ist mehr als einfach nur eine köstliche vielseitige Mahlzeit, Brot ist schlicht Kult. Jeder jĂŒdische Sabbat wird von der Segnung des Challah, des Sabbatbrotes begleitet. Diese Tradition findet sich auch im christlichen Abendmahl wieder. Der Laib steht hier sinnbildlich fĂŒr den Tod und die Wiederauferstehung Jesu Christi. Bis heute werden sowohl das spezielle Pesachbrot Matze und die christliche Hostie aus ungesĂ€uerten Teig hergestellt.

Bereits im alten Ägypten wurde dem Saatkorn eine besondere Ehre zuteil. In GrabmĂ€lern wurden sogenannte Kornmumien als Grabbeigaben gefunden. Diese einbalsamierten Saatpflanzen dienten als Opfer an Osiris, den Gott der Unterwelt und der Wiedergeburt. Sinnbildlich einer Saat die erst begraben werden muss, um FrĂŒchte hervorzubringen, steht die Kornmumie fĂŒr die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod.

Lange Zeit war das Brot das Hauptnahrungsmittel eines Großteils der Bevölkerung. In vielen Teilen der Welt gilt dies bis heute. Brot stillt den Hunger und steht als solches fĂŒr das Leben. „Panem et Circenses“ (Brot und Spiele) das heißt die kostenlose Versorgung der römischen BĂŒrger mit Brot und Unterhaltung in Form von Spielen waren daher wichtige SĂ€ulen fĂŒr den Machterhalt und die StabilitĂ€t des römischen Reiches.

Reiche Ernten standen fĂŒr den Segen der Götter. Es war die Aufgabe der Herrscher, dieses göttliche Wohlwollen zu sichern. Selbst der mĂ€chtige chinesische Kaiser musste jedes Jahr aufs Neue sein „Mandat des Himmels“ verlĂ€ngern um seine Herrschaft zu legitimieren. Gelang es dem Kaiser nicht dieses Wohlwollen zu sichern. Kam es zu Hungernöten, galt dies stets als Zeichen fĂŒr das Ende des Mandats und den Beginn einer neuen Herrschaftsepoche.
Missernten wurden dabei immer als eine göttliche Strafe fĂŒr ein sĂŒndiges und lasterhaftes Leben gesehen. Nicht umsonst fĂ€llt die Zeit der Hexenverfolgungen in eine Epoche von Missernten aufgrund der bezeichnenden kleinen Eiszeit zwischen 1630 und 1715. Ebenso ist es wohl kaum verwunderlich, dass das Geburtsjahr des Monsters Frankenstein auf das „Jahr ohne Sommer“ 1816 fĂ€llt.

Not macht erfinderisch, stets war der Hunger eine treibende Kraft der Geschichte. Ausschlaggebend fĂŒr den Sturm auf die Bastille und damit den Ausbruch der französischen Revolution waren vor allem die hohen Brotpreise aufgrund von Missernten und Hungernöten. Es ist noch nicht so lange her, da kostete ein Brot ĂŒber 105 Milliarden Reichsmark, wenn es denn auf Lebensmittelmarken zu bekommen war.

„Der Hunger ist das schwerste Hindernis fĂŒr die demokratische Entwicklung Deutschlands“,

konstatierte der spÀtere Bundeskanzler Konrad Adenauer kurz nach Kriegsende 1946.

Waren zu dieser Zeit noch etwa 60 Prozent in der Landwirtschaft tĂ€tig, ermöglichte die „GrĂŒne Revolution“ dank moderner Maschinen und verbesserter Anbautechniken unglaubliches. Heute arbeiten nur noch etwa 1,3 Prozent der ErwerbstĂ€tigen in der Landwirtschaft. Ein Landwirt kann heute im Vergleich zu frĂŒher etwa 143 Menschen ernĂ€hren. Es scheint, betrachtet man die vollen Supermarktregale, als gebe es genug zu essen, aber sind wir wirklich satt?




Brot Weihnachten

Tischlein deck dich

An Weihnachten feiern die Menschen die Geburt Jesu Christi im Haus des Brotes, wie die hebrĂ€ische Übersetzung Bethlehems lautet. Jede Sekunde wĂ€chst die Weltbevölkerung um zwei neue ErdenbĂŒrger und mit ihr der Hunger. Blickt man auf die reiche Weihnachtstafel und bedenkt man die Ressourcen, die hierfĂŒr verbraucht wurden, so kann es einem schwer im Magen liegen.

Einst wurde Marie Antoinette als Antwort auf die Proteste der hungernden Bevölkerung in den Mund gelegt: „Wenn sie kein Brot haben, sollen sie doch Kuchen essen.“
Daran hat sich bis heute viel Wahrheit erhalten. Mittlerweile ĂŒbersteigt die Anzahl der Übergewichtigen die der UnternĂ€hrten. WĂ€hrend im einen Teil Überproduktion und Lebensmittelverschwendung vorherrschen, nagen die Menschen im anderen Teil am Hungertuch.

Das Museum der Brotkultur in Ulm möchte nicht nur informieren sondern auch zum Umdenken und Mitmachen einladen. Daher fördert die zugehörige Eiselen-Stiftung Forschungsprojekte die sich der Verbesserung der ErnÀhrungslage weltweit befassen. (http://www.eiselen-stiftung.de/index.php)

Noch immer ist die Welt in eine Welt des Überfluss und eine Welt des Mangels aufgeteilt. Sie ist NĂ€hrboden fĂŒr Hass, Missgunst und Gewalt. Aber Essen ist natĂŒrlich, es ist menschlich, es verbindet Menschen.

„Ich habe einen Traum, das eines Tages die Söhne von Sklaven und Sklavenhaltern gemeinsam am Tisch der BrĂŒderlichkeit sitzen können“,

davon trĂ€umte einst der BĂŒrgerrechtler Martin Luther King. Weihnachten ist die Zeit der gemeinsamen Weihnachtsessen. Brechen wir also das Brot fĂŒreinander, schenken uns Zeit, Respekt und Zusammenhalt. „Auf dieser Welt ist Patz genug fĂŒr jeden, und Mutter Erde ist reich genug, um jeden von uns satt zu machen“, mahnte einst Charlie Chaplin in seiner Rede an die Menschheit. Oder um es mit Bernd dem Brot zu sagen; „ Alle zusammen tanzt das Brot, wir sitzen doch alle im selben Boot.“

Wer nun Hunger auf mehr ĂŒber die Geschichte des Brotes bekommen hat, dem sei eine Reise nach Ulm empfohlen. Im Museum der Brotkultur ist dieser Hunger tĂ€glich Brot.
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Über den Autor

Stephan Raab

Stephan Raab interessiert sich fĂŒr Warum und die Welt: Seit 2014 gehe ich fĂŒr backview.eu scheinbar alltĂ€glichen Dingen auf den Grund, betrachte warum manches so ist wie es ist. Wenn ich nicht gerade an einer neuen Idee fĂŒr einen Artikel sitze, beschĂ€ftige ich mich gerne mit Fotographie oder Fremdsprachen oder widme mich meinen Politikstudium.

Anzahl der Artikel : 38

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