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Hollywood in Abbottabad

Das filmreife Manöver gegen Osama bin Laden

‚ÄěGeronimo – EKIA!“ schallte es in den Situation Room des Wei√üen Hauses. Pr√§sident Obama bekam durch den Funkspruch der Navy SEALs die Gewissheit: Osama bin Laden wurde get√∂tet. Die Menschenjagd √ľber fast ein Jahrzehnt endete mit einem krachenden Einsatz von US-Spezialeinheiten, der den amerikanischen Patriotismus in ganz neue Sph√§ren heben d√ľrfte.

Manche Städte und Orte auf dieser Welt erlangen durch wichtige Ereignisse einen Platz im kollektiven Gedächtnis, obwohl sie vorher fast gänzlich unbekannt waren. Waterloo, Auschwitz, Fukushima, und seit neuestem auch Abbottabad.

Dieser unterscheidet sich aber ma√ügeblich von den vorangegangenen, die f√ľr die endg√ľltige Niederlage Napoleons, den Massenmord an den europ√§ischen Juden im Zweiten Weltkrieg und f√ľr die j√ľngste Atomkatastrophe in Japan stehen. Abbottabad ist der Name der pakistanischen Stadt n√∂rdlich von Islamabad, in der die l√§ngste und intensivste Menschenjagd der j√ľngeren Geschichte mit dem Tod Osama bin Ladens zu Ende ging.Die Episode dieses Einsatzes h√§tte wohl auch Drehbuch f√ľr eine Blockbuster werden k√∂nnen.

Der meistgesuchte Mann der Welt versteckt sich entgegen aller Erwartung nicht im bergigen Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan, sondern in einer noblen Residenz in einer pakistanischen Stadt – nicht weit vom Regierungssitz entfernt. Dort schien er unbemerkt mehrere Jahre zur√ľckgezogen gelebt zu haben, w√§hrend er weiterhin sein Terrornetzwerk Al Qaida ohne Telefon oder Internet, nur mit Hilfe von Kurieren steuerte.

Was bin Laden aber wohl nicht ahnte war, dass der amerikanische Geheimdienst CIA einen seiner Kuriere √ľberwachte. Obwohl bin Laden also sein Domizil √ľber Jahre hinweg nie verlassen hatte, der M√ľll in einem Nebenhof stets verbrannt wurde, um Beweise zu vernichten, und Kontakt zur Au√üenwelt m√∂glichst verhinderte, gelang es, ihn zu lokalisieren. Fast ein Jahr lang wurde das Anwesen durch die USA untersucht, bis man sich sicher war, dass ein gezielter Einsatz hier zum Ziel f√ľhren k√∂nnte.

In der Nacht zum 02. Mai 2011 begann die vom US-Pr√§sidenten Obama angeordnete ‚ÄěOperation Neptune’s Spear“, um Osama bin Laden zu finden. Vier Helikopter transportierten die Soldaten der US-Spezialeinheit Navy SEALs quer durch Pakistan bis auf das Grundst√ľck bin Ladens. Einer der Helikopter musste wegen technischer Probleme beim Anflug auf dem Anwesen notlanden und wurde sp√§ter von den Soldaten gesprengt, um dem Feind keine Technik zu √ľberlassen. Wie sich sp√§ter herausstellte, war der Helikopter mit bisher unbekannter Stealth-Technologie ausger√ľstet, was den unbemerkten Anflug durch das Land Pakistan erkl√§rte.

Die SEALs drangen nach der Landung mit mehreren Gruppen in das Grundst√ľck ein und bahnten sich ihren Weg in das Geb√§ude. Gegen geringen Widerstand k√§mpften sich die Soldaten in den zweiten Stock vor und fanden dort Osama bin Laden. Die dann folgende Situation wird wohl nie richtig gekl√§rt werden k√∂nnen. Es deutet jedoch vieles darauf hin, dass bin Laden in seiner Reichweite mehrere Schusswaffen hatte und die SEALs den Befehl hatten, den Terroristen beim geringsten Widerstand zu erschie√üen. Bin Laden wurde in die Brust und in den Kopf getroffen und dadurch get√∂tet.

Während die Leiche zu den wartenden Hubschraubern gebracht wurde, durchsuchten die Einsatzteams den Ort nach Hinweisen und bargen dabei mehrere Computer, Festplatten und weitere Datenträger, die sich bereits nach wenigen Tagen als hilfreiche Informationsquellen in Bezug auf Al Qaida herausstellen sollten. Nach weniger als einer Stunde war der Einsatz in Abbottabad beendet, die Einsatzkräfte verließen Pakistan Рmit den sterblichen Überresten bin Ladens an Bord Рwieder Richtung Afghanistan. Sein Körper wurde nach US-Angaben nur wenig später vom einem Flugzeugträger aus seebestattet.

Die weiteren Umst√§nde dieses Einsatzes sind allerdings nicht weniger spannend, verdeutlichen sie doch zum wiederholten Mal, welche Macht Bilder in der heutigen Zeit spielen. Seien es die Profi-Aufnahmen aus dem Situation-Room im Wei√üen Haus, die Pr√§sident Obama und seine engsten Mitarbeiter beim Betrachten der √ľbermittelten Bilder aus Abbottabad zeigen. Oder das bis heute nicht ver√∂ffentlichte Bild des toten bin Laden – letztlich schreiben die Fotos Geschichte, auch wenn es nur wenige gibt.

Der Eindruck tr√ľgt nicht: ‚ÄěMade in Hollywood“ k√∂nnte man dem Einsatz unterstellen, angelehnt an die epischen US-Patriotenkriegsfilme, die seit Jahrzehnten die Kinos f√ľllen. In diesem Fall erz√§hlte die Realit√§t die bessere Geschichte als alle Drehbuchschreiber dieser Kinowelt. Und der Globus kennt dazu noch eine weitere Stadt in Pakistan, die so schnell nicht mehr in Vergessenheit geraten wird: Abbottabad.

(Text: Robert Reiche)
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Wenn Robert mal gro√ü ist, will er es auch bleiben. Bis dahin verbringt er seine Zeit in virtuellen Welten und denkt, redet und schreibt √ľber Filme, Spiele sowie √ľber Gesellschaftsthemen. Der studierte Historiker arbeitet dazu noch als IT-Berater und verreist gern mit dem Fahrrad, um L√§nder und Leute kennenzulernen.

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