backview.eu http://backview.eu Online Journalismus von jungen Medienmachern Tue, 28 Mar 2017 09:37:55 +0000 de-DE hourly 1 http://wordpress.org/?v=3.8 Europa, mehr als ein Kontinenthttp://backview.eu/europa-mehr-als-ein-kontinent/ http://backview.eu/europa-mehr-als-ein-kontinent/#comments Mon, 27 Mar 2017 15:29:49 +0000 http://backview.eu/?p=26174 Europa_

"Der Tag wird kommen, an dem der Hass, der im Krieg unvermeidlich scheint, überwunden wird. Einmal muss das Europa Wirklichkeit werden, in dem Europäer leben können“, schrieb einst der spätere Bundeskanzler Willy Brandt im Jahre 1943 als der zweite Weltkrieg Europa heimsuchte und verwüstete. Am 25. März feiern wir 60 Jahre Europäische Union, ein Blick zurück und voran auf die Geschichte des Europäischen Projektes.[divide]

Europa_

Am Anfang stand der Friede

Krieg und Frieden, frei nach dem gleichnamigen Werk des russischen Autors Tolstoi, so lässt sich die Geschichte zusammenfassen. Erbfeindschaften und Hegemonieansprüche bestimmten das Zusammenleben der Menschen und Völker auf dem Kontinent über Jahrhunderte.

"Europa ist ein paradoxes System – es hat das Höchstmaß an geistiger Einheit verwirklicht (jedenfalls das bisher beobachtet wurde) – und das Höchstmaß an Zerrissenheit in Hinsicht auf die Willenskräfte.", bedauerte der französische Philosoph Paul Valéry schon 1924.

Das ist erstaunlich, ist doch die europäische Idee so alt, wie Europa selbst. Es war der französische Herzog Maximilien de Béthune Herzog von Sully (1560-1640), der in seinem Werk „Mémoires ou Oeconomies royales d’Estat“ erstmals von der „Union europeene“ sprach. Im Zuge der osmanischen Eroberungen und Belagerung Wiens 1683 entstanden weitere Pläne. In seinem „Essay towards the Present and Future Peace of Europe“ entwirft der spätere Gründers von Pennsylvania William Penn 1693, die Vision eines demokratischen Friedens in Europa, gestützt durch ein gemeinsames Parlament. Mit seinem Vorschlag eines europäischen Parlaments glichen die Ideen schon sehr späteren Umsetzungen. Gestützt auf Immanuel Kants „demokratischen Frieden“ forderte der französische Schriftsteller Victor Hugo schon 1849 die „Vereinigten Staaten von Europa“, was Winston Churchill knapp einhundert Jahre später nach Schrecken und Zerstörung 1946 wiederholte: „Lasst uns die Vereinigten Staaten von Europa erschaffen.“

"Die Einheit Europas war ein Traum weniger. Sie wurde eine Hoffnung für viele. Sie ist heute eine Notwendigkeit für alle." - Konrad Adenauer

Es war am 25. März 1957 als sich die Staatschefs von Deutschland, Frankreich, Italien und den BeNELux-Staaten in Rom trafen, das Fundament der europäischen Union zu legen.

Auf einmal kam der Frust

Die Zusammenarbeit in kriegswichtigen Gütern sollte den Frieden sichern. Die Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft sollte die Stabilität und den Zusammenhalt des europäischen Kontinents stärken. Die ehren Ziele wurden jedoch bald von der Realität eingeholt. In den 1960er Jahren kam es zu „Krise des leeren Stuhles“, in denen sich der damalige französische Präsident Charles de Gaulle gegen die Einführung der Mehrheitsentscheidung in der Europäischen Kommission aussprach. Die Europäische Kommission war für ein halbes Jahr 1965 handlungsunfähig geworden. Erst ein Kompromiss konnte die Situation entschärfen.

Ebenso schwierig stellte sich die Erweiterung der EU dar, als die Aufnahme Dänemarks und Großbritanniens zunächst am Widerstand Frankreichs gescheitert war. Erst 1973 nach langen Verhandlungen wurde Großbritannien Mitglied der EU. Jedoch entbrannten innerhalb des britischen konservativen Partei bald ein Richtungsstreit über die Zukunft der Europäischen Gemeinschaft. In einem Referendum 1975 entschied sich die Mehrheit der Briten trotz allem für einen Verbleib in der EWG, obwohl im Gegenzug Großbritannien viele Sonderrechte zugestanden wurden. Heute schwer vorzustellen, war die Stimmung sehr proeuropäisch Die Ölkrise brachte den Elan der Gründerjahre zum Erliegen gekommen, die Phase der „Eurosklerose“ begann. Verschiedene Interessen der Mitgliedsstaaten legten eine Weiterentwicklung des europäischen Projektes lahm. Erst die „Gemeinsame Europäische Akte“ zur Schaffung des europäischen Binnenmarktes gaben dem ganzen neuen Schwung.

