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Freiheit auf Chinesisch

Das Gefühl vom Frei sein in China

Freiheit in China. Was ist verboten und was erlaubt? Freiheiten, die in Deutschland selbstverständlich sind, sind hier oft nicht gegeben.

Wenn wir Informationen brauchen, dann googlen wir sie einfach. Wenn wir uns mit Freunden verabreden möchten, dann geschieht das für viele auf Facebook. Wenn wir was zu sagen haben, was gehört werden soll, dann twittern wir unsere Meinung in die Welt hinaus. Musik kommt von Youtube. Was wäre unser Leben ohne diese Internetdienste? Für uns sind diese zur Selbstverständlichkeit geworden. Im Internet findet man alles und jeden. Nichts ist geheim. Für alle Themen gibt es Platz, sie zu verbreiten. Das Recht dazu haben wir ja, immerhin herrscht in Deutschland Presse- und Meinungsfreiheit. Zensiert werden darf hier nichts.

Generell leben wir in einem freien Land. Wir Deutschen haben Freiheit. Wir suchen uns aus, wie wir leben und lieben, welche Religion wir annehmen, für welche politische Partei wir stimmen. Wir können unsere Meinungen jederzeit frei äußern, haben die Freiheit der Berufswahl und unsere Medien dürfen nicht zensiert werden. Kurz und knapp: Wir können tun und lassen was wir wollen, so lange wir uns an bestehende Gesetze halten. Das ist Freiheit in Deutschland. Geregelt sind diese Gesetze im Grundgesetz unter den Grundrechten.

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Social Media in China

Kontrastreich dazu ist die Volksrepublik China. Freiheit, so wie wir sie kennen, existiert hier nicht. Facebook, Twitter oder Google sind in China gesperrt. Die Entscheidung, diese Seiten zu sperren, trifft die Regierung. Alles was der Partei nicht angenehm ist, wird dem chinesischen Volk unzugänglich gemacht. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung meldet, dass sogar die Seite der New York Times gesperrt wurde, da sie über die hohen Kontostände der politischen Führer Chinas berichtete. Das junge Onlinemagazin des Spiegels „Bento“ teilt mit, dass zum Beispiel auch manche Angebote der Deutschen Welle in China geblockt werden. Informationen, die der Meinung der Partei nach nichts in der Öffentlichkeit zu suchen haben, werden verschwiegen. Bei den gesperrten Inhalten handelt es sich meist um Kritik an der chinesischen Regierung, aber auch alles andere was zu dieser führen könnte.

Für all die gesperrten Seiten und blockierten Inhalte ist die Große Firewall in der Volksrepublik zuständig. Sie ist verantwortlich dafür, dass rund 668 Millionen chinesische Internetnutzer keinen Zugriff auf bestimmte Informationen im Netz haben. Die Große Firewall wird von der chinesischen Regierung gesteuert und macht es sich zur Aufgabe, regierungskritische oder sogar negative Bemerkungen zu zensieren. Die Regierung darf in China nicht kritisiert werden. Auch Nachrichten, welche die Regierung aus strategischen Gründen zurückhalten möchte, werden oft nicht veröffentlicht bzw. erst viel später.

Für den ein oder anderen mag sich die Vorstellung vom Verzicht auf Facebook, Google, Twitter & Co. furchterregend anhören, aber es muss erwähnt werden, dass es für alle diese Dienste Ersatz gibt. Google wird im Land der roten Flagge durch Baidu ersetzt, Twitter durch Weibo, Facebook durch renren und Youtube durch youku. Diese Portale erfreuen sich, genau wie ihre Gegenstücke, größter Popularität. Man könnte fast meinen, dass das chinesische Volk in der Nutzung dieser Webseiten frei ist. Aber: Erlaubt sind diese Internetdienste, weil sie von der chinesischen Regierung kontrolliert werden können. Falls dort etwas veröffentlicht wird, was sich gegen die Regierung richtet oder ihrer Meinung nach nicht an die Öffentlichkeit geraten sollte, kann diese sofort handeln und die Inhalte sperren.

Pressefreiheit versus China

In China wird also stark zensiert. Nicht nur im Internet, sondern überall. Man darf nicht kritisch gegen die Regierung vorgehen, Internet und auch die Presse wird zensiert, es existiert kaum politische Freiheit. Besonders Journalisten wird es schwer gemacht. Laut des Deutschen Journalistenverbandes ist der oberste Auftrag eines jeden Journalisten „hauptberuflich an der Verbreitung und Veröffentlichung von Informationen, Meinungen und Unterhaltung durch Massenmedien beteiligt zu sein“. Kompliziert wird es allerdings, wenn bestimmte Informationen und Meinungen nicht veröffentlicht werden dürfen, wie es in China der Fall ist.

Die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ berichtet, dass China zu den Ländern mit den meisten inhaftierten Bloggern und Journalisten zählt. Auf der Rangliste der Pressefreiheit der Organisation belegt China Platz 176 von 180. Insgesamt befinden sich momentan 21 Journalisten und 81 Online-Aktivisten und Bürgeraktivisten in Haft in der chinesischen Volksrepublik.

Die Medien werden in China gesteuert. Ob TV, Radio, Print oder Online, alles wird kontrolliert und gegebenenfalls auch zensiert. Die Pressefreiheit ist nicht gesichert.



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Die chinesische Dozentin Dr. Jingrong Tong lehrt an der University of Leicester und hat sich in einigen ihrer Publikationen mit der Situation für Journalisten in China auseinandergesetzt. Sie betont, dass es für chinesische Journalisten essentiell ist, die Politik über ihre eigene Professionalität zu stellen.

Man könnte fast meinen, alle Chinesen würden ihrer Presse- und Meinungsfreiheit beraubt. Auch wenn es gesetzlich geregelt ist, dass fast alles im Internet und in den Medien kontrolliert wird, so sind Wege geschaffen geworden um diese Regulationen zu umgehen.

Der einzelne Bürger kann sich zum Beispiel einen VPN-Tunnel anschaffen, mit dem er ausländische Seiten besuchen kann und somit der Zensur entgeht. Das Magazin „Wired“ beschreibt dies aber als selten. Gerade mal 25 % der Internetnutzer haben einen VPN-Zugang.

Auch Journalisten haben Wege gefunden, um ihre Arbeit professionell auszuüben. Dr. Tong beschreibt in ihrer Publikation „Guerilla tactics of investigative journalists in China“ verschiedene Wege um ehrliche und kritische Berichterstattung im Journalismus zu garantieren.

Die Zensur umgehen

Was wir in der Bundesrepublik als Presse-und Meinungsfreiheit verstehen, bedeutet in China etwas ganz Anderes. Zwar sind diese zwei Freiheiten dort besonders streng reguliert, aber es gibt auch Wege, diese wenigstens ein bisschen zu umgehen. Obwohl stark kontrolliert wird, nutzen die meisten die chinesischen Pendants zu den bekannten Online-Plattformen wie Twitter und Facebook. Kritik wird auch geübt, wenn auch auf eine andere Art und Weise wie wir es kennen. Freiheit bedeutet in China eben etwas Anderes als es in Deutschland bedeutet.

(Foto: Julian Schliwinski by jugendfotos.de)

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