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Frauenstudiengänge: Ursachenforschung muss her!

Frauen und Männer – ein Blick auf die Gleichberechtigung

Im Bildungssystem werden Frauenstudiengänge populärer. Diese lassen ausschließlich Frauen zu. Insbesondere für die sogenannten MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) gibt es Frauenstudiengänge. Der Grund hierfür ist, dass diese Fächer stark von Männern dominiert sind. Man möchte die Anzahl der Frauen in diesen Fächern erhöhen. Frauenstudiengänge werden je nach Hochschule gänzlich oder bis zum dritten Semester getrennt unterrichtet. Ob eine Absolventin einen Frauenstudiengang besucht hat, geht nicht aus dem Abschlusszeugnis hervor. Es steht der Hochschule frei, dies mit einem Vermerk zu erwähnen.

FrauenstudiengängeFrauenverbände und Politik setzen sich seit langem für Gleichberechtigung und Gleichstellung ein. Durch die Einführung von Frauenstudiengängen wird eine gesellschaftliche Trennung zwischen Frauen und Männern vorgenommen. Dies widerspricht dem, worauf die Gesellschaft hinarbeitet. Speziell in der Anfangszeit des Studiums lernen sich die neuen Erstsemester kennen. Es bilden sich verschiedene Gruppen. Dieses Verhalten kennt man aus der Schule. Das Trennen von Studentinnen und Studenten führt dazu, dass sie später bei gemischten Veranstaltungen auf fest gebildete Gruppen stoßen. Studentinnen von Frauenstudiengängen finden dadurch schwerer Anschluss.

Frauen und Männer lernen und denken verschieden. Ebenso haben beide Geschlechter unterschiedliche Erfahrungen mit Thematiken gemacht. Hieraus ergeben sich für beide Geschlechter wertvolle Chancen. Themen werden durch eine gemischte Veranstaltung aus vielfältigen Gesichtspunkten betrachtet und hinterfragt. Dadurch ergibt sich eine höhere Qualität der Lehre. Ein Frauenstudiengang verliert diesen Vorteil in den ersten Semestern, wodurch es automatisch zu einem Verlust von wichtigen Einflüssen kommt.

Die Berufswelt kennt keine künstliche Trennung der Geschlechter. Jede Absolventin eines Frauenstudiengangs muss in der Berufswelt, zumindest in den MINT-Fächern, fest mit einem Überhang an Männern rechnen. Es ist wichtig, dass beide Geschlechter von vornherein lernen miteinander richtig umzugehen. Dazu gehört gegenseitiger Respekt und Verständnis für unterschiedliche Denk- und Lerntypen. Eine Trennung nach Geschlechtern kann zu falschen Ansichten gegenüber dem anderen Geschlecht führen. Dies hätte fatale Auswirkungen auf das Leben der Absolventinnen und Absolventen.

Aus Gründen der Fairness und Transparenz sollten (zukünftige) Arbeitgeber in jedem Fall erkennen können, ob ein Frauenstudiengang belegt wurde. So kann sich der Arbeitgeber hierüber informieren. Anschließend steht es ihm frei zu entscheiden, wie er über Frauenstudiengänge denkt. Der Arbeitgeber stellt die Bewerberin so nicht unter falschen Annahmen ein. Schließlich ist es das gute Recht des Arbeitgebers Frauenstudiengängen kritisch gegenüberzustehen.

Viel wichtiger ist die Beseitigung des Ursprungs, weshalb sich Frauen unwohl fühlen. Mögliche Gründe könnten fehlendes Selbstbewusstsein, der MINT-Ruf des frauenuntypischen Berufs, das Vermissen von Frauengesprächen oder auch ein Fachwissen bezogenes Unterlegenheitsgefühl gegenüber Männern sein. Man weiß es nicht. Der Ursprungsgedanke hinter den Frauenstudiengängen ist gut: Die Ungleichheit der Geschlechter in den Berufen soll ausgeglichen oder zumindest verringert werden. Davon könnte die Berufswelt sicherlich profitieren. Dies darf jedoch nicht mit der Holzhammer-Methode um jeden Preis geschehen. Frauenstudiengänge wären solch eine Holzhammer-Methode.

Wenn Frauen sich in den MINT-Fächern wohlfühlen, dann werden sie von alleine diesen Fächern nachgehen. Das geschieht dann sogar ganz ohne Zwang oder künstliche Konstrukte wie Frauenstudiengänge. Die Lösung für das Problem, dass wenige Frauen MINT-Fächer studieren wollen, liegt in der Ursachenforschung. Erst wenn man die wirklichen Gründe kennt kann man vernünftig handeln. Alles andere ist mit einem Herumstochern im Dunkeln vergleichbar.

