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„Nach 13 Jahren hatte ich Hummeln im Hintern“

Interview mit Kaya Yanar

Kaya Yanar ist noch bis Ende des Jahres auf gro√üer Deutschlandtournee. Gerade lief mit gro√üem Erfolg¬†sein Live-Programm „Made in Germany!“ im TV. F√ľr back view hat er Zeit gefunden, √ľber die m√§nnlichen Hodens√§cke, was er an Frauen so anziehend findet und die Konsequenzen von Baf√∂g zu sprechen.

back view: Sie beschreiben Ihre Geburt als „ziemlich traumatisch“ –¬† warum k√∂nnen Sie sich daran √ľberhaupt noch erinnern?
Kaya Yanar: Naja, man liegt im Mutterbauch. Wird gen√§hrt, h√∂rt das stetige und sicherheitsgebende Herzschlagen der Mutter, es ist warm, einfach fantastisch! Und dann ZACK! Man sp√ľrt die kalte Luft, irgend so’n maskierter Penner haut Dir auf den Arsch, es ist schei√ü-grell und man ist nur am Schreien. Wer wird davon nicht traumatisiert? Ich kann mich daran erinnern, weil sich seitdem nicht viel an meinem Leben ge√§ndert hat.

Hatten Sie in Ihrer Kindheit Probleme aufgrund Ihrer Herkunft?
N√∂, im Gegenteil. Ich hatte wohl das Gl√ľck, dass ich immer als Exot wahrgenommen wurde und das im positiven Sinne, vor allem bei den Frauen.
Also war es sogar ein Vorteil ein T√ľrke zu sein?
Es war zumindest nie ein Nachteil.

Ihre Comedy beruht stark auf der Wahrnehmung von kulturellen Unterschieden und dem Spiel damit. Wie muss man sich Ihren 14. Geburtstag vorstellen? Wer brachte die besseren Geschenke mit – die deutschen oder die t√ľrkischen Kinder?
Es gab zu meinem 14. keine Geschenke, ich hatte da eine Anarcho-Phase und habe gegen alles rebelliert, wie man das in dem Alter halt so macht.

Wollen Sie Ihre Kinder auch mal „Arschkopf“ nennen? Wie kam es √ľberhaupt zu diesem Ausdruck?
Da gibt’s noch viel bessere! Das lag daran, dass mein Vater nicht perfekt Deutsch konnte und √∂fter mal Beleidigungen erfunden hatte, unfreiwillig. Die fand ich meistens lustig. F√ľr meine Kids werde ich mir schon was (f√ľr mich) Lustiges einfallen lassen.

Wie sind Ihre Erinnerungen an Ihre Studienzeit?
Eher langweilig. Die M√§dels konnte ich besser woanders aufrei√üen, und nach 13 Jahren Schulbankdr√ľcken, hatte ich Hummeln im Hintern und wollte Action. Die habe ich dann auch gefunden.

Hatten Sie ein bestimmtes Ziel, dass Sie mit Ihrem Studium erreichen wollten?
N√∂, war ein reines Interessenstudium. So viel Sinnvolles kann man ja nicht studieren. 80 Prozent meiner damaligen Klassenkameraden studierten Jura oder BWL, der Rest zahlt heute sein Baf√∂g mit der Arbeitslosenrente zur√ľck.

Warum haben Sie Ihr Studium geschmissen und was hat Ihr Vater dazu gesagt?
Ich habe schnell entdeckt, dass mir das K√ľnstlerdasein besser gef√§llt. Und als ich den Was Guckst Du?!-Vertrag in der Tasche hatte, habe ich mich exkomm… er… exmatrikuliert. Meinem Vater habe ich das dann zeitgleich zum Start meiner TV-Pr√§senz gebeichtet. Mit den ersten Lachern hat er mir dann verziehen.

ImageSie haben während Ihres Studiums viele Nebenjobs gehabt. Was zählt zu den unvergesslichen Erfahrungen daraus?
Der beste Job war der des Nachtw√§chters an der Frankfurter Messe! Ich hatte eine 12h-Schicht, meistens einen netten Kollegen und wir zwei sollten nachts in aller Ruhe das Gel√§nde „sichern“, bewaffnet mit einer Taschenlampe! Ich denke, bei einem ernsten Einbruch, h√§tten wir uns wahrscheinlich selbst gesichert und h√§tten uns aus dem Staub gemacht. Ich meine, das Messegel√§nde ist riesig und was h√§tten da zwei Studentenk√∂ppe gro√üartig ausrichten k√∂nnen? Die Taschenlampe entgegen werfen? Oder sie benutzen um aus unserer Magisterarbeit vorzulesen, damit wir sie so h√§tten einschl√§fern k√∂nnen? Jedenfalls war der Job deswegen klasse, weil ich keinen Chef hatte. Ich hatte schon von jeher Probleme mit Autorit√§t und ich wollte bei der Arbeit am liebsten in Ruhe gelassen werden. Mit meinem damaligen Studienkollegen haben wir Gameboy oder Schach gespielt, das war sehr kurzweilig.

