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Hippie-Hippie-Yeah statt Yippie-Yippie-Yeah

Ein Tag auf dem Woodstock-Festival

Wo wĂŒrdet ihr hinreisen, wenn eine Zeitmaschine erfunden werden wĂŒrde? FĂŒr mich ist die Antwort ganz klar: ich wĂŒrde zum Woodstock-Festival 1969 fahren. Dann könnte ich Legenden wie Jimi Hendrix oder Santana live erleben und Zeuge der Hippie-Bewegung werden.

„Ich bin einfach zur falschen Zeit groß geworden“, dieser Gedanke schießt mir immer wieder durch den Kopf, wenn ich Radio höre. Wenn Pitbull, Rihanna, Deichkind und Konsorten aus den Boxen dröhnen, wĂŒnsche ich mich einfach zurĂŒck in die 1970er Jahre mit Rock und Blues- GrĂ¶ĂŸen wie The Who, Jimi Hendrix oder Janis Joplin.Ein Tag bei Woodstock

Daher kann es fĂŒr mich fĂŒr eine Reise in die Vergangenheit nur ein Ziel geben: das Woodstock-Festival, der Höhepunkt der Hippie-Bewegung und der Musik der 1970er Jahre. Aber warum noch lange warten, auf geht es in eine musikalische „Zeitmaschine“ zum vielleicht legendĂ€rsten Musikfestival aller Zeiten!

Planung und Improvisation

Eigentlich entstand die Idee zum Woodstock-Festival aus kommerziellen GrĂŒnden, denn der junge Musikproduzent Michael Lang wollte mit dessen Einnahmen sein Aufnahmestudio finanzieren, welches sich in Woodstock befand. In dieser Stadt lebten damals viele bekannte Musiker wie Bob Dylan.

UrsprĂŒnglich sollte das Festival ĂŒbrigens nicht in Woodstock stattfinden, sondern in Wallkill. Doch aufgrund von Protesten der Dorfbevölkerung musste der Veranstaltungsort auf das GelĂ€nde eines Farmers in Bethel, das damals nur knapp 4.000 Einwohner hatte, verlegt werden. Auch bezĂŒglich der Besucher verschĂ€tzte man sich gewaltig, denn anstatt der geplanten 50.000 erschienen ganze 400.000 Musikfans, wobei noch mal knapp eine halbe Million Menschen im Stau auf dem Weg zum Festival stecken blieb und von der Polizei nach Hause geschickt werden mussten.

Also war man gezwungen, das Festival fĂŒr kostenlos zu erklĂ€ren, denn bei dieser riesigen Menge war es unmöglich, Eintrittskarten zu kontrollieren. Aufgrund der verstopften Straßen konnten auch angekĂŒndigte Musiker, wie Iron Butterfly oder Joni Mitchell, gar nicht auftreten, weil sie gar nicht erst zum Veranstaltungsort kamen. Daher wurde beim Ablaufplan immer wieder improvisiert und Musiker, die als GĂ€ste kamen, wie Country Joe McDonald, bekamen einfach eine Gitarre in die Hand gedrĂŒckt und mussten spielen.

Durchbruch zur Legende

Wer es trotz Staus zum Festival schaffte, dem bot sich schon zur Eröffnung ein absolutes Highlight mit dem Blues Musiker Richie Havens. Statt der ursprĂŒnglich geplanten vier Songs, wurde er dazu angehalten, weiterzuspielen, bis die anderen KĂŒnstler, die im Verkehr feststeckten, ankamen. Schließlich gingen ihm dabei sogar die Songs aus und er improvisierte neben einigen Beatles-StĂŒcken auch den Spiritual-Klassiker „Motherless Child“.

Dieses Lied, bei dem er mit immer heiser werdender Stimme das Wort „Freedom“ in die Menge rief, entstand spontan auf der BĂŒhne und wurde zu seinem grĂ¶ĂŸten Hit, der ihn zur Legende machte.

Auch andere heutige MusikgrĂ¶ĂŸen feierten mit ihren mitreißenden Auftritten beim Woodstock-Festival ihren Durchbruch. So eroberte der damals noch völlig unbekannte Gitarrist Santana die Herzen der Zuschauer im Sturm und begeisterte mit seiner Mischung aus lateinamerikanischen Rhythmen und Gitarren mit Rockmusik.

