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Kultur / Film & Fernsehen 07.01.10

Das perfekte Entertainment

Text: Melanie Nees

tv_kolumne_teaserTV-Kolumne Teil 9 - Das perfekte Dinner
Fünf Tage, fünf interessante Kandidaten und ein nerviger Kommentator - "Das perfekte Dinner" auf Vox ist die Feierabendalternative zu Daily Soaps oder Galileo. Und erfüllt dabei nicht die Klischees von Kochsendungen à la Mälzer und Co. Das Konzept : Gastgeber, Gäste, Essen und 5000 Euro Gewinn. Einfach - aber erfolgreich.

 


Als Aperitif wird das Tagesmenü des aktuellen Gastgebers vorgestellt und von den Gästen kommentiert, als Vorspeise wird der Gastgeber beim Einkaufen und Vorbereiten gefilmt, als Hauptgang wird fertig gekocht, gegessen und in der Wohnung des Gastgebers herumgeschnüffelt und als Dessert gibt es die Bewertung des Dinners.

Wie es sich gehört fangen wir mit dem Aperitif an. Jeden Tag ist ein anderer der fünf Kandidaten Gastgeber und hat sich ein Menü mit drei Gängen und passendem Titel ausgedacht. Dieses wird dann zu Beginn der Sendung den Gästen vorgestellt, die meistens einzeln versuchen manch mysteriöse Namen der Speisen aufzudecken und über das Verhalten oder die Deko des Gastgebers spekulieren. Sofern es sich nicht um den ersten Gastgeber der Woche handelt fließen da gerne mal erste Eindrücke oder Vorurteile über den jeweiligen Kandidaten mit ein, die auch mal in Lästereien ausarten können. Im Laufe der Woche haben sich manchmal schon Verbündete gefunden, die sich dann munter zu zweit über das geplante Menü und den Gastgeber auslassen. Fällt den übrigen Kandidaten dazu nichts mehr ein, ist der Gastgeber dran und wird von einer Kamera beim Einkaufen verfolgt. Ist das erledigt, geht's in den wichtigsten Raum des Tages - die Küche. Weil die Vorbereitungen nicht ganz so spannend sind und der Kandidat nicht die ganze Zeit Selbstgespräche führen will, kommt ihm ein Kommentator zu Hilfe.

Während der Gastgeber sich in der Küche abmüht, macht der Hintergrundsprecher zum Teil fast fiese Sprüche und stellt blöde Zwischenfragen auf Dieter Bohlen Niveau. So etwas ist man sonst nur von Castingshows gewohnt, in denen ein paar untalentierte Teilnehmer mit gezielten Sprüchen als totale Witzfiguren dargestellt werden. Aber relativ simples gegeneinander Kochen hatte man schon in den Neunzigern bei "Kochduell". Heutzutage wird Entertainment nicht nur in Großbuchstaben, sondern auch noch dickgedruckt geschrieben. Da gehören solche Sprüche leider dazu. Es gibt aber auch Kandidaten, die solche Sprüche nicht benötigen, damit mit ihnen die Sendung unterhaltsam wird. Bei ihnen wären auch Selbstgespräche sehr amüsant, was mit ihrer sehr individuellen Art zu erklären ist.

Der Kommentator gibt aber auch dann noch keine Ruhe, wenn es an der Tür klingelt und die Gäste auf der Matte stehen. Der oft nervöse Gastgeber nimmt sie in Empfang und fängt mit dem Aperitif an sein geplantes Abendprogramm durchzuführen. Danach geht es wieder vom Hintergrundsprecher begleitet in die Küche, um die Vorspeise fertig zu stellen. Steht das Essen dann auf dem Tisch, gibt es manche Gäste, die gleich loskommentieren und andere, bei denen ein noch halb gefüllter oder komplett leer geputzter Teller schon Bände sprechen. Während dem Essen und kurz danach werden Kommentare der Gäste zwischengeschaltet, die sich in anderen Zimmern ungestört über das Gegessene und dessen Aufmachung auslassen können. Hier kommen auch diejenigen zu Wort, die lieber in die Kamera lästern, als ihre Meinung direkt am Tisch zu sagen.

Wie lange die Gäste nach ihren Kommentaren zwischen den einzelnen Gängen warten müssen, kann man schwer sagen. Eine viertel Stunde, eine Stunde, drei Stunden? Alles möglich. Während der Gastgeber wieder in der Küche steht, geht es nämlich erst so richtig los. Einige Gäste beginnen die Wohnung zu durchsuchen. Hier wird auch gerne mal getestet, ob das Bett quietscht oder herausgefunden, wie der zum Teil sehr private Kleiderschrank von innen aussieht. Es gibt aber auch Gäste von der weniger dreisten Sorte, die schön am Tisch sitzen bleiben und sich über ihre neugierigen Mitstreiter unterhalten. Dass alle am Tisch sitzen bleiben, ist allerdings äußerst unwahrscheinlich. Warum nicht die Chance nutzen, müssen sich die meisten denken, angesichts der Tatsache, dass sich die Wohnungsinspektion schon zu einem festen Bestandteil der Sendung gemausert hat.

Der restliche Verlauf des Dinners läuft nach dem gleichen Muster ab. Manchmal gibt es aber auch Zwischenereignisse, die noch kein fester Bestandteil der Sendung sind. Das hängt ganz davon ab, wie sehr die Kandidaten davon profitieren wollen, dass sie im Fernsehen sind und ob sie sich für talentiert halten - was nicht heißt, dass sie es sind. So kommt es manchmal vor, dass der Gastgeber zwischen den Gängen oder auch zum "krönenden Abschluss" sein Gesangstalent oder ähnliches vor den Gästen unter Beweis stellt. Da Gastauftritte von Dieter Bohlen wahrscheinlich zu teuer sind, ist auch hier wieder der Hintergrundsprecher zur Stelle. Ist das alles erledigt, wird der Gastgeber dazu genötigt seine Leistung einzuschätzen und sich selbst zu bewerten, was auch gut einmal daneben gehen kann. Dann haben die Gäste das Wort. Das Gesamtwerk Dinner wird noch einmal kommentiert und dann mit Punkten zwischen eins und zehn versehen.

Das i-Pünktchen für das Wort Entertainment liefern hier des Öfteren Kandidaten, die immer etwas am Essen der anderen auszusetzen haben, dies und jenes nicht essen, dann eine ordentlich niedrige Bewertung abgeben und am Ende der Woche als Sieger hervorgehen. Der intrigante oder auch einfach verdiente Sieger wird immer in der letzten Sendung der Woche gekrönt, je nachdem, wer die höchste Punktzahl erreicht hat.

Was allabendliche Quoten angeht ist "Das perfekte Dinner" nicht der strahlende Sieger, aber was Entertainment angeht müssen wohl oder übel 10 Punkte vergeben werden.


(Text: Melanie Nees / Foto: Miriam Oddy Ihana by jugendfotos.de)

 

Kommentare

avatar Julia
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Kleine Anmerkung: Den "Hintergrundspre cher" nennt man "Voice Over" (-Stimme). Das klingt auch deutlich besser, oder? :-) Und ich finde sie eigentlich sehr unterhaltsam, diese Voice Over - Stimme. Ironie hat noch nie geschadet!
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