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Gibt es eine Generation Facebook?

Über die beinahe politische Macht des sozialen Netzwerks
Nach Generation Praktikum, Generation Krise, Generation Wikipedia oder auch Generation unpolitisch folgt nun die Generation Facebook. Was ist dran am ständigen Kategorisieren? Lisa Brüßler hat sich für back view auf die Suche nach unserer Generation gemacht und Interessantes recherchieren können.

Das Nachrichtenmagazin STERN kreierte die Generation Facebook im September 2009 und schon bald blies der Mitteldeutsche Rundfunk in dasselbe Horn: In einer Gesprächsrunde diskutierten Politiker, Autoren und Medienpädagogen über „Generation Facebook – Die ganze Welt mein Freund?“.

Gibt es die Generation Facebook?
Doch wer ist diese Generation? Sind es die 14- bis 25-Jährigen, die sonst auch mit diversen Betitelungen gequält werden? Sind es schlichtweg alle Menschen, die Facebook in den letzten Jahren beigetreten sind oder sind es nur diejenigen, die auch dort aktiv sind? Oder ist es mal wieder eine sinnlose Kategorisierung, die sich ausschließlich auf eine technologische Neuerung bezieht?

Es ist ja nicht so, dass wir das schon von Generation Google oder Generation Golf kennen würden. Durch die Möglichkeit, E-Mails zu versenden, wurde das Aufrechterhalten von sozialen Kontakten, die nicht aus dem unmittelbaren Umfeld stammen, schon erheblich vereinfacht.

Vor wenigen Jahren wurde von vielen Experten befürchtet, es würde immer weniger geschrieben und gelesen. Es wurde prophezeit, dass „klassische“ Freundschaften wie die Brieffreundschaft verkümmern und Inhalte banalisiert würden. Doch 90 Prozent der Kinder und Jugendlichen nutzen das Internet heute in erster Linie als Kommunikationsmittel. Die Brieffreundschaft wurde durch die digitalisierte ersetzt beziehungsweise erlebt eine digitale Renaissance.

Die Generation FacebookBreite Altersstruktur
DIE Generation Facebook gibt es nicht. Statistiken zeigen, dass es aktive  Facebook-Nutzer jedes Alters gibt. Nur, weil sich diese mittlerweile in  einem Sozialen Netzwerk zusammenschließen, werden sie nicht zu einer  eigenständigen Bewegung – oder einer Generation.

Wie vielfältig die Altersstrukturen der Nutzer sind und, dass sich nicht  vorwiegend die 15 – bis 24-Jährigen, die altersmäßig einer „Generation  Facebook“  entsprächen, auch auf Facebook finden lassen, zeigt die  angehängte  Grafik. Auch unter den 25-Jährigen bis Mittvierzigern sind  viele in  Sozialen  Netzwerken aktiv.

Fallbeispiel Arabische Revolution
Welche Macht das mittlerweile größte Netzwerk Facebook zu haben scheint, wurde und wird in den Unruhen der arabischen Welt deutlich: Das ägyptische Regime sah sich genötigt, den Nachrichtendienst Twitter und das soziale Netzwerke Facebook zu sperren. Es erhoffte sich davon, die Kommunikation unter den Studierenden zu erschweren, damit es nicht zur Organisation von weiteren Protesten kommen würde.

Im Gegensatz zu Tunesien ist der Anteil derer relativ gering, die zum „gebildeten Mittelstand“ gehören – aber dennoch konnte sich daraus eine Massenbewegung ergeben, die immer mehr mit sich riss. Andererseits sah man auch: Je mehr sich online bewegte, desto stärker zog die Regierung ihre Zügel der Macht an. Störende Internetdienste wurden schlicht gelöscht oder zumindest gesperrt und damit zunächst mundtot gemacht.

Werkzeug des politischen Protests
Der öffentliche und ausländische Druck wuchs allerdings immer weiter an. Bei Facebook finden sich immer mehr politische Gruppen beziehungsweise Protestgruppen und Tausende von Nutzern aus aller Welt unterstützen diese schon alleine durch ihren Beitritt. Nach Tunesien und Ägypten rief auch Marokko ihre „Generation Facebook“ zum Protest gegen den politischen Status quo auf: Junge Marokkaner gründeten eine eigene Gruppe mit dem Namen „Freiheit und Demokratie, jetzt“ und konnten binnen kürzester Zeit über 12 000 Nutzern gewinnen, die zu einer demokratische Verfassung  aufriefen. Als Grund für diese virtuellen Proteste wird das verlorene Vertrauen in die Politiker genannt, welche die Stimme des Volkes nicht wahrnehmen würden.

Facebook hat seine eigene Sprache gefunden. Sie ist zunehmend internationaler, zunehmend globalisierter geworden – ein Aspekt, in der man von einer Gruppendynamik à la Generation sprechen kann. In Situationen, wie den oben geschilderten, bitete das Soziale Netzwerk mehr Bewergung und kann die Suche nach einer Lösung beschleunigen.

In Deutschland war dies zuletzt vor allem beim Thema Guttenberg und den Folgen des Plagiatvorwurfs zu verfolgen. Sowohl die Gegner, als auch die Unterstützer des ehemaligen Verteidigungsministers machten via Facebook Werbung für ihre Argumente und ihre Gruppierungen. Facebook ist ein mächtiges Instrument, welches sich aus einem einfachen Sozialen Netzwerk entwickelt. Wenn es Diskussionen bereichert und Befriedungsprozesse vorantreibt, ist dies sicherlich positiv zu bewerten.

(Text: Lisa Brüßler / Statistik: statista.com)


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