Du bist hier: Home » Politik » Deutschland » Ist Atomenergie eine sinnvolle Alternative?

Ist Atomenergie eine sinnvolle Alternative?

Ein Kommentar

Ein Kernkraftwerk ist ein Kraftwerk zur Gewinnung elektrischer Energie durch induzierte Kernspaltung in Kernreaktoren. In diesen so genannten Dampfkraftwerken wird die zum Verdampfen des Wassers ben√∂tigte W√§rme nicht durch Verbrennungsvorg√§nge, sondern durch Freisetzen von Kernenergie in Kernreaktoren gewonnen. Die im Spaltstoffvolumen entstehende W√§rme wird durch Gas, Wasser oder fl√ľssiges Metall abgef√ľhrt und zur Erzeugung von Dampf genutzt. Viel diskutiert sind die weltweit 210 betriebenen Kernkraftwerke. Sind sie effektiver als andere Energiegewinnungstechniken? Wie steht es mit der Umweltbelastung? Eine Darstellung von Pro- und Contra-Aspekten soll einen Einblick geben.

Pro Atomkraft
Ein wichtiger Vorteil ist die Reduzierung von Schadstoffemissionen in die Atmosph√§re. Durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Erd√∂l oder Erdgas durch Verkehr, Industrie und Strom-/W√§rmeerzeugung – wie zum Beispiel bei Kohlekraftwerken – entstehen sehr gro√üe Mengen an Kohlendioxid, welche die Umwelt schwer sch√§digen und zu einem bedenklichen Treibhauseffekt f√ľhren k√∂nnen. Kernkraftwerke hingegen sto√üen kein Kohlendioxid aus, womit der Atmosph√§re j√§hrlich ca. 150 Millionen Tonnen des Gases erspart werden, was ungef√§hr der gesamten CO2-Produktion des Verkehrs weltweit pro Jahr entspricht.

Dazu kommt, dass es durch die Kohlekraftwerke eine gro√üe Staubbelastung gibt und die in Steinkohle enthaltene Radioaktivit√§t mittels der Kraftwerke in die Atmosph√§re gelangt, was bei Atomkraftwerken nicht der Fall ist. Hinzu kommt, dass Atomenergie einen 2,5-millionenfach h√∂heren Energiegehalt als Steinkohle hat und dessen Brennst√§be k√∂nnen mehrmals wiederaufbereitet werden.Uran ist ein Brennstoff mit hoher Energiedichte, der in vielen politisch stabilen L√§ndern der Erde vorkommt. Damit k√∂nnte Deutschland die Importabh√§ngigkeit von √Ėl und Gas vermindern und politisch weniger erpressbar werden.
Au√üerdem werden die Vorr√§te an √Ėl, Gas und Kohle nicht so schnell abgebaut und aufgebraucht. Eine Gefahr bei einem Ausstieg aus der Kernenergie-Hochtechnologie k√∂nnte auch dem Ansehen des Industriestandortes Deutschland schaden und m√∂gliche Investoren anderer Industriezweige abschrecken. Das wird in sp√§testens einigen Jahrzehnten erkannt werden.

Contra Atomkraft
Allerdings gibt es ebenfalls viele Nachteile der Kernenergie. An oberster Stelle steht dabei nat√ľrlich die gef√§hrliche Strahlenbelastung des radioaktiven Materials. Besonders in direkter N√§he der Kernkraftwerke existiert eine h√∂here Belastung und auch Gefahr. Bei Unf√§llen, die durch technische M√§ngel oder menschliches Versagen auftreten k√∂nnen, werden enorme Fl√§chen im Umkreis radioaktiv verseucht, welches f√ľr die Bewohner dieser Gegenden ein fast sicheres Todesurteil ist. Schon in kleiner Dosierung kann Radioaktivit√§t Krebs verursachen, weswegen Menschen auch oft erst Jahre sp√§ter an den Folgen der Bestrahlung sterben.Da der Abbau des radioaktiven Materials sehr langsam erfolgt, bleiben solche Orte auch noch jahrzehntelang verseucht und unbewohnbar.

Ein weiteres wichtiges Problem ist die Entsorgung des Atomm√ľlls. Trotz relativ sicherer Lagerung unter der Erde kann ein Austreten der Radioaktivit√§t nicht hundertprozentig vermieden werden und t√§glich wird mehr Abfall produziert, da die Brennelemente irgendwann nicht mehr wieder aufbereitet werden k√∂nnen. Der Zerfall dieser Radionuklide dauert sehr lang, somit muss Atomm√ľll oft mehrere tausend Jahre gelagert werden, bis die Strahlenwirkung soweit nachgelesen hat, dass er nicht mehr gef√§hrlich ist. Somit gibt es immer mehr Abfall, und die Frage ist, wie viel Abfall noch auf der Erde gelagert werden kann? Hinzu kommt, dass der Uranbergbau zu Verseuchungen von Boden, Grundwasser und Luft f√ľhrt. Gef√∂rdertes Uranerz wird einfach als strahlender Abraum auf Halden gekippt.

Zwar wird Deutschland weniger abh√§ngig von anderen Rohstoffen, aber auch Uran muss importiert werden. Zudem reicht dieser Brennstoff ebenfalls nur noch einige Jahrzehnte. Bei einem Einstieg in die Br√ľtertechnologie entst√ľnden Massen von Plutonium, mit dem schlie√ülich auch Atomwaffen hergestellt werden k√∂nnten.

Entgegen der Meinung des CSU-Vorsitzenden Erwin Huber, der in einem Interview am 27. Juli √ľber Atomstrom behauptet hat, dass es ‚ÄěCO2-freier Strom“ ist, gilt die Kernenergie nicht als klimaschonendste Erzeugung. Energiegewinnung aus Sonne, Wind, Wasser und Biomasse setzt weniger CO2 frei – selbst moderne Gaskraftwerke mit Kraft-W√§rme-Kopplung haben einen niedrigeren CO2-Aussto√ü.
Wenn man Forschungsgelder, Abriss- und R√ľckbaukosten und die Atomunfallversicherung mit einrechnet, die der Staat √ľbernimmt, dann ist die Atomenergie au√üerdem sehr teuer. Zu guter letzt ist Atomenergienutzung auch undemokratisch: Mit Polizeistaatsverh√§ltnissen m√ľssen Bau, Weiterbetrieb und M√ľlltransport von Atomanlagen gegen den Willen der B√ľrger aufrechterhalten werden. Auch das schadet der Gesellschaft.

(Text: Konrad Welzel)
Download PDF  Artikel drucken (PDF)

Schreibe einen neuen Kommentar

You must be logged in to post a comment.

√úber den Autor

Gr√ľnder und Chefredakteur von back view

Konrad hat back view am 06. April 2007 gegr√ľndet - damals noch in diesem sozialen Netzwerk StudiVZ. Mittlerweile tobt sich Konrad ganz gerne im Bereich Social Media aus und versteht Menschen ohne ein Facebook-Profil nicht - daf√ľr ist er viel zu neugierig!!!

Anzahl der Artikel : 158

© back view e.V., 2007 - 2017

Scrolle zum Anfang