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Grusel mit Herzblut, Talent und Begeisterung

Kulturecke: Musical „Dracula“ in MĂŒnster

Doch, es geht: Ehrenamtliche können Musicals auf die BĂŒhne bringen, die sich mit professionellen Produktionen messen können. So wie „Dracula“, aufgefĂŒhrt vom freien Musicalensemble MĂŒnster, bei dem der Zuschauer eine erstklassige Darbietung wohlig gruselnd genießen kann.


Die Geschichte von Dracula, dem Vampir, der in London auf die Suche nach der Reinkarnation seiner Frau geht, wurde schon oft verfilmt, vertont und weiter verarbeitet. Doch selten so intensiv, ergreifend und sehenswert wie vom Freien Musicalensemble MĂŒnster.

Schon die erste Szene bleibt im GedĂ€chtnis: Als der Vorhang sich öffnet, gibt er den Blick frei auf eine von Schatten umhĂŒllte Empore, auf der ein riesiges Kreuz thront. Am Fuße des Kreuzes liegt der Körper von Draculas toter Frau, er selbst kniet aufgebracht daneben. Ein Priester versucht ihn zu besĂ€nftigen, doch der junge Dracula schwört dem Glauben ab und verflucht die Kirche. Eingerahmt wird die Szene von einem Chor, der, selbst kaum sichtbar in schwarzen KapuzengewĂ€ndern, eine leuchtende Kerze trĂ€gt. Als Dracula außer sich gerĂ€t und einen Dolch mitten in das Holzkreuz hinein rammt, traut der Zuschauer seinen Augen nicht: Aus der Spitze des Kreuzes quillt ein trĂ€ger Blutstrom und fließt langsam am Kreuz herab.

Special Effects und SĂ€nger beeindrucken
Die Special Effects sind nur eine der großen StĂ€rken des Ensembles. Mit handwerklichem Geschick und guten Ideen wird mit Blut, Licht und Nebel getrickst und der Zuschauer ein ums andere Mal in die Irre gefĂŒhrt. Immer wieder krönen echte, brennende Kerzen das BĂŒhnenbild, die plötzlich „wie durch Geisterhand“ entzĂŒndet werden, was eine grusel-romantische Stimmung erzeugt.

Doch die Special Effects sind nicht da, um etwas zu verstecken – im Gegenteil. SĂ€nger, TĂ€nzer und Darsteller können sich sehen und hören lassen. Ganz besonders ĂŒberzeugend sind Julia Hansen als Mina und Sarah Blauwitz als Lucy. Mit viel GefĂŒhl und BĂŒhnenprĂ€senz entfĂŒhren sie den Zuschauer in die Welt der Vampire. So fĂŒhlt der Zuschauer mit, wenn Mina Angst hat um ihren in Transsylvanien verletzten Mann, oder wenn Lucy sich hingezogen fĂŒhlt zu der unheimlichen Stimme in ihrem Kopf, obwohl sie doch gerade ihren Jugendschwarm Arthur geheiratet hat.

Etwas zurĂŒckstehen im Vergleich mĂŒssen Dracula (Christian Hentschel) und Van Helsing (Steffen Keul), die sich noch nicht mit der gleichen Leichtigkeit auf der BĂŒhne bewegen. Ihr Gesagt ist tadellos, sie wirken jedoch an einigen Stellen ein wenig zu konzentriert. Das mindert den Wert der Vorstellung keineswegs – denn an dem Vergleich mit den Ladies muss jeder scheitern. Dracula steigert sich deutlich gegen Ende der besuchten Vorstellung (21.11.2011).

Die von einem hervorragend besetzten Orchester live gespielte Musik jagt dem Zuschauer ein ums andere Mal eine GĂ€nsehaut ĂŒber den RĂŒcken.  Auch die Musiker sind völlig ehrenamtlich tĂ€tig und studieren (meistens) nicht etwa Musik, sondern Medizin, Philologie oder arbeiten als BuchhĂ€ndler oder Krankenschwester.

Eng mit den Special Effects zusammen harmoniert das BĂŒhnenbild. Kreativ und mit Liebe zum Detail wurden Welten geschaffen, die nichts mehr mit der „kleinen SchulauffĂŒhrung“ gemein haben. Da ist Draculas Schloss, mit wehenden Schatten und dĂŒsterer Einrichtung, da ist die sorgfĂ€ltig eingerichtete englische Wohnung. Ein weiteres eindrucksvolles BĂŒhnenbild ist die Irrenanstalt mit dem KĂ€fig, in dem Renfield (Carsten Jaehner mit einer kurzen, aber intensiven Rolle) gefangen ist, dank dessen Einladung Dracula nach London kommt.

Äußerst passend sind auch die KostĂŒme von KostĂŒmbildnerin Canan Toksoy. Besonders beeindrucken die raffinierten Kleider, die die Damen bei den Ensembleszenen tragen – alles wirkt stimmig und doch ist jedes anders. Eine Besonderheit: Die KostĂŒme der weiblichen Hauptrollen, Mina und Lucy, wurden von Studenten der Modeschule MĂŒnster entworfen und gefertigt.

Einziges Manko ist die LĂ€nge des StĂŒcks. Der ein oder andere Song, der nicht direkt dem Fortgang der Geschichte dient (wie etwa Van Helsings „Roseanne“) hĂ€tte ausgelassen werden können.

Fazit: Es ist eine Ă€ußerst gelungene Produktion, die das Musical-Ensemble auf die Beine gestellt hat. Gesang, KostĂŒme, Choreographie, Musik, Licht, Ton und BĂŒhnenbild fĂŒgen sich dank des spielfreudigen und talentierten Ensembles zu einem wunderbar schaurig-schönen Musical-Abend zusammen.

(Wer im MĂŒnsterland wohnt, hat noch die Möglichkeit, folgende AuffĂŒhrungen zu sehen: 27. 11., 03. + 04.12. und 09. + 10.12. Es besteht kein Grund, sich von der „kleinen“ Location Waldorfschule abhalten lassen. Die Aula ist so groß wie anderswo ein Theater. Mehr Infos und auch Tickets gibt es auf der Internetseite des freien Musical-Ensembles MĂŒnster http://www.muenster.org/musical/cms/)

(Text: Anna Franz)
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Über den Autor

Anna Franz
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