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Wieso Paris?

Ein Kommentar gegen die Angst vor Terrorismus

Menschen stellten sich am 13. November dieses Jahres in Paris tot, fl√ľchteten in abgeschlossene R√§ume ‚Äď starben. Und auch mich k√∂nnte es treffen. Angst habe ich deswegen nicht unbedingt.

Europas Bev√∂lkerung ist gro√üen Herausforderungen ausgesetzt. Die eigene Sicherheit und unser Lebensstandard werden angegriffen. Wir alle werden in Frage gestellt. Und das nicht ohne Grund. Es k√∂nnte auch gesagt werden, dass uns die eigene Geschichte eingeholt hat. Kolonialismus und Missionen auf unterschiedlichsten Flecken der Erde, √ľber Indien bis hin zur heutigen USA, pr√§gten die Lebensbedingungen von Nicht-Europ√§erinnen und Nicht-Europ√§ern in den letzten Jahrhunderten. Heute klopfen sie an unsere T√ľr. Oder schie√üen uns den Kopf weg. Die Zeiten haben sich ge√§ndert und das vom Westen eingeholte Recht, sich alles zum Untertan zu machen, ist l√§ngst nicht mehr das √∂ffentlich best√§tigte Credo der westlichen Politik.

Angst vor Terrorismus
Das Los der Menschenrechte

Seit Rassismus nicht mehr salonf√§hig ist, wird jedem das gleiche Recht zugestanden. Doch die Realit√§t kommt dieser Forderung nicht immer nach ‚Äď nicht jeder darf leben, wo er will. Papiere wie Asylbescheid oder Reisepass entscheiden, wo sich Menschen aufhalten k√∂nnen oder nicht. Damit wird in unseren Staaten wie Deutschland entlarvt, dass das Thema Menschenrechte an sich au√üer jeder Kritik steht, in der Praxis aber auch in EU-Staaten die Freiheit und W√ľrde jedes Einzelnen zurzeit nicht gew√§hrleistet werden kann. Mit den Menschenrechten wurde ein hohes Ziel gesetzt. Daher ist es unm√∂glich, dass sie von einem Tag auf den anderen √ľberall gelten. Doch wenn in den USA heute noch unbewaffnete, schwarze Menschen mutwillig von Polizisten erschossen werden, dann stellt sich die Frage, was die von Barack Obama entsendeten Elitesoldaten, weniger als f√ľnfzig an der Zahl, den Menschen in Syrien erz√§hlen sollen. Und welche beratende Funktion sie erf√ľllen, die von der US-Regierung betont wurde.

Auf dem Papier haben Menschen eingesehen, dass Ethnie und Religion nicht die Liebensw√ľrdigkeit und Achtung von Anderen bestimmen. In unseren Verfassungen wird den Menschenrechten gehuldigt und Demokratien bieten ansatzweise Chancengleichheit. Die Unterdr√ľckung hat nachgelassen, heute darf nach international anerkanntem Recht jeder frei seine Religion aus√ľben und viele Ex-Kolonialstaaten werden nun Entwicklungsl√§nder oder Schwellenl√§nder genannt. Ehemals unterdr√ľckte Menschen haben trotz allem Freiheit erlangt und sind mit Selbstbestimmung konfrontiert. Doch ihre Identit√§t ist manchmal l√§ngst verloren.

Das Erfolgsgeheimnis von Terrororganisationen

Gerade deswegen erhalten Gruppierungen wie der IS regen Zulauf. Dort gibt es Identit√§t. Dort ist jeder wer und hat eine Mission. Gott bekommt wieder einmal die Aufgabe, Lebenssinn zu geben und gl√§nzt in neuer Attraktivit√§t. Radikale Organisationen haben allerdings nicht nur Gott im Angebot, sondern auch ein Gegenmodell zu unserer Welteinstellung. Der westliche Lebensstil ist multikulturell und liberal ausgerichtet. Die Liberalit√§t zeigt sich zum Beispiel in der Wirtschaft und Darstellungsformen jeglicher Art, von Kleidung bis Medien: Wer sch√∂n ist und Geld hat, darf das zeigen und seine Potentiale investieren. So landen leicht bekleidete Frauen und M√§nner auf Seiten von Magazinen und jegliche Gesch√§ftsidee darf sich ausprobieren. Auch unser Geburtsort und unsere Vergangenheit stellen im Ideal keine Grenzen dar. So stehen sich Pers√∂nlichkeiten aus unterschiedlichsten Kulturkreisen gegen√ľber.

Das Leben mit verschiedenen Kulturen kann bereichernd, aber auch furchteinfl√∂√üend sein. Gerade wenn Selbstbewusstsein und Stolz auf die eigene Kultur nicht gegeben sind, ist andersartige Kultur irritierend. Das soll kein Pl√§doyer f√ľr extremen Nationalismus sein, sondern vielmehr folgendes verdeutlichen: Wenn ich wei√ü, wer ich bin, kann ich auch anderen respektvoll und offen gegen√ľbertreten. Nur haben wir manchmal keinen Schimmer davon, wer wir sind und wer wir sein wollen. In diesen empfindlichen Momenten k√∂nnen Orientierungsschilder Sicherheit geben. Nur sollten wir auch bedenken, wohin diese Schilder f√ľhren.

Wenn mir jemals einer die Kugel durch den Kopf schießt, weil ich nicht an seinen Gott glaube, dann werde ich genauso um mein Leben schreien wie du. Aber ich werde ihn verstehen.

(Text: Anna Luther / Foto: Vanilla Thunder by jugendfotos.de)
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√úber den Autor

Anna Luther

Anna Luther schreibt seit Februar 2015 bei backview.eu und interessiert sich f√ľr gesellschaftliche, kulturelle und politische Thematiken. Sie studiert in Wien Publizistik- und Kommunikationswissenschaft und Philosophie.

Anzahl der Artikel : 38

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