Es ist zudem fraglich, ob und inwieweit das Trennen von Mitmenschen in unserer Gesellschaft einen Platz haben sollte. Wenn eine Gesellschaft erst einmal begonnen hat, nach Geschlechtern zu trennen, dann dauert es nicht lange bis zur Frage nach dem Trennen nach Lerntypen, Religionen, Nationalitäten oder anderen Gesichtspunkten. Die unmittelbare Folge wäre eine gespaltene Gesellschaft.

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Kommentare (2)

  • Daniel Ghan

    Gut geschriebener Artikel. Ich verstehe nicht was gegen Frauenstudiengänge einzuwenden ist. Jede Studentin kann sich auch für den gemischten Studiengang entscheiden. Und das Hochschulen die Tatsache, dass ein Frauenstudiengang besucht wurde, im Zeugnis nicht erwähnen nicht erwähnen ist ihr gutes Recht. Das Interesse der Absolventin dieses Detail außen vor zu lassen überwiegt sehr dem Interesse des Arbeitgebers zu wissen ob ein solcher Studiengang besucht wurde oder nicht.

    Auch die Tatsache, dass die Studentinnen in höheren Semestern dann doch in den gemischten Studiengang wechseln und beide Parteien die Denkweise des anderen nicht nachvollziehen können entspricht nicht der Realität. In der Regel haben beide Geschlechter schon 12-13 Jahre zusammen gelernt.

    Insgesamt zwar schön geschrieben aber es wird ein paar Problem erörtert was keines ist.

    Antworten
  • Clemens Prill

    Hallo Daniel,

    danke dir für dein Feedback. Das Problem an Frauenstudiengängen ist nicht, dass man dazu gezwungen wird. Wie du schon sagst: Jede Frau kann darüber frei entscheiden. So ist es fair. Das eigentliche Problem wird mehr durch die anderen Argumente im Text sichtbar.

    Bezüglich der Aussage, dass die beiden Geschlechter die unterschiedlichen Denkweisen nicht verstehen, scheinst du mich falsch verstanden zu haben. Es geht mehr darum, dass der Frauenstudiengang dann den Ruf des “Puddingstudiums” bekommt (siehe: http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/frauen-studiengaenge-maenner-muessen-draussen-bleiben-a-736153.html ), oder eben andere subjektive Sichtweisen. Dabei ist egal, ob Frauen dann anders über die Männer denken oder Männer über die Frauen. Nicht von der Hand zu weisen ist, dass beide Geschlechter voneinander lernen können. Das entfällt bei Frauenstudiengängen, zumindest in den ersten 3 Semestern oder, je nach Hochschule, bis zum Ende des Studiums.

    Allgemein kannst du dir mal http://www.studis-online.de/Studienfuehrer/frauenstudiengaenge.php anschauen. Dort sind im Text schon, obwohl er für Frauenstudiengänge wirbt, direkte Widersprüche ersichtlich, auch wenn das wohl eher unbeabsichtigt war.

    Der Artikel ist auf eine bestimmte Länge begrenzt. Daher kann ich nicht alle Argumente erläutern. Weitere Wichtige sind unter anderem:
    - Frauen in Frauenstudiengängen schneiden besser ab als Männer bei gleichen Prüfungen (Problem: Frauenstudiengänge mit 25 Frauen haben eine bessere Lernatmosphäre, als gemischte Studiengänge mit mehr als 100 Studentinnen und Studenten. Stichwort: Chancengleichheit, Niveau Privatunterricht)
    - Frauenstudiengänge sind je nach Hochschule mit anderen Modulen oder Inhalten versehen (hier werden also unterschiedliche Studiengänge unter dem gleichen Namen vermarktet)

    Weitere Denkanreize für die Problematik findest du beispielsweise unter diesem FAZ-Artikel in den Diskussionen: http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/campus/frauen-studiengaenge-frauen-und-technik-12755686.html

    Wichtig ist zu forschen, warum Frauen keine MINT-Studiengänge besuchen wollen. Die Ursache hilft uns dabei, dass wir sinnvolle Lösungen finden. Meiner Meinung nach ist ein Frauenstudiengang keine solche. Der Gleichberechtigungs- und Förderwahn, der sich neben Frauenstudiengängen auch in Form von Frauenquoten, das Streichen von Schweinefleisch aus deutschen Mensen, usw. gehört gestoppt.

    Viele Grüße
    Clemens Prill

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