Was für eine Freude

„Mr. Gorbatschow, tear down this wall“. “ Die Mauer muss weg.” Was vorher als unvorstellbar erschien wurde 1989 auf einmal greifbare Wirklichkeit, der eiserne Vorhang, der bis dato einen Kontinent getrennt hatte, ging auf und läutete ein neues Kapital der europäischen Geschichte ein. Erstmals schien der Traum eines vereinigten Europas zum greifen nahe. Einigkeit und Recht und Freiheit wurden zu wichtigen, heute kaum mehr wegzudenkenden Bestandteilen der Europäischen Union. Mit dem Abkommen von Schengen 1995 gingen die Schlagbäume auf, eine gemeinsame Währung wurde geschaffen, Europa wuchs und wuchs mit dem Beitritt von zehn neuen Mitgliedern 2004 auch um ein großes Stück zusammen. Heute umfasst die Europäische Union 28 Mitgliedsstaaten, die in einer der größten, wohlhabenden und friedlichen Regionen dieser Erde in gemeinsamen europäischen Institutionen zusammenarbeiten zusammenarbeiten.

„Natürlich haben wir Interessengegensätze, aber der zivilisatorische Fortschritt besteht doch darin, dass wir diese Konflikte in Sitzungssälen austragen und nicht auf Schlachtfeldern“, meinte einst der deutsche Außenminister Hans Dietrich Genscher. Was einst als Traum, als Idee begann ist heute eine gelebte Realität geworden. Es herrscht Frieden Europa, so lange wie noch nie zuvor in der turbulenten und wechselhaften Geschichte des Kontinents.

Es bleibt die Frage

Am 25. März diesen Jahres feiert die Europäische Union ihren 60. Geburtstag. Dies ist ein Grund zu feiern, aber auch zu fragen. Es machen sich Anzeichen des Alters deutlich.
Der einstige Traum von Europa ist heute eine Realität, ja manchmal eine zu große Selbstverständlichkeit geworden. Nach all den Jahren scheinen die einstigen Ideale von Frieden und Freiheit einer zunehmenden Skepsis zu weichen. Der Brexit macht dies deutlich.
Legitimationskrisen, Migrationskrisen, Finanzkrisen scheinen die Union zu erschüttern, an den gemeinsamen Pfeilern des „Europäischen Hauses“ zu rütteln. Was ist also zu tun?
Kürzlich veröffentlichte Kommissionspräsident Jean Claude Junker ein Papier mit fünf Optionen für die Zukunft der Europäischen Union, die von den „Vereinigten Staaten von Europa“ bis hin zu einer reinen Wirtschaftsunion reichen. Es herrscht Handlungsbedarf.

Vielfach wird Europa als „Brüssel“ gesehen, als ein technokratisches, undemokratisches Gebilde im Zentrum des Kontinents. Dies ist bedingt sogar zutreffend, war doch Europa einst ein Elitenprojekt. Es bedarf umfassender Kenntnisse der internen Abläufe um die Prozesse in den Organen der Europäischen Union zu verstehen und bewerten zu können.

Aber dies ist nur eine Seite. Millionen von europäischen Bürgerinnen und Bürgern machen sich jedes Jahr auf um für Urlaub, Studium oder Arbeit ein anderes Land zu bereisen. Völker, die sich vorher als Feinde sahen, sind heute Nachbarn und Freunde. Ein solches Europa, der Möglichkeiten, der Chancen zu begreifen, dazu benötigt es keiner umfassenden Studien, keines Expertenwissens sondern eines offenen Verstandes und Herzens. Ein solches Europa erklärt sich durch sich selbst, durch sein tägliches friedliches Miteinander von ganz alleine.

„Europa ist kein Ort, sondern eine Idee“, wie der französische Journalist Bernard-Henri Lévy erkennt. Diese Idee lebt in den Köpfen der Europäerinnen und Europäer. Derzeit befindet sich die Europäische Union allerdings in einer Krise. Die Ungleichgewichte innerhalb des gemeinsamen Binnenmarktes dürfen an dieser Stelle nicht verschwiegen werden, lassen am Sinn des europäischen Projektes zweifeln, aber steht doch Krise dem Wortsinn selbst für die Möglichkeit. Es zeigte sich, dass Europa aus seinen Krisen lernen und wachsen kann.

Neue Ideen sind gefragt, nicht ob, sondern welches Europa wir haben wollen. Nun ist die Zeit Weichen in die Zukunft zu stellen, vorauszudenken, bedeutet doch Europa, frei nach der griechischen Sage, die Frau mit Weitblick. Entwickeln wir gemeinsam diese Idee weiter.

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"Der Tag wird kommen, an dem der Hass, der im Krieg unvermeidlich scheint, überwunden wird. Einmal muss das Europa Wirklichkeit werden, in dem Europäer leben können“, schrieb einst der spätere Bundeskanzler Willy Brandt im Jahre 1943 als der zweite Weltkrieg Europa heimsuchte und verwüstete. Am 25. März feiern wir 60 Jahre Europäische Union, ein Blick zurück und voran auf die Geschichte des Europäischen Projektes.[divide]

