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Gleich und gleich gesellt sich gern

Kommentar über die Schwierigkeit, neue Freunde zu finden

Das Studium neigt sich langsam dem Ende zu, die Arbeitssuche läuft auf Hochtouren und ehe man sich versieht, steht auch schon der Umzugswagen vor der Tür. Voller Vorfreude und Aufregung saß man am letzten Abend noch bei Mareike und Rolf auf der Terrasse, wie immer eben, in der gemütlichen Runde mit einem heimischen Bier in der Hand.

Gehen wenn’s am Schönsten ist
Eine neue Stadt, neue Wohnung und knallharter Arbeitsalltag: Das ist für die Meisten von uns die nächste Station nach dem Studium. Mit im Gepäck: Abschiedsgeschenke von Freunden, Fotos und Unmengen an schönen Erinnerungen im Herzen. Nichtsdestotrotz lässt man das soziale Netz, welches man sich während der Studienzeit mühsam aufgebaut hat, einfach mal so zurück.

Spätestens nachdem alle Kartons ausgepackt sind und der erste Arbeitstag überstanden ist, wäre es eigentlich Zeit für ein Willkommens-Bier. Aber mit wem? Die Freunde sind kilometerweit entfernt und der neue Chef ist da wohl wahrscheinlich nicht der richtige Ansprechpartner.

Ein alter Freund ist besser als zwei Neue?!
Während man noch lange das Gefühl hegt, nur im Urlaub zu sein und bald schon wieder mit alten Bekannten Schabernack treiben kann, verpasst man langsam aber sicher den Anschluss. „Zuhause“ hat man aber genug Freunde, besonders logisch scheint es also zunächst nicht, sich neue Freunde zu suchen. Zumindest redet man sich das immer wieder selbst ein. Ein Freund, was ist das eigentlich? Das ist doch jemand, der einen richtig gut kennt. Der weiß, worüber man lacht, wieso man weint und, der dir nach einer durchzechten Nacht die Haare zurückhält. Eben jemand, der über all die Jahre des Studiums an deiner Seite gewesen ist.

Bekannte finden ist nicht schwer, echte Freunde dagegen sehr
Der Druck, auch in der neuen Stadt schnell Ersatz zu finden, wird immer größer, da man es schlichtweg nicht gewohnt ist, sein Bier mutterseelenallein trinken zu müssen. Naiv und verzweifelt wie man ist, vergisst man, dass es utopisch ist, in kurzer Zeit an einem fremden Ort Etwas aufzubauen, was während des Studiums etwa drei bis fünf Jahre beansprucht hat.

Zudem erschweren einige Faktoren die Freundessuche nach dem Studium: Mit der Einschreibung an der Universität landet man in einem riesigen Pool von Menschen, die dasselbe Schicksal teilen. Wenig Kontakte, wenig Ortskenntnisse und ein nahezu identisches Alter sind gute Voraussetzungen, um sich zusammenzuschließen.

Nach dem Studium ist man in der neuen Stadt jedoch vorwiegend erst einmal alleine damit beschäftigt, sich auf dem Weg zum Bäcker nicht jeden Morgen aufs Neue zu verlaufen. Bei dem Smalltalk mit dem Busfahrer bleibt es dann meistens auch. Man torkelt nicht mehr von einer WG-Party zur Anderen und kann auch schlecht im Supermarkt einfach potentielle Freunde ansprechen.

Gegensätze ziehen sich an!
Der erste Schritt ist getan, wenn man am Arbeitsplatz, im Internet oder tatsächlich durch Gespräche im Supermarkt ein paar Menschen kennengelernt hat. Zunächst ist es ungewohnt, mit „Fremden“ ins Kino, in Clubs oder zum Bowlen zu gehen.

Sie sehen allesamt anders aus als die alten Freunde, haben vielleicht einen anderen Humor und teilen nicht dasselbe Schicksal wie man selbst. Wichtig für die Entwicklung einer echten Freundschaft ist aber nicht derselbe Musik- oder Klamottengeschmack.

Entscheidend ist, dass man bereit ist, Zeit, Interesse und Vertrauen in neue Menschen zu investieren. Wäre man zu Anfang des Studiums desinteressiert und ängstlich gewesen, wäre der alte Freundeskreis schließlich auch kein bunt gemischter Haufen aus Germanisten, Einheimischen und BWLern geworden. Mit dieser Voraussetzung findet man auch in der neuen Stadt trotz hartem Arbeitsalltag neue interessante Menschen. Und die alten Fotos, Geschichten und Erinnerungen an die alten Freunde bleiben einem sowieso für immer!

(Text: Laura Gassner)

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Über den Autor

Laura Gassner
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