Besonders das InstrumentalstĂŒck „Soul Sacrifice “, bei dem das Publikum auf Holzlatten und allem was sich sonst so fand, den Rhythmus mitklopfte, wurde zu einem der denkwĂŒrdigsten Momente des Festivals. Dank diesem Auftritt gelang Santana danach mit seinem ersten Album in den USA der Durchbruch und er konnte sich zur Rocklegende entwickeln.

Joe Cocker war ebenfalls vor seinem Auftritt bei Woodstock eher unbekannt. Dennoch wurde er mit seiner gefĂŒhlvollen Reibeisenstimme und seinem Markenzeichen, den zappelnden Bewegungen, zu einer der Hauptattraktionen des Festivals. Einen besonderen Eindruck hinterließ Cocker mit seiner intensiven Interpretation des Beatles-Klassikers „With a little help from my friends“, welches auch Richie Heavens zuvor angestimmt hatte. Dieses Cover wurde schließlich zu Cockers erstem großen Hit.

Headliner und ein krönender Abschluss mit Jimi

Neben diesen damals noch unbekannten GrĂ¶ĂŸen können sich auch die Headliner des Festivals durchaus sehen lassen. So beendete mit Joan Baez eine FolksĂ€ngerin den ersten Tag des Festivals, die als weibliches GegenstĂŒck zu Folklegende Bob Dylan gilt. Dort stimmte sie auch das Protestlied „We Shall Overcome“ an, welches sich gegen jegliche Art von MissstĂ€nden richtet und spĂ€ter fĂŒr die US-BĂŒrgerrechtsbewegung bedeutend werden sollte.

Am Samstag trat schließlich auch die Band The Who auf, allerdings bleibt deren Auftritt eher in unrĂŒhmlicher Erinnerung, nachdem Gitarrist Pete Townsend einen Aktivisten, der auf die BĂŒhne kam, mit seiner Gitarre schlug.

Auch Hippie-Ikone und Stimmwunder Janis Joplin trat an diesem Tag mit neuformierter Band auf und lieferte trotz stimmlicher Probleme einen denkwĂŒrdigen Auftritt ab. In diesem Kontext fasste sie in dem viel zitierten Satz: „FrĂŒher waren wir nur wenige, jetzt gibt es Massen und Massen und Massen von uns.“ die gerade durch Woodstock offensichtliche Entwicklung der Hippie-Bewegung zum MassenphĂ€nomen zusammen.

Zum krönenden Abschluss trat schließlich am letzten Tag Jimi Hendrix auf, der als einer der einflussreichsten und vielleicht besten Gitarristen aller Zeiten gilt. Dabei begeisterte die Gitarrenlegende nicht nur mit spannenden Versionen seiner bekannten Lieder wie „Purple Haze“, sondern zeigte immer wieder fesselnde Improvisationen, die ebenfalls großes Songpotenzial hatten.

Besonders ist Hendrix eigene Interpretation der US-Nationalhymne „Star Spangled Banner“ in Erinnerung geblieben. Durch den Einsatz verschiedener Verzerrungs- und Vibrato-Effekte verĂ€nderte er die Hymne an verschiedenen Stellen und imitierte auf diese Weise die GerĂ€usche von Fliegern, Bomben und andere KriegsgerĂ€usche. Dies wurde schließlich als Protest gegen den zu dieser Zeit stattfindenden Vietnamkrieg und als Friedensappell gesehen.

Mit dieser Rocklegende auf dem Höhepunkt ihrer Schaffenskraft endete das wahrscheinlich bekannteste Festival der Welt. Im Nachhinein wurde Woodstock zum Symbol einer kĂŒnstlerischen, friedliebenden Jugendbewegung.

Auch Max Yasgur, der Farmer auf dessen GelĂ€nde das Festival stattfand, zeigte sich in seiner Rede begeistert ĂŒber das friedliche Zusammensein einer solchen Masse und stellte fest, dass die Zuschauer der Welt gezeigt hĂ€tten, dass „eine halbe Million junge Menschen zusammen kommen und nichts anderes als drei Tage mit Spaß und Musik haben kann“.

(Text: Maximilian Stenger, Foto: Isi Fischer by jugendfotos.de, Videoquelle: YouTube)
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Über den Autor

Maximilian Stenger
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