Warum können deutsche Frauen nicht witzig sein?
K√∂nnen Sie schon, Anke Engelke ist doch ein hervorragendes Beispiel daf√ľr. Von ihr bin ich absolut fasziniert. Aber viele „Comediennes“ machen, meiner bescheidenen Meinung nach, den Fehler, dass sie oft br√ľllen. Schauen Sie sich mal um, die meisten Frauen schreien die Pointen raus oder poltern generell sehr laut rum. Das spricht mich als Mann nicht an.

Aus welchen Gr√ľnden gelten Sie unter Ihren Freunden als „w√§hlerischer Junggeselle“?
Ach wissen Sie, fr√ľher habe ich mich in alles verknallt, was zwei halbwegs anst√§ndige Br√ľste hatte. Dann merkte ich, dass die Frau nicht nur zur Befriedigung meiner sexuellen W√ľnsche existiert. Was auch gut war, denn Sex wurde sowieso schnell langweilig. Dann versuchte ich herauszufinden, was ich an Frauen denn noch toll fand. Ich merkte, dass ich generell Frauen sch√∂ner finde als M√§nner. Ich meine, schauen Sie sich doch mal den m√§nnlichen Hodensack an, wie h√§sslich der ist! Dieses h√§ngende haarige Etwas, das aussieht, als sei es dir gerade aus dem Hintern gekrochen. Frauen haben zum Gl√ľck nix, was da so rumbaumelt.
Au√üerdem liebe ich das Feminine, das Weibliche, das F√ľrsorgende, das Sanfte, das Liebensw√ľrdige. M√§nner sind wie ihre Geschlechtsteile: Sie m√ľssen erobern, eindringen, Raketen bauen, imponieren, angeben und generell immer der Gr√∂√üte oder Erster sein. Jetzt hatten wir leider die letzten Jahre einen Feminismus, in der die moderne Deutsche Frau es den M√§nnern gleichtun will. Und um in unserer m√§nnlichen Gesellschaft nach vorne zu kommen, braucht man halt diese m√§nnlichen Eigenschaften. So haben leider viele Frauen hierzulande nicht mehr viel Feminines an sich. Aber das Weibliche ist das einzige, was mich an Frauen interessiert, selbst wenn sie keine zwei halbwegs anst√§ndige Br√ľste mehr hat.

Wie sehr suchen Sie zur Zeit eine Frau an Ihrer Seite?
Gar nicht, ich glaube nicht an: „Wer suchet, der findet“. Ich glaube an: „Wer wartet, zu dem kommt es“.

Darf Sie witziger sein als Sie?
Na klar! Ich lache gerne und wenn sie mich t√ľchtig auf den Arm nehmen kann, dann heirate ich sie sogar.

Wo legen Sie selbst die Grenzen Ihres Humors?
In der √Ėffentlichkeit tr√§gt man Verantwortung, sogar „nur“ als Komiker. Und insofern stecke ich die Grenzen immer wieder neu, ich m√∂chte niemanden verletzten oder beleidigen. Ich m√∂chte nur unterhalten. Insofern lasse ich alles weg, was die Leute verletzten k√∂nnte: Religion, Trag√∂dien, Humor auf Kosten einzelner Personen.

Wieso nehmen Sie eigentlich deutschen Comedians Zuschauer und Arbeitsplätze weg? Haben Sie da nicht manchmal ein schlechtes Gewissen?
Wieso? Die Deutschen Zuschauer geben mir doch den Arbeitsplatz. Au√üerdem ist genug f√ľr alle da, schauen Sie sich doch um, es sind viel mehr Komiker unterwegs als noch vor zehn Jahren und sie touren alle sehr erfolgreich. Der Bedarf nach guter Comedy ist gro√ü. Ist doch klasse f√ľr den Fan, das Angebot ist gr√∂√üer und er pickt sich seine Rosinen halt selbst raus.

Sind Sie f√ľr den Beitritt der T√ľrkei zur Europ√§ischen Union?
Ich kenne die EU-Fritzen nicht. Irgendwelche Politiker sitzen da, die ich nicht gew√§hlt habe, die w√§hlen ihren Chef aus den eigenen Reihen und erlassen Gesetze, die unser Leben direkt beeinflussen. Ich sag’s mal so, wer unbedingt in die EU m√∂chte, ist selbst Schuld.

Vielen Dank f√ľr das Interview Herr Yanar und alles Gute f√ľr die Zukunft!

(Interview: Konrad Welzel / Foto: yanar.de)


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√úber den Autor

Konrad Welzel
Gr√ľnder und Chefredakteur von back view

Konrad hat back view am 06. April 2007 gegr√ľndet - damals noch in diesem sozialen Netzwerk StudiVZ. Mittlerweile tobt sich Konrad ganz gerne im Bereich Social Media aus und versteht Menschen ohne ein Facebook-Profil nicht - daf√ľr ist er viel zu neugierig!!!

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