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Für den Wohlstand der Reichen

Auch heute noch leben 27 Millionen Menschen in Sklaverei

Sklaven prägen meist unser Bild der Antike. Bei Gladiatorenkämpfen wurden Menschen als kämpfende Handelsware betrachtet. Darüber hinaus arbeiteten sie als Fundament einer antiken Welt. Auch heute noch werden Menschen systematisch als Zwangsarbeiter und Unfreie gehalten und ausgebeutet.

Weltweit sollen nach Schätzungen 27 Millionen Menschen als Sklaven unterdrückt werden. Zwar wurde die Sklaverei schon 1956 von den Vereinten Nationen offiziell abgeschafft, dennoch werden jeden Tag zahlreiche Unfreie zur Arbeit geschickt. Die Dunkelziffer liegt wohl bei circa 100 Millionen.
Die moderne Sklaverei zeichnet sich nicht so sehr durch Käfige, Ketten und Gladiatorenkämpfe aus. Vielmehr werden die Sklaven heute durch Prostitution, Schuldknechtschaft oder Zwangsarbeit getrieben.

Schuldknechte in Brasilien
In Brasilien ziehen verarmte Bauern in andere Städte, um dort nach Arbeit zu suchen. Ohne Geld, ohne Bildung und ohne Alphabetisierung bieten sie eine perfekte Beute für die sogenannten Anwerber, die im Auftrag der Großgrundbesitzer nach billigen oder komplett kostenfreien, und noch dazu wehrlosen, Arbeitskräften suchen.
Mit großen Versprechungen werden die Arbeitssuchenden dann von den Anwerbern in Busse gesteckt und in den Urwald gekarrt. In der Einöde, fernab der Zivilisation sind sie weitestgehend ausgeliefert. Die Anwerber erklären schnell, dass durch die Fahrt, die magere Verpflegung und die rudimentäre Ausrüstung Kosten angefallen sind.

Ein Segen für die Großgrundbesitzer
Die Erlösung, endlich Arbeit gefunden zu haben, entpuppt sich also schnell als Alptraum. Die entstandenen Kosten werden natürlich nicht geschenkt, sondern in Form von Schulden auf die Arbeiter abgewälzt. Damit sind diese verschuldet, ohne dass sie zuvor auch nur einen Finger gekrümmt haben. Für die Arbeiter ein Desaster, für die Großgrundbesitzer ein Segen.
Mit solchen Systemen werden Arbeitssuchende weltweit in Schulden getrieben und damit abhängig gemacht. Aus dieser modernen Schuldknechtschaft gibt es selten Auswege. Wenn nötig sind Gewehre und Prügel effektive Mittel der Repression.

Haiti – 300.000 Kindersklaven
In Haiti, dem ärmsten Land der westlichen Welt, werden nach Schätzungen 300.000 Kinder und Jugendliche als Sklaven gehalten. Ihre Eltern sind verarmt und können die Kinder nicht ernähren. Deshalb werden die Kinder oftmals in reiche Familien gegeben, wo sie zwar ernährt werden, jedoch keinerlei Bildung erhalten und ihre jungen Körper durch Arbeit schinden müssen.
Die sogenannten Restavèks, was aus dem Französischen übersetzt „bei jemandem bleiben“ heißt, werden nicht bezahlt, ihre Eltern haben ihr Leben, aus der Not heraus, den Reichen komplett überlassen. Die Regierung steht vermehrt in der Kritik, weil sie den Anschein erweckt, nicht gegen die Sklaverei im eigenen Land vorzugehen.

Auch in der Elfenbeinküste wird der in die ganze Welt exportierte Kakao von Sklaven angebaut. Für Kevin Bales, Autor des Buches „Die neue Sklaverei“, schmeckt „jeder dritte Biss“ in einen Schokoriegel nach Sklaverei. 200.000 Sklaven, die meist aus Mali, Burkina Faso, Niger, Nigeria, Togo und Benin stammen, stemmen in der Elfenbeinküste immerhin 40 Prozent der weltweiten Kakaoernte. Jener Kakao, der in der 1. Welt zu Dumpingpreisen verköstigt wird, jene Schokoriegel von den großen Cash-Cows. Die Sklaven in Afrika arbeiten daher mit für den Wohlstand der reichen Exporteure.

Die Prostitution als weiterer perverser Auswuchs
Mit der Prostitution wächst auch ein weiterer perverser Tumor der heutigen Sklaverei. Die Sklaverei-Expertin Lydia Cacho erklärte in einem Interview mit dem Tagesspiegel, dass 80 Prozent der neuen Sklaven in der Prostitution landen.
Das Sexgeschäft also als ein weiterer Auswuchs des Menschenhandels. Auch die EU schätzt, dass über 200.000 Menschen jährlich als Prostituierte in Zwangsverhältnisse gedrängt werden. Mit falschen Versprechungen werden sie nach Europa gelotst, wo sie vergewaltigt und ihrer Pässe beraubt werden. Im Rotlichtmilieu werfen die jungen Mädchen dann schon früh als wehrlose Drogenopfer lukrative Gewinne ab.

Luxus und Komfort der Mächtigen
In Myanmar sollen laut Klaus Werner und Hans Weiss, die den Bestseller „Das neue Schwarzbuch Markenfirmen“ verfasst haben, Tausende versklavte Einheimische beim Bau einer Erdgasleitung eingesetzt worden sein. Auftraggeber waren die Erdölkonzerne Unocal und Total.
Die Sklaverei dient heute noch denselben Zwecken wie damals – Gewinnmaximierung und Ausbeutung. Zwar werden sie nicht mehr derart pompös aufgeführt, wie bei den Gladiatorenkämpfen oder der motorisierten Sklaverei ab 1800, als Kuba zum Epizentrum des Menschenhandels wurde. Sklaven dienen aber auch heute noch der Maximierung des Luxus und des Komforts einer kleinen Schicht der Mächtigen und Reichen.

(Text: Jerome Kirschbaum)
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Über den Autor

Jerome Kirschbaum
Ressortleiter Sport

Jerome Kirschbaum schreibt am liebsten über Sport, wenn er denn nicht selbst auf einem Platz steht. Seit Oktober 2010 verdingt sich Jerome als Schreiberling für back view, neben den Leibesübungen widmet er sich sich auch politischen Themen. Im wahren Leben musste Jerome zahlreiche Semester auf Lehramt studieren, um dann schlussendlich doch etwas ganz anderes zu werden.

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