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Hass gegen Flüchtlinge

Ein Kommentar von Ulrike Botha

Mir stößt es immer sauer auf, wenn ich jemanden sagen höre, dass die Flüchtlinge raus aus Deutschland sollen oder dass diese Person sie nicht in seinem Land haben möchte. Fragt man dann nach, ob er/sie generell gegen Einwanderung ist und er/sie antwortet mit „Nein“, dann habe ich jeglichen Respekt vor dieser Person verloren. Jeder Mensch hat das Recht auf ein Leben in Sicherheit. Warum sollten da nicht die aushelfen, denen es deutlich besser geht?

Ich selbst habe einen Migrationshintergrund. Vor zehn Jahren ist mein Vater mit uns von Südafrika nach Deutschland ausgewandert, weil er hier einen besseren Job angeboten bekommen hat und für seine Kinder in Europa eine bessere Zukunft gesehen hat. Da kann man natürlich nicht von Flucht sprechen. Wir wurden mit offenen Armen aufgenommen, hier in Deutschland. Mir stellt sich dabei die Frage, warum so viele Menschen nichts gegen Einwanderung an sich haben, aber bei Flüchtlingen direkt auf die Barrikaden gehen?

FlüchtlingeHass oder Geiz?

Ich vermute, dass das viel mit dem Geiz des Deutschen Steuerzahlers zu tun hat. Flüchtlinge kosten Geld, das steht nicht zur Diskussion. Da liegt es nahe, dass viele Deutsche nicht wollen, dass ihr Geld für Menschen aus einem fremden Land ausgegeben wird. Lieber soll es in ihr Land und ihre Gesellschaft fließen. Eine direkte Auswirkung bekommen sie sowieso nicht mit – ihren Schrebergarten werden sie weiterhin betreiben und sich nach wie vor mit Bratwurst versorgen können.

Was aber meiner Meinung nach viel wichtiger ist, ist das Leid auf der Welt zu verringern. Uns geht es hier in Deutschland wirklich gut. Die Flüchtlinge sind auf der Suche nach einem Leben, in dem sie nicht täglich um ihr eigenes Leben bangen müssen. Ich sehe es da schon als unsere Pflicht an, weil wir die Mittel dazu haben, den Menschen zu helfen, die es am meisten benötigen—und das sind aktuell nun mal die Flüchtlinge. Sie nehmen unglaubliche Strapazen auf sich und riskieren sogar ihr Leben, um nach Europa zu kommen. Das würden sie nicht tun, wenn sie Schmarotzer wären.

Geplagt durch Fremdenhass

Wir sollten ehrlich zu uns sein: In Deutschland gibt es immer noch viele Menschen, die einen generellen Hass gegen alle jene haben, die fremd sind—also gegen alle, die nicht Deutsch sind. Durch meine Herkunft bin ich sehr sensibilisiert, was das Thema Rassismus angeht. In Südafrika hat es viel zu lange gedauert, den Hass gegen Dunkelhäutige zu stoppen.
Ich selbst war immer gegen Rassismus und wurde auch so erzogen, dass jeder Mensch gleich ist. Daher ist das, was mich am meisten am Flüchtlingsthema verärgert, der immer noch allgegenwärtige Rassismus in Deutschland, der dadurch wieder an das Licht kommt. Damit möchte ich nicht alle Deutschen in eine Schublade stecken. Ich meine damit nur den Teil der Bevölkerung, der meint, dass die Nationalität und die Hautfarbe einem Menschen einen bestimmten Wert geben.

Eine Sache auf die ich schon selbst gestoßen bin, ich jedoch nicht nachvollziehen oder gutheißen kann, ist der selektive Rassismus, der sich bei manch einem zeigt. Ich selbst wurde noch nie wegen meiner Herkunft diskriminiert. Freunde von mir aber schon. Auffällig ist, dass ich äußerlich auch Deutsch sein könnte. Die Freunde die diskriminiert wurden hatten meist eine andere Hautfarbe. Dass sie gebildete Studenten waren, war nicht von Interesse — unglaublich.

Schluss damit!

Man sollte ein Thema immer von beiden Seiten betrachten, bevor man urteilt. Selbstverständlich kosten Flüchtlinge Platz und Geld. Trotzdem sollte ihnen geholfen werden. Jeder sollte sich in ihre Lage versetzen: Müsste man selbst Flüchten, um sein Leben zu retten, wäre man auch dankbar, wenn andere Länder einem Zuflucht bieten würden.

Außerdem sind alle Menschen gleich und haben damit dieselben Rechte. Wenn man den Flüchtlingen hilft, werden sie auch versuchen und etwas dafür zurück zu geben. Alleine ihre Dankbarkeit und die Gewissheit, dass man damit Leben rettet, sollte Bezahlung genug sein. Dazu kommt, dass jede Farbe die Palette bunter macht, der kulturelle Gewinn ist definitiv kein Minuspunkt.

Trotzdem sollte man nur so vielen Helfen, wie man helfen kann, ohne dass das eigene Land davon zu Leide gezogen wird. Dieser Punkt ist aber noch nicht erreicht.

(Text: Ulrike Botha / Foto: Stefan Fritzsche by jugendfotos.de)

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