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Grenzenloses Marketing

Eishockeyklub DEG will Weltkulturerbe werden
Der Markt und der unendliche Profit sind im Profisport schon l√§ngst etabliert. Zig Milliarden Euro, Dollar, Yen und Pfund werden mit den weltweiten Leibes√ľbungen eingenommen. Werbung auf den Trikots, auf den Hosen, auf dem K√∂rper… Es gibt nichts, was es noch nicht gegeben hat – fast.


Nun hat sich der D√ľsseldorfer Eishockeyklub (DEG) eine bis dato einzigartige Aktion ausgedacht. Der klamme Verein will sich nun bei der UNESCO f√ľr das Weltkulturerbe anmelden und erhofft sich damit ein schlagfertiges – und absolut exklusives – Argument im Kampf um die Moneten.

Seinen Ursprung hatte die Idee, nachdem Hauptsponsor Metro angek√ľndigt hatte, sich mit der kommenden Spielzeit zur√ľckzuziehen. Die DEG hat derzeit ein drei Millionen Euro gro√ües Loch, das sich in den Spielerkader reingefressen hat. Und da Not nun mal erfinderisch macht, sind die DEG-Agenten auf die Weltkultur-Schiene gesto√üen, die sich baldig als Goldader erweisen soll.

DEG – ein einzigartiges Kulturerzeugnis?
Ob nun die DEG ‚Äěein Meisterwerk der menschlichen Sch√∂pferkraft“ darstellt wie es in Punkt 1 der UNESCO-Kriterien vorausgesetzt wird, bleibt fragw√ľrdig. Auch die ‚Äě√ľberragende Naturerscheinung“ aus dem UNESCO-Sammelsurium kann noch nicht best√§tigt werden.

Die DEG st√ľtzt sich vor allem auf Punkt 3 der Kriterien: ‚ÄěDie G√ľter stellen ein einzigartiges oder zumindest au√üergew√∂hnliches Zeugnis von einer kulturellen Tradition oder einer bestehenden oder untergegangenen Kultur dar.“ Damit rekurriert der Klub auf die beinahe 80-j√§hrige Tradition.

‚ÄěIn jedem Fall von au√üergew√∂hnlicher Bedeutung“
Frieder Feldmann, seines Zeichens Pressesprecher der D√ľsseldorfer, pr√§zisiert: ‚ÄěMehrere Millionen Zuschauer haben uns in den vergangenen Jahrzehnten eng mit D√ľsseldorf verwurzelt. Wir sind damit unverzichtbarer Bestandteil einer lokal-kulturellen Tradition. Als deutsches Aush√§ngeschild des schnellsten Mannschaftssportes der Welt haben wir den Planeten Erde mit unvergesslichen und wundersch√∂nen Spielz√ľgen bereichert. Die DEG ist in jedem Fall von au√üergew√∂hnlicher Bedeutung.“

Was √ľberaus hochtrabend, fast schon narzisstisch klingen mag, passt in die Entwicklung des Sports und zeigt das grenzenlose Marketing, aber auch eine feine, lustige Idee zugleich. Der Profisport durchdringt die gesamte Gesellschaft und riesige Teile der Wirtschaft – wieso sollten diese also nicht auch Weltkulturerben tangieren?

Parallelen zum FC Getafe
Die ungewöhnliche Idee zeigt gewisse Parallelen zur eigens kreierten Werbung des FC Getafe. Der spanische Fußballklub hatte im letzten Jahr ein umstrittenes, aber ebenso neuartiges, Werbevideo veröffentlicht, in dem die Fans zur Samenspende, zur Vermehrung menschlichen Lebens aufgerufen wurden.

Ziel war damit einhergehend die Vergr√∂√üerung des Fanpotenzials f√ľr den FC Getafe, der den zweitschlechtesten Zuschauerschnitt hatte. Der kurze Spot demonstriert auch den entfesselten Einfallsreichtum. Und er hatte Erfolg: Angeblich wuchs der Dauerkartenverkauf kurz nach Erscheinen des Videos schlagartig an.

Wann kommt der n√§chste verr√ľckte Einfall?
Auch die DEG kann auf Erfolge hoffen. Immerhin hat die Brauerei Schl√∂sser, einer der bisherigen Sponsoren, angek√ľndigt, den Vertrag um ein Jahr zu verl√§ngern. Auch die Toten Hosen haben ein kleines Engagement angek√ľndigt. Doch wohl kaum wegen des geplanten Weltkulturerbe-Antrags.

Noch bis zum 1.2.2012 bleibt dem Eishockeyklub Zeit. Dann l√§uft die Deadline f√ľr eine m√∂gliche UNESCO-Bewerbung ab. Selbst wenn der Antrag nicht durchkommt, dann bleibt zumindest die Erkenntnis, dass die Werbeideen grenzenlos sind. Es gibt nichts, was es noch nicht gegeben hat – bis der n√§chste verr√ľckte Einfall kommt.

(Text: Jerome Kirschbaum)


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√úber den Autor

Jerome Kirschbaum
Ressortleiter Sport

Jerome Kirschbaum schreibt am liebsten √ľber Sport, wenn er denn nicht selbst auf einem Platz steht. Seit Oktober 2010 verdingt sich Jerome als Schreiberling f√ľr back view, neben den Leibes√ľbungen widmet er sich sich auch politischen Themen. Im wahren Leben musste Jerome zahlreiche Semester auf Lehramt studieren, um dann schlussendlich doch etwas ganz anderes zu werden.

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