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„Googlen oder googeln”?

Statistik über die am häufigsten falsch geschriebenen Wörter

Theodor Fontane soll einst gesagt haben: „Gegen eine Dummheit, die gerade Mode ist, kommt keine Klugheit auf”. Hat er etwa Recht? Zumindest lässt sich dieses Zitat gut auf häufig geschriebene Wörter beziehen. back view zeigt eine Sammlung typischer Fehler – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.


Je mehr ich mich mit dem Thema beschäftige, desto spannender wird es: Nehmen wir doch zum Beispiel mal dieses Wort des „Alltagsgebrauchs”: Adresse. Wieso eigentlich nicht mit zwei „D wie im Englischen? Vom Klang würde es doch Sinn machen, oder? Vielleicht als Aufmunterung für diejenigen, die dieses Wort gerne falsch schreiben: Im Duden gehört Adresse zur Liste der „schwierigen Wörter”.

Hier hat der Duden Wörter und Wortverbindungen aufgelistet, „(…) die rechtschreiblich schwierig sind. Viele von ihnen werden im Deutschen oft falsch geschrieben. Die Liste beruht auf der langjährigen Erfahrung der Dudenredaktion, auf statistischen Analysen des Dudenkorpus, auf der Auswertung dessen, was Nutzerinnen und Nutzer in die Suche dieser Website eingeben, sowie auf den Ergebnissen der relevanten (Fach)publikationen”. Wie viele Wörter umfasst die Liste? Genau 481.

Googlen oder Googeln?
Die Liste reicht von „adäquat” bis „Zucchini” und ist meiner Meinung ziemlich hilfreich und allemal zuverlässiger, als die richtige Schreibweise zu erraten/zu googlen (oder heißt es googeln?). Was versteckt sich überhaupt hinter dem Wort „Google” – eines der vielen Englischen Wörter, die ins Deutsche übernommen wurden, ohne sie in unsere Muttersprache zu übersetzen.

zucchiniAuf Wikipedia ist dazu zu lesen: „Die Bezeichnung Google basiert auf einem Wortspiel, manche Quellen sprechen auch von einem Rechtschreibfehler, mit der amerikanischen Aussprache des Wortes „googol” (die Bezeichnung steht für die Zahl 10100; d. Red.). Milton Sirotta, der Neffe des amerikanischen Mathematikers Edward Kasner, hatte den Ausdruck im Jahr 1938 geprägt, um der Zahl mit einer Eins und hundert Nullen einen Namen zu geben. Die Google-Gründer wiederum suchten eine treffende Bezeichnung für die Fülle an Informationen, die ihre Suchmaschine im Web finden sollte”.

Das Wort googlen ist nur ein Beispiel für einen Themnbereich, der viele Falschschreibungen verursacht. Fakt ist aber, dass wir unsere Sprache vernachlässigt haben und immer weiter vernachlässigen, weil die Online-Kommunikation (über Twitter, Facebook und Co.) vor allem eins sein muss: schnell! Rechtschreibung, hin oder her. Die Botschaft muss stimmen, da nehmen es dann auch Politiker nicht mehr so genau.

Vielleicht weckt das bei Studenten der Germanistik Aggressionen (mit zwei „G” und zwei „S” geschrieben), aber wenn wir anderen ganz ehrlich sind, achten wir beim „simsen” und “mailen” auf die Grammatik? Wohl kaum! Aber wo fängt der Teufelskreis an? In der Schule, bei den dilettantischen (dieses Wort ist übrigens auch in der Liste) Lehrern? Sogar schon bei unserer Erzieherinnen im Kindergarten?

Das dämliche „H”
Im Elternhaus, bei den “Einfaltspinseln” von Eltern, die die Kleinen vorm Fernsehen (mit seiner überwiegend schlechten Sprache) parken? Oder an der Rechtschreibreform, der sich sogar Nachrichtenagenturen bei gewissen Wörtern verweigern. Das Thema ist auf jeden Fall “diffizil”, und oft werden Wörter falsch geschrieben, die so nicht oder nicht mehr im täglichen Sprachgebrauch vorkommen – wie das Beispiel-Wort “diffizil”.

Der eine oder die andere erinnert sich vielleicht noch an den Spruch aus Kindheitstagen: „Wer nämlich mit „h” schreibt ist dämlich” – vielleicht ist dieses Wort auch deshalb gleich zweimal in der Liste aufgeführt.

Aber Wörter wie Brezel, Schloss, Pinnwand oder Prozess stehen auch in der Liste der „schwierigen Wörter”. Bei manchen Wörter erschließt sich die Fehlerquelle nur schwer? Existiert die Variante Brezel mit „ä”, also Bräzel? Oder liegt hier die Schwierigkeit eher im Dialekt – in Bayern und Österreich sagt man „Brezn”, „Brezel” ist wienerisch, im Schwäbischen sage man auch “Bretzet”, im Badisch-Alemannischen oft “Bretsch”. Doch regionale Schreibweisen sind natürlich Sonderfälle.

Für diejenigen, die jetzt unsicher geworden sind, ein Selbsttest zum Schluss. Heißt es:
Chrysantheme oder Krysantheme? Karrusell oder Karussell? Ginkgo oder Ginko? Googeln oder googlen? Gröhlen oder grölen? Guerilla oder Guerillia? Annullieren oder anullieren? Libyen oder Lybien? Mit Hilfe oder mithilfe? Rendundant oder redundant? Zu Hause oder zuhause? Vor Kurzem oder vorkurzem? Vor allem oder Vorallem?

Die Auflösungen findet ihr auf der Duden-Homepage unter: http://www.duden.de/schwierige-woerter.

(Text: Nina Nickoll; Foto: Alexander Franke by jugendfotos.de)

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Über den Autor

Nina Nickoll
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