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Früher war alles besser

Perfektionismus versus Spaß im heutigen Kinderprogramm

Dora, Mickeys Clubhaus und andere – das Kinderprogramm im Fernsehen hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Diese Sendungen haben einige zeitlose Klassiker fast vollständig aus dem Programm vertrieben. Daher wirft back view einen kritischen Blick auf das heutige Kinderfernsehen.

Es gibt Momente, in denen ich merke, dass ich bereits alt werde. Besonders, wenn ich den Fernseher einschalte und beim Kinderprogramm hängen bleibe, fällt mir auf, dass meine Kindheit schon lange der Vergangenheit angehört. Nur noch selten finde ich dort die Helden meiner Jugend wie Darkwin Duck oder Captain Balu und seine Crew. Auch zeitlose Klassiker, die früher fast rund um die Uhr liefen, wie die Ducktales, der rosarote Panther oder die Looney Tunes und Bugs Bunny, finden kaum noch einen Platz im heutigen Fernsehprogramm.

Modernisierte Klassiker
Selbst bei alt bekannten Sendungen hat mittlerweile ein Umbruch stattgefunden. So wurde der etwas grimmige, ältere Peter Lustig, mit dem ich aufgewachsen bin, in der Sendung „Löwenzahn“ im Zuge der Modernisierung durch den jugendlich aussehenden, sportlichen Fritz Fuchs samt Serienhund  ersetzt. Auch vor Sendungen wie Siebenstein machte die Verjüngungskur nicht Halt und die Hauptperson wurde ersetzt.

Sehe ich dann Pokemon, kenne ich keine einzige Figur mehr außer Ash und Pikachu – für einen damaligen großen Fan, der in Freundschaftsbücher geschrieben hat, er möchte Pokemontrainer werden, ein großer Schock. Als einzige Konstante bleiben nur noch die Sesamstraße und der Sandmann, bei dem man auch heute noch das Gefühl hat, dass die Zeit stehen geblieben wäre.

Erziehung vs. Unterhaltung
Doch was macht das jetzige, neue Kinderfernsehen aus? Über allem scheint die Maxime zu stehen, dass die Sendungen lehrreich sein müssen. Am besten bringt die entsprechende Serie den Kindern auch noch „spielerisch“ eine Fremdsprache bei. Das Musterbeispiel für diese Entwicklung ist die Serie Dora auf Nickelodeon, in denen die Hauptperson verschiedene Rätsel löst und dabei immer wieder auch das Publikum zur Mitarbeit aufruft. So sollen die Zuschauer Dora unterstützen indem sie ihr verschiedene englische Begriffe entgegenrufen. Dabei mutete die Vorstellung von Kindern, die den Fernseher auf Englisch anbrüllen doch sehr seltsam an und es stellt sich auch die Frage, inwieweit sich  eine Fremdsprache auf diese Weise festigt.

Zudem sollte Kinderfernsehen doch hauptsächlich Spaß machen und entspannen. Es ist allerdings fraglich, ob dieser Faktor bei der ständigen Aufforderung an den Zuschauer mitzuarbeiten, nicht auf der Strecke bleibt und das „spielerische“ Lernen auf diese Weise nicht zum Stress wird. Die Charaktere in den heutigen Kinderserien werden sehr glatt und perfekt gehalten. Hauptpersonen wie Dora oder Diego aus der gleichnamigen Serie machen kaum Fehler, sind immer freundlich, hilfsbereit und nett. Sie wissen bei jedem Problem sofort, was zu tun ist und lösen es auch sofort.

Charakterlich und optisch perfekt
Auf diese Weise sollen sie zu Vorbildern für die Kinder werden, allerdings wird es dabei schwierig, sich mit diesen Musterpersonen zu identifizieren und sie lieb zu gewinnen. Es fehlen einfach Antihelden wie der geldgierige Dagobert Duck oder der ewig hungrige Willie E. Coyote aus Roadrunner, die Fehler machen und auch mal böse oder ungeschickt sind. Gerade das macht diese Figuren sympathisch und gibt ihnen Wiedererkennungswert.

Selbst vor Donald Duck, der das Musterbeispiel für diese Art Charakter ist und durch seine cholerische Art zu einer der beliebtesten Comicfiguren aller Zeiten wurde, macht dieser Trend nicht halt. In der Serie Mickeys Clubhaus ist er plötzlich ein guter Freund für alle anderen und regt sich nur noch sporadisch auf. Wird er dadurch zu einem besseren Vorbild für Kinder? Sicherlich. Doch er verliert auf diese Weise auch seinen Charme und viele Witze bleiben auf der Strecke. Darunter leidet schließlich der Unterhaltungsfaktor der Serie.

Auch vor der visuellen Charaktergestaltung macht dieser Hang zum Perfektionismus nicht Halt. Mittlerweile sind die meisten Sendungen, wie auch Mickeys Clubhaus computeranimiert und dabei gehen im buchstäblichen Sinne viele Ecken und Kanten der Figuren verloren. So sind in den aktuellen Sendungen Biene Maja und Willie dünn oder Donald Duck und Goofey bewegen sich mittlerweile fast leichtfüßig.

Wie Opa sagen würde…
Diese Korrekturen gehen ebenfalls klar zu Lasten des Unterhaltungswerts, da gerade Ecken und Kanten Charaktere interessant machen und ihnen einen Wiedererkennungswert geben. Und auch zu Lasten der Realität, denn Bienen sind nun einmal nicht schmal, sondern rundlich und Enten müssen einfach watscheln.

Wenn ich mich aber wieder über das Programm von heute beklage, bleibt mir immer noch die Möglichkeit das unbeschwerte Kind in mir zu reaktivieren und meine damaligen Fernsehhelden, wie Donald Duck auf YouTube zu verfolgen und dabei in der guten alten Zeit zu schwelgen. Meine Kritik am aktuellen Kinderprogramm zeigt mir, wie nah ich doch dem sinnbildlichen Opa im Schaukelstuhl gekommen bin, der sich über die Jugend von heute und deren Geschmack beklagt. Als Kind habe ich mir auch die sinnlosesten Sendungen, wie die Teletubbies begeistert angeschaut. Doch heute als Erwachsener denke ich über den Mehrwert der Kinderserien nach und gebe zu,  früher war Vieles einfach besser, besonders das Fernsehprogramm.

(Text: Maximilian Stenger)

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Maximilian Stenger
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