Europa_

Am Anfang stand der Friede

Krieg und Frieden, frei nach dem gleichnamigen Werk des russischen Autors Tolstoi, so lässt sich die Geschichte zusammenfassen. Erbfeindschaften und Hegemonieansprüche bestimmten das Zusammenleben der Menschen und Völker auf dem Kontinent über Jahrhunderte."Europa ist ein paradoxes System – es hat das Höchstmaß an geistiger Einheit verwirklicht (jedenfalls das bisher beobachtet wurde) – und das Höchstmaß an Zerrissenheit in Hinsicht auf die Willenskräfte.", bedauerte der französische Philosoph Paul Valéry schon 1924.Das ist erstaunlich, ist doch die europäische Idee so alt, wie Europa selbst. Es war der französische Herzog Maximilien de Béthune Herzog von Sully (1560-1640), der in seinem Werk „Mémoires ou Oeconomies royales d’Estat“ erstmals von der „Union europeene“ sprach. Im Zuge der osmanischen Eroberungen und Belagerung Wiens 1683 entstanden weitere Pläne. In seinem „Essay towards the Present and Future Peace of Europe“ entwirft der spätere Gründers von Pennsylvania William Penn 1693, die Vision eines demokratischen Friedens in Europa, gestützt durch ein gemeinsames Parlament. Mit seinem Vorschlag eines europäischen Parlaments glichen die Ideen schon sehr späteren Umsetzungen. Gestützt auf Immanuel Kants „demokratischen Frieden“ forderte der französische Schriftsteller Victor Hugo schon 1849 die „Vereinigten Staaten von Europa“, was Winston Churchill knapp einhundert Jahre später nach Schrecken und Zerstörung 1946 wiederholte: „Lasst uns die Vereinigten Staaten von Europa erschaffen.“
"Die Einheit Europas war ein Traum weniger. Sie wurde eine Hoffnung für viele. Sie ist heute eine Notwendigkeit für alle." - Konrad Adenauer
Es war am 25. März 1957 als sich die Staatschefs von Deutschland, Frankreich, Italien und den BeNELux-Staaten in Rom trafen, das Fundament der europäischen Union zu legen.

Auf einmal kam der Frust

Die Zusammenarbeit in kriegswichtigen Gütern sollte den Frieden sichern. Die Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft sollte die Stabilität und den Zusammenhalt des europäischen Kontinents stärken. Die ehren Ziele wurden jedoch bald von der Realität eingeholt. In den 1960er Jahren kam es zu „Krise des leeren Stuhles“, in denen sich der damalige französische Präsident Charles de Gaulle gegen die Einführung der Mehrheitsentscheidung in der Europäischen Kommission aussprach. Die Europäische Kommission war für ein halbes Jahr 1965 handlungsunfähig geworden. Erst ein Kompromiss konnte die Situation entschärfen.Ebenso schwierig stellte sich die Erweiterung der EU dar, als die Aufnahme Dänemarks und Großbritanniens zunächst am Widerstand Frankreichs gescheitert war. Erst 1973 nach langen Verhandlungen wurde Großbritannien Mitglied der EU. Jedoch entbrannten innerhalb des britischen konservativen Partei bald ein Richtungsstreit über die Zukunft der Europäischen Gemeinschaft. In einem Referendum 1975 entschied sich die Mehrheit der Briten trotz allem für einen Verbleib in der EWG, obwohl im Gegenzug Großbritannien viele Sonderrechte zugestanden wurden. Heute schwer vorzustellen, war die Stimmung sehr proeuropäisch Die Ölkrise brachte den Elan der Gründerjahre zum Erliegen gekommen, die Phase der „Eurosklerose“ begann. Verschiedene Interessen der Mitgliedsstaaten legten eine Weiterentwicklung des europäischen Projektes lahm. Erst die „Gemeinsame Europäische Akte“ zur Schaffung des europäischen Binnenmarktes gaben dem ganzen neuen Schwung.

Was für eine Freude

„Mr. Gorbatschow, tear down this wall“. “ Die Mauer muss weg.” Was vorher als unvorstellbar erschien wurde 1989 auf einmal greifbare Wirklichkeit, der eiserne Vorhang, der bis dato einen Kontinent getrennt hatte, ging auf und läutete ein neues Kapital der europäischen Geschichte ein. Erstmals schien der Traum eines vereinigten Europas zum greifen nahe. Einigkeit und Recht und Freiheit wurden zu wichtigen, heute kaum mehr wegzudenkenden Bestandteilen der Europäischen Union. Mit dem Abkommen von Schengen 1995 gingen die Schlagbäume auf, eine gemeinsame Währung wurde geschaffen, Europa wuchs und wuchs mit dem Beitritt von zehn neuen Mitgliedern 2004 auch um ein großes Stück zusammen. Heute umfasst die Europäische Union 28 Mitgliedsstaaten, die in einer der größten, wohlhabenden und friedlichen Regionen dieser Erde in gemeinsamen europäischen Institutionen zusammenarbeiten zusammenarbeiten.„Natürlich haben wir Interessengegensätze, aber der zivilisatorische Fortschritt besteht doch darin, dass wir diese Konflikte in Sitzungssälen austragen und nicht auf Schlachtfeldern“, meinte einst der deutsche Außenminister Hans Dietrich Genscher. Was einst als Traum, als Idee begann ist heute eine gelebte Realität geworden. Es herrscht Frieden Europa, so lange wie noch nie zuvor in der turbulenten und wechselhaften Geschichte des Kontinents.

Es bleibt die Frage

Am 25. März diesen Jahres feiert die Europäische Union ihren 60. Geburtstag. Dies ist ein Grund zu feiern, aber auch zu fragen. Es machen sich Anzeichen des Alters deutlich. Der einstige Traum von Europa ist heute eine Realität, ja manchmal eine zu große Selbstverständlichkeit geworden. Nach all den Jahren scheinen die einstigen Ideale von Frieden und Freiheit einer zunehmenden Skepsis zu weichen. Der Brexit macht dies deutlich. Legitimationskrisen, Migrationskrisen, Finanzkrisen scheinen die Union zu erschüttern, an den gemeinsamen Pfeilern des „Europäischen Hauses“ zu rütteln. Was ist also zu tun? Kürzlich veröffentlichte Kommissionspräsident Jean Claude Junker ein Papier mit fünf Optionen für die Zukunft der Europäischen Union, die von den „Vereinigten Staaten von Europa“ bis hin zu einer reinen Wirtschaftsunion reichen. Es herrscht Handlungsbedarf.Vielfach wird Europa als „Brüssel“ gesehen, als ein technokratisches, undemokratisches Gebilde im Zentrum des Kontinents. Dies ist bedingt sogar zutreffend, war doch Europa einst ein Elitenprojekt. Es bedarf umfassender Kenntnisse der internen Abläufe um die Prozesse in den Organen der Europäischen Union zu verstehen und bewerten zu können.Aber dies ist nur eine Seite. Millionen von europäischen Bürgerinnen und Bürgern machen sich jedes Jahr auf um für Urlaub, Studium oder Arbeit ein anderes Land zu bereisen. Völker, die sich vorher als Feinde sahen, sind heute Nachbarn und Freunde. Ein solches Europa, der Möglichkeiten, der Chancen zu begreifen, dazu benötigt es keiner umfassenden Studien, keines Expertenwissens sondern eines offenen Verstandes und Herzens. Ein solches Europa erklärt sich durch sich selbst, durch sein tägliches friedliches Miteinander von ganz alleine.„Europa ist kein Ort, sondern eine Idee“, wie der französische Journalist Bernard-Henri Lévy erkennt. Diese Idee lebt in den Köpfen der Europäerinnen und Europäer. Derzeit befindet sich die Europäische Union allerdings in einer Krise. Die Ungleichgewichte innerhalb des gemeinsamen Binnenmarktes dürfen an dieser Stelle nicht verschwiegen werden, lassen am Sinn des europäischen Projektes zweifeln, aber steht doch Krise dem Wortsinn selbst für die Möglichkeit. Es zeigte sich, dass Europa aus seinen Krisen lernen und wachsen kann.Neue Ideen sind gefragt, nicht ob, sondern welches Europa wir haben wollen. Nun ist die Zeit Weichen in die Zukunft zu stellen, vorauszudenken, bedeutet doch Europa, frei nach der griechischen Sage, die Frau mit Weitblick. Entwickeln wir gemeinsam diese Idee weiter.

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DAS NERVT MICHhttp://backview.eu/das-nervt-mich/ http://backview.eu/das-nervt-mich/#comments Wed, 15 Mar 2017 23:46:00 +0000 http://backview.eu/?p=26147 dasnervtmich backview.eu

dasnervtmich backview.eu
weltpolitik nervtZu Beginn erklärt Antje Kellos, warum sie die Weltpolitik so nervt:

Es fühlt sich so unglaublich schwer und kompliziert an. Ich mag Politik eigentlich; aber nicht so! Mich nervt, wie Putin, Trump und Erdogan machen was sie wollen, während Merkel irgendwo dazwischen umherpaddelt. Was wollen die Herrscher des 21. Jahrhunderts eigentlich erreichen? Worum geht es ihnen?

lego_uhr Ulrike Botha kommentiert, warum sie öffentliche Orte nerven:

Es ist nicht so, dass es rein an den Menschen liegt, denn häufig sind die Gänge schon zu eng gebaut oder es gibt zu wenige Ausgänge. Aber mal ganz ehrlich, ohne die Menschen wäre es nicht mal annähernd so schlimm. Hiermit möchte ich nicht die komplette Menschheit unter Beschuss nehmen, sondern einige Personengruppen mit bestimmten Eigenschaften, von denen ich mir sicher bin, dass jeder schon weiß, welche damit gemeint sind.

bahnhofWarum uns die Welt nervt, beschreibt Stephan Raab:

„Geh bitte!“. Kurz und doch prägnant fast der Österreicher die Weltsituation zusammen. Wir sind genervt. Bereits der bekannteste Grießgramm der Antike Diogenes von Sinope entgegnete Alexander dem Großen, als dieser ihn nach seinen Wünschen fragte: „Geh bitte. Geh mir einfach aus der Sonne.“

Schließlich ein Blick auf unser Titelthema aus dem Jahr 2013: HASSGRUPPEN hassgruppen_tt

An der ein oder anderen Stelle haben wir es mit unserem Hass vielleicht etwas übertrieben, also legt bitte nicht alles auf die Goldwaage. Miriam Keilbach schreibt in ihrem ersten Text, warum sie Raucher von Grund auf hasst. In einem zweiten Kommentar fällt Miriam über Bahnfahrer bzw. die vielen Nachteile gegenüber eines eigenen Autos her. Laura Gassner zerlegt die heile Welt einer Beziehung und eines fröhlichen Familienlebens. Wieso Technofans eine ganz eigenartige Spezies Mensch ist, kommentiert Maximilian Stenger. Schließlich hasst Jerome Kirschbaum alle Autofahrer und ihr rücksichtsloses Verhalten im Straßenverkehr.

(Foto: Roman Henn by jugendfotos.de)

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dasnervtmich backview.eu weltpolitik nervtZu Beginn erklärt Antje Kellos, warum sie die Weltpolitik so nervt:
Es fühlt sich so unglaublich schwer und kompliziert an. Ich mag Politik eigentlich; aber nicht so! Mich nervt, wie Putin, Trump und Erdogan machen was sie wollen, während Merkel irgendwo dazwischen umherpaddelt. Was wollen die Herrscher des 21. Jahrhunderts eigentlich erreichen? Worum geht es ihnen?
lego_uhr Ulrike Botha kommentiert, warum sie öffentliche Orte nerven:
Es ist nicht so, dass es rein an den Menschen liegt, denn häufig sind die Gänge schon zu eng gebaut oder es gibt zu wenige Ausgänge. Aber mal ganz ehrlich, ohne die Menschen wäre es nicht mal annähernd so schlimm. Hiermit möchte ich nicht die komplette Menschheit unter Beschuss nehmen, sondern einige Personengruppen mit bestimmten Eigenschaften, von denen ich mir sicher bin, dass jeder schon weiß, welche damit gemeint sind.
bahnhofWarum uns die Welt nervt, beschreibt Stephan Raab:
„Geh bitte!“. Kurz und doch prägnant fast der Österreicher die Weltsituation zusammen. Wir sind genervt. Bereits der bekannteste Grießgramm der Antike Diogenes von Sinope entgegnete Alexander dem Großen, als dieser ihn nach seinen Wünschen fragte: „Geh bitte. Geh mir einfach aus der Sonne.“
Schließlich ein Blick auf unser Titelthema aus dem Jahr 2013: HASSGRUPPEN hassgruppen_ttAn der ein oder anderen Stelle haben wir es mit unserem Hass vielleicht etwas übertrieben, also legt bitte nicht alles auf die Goldwaage. Miriam Keilbach schreibt in ihrem ersten Text, warum sie Raucher von Grund auf hasst. In einem zweiten Kommentar fällt Miriam über Bahnfahrer bzw. die vielen Nachteile gegenüber eines eigenen Autos her. Laura Gassner zerlegt die heile Welt einer Beziehung und eines fröhlichen Familienlebens. Wieso Technofans eine ganz eigenartige Spezies Mensch ist, kommentiert Maximilian Stenger. Schließlich hasst Jerome Kirschbaum alle Autofahrer und ihr rücksichtsloses Verhalten im Straßenverkehr.(Foto: Roman Henn by jugendfotos.de)

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Die Weltpolitik nervt mich!http://backview.eu/die-weltpolitik-nervt-mich/ http://backview.eu/die-weltpolitik-nervt-mich/#comments Wed, 15 Mar 2017 23:43:53 +0000 http://backview.eu/?p=26149 weltpolitik nervt

Es fühlt sich so unglaublich schwer und kompliziert an. Ich mag Politik eigentlich; aber nicht so! Mich nervt, wie Putin, Trump und Erdogan machen was sie wollen, während Merkel irgendwo dazwischen umherpaddelt. Was wollen die Herrscher des 21. Jahrhunderts eigentlich erreichen? Worum geht es ihnen?[divide]

weltpolitik nervt

Ich bin 26 Jahre alt. Ich habe mein Abitur gemacht und studiere jetzt. Und blicke ich auf die Weltpolitik von heute, dann fühlt es sich irgendwie so schlecht an. Es kommt mir so vor, als wäre Politik noch nie so kompliziert und unkalkulierbar gewesen. Auch wenn ich weiß, dass es zu Zeiten des Kalten Krieges natürlich noch um ein Vielfaches schwieriger war. Und vor allem gefährlicher. Zumindest für uns in Deutschland.

Was will Merkel?

Ich frage mich seit einiger Zeit, was Angela Merkel eigentlich will. Welches Ziel hat sie? Mein Fazit: in erster Linie will sie einfach nur uns als Volk einigermaßen heil und erfolgreich durch diese immer mehr und größer werdenden Konfliktherde steuern. Ich fürchte aber auch, dass sie uns ganz und gar nicht die ganze Wahrheit ehrlich vermitteln kann und will.

Aber an was liegt das? Bin ich als kleine Deutsche zu dumm, zu ängstlich, zu unerfahren oder zu jung, um alles zu erfahren? Könnte ich mit der gesamten Wahrheit zur Weltpolitik überhaupt umgehen? Keine Ahnung! Aber so, wie es Merkel macht, kann ich es auch nicht nachvollziehen. Ich kann sie nicht mehr ernst nehmen. Ich habe das Gefühl, die Bundeskanzlerin kämpft seit Monaten nur noch mit und gegen die Konflikte der Weltpolitik. Innenpolitisch tut sich nicht nichts! Schon lange nicht mehr! Merkel reagiert und agiert nur auf Zuruf. Weil außenpolitisch gerade zu viel passiert, das zu wichtig für Deutschland ist.

Das nervt mich!

Andererseits geht es mir und uns Deutschen insgesamt so gut, dass innenpolitisch natürlich auch keine wirklich großen Brände zu löschen sind. Man hat aber den Eindruck, dass es aktuell nicht Merkel braucht, um den Luxus Deutschlands zu erhalten. Deshalb hat der neue SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz in meinen Augen auch sehr sehr sehr gute Chancen auf einen Sieg bei der Bundestagswahl im Herbst. Und dabei sind dessen Inhalte auch zweitrangig. Denn er wirkt einfach menschlicher und sympathischer als Merkel. Schulz ist zwar Politiker, wirkt aber wie der nette Geschichten-Erzähl-Onkel, dem man irgendwie gerne zuhört.

Putin, Trump und Erdogan

Warum verdammt nochmal, haben diese Ego-Männer Putin, Trump und Erdogan so viel politische Macht. Und warum verdammt nochmal handeln sie so aggressiv, dumm und egoistisch? Bei Putin ist klar, er spielt ein wenig Weltherrscher und testet alle paar Monate, wie weit er gehen kann, ohne selbst angegriffen zu werden. Trump war einfach nur geil auf diese Macht als Präsident. Ahnung von Politik hat er keine. Leider scheint er auch schlechte Berater zu haben. Wenigstens bleibt es unterhaltsam durch die vielen unprofessionellen Tweets von Trump. Tja, und Erdogan treibt den Wahnsinn gerade auf die Spitze. Er will sich selbst eine alleinige Herrschaft in der Türkei erschaffen. Wie er jedoch international agiert, ist einfach erschreckend. Ganz besonders, weil er mit jeglichen aggressiven Aktionen auch noch durchkommt.

Das nervt mich!

Politik macht vielen an sich schon keinen Spaß. Aber wenn wir eine Bundeskanzlerin haben, die im Prinzip nur versucht, zwischen den drei großen Ego-Männern Putin, Trump und Erdogan zu überleben. Sie reagiert, vermitteln, motiviert. Aber im Grunde machen die drei Typen, was sie wollen. Ob es Merkel nun gut findet oder nicht. Die Weltpolitik pfeift nicht nur auf die Meinung Deutschlands, sie tritt sie sogar mit Füßen!

Das nervt mich so sehr an der aktuellen Weltpolitik!

(Foto: Mariesol Fumy by jugendfotos.de)

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Es fühlt sich so unglaublich schwer und kompliziert an. Ich mag Politik eigentlich; aber nicht so! Mich nervt, wie Putin, Trump und Erdogan machen was sie wollen, während Merkel irgendwo dazwischen umherpaddelt. Was wollen die Herrscher des 21. Jahrhunderts eigentlich erreichen? Worum geht es ihnen?[divide]weltpolitik nervtIch bin 26 Jahre alt. Ich habe mein Abitur gemacht und studiere jetzt. Und blicke ich auf die Weltpolitik von heute, dann fühlt es sich irgendwie so schlecht an. Es kommt mir so vor, als wäre Politik noch nie so kompliziert und unkalkulierbar gewesen. Auch wenn ich weiß, dass es zu Zeiten des Kalten Krieges natürlich noch um ein Vielfaches schwieriger war. Und vor allem gefährlicher. Zumindest für uns in Deutschland.

Was will Merkel?

Ich frage mich seit einiger Zeit, was Angela Merkel eigentlich will. Welches Ziel hat sie? Mein Fazit: in erster Linie will sie einfach nur uns als Volk einigermaßen heil und erfolgreich durch diese immer mehr und größer werdenden Konfliktherde steuern. Ich fürchte aber auch, dass sie uns ganz und gar nicht die ganze Wahrheit ehrlich vermitteln kann und will.Aber an was liegt das? Bin ich als kleine Deutsche zu dumm, zu ängstlich, zu unerfahren oder zu jung, um alles zu erfahren? Könnte ich mit der gesamten Wahrheit zur Weltpolitik überhaupt umgehen? Keine Ahnung! Aber so, wie es Merkel macht, kann ich es auch nicht nachvollziehen. Ich kann sie nicht mehr ernst nehmen. Ich habe das Gefühl, die Bundeskanzlerin kämpft seit Monaten nur noch mit und gegen die Konflikte der Weltpolitik. Innenpolitisch tut sich nicht nichts! Schon lange nicht mehr! Merkel reagiert und agiert nur auf Zuruf. Weil außenpolitisch gerade zu viel passiert, das zu wichtig für Deutschland ist.Das nervt mich!Andererseits geht es mir und uns Deutschen insgesamt so gut, dass innenpolitisch natürlich auch keine wirklich großen Brände zu löschen sind. Man hat aber den Eindruck, dass es aktuell nicht Merkel braucht, um den Luxus Deutschlands zu erhalten. Deshalb hat der neue SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz in meinen Augen auch sehr sehr sehr gute Chancen auf einen Sieg bei der Bundestagswahl im Herbst. Und dabei sind dessen Inhalte auch zweitrangig. Denn er wirkt einfach menschlicher und sympathischer als Merkel. Schulz ist zwar Politiker, wirkt aber wie der nette Geschichten-Erzähl-Onkel, dem man irgendwie gerne zuhört.

Putin, Trump und Erdogan

Warum verdammt nochmal, haben diese Ego-Männer Putin, Trump und Erdogan so viel politische Macht. Und warum verdammt nochmal handeln sie so aggressiv, dumm und egoistisch? Bei Putin ist klar, er spielt ein wenig Weltherrscher und testet alle paar Monate, wie weit er gehen kann, ohne selbst angegriffen zu werden. Trump war einfach nur geil auf diese Macht als Präsident. Ahnung von Politik hat er keine. Leider scheint er auch schlechte Berater zu haben. Wenigstens bleibt es unterhaltsam durch die vielen unprofessionellen Tweets von Trump. Tja, und Erdogan treibt den Wahnsinn gerade auf die Spitze. Er will sich selbst eine alleinige Herrschaft in der Türkei erschaffen. Wie er jedoch international agiert, ist einfach erschreckend. Ganz besonders, weil er mit jeglichen aggressiven Aktionen auch noch durchkommt.Das nervt mich!Politik macht vielen an sich schon keinen Spaß. Aber wenn wir eine Bundeskanzlerin haben, die im Prinzip nur versucht, zwischen den drei großen Ego-Männern Putin, Trump und Erdogan zu überleben. Sie reagiert, vermitteln, motiviert. Aber im Grunde machen die drei Typen, was sie wollen. Ob es Merkel nun gut findet oder nicht. Die Weltpolitik pfeift nicht nur auf die Meinung Deutschlands, sie tritt sie sogar mit Füßen!Das nervt mich so sehr an der aktuellen Weltpolitik!(Foto: Mariesol Fumy by jugendfotos.de)

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Öffentliche Orte – oder die Menschen?http://backview.eu/oeffentliche-orte-oder-die-menschen/ http://backview.eu/oeffentliche-orte-oder-die-menschen/#comments Wed, 15 Mar 2017 22:44:27 +0000 http://backview.eu/?p=26132 bahnhof

Es ist nicht so, dass es rein an den Menschen liegt, denn häufig sind die Gänge schon zu eng gebaut oder es gibt zu wenige Ausgänge. Aber mal ganz ehrlich, ohne die Menschen wäre es nicht mal annähernd so schlimm. Hiermit möchte ich nicht die komplette Menschheit unter Beschuss nehmen, sondern einige Personengruppen mit bestimmten Eigenschaften, von denen ich mir sicher bin, dass jeder schon weiß, welche damit gemeint sind.

[divide]

bahnhofAlle Zeit der Welt

Die erste Gruppe macht sich damit beliebt, dass sie anscheinend keine anderen Verpflichtungen hat und sich daher so langsam wie nur möglich fortbewegt. Dies wäre ja nicht schlimm, wenn sie dies nicht auf Kosten der Nerven anderer machen müssten, denn diese Sorte von Trödlern ist ein Herdentier. Egal wie groß ihre Gruppe ist, sie müssen unbedingt nebeneinander gehen und möglichst den ganzen Weg blockieren. Auch das wäre kein Weltuntergang, wenn sie zumindest bei Bedarf anderer beiseite gehen würden. Aber leider gibt es eine Spezies, die in einer eigenen Luftblase zu wohnen scheint, in der nur ihre Artgenossen von Bedeutung für sie ist, denn anderen den Weg frei zu machen, liegt nicht in ihrer Natur.

Stehen bleiben? Aber gerne!

Gruppe zwei der Menschen, die das Einkaufen oder Reisen zur Qual machen, sind die „Standfesten“. Klingt beinahe wie eine positive Eigenschaft, aber leider ist diese Standfestigkeit bei ihnen im wahrsten Sinne des Wortes gemeint. Sie bleiben stehen, egal wo und egal wann. Besonders beliebt scheinen bei ihnen zwei bestimmte „Standpunkte“ zu sein. Als erstes bleiben sie gerne mitten im Weg stehen, ohne sich auch nur einen Zentimeter aus dem Weg zu bewegen und dies machen sie besonders gerne ohne Ankündigung, wobei sich Kollisionen nicht vermeiden lassen.

Ein weiterer Ort, an denen man diese Art Menschen häufig antrifft, ist der Bahnsteig. Genau vor den Türen platzieren sie sich, um ja schnell in den Zug oder die Bahn einsteigen zu können und sich den besten Platz zu sichern. Dass andere Menschen vielleicht zuerst aussteigen wollen, scheint ihnen völlig egal zu sein. Dies ist wohl die egoistische Gruppe Menschen, die man an öffentlichen Orten vorfindet.

Rolltreppen – ein beliebter Treffpunkt

Die letzte Personengruppe, die meine Abneigung gegen öffentliche Orte schürt, sind die Rolltreppen-Blockierer. Vielleicht können sie aber nichts dafür, denn sie scheinen unter einer Rechts-Links-Schwäche zu leiden. Anders kann man nicht erklären, warum sie „rechts stehen und links gehen“ nicht zu verstehen scheinen. Wenn sie es eilig haben, quetschen sie sich links durch und beschweren sich über jeden, der im „Weg“ steht. Wenn sie aber viel Zeit haben, stellen sie sich nach links oder mitten auf die Stufe, was schon manch einen Anderen den Anschluss an seinen Zug gekostet hat. Dabei belassen sie es jedoch nicht, denn das Ende der Rolltreppe scheint für diese Spezies eine Art sozialen Wert zu besitzen. Es wird sich in Ruhe verabschiedet oder begrüßt, während es sich hinter ihnen staut. Wenn man nicht Teil einer Menschenlawine sein möchte, muss man die Herde trennen und mit Kraft durch sie hindurch gehen, denn auf Bitten reagieren sie nicht.

Selbstverständlich gibt es noch weitere Menschen, die öffentliche Orte in eine Art Dungeon verwandeln zu scheinen und den Einkauf oder die Zugfahrt zu einer richtigen Quest machen, denn nicht jeder ist perfekt. Trotzdem möchte ich mir Quests fürs Gaming bewahren und wünsche mir, dass der Mensch zumindest ab und zu Gebrauch von seinem Verstand nimmt. Es ist eine Gabe, die wohl jeder haben sollte, denn es heißt nicht umsonst gesunder Menschenverstand.

(Foto: Tobias Mittmann by jugendfotos.de)

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bahnhof

Es ist nicht so, dass es rein an den Menschen liegt, denn häufig sind die Gänge schon zu eng gebaut oder es gibt zu wenige Ausgänge. Aber mal ganz ehrlich, ohne die Menschen wäre es nicht mal annähernd so schlimm. Hiermit möchte ich nicht die komplette Menschheit unter Beschuss nehmen, sondern einige Personengruppen mit bestimmten Eigenschaften, von denen ich mir sicher bin, dass jeder schon weiß, welche damit gemeint sind.[divide]

bahnhofAlle Zeit der Welt

Die erste Gruppe macht sich damit beliebt, dass sie anscheinend keine anderen Verpflichtungen hat und sich daher so langsam wie nur möglich fortbewegt. Dies wäre ja nicht schlimm, wenn sie dies nicht auf Kosten der Nerven anderer machen müssten, denn diese Sorte von Trödlern ist ein Herdentier. Egal wie groß ihre Gruppe ist, sie müssen unbedingt nebeneinander gehen und möglichst den ganzen Weg blockieren. Auch das wäre kein Weltuntergang, wenn sie zumindest bei Bedarf anderer beiseite gehen würden. Aber leider gibt es eine Spezies, die in einer eigenen Luftblase zu wohnen scheint, in der nur ihre Artgenossen von Bedeutung für sie ist, denn anderen den Weg frei zu machen, liegt nicht in ihrer Natur.

Stehen bleiben? Aber gerne!

Gruppe zwei der Menschen, die das Einkaufen oder Reisen zur Qual machen, sind die „Standfesten“. Klingt beinahe wie eine positive Eigenschaft, aber leider ist diese Standfestigkeit bei ihnen im wahrsten Sinne des Wortes gemeint. Sie bleiben stehen, egal wo und egal wann. Besonders beliebt scheinen bei ihnen zwei bestimmte „Standpunkte“ zu sein. Als erstes bleiben sie gerne mitten im Weg stehen, ohne sich auch nur einen Zentimeter aus dem Weg zu bewegen und dies machen sie besonders gerne ohne Ankündigung, wobei sich Kollisionen nicht vermeiden lassen.Ein weiterer Ort, an denen man diese Art Menschen häufig antrifft, ist der Bahnsteig. Genau vor den Türen platzieren sie sich, um ja schnell in den Zug oder die Bahn einsteigen zu können und sich den besten Platz zu sichern. Dass andere Menschen vielleicht zuerst aussteigen wollen, scheint ihnen völlig egal zu sein. Dies ist wohl die egoistische Gruppe Menschen, die man an öffentlichen Orten vorfindet.

Rolltreppen – ein beliebter Treffpunkt

Die letzte Personengruppe, die meine Abneigung gegen öffentliche Orte schürt, sind die Rolltreppen-Blockierer. Vielleicht können sie aber nichts dafür, denn sie scheinen unter einer Rechts-Links-Schwäche zu leiden. Anders kann man nicht erklären, warum sie „rechts stehen und links gehen“ nicht zu verstehen scheinen. Wenn sie es eilig haben, quetschen sie sich links durch und beschweren sich über jeden, der im „Weg“ steht. Wenn sie aber viel Zeit haben, stellen sie sich nach links oder mitten auf die Stufe, was schon manch einen Anderen den Anschluss an seinen Zug gekostet hat. Dabei belassen sie es jedoch nicht, denn das Ende der Rolltreppe scheint für diese Spezies eine Art sozialen Wert zu besitzen. Es wird sich in Ruhe verabschiedet oder begrüßt, während es sich hinter ihnen staut. Wenn man nicht Teil einer Menschenlawine sein möchte, muss man die Herde trennen und mit Kraft durch sie hindurch gehen, denn auf Bitten reagieren sie nicht.Selbstverständlich gibt es noch weitere Menschen, die öffentliche Orte in eine Art Dungeon verwandeln zu scheinen und den Einkauf oder die Zugfahrt zu einer richtigen Quest machen, denn nicht jeder ist perfekt. Trotzdem möchte ich mir Quests fürs Gaming bewahren und wünsche mir, dass der Mensch zumindest ab und zu Gebrauch von seinem Verstand nimmt. Es ist eine Gabe, die wohl jeder haben sollte, denn es heißt nicht umsonst gesunder Menschenverstand.(Foto: Tobias Mittmann by jugendfotos.de)

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Hilfe, meine Nervenhttp://backview.eu/hilfe-meine-nerven/ http://backview.eu/hilfe-meine-nerven/#comments Wed, 15 Mar 2017 22:44:22 +0000 http://backview.eu/?p=26137 lego_uhr

[divide]

„Geh bitte!“. Kurz und doch prägnant fast der Österreicher die Weltsituation zusammen.
Wir sind genervt. Bereits der bekannteste Grießgramm der Antike Diogenes von Sinope entgegnete Alexander dem Großen, als dieser ihn nach seinