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„Ist das denn überhaupt ein echter Monet?“

Kunstfälschungen im Wandel der Zeiten

Viele von uns lieben Kunst. Viele besitzen auch gerne Kunst. Doch kaum jemand kann sich echte Kunstwerke leisten. Heißt das aber, dass der Druck an unserer Wohnzimmerwand eine Fälschung ist? Oder nur eine Kopie? Woran erkennt man denn überhaupt eine Fälschung?

sabine zink jugendfotos

Man nehme einen Kunstdruck aus dem Museumsshop, bestreiche ihn mit Eiweiß, trockne diese „Lackierung“ mit einem Föhn an und setze das fertig präparierte Poster wieder unbemerkt, und durch Kaugummi befestigt, in seinen alten Rahmen ein. So einfach wie Mr. Bean das Gemälde „Whistlers Mutter“ in der Galerie in Los Angeles fälscht, entstehen Kunstfälschungen natürlich nicht.

Aber wie stellen es Kunstfälscher dann an, dass teilweise selbst Experten ihre Kopien nur mit Hilfe der neuesten wissenschaftlichen Geräte als Fälschungen identifizieren können? Grund genug, sich den Methoden der Kunstfälscher, dem heutigen Umgang mit entdeckten Falschbildern und zuallererst der Geschichte des Kunstfälschens zu widmen.

Schon in der Antike wurde Kunst „gefälscht“, beziehungsweise Arbeiten der Schüler und Gehilfen als die der Meister verkauft. Und auch im Mittelalter gab es Fälschungen. Da die mittelalterliche Kunst aber eher vom (Selbst)verständnis als Handwerker geprägt war, war in dieser Epoche nur das Geschick bei der Nachahmung gefordert und Urheberrechte nicht von Belang. Die Kunstfälschung lässt sich daher frühestens ab der Renaissance erkennne, als sich eigenständige Künstlerpersönlichkeiten herausbildeten. Damals war es üblich, dass Künstler wie Michelangelo und Raffael ihre eigenen Werkstätten mit vielen Gehilfen betrieben haben. Speziell bei unsignierten Werken, vor allem Zeichnungen und Skizzen, stellt sich immer die grundsätzliche Frage nach dem Urheber.

Aber auch bei den großen Renaissancegemälden darf man zurecht die Frage aufwerfen, wie groß der Anteil des Künstlers wirklich war und was von seinen Gehilfen gemalt wurde. Da das „Kopieren“ des Stils in der Renaissance aber erwünscht war, weil die Gehilfen nur so üben konnte, lässt sich die Kunstfälschung im heutigen Sinne auf das 19. Jahrhundert datieren. Denn mit der Abkehr des Künstlers von Auftragsarbeiten und seiner Identifizierung mit dem eigenen Werk und zudem der Entwicklung des Kunstmarkts und des privaten Kunstsammelns gab es eine Nachfrage für Fälscherware und Fälschen wurde profitabel.

alzbeta vazna jugendfotosBei der Untersuchung der vermeintlich gefälschten Bilder kommt viel Technik zum Einsatz. So werden die Bilder unter dem Mikroskop untersucht und für den Einblick in die unteren Schichten mit Röntgenstrahlen bearbeitet. Auf diese Weise wurden manchmal genaue Vorzeichnungen entdeckt. Durch Materialproben, zum Beispiel der Leinwand und der Farben und der darin enthaltenen Bestandteile, kann das Bild meist grob datiert werden. Hinweise auf eine Fälschung liefern auch der Rahmen und die Leinwand, denen mit bräunlicher Farbe ein historisches Aussehen verliehen wird. So können Entdeckungen über die Entstehung des Bildes und über die Arbeitsweise des Künstlers gemacht werden, die die Zuordnung ermöglichen- oder wiederum den Verdacht einer Fälschung bestätigen.

Der bekannteste Kunstfälscher der neueren Zeit war der Niederländer Han von Meegeren. Er wählte als Vorlagen für seine Fälschungen besonders die Gemälde des niederländischen Malers Jan Vermeer, von dem auch das berühmte „Mädchen mit dem Perlenohrgehänge“ stammt. Meegeren fälschte beispielsweise das Gemälde „Christus und die Jünger in Emmaus“, das ihm das Kunstmuseum Boymans in Rotterdam im wahrsten Sinne des Wortes abkaufte. Ein anderes Bild, „Christus und die Ehebrecherin“, hat Meegeren an Hermann Göring verkauft. Aus Angst vor der drohenden lebenslangen Strafe dafür, dass er mit den Nazis kollaboriert haben soll, gab Meegeren diese Fälschung zu. Andere wurden entdeckt und 1945 wurde er für seine Kunstfälschungen verurteilt. Bevor er seine Freiheitsstrafe antreten konnte, starb Meegeren im Dezember 1947.

Die wirklich hochwertigen Fälschungen werden also oft spät entdeckt. So erging es auch dem Kölner Wallraf-Richartz-Museum, das im Februar 2008 bei der Vorbereitung zu einer Impressionismus-Ausstellung ein Monet-Gemälde als Fälschung enttarnte. Die Fälschung des Gemäldes „Am Seineufer bei Port Villez“, das Monet um 1885 gemalt haben soll, war seit 1954 im Besitz des Kölner Museums gewesen. Es wurde allerdings nur durch Zufall bei einer Komplettuntersuchung der Kölner Sammlung entdeckt. Mit wissenschaftlichen Methoden können die Fälschungen relativ leicht nachgewiesen werden, sie sind aber sehr kostenaufwendig ist und ohne Geldgeber kaum bezahlbar.

Das Richartz-Wallraff-Museum hat seine peinliche Entdeckung allerdings in einen Ausstellungs-Knüller verwandelt. Zu dem vermeintlichen Monet gibt es Informationen über die Enttarnung eines Kunstwerks als Fälschung, was viele Besucher anzog. Der Trend zeigt dahin, aus der Not eine Tugend und aus den Falschbildern Ausstellungen zu machen. So waren auch 2007 im Picasso-Museum in Münster bei „Wa(h)re Lügen – Original und Fälschung im Dialog“ und im Kunstmuseum Celle mit der Ausstellung „Falsche Moderne“ in diesem Frühjahr Fälschungen ausgestellt.
Eine Besonderheit ist das Fälschermuseum in Wien, das sich auf falsche Kunst spezialisiert hat. Was allerdings das Gemälde an unserer Wohnzimmerwand angeht, gibt es kein Problem, solange man es nicht verkaufen möchte. Denn schön ist bekanntlich, was gefällt- ob nun Original oder Fälschung.

(Text: Julia Radgen/ Fotos: Alzbeta Vazna & Sabine Zink by jugendfotos.de)
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Über den Autor

Julia Radgen
Ressortleiterin Gesellschaft

Julia Radgen lebt in Mainz und schreibt am liebsten über Kultur- und Gesellschaftsthemen - und interessante Menschen. Sie ist Social Media-süchtig und verzichtet nur freiwillig auf Internet und Handy, wenn sie zu einem Festival fährt. Wenn sie groß ist, will Julia mal Journalistin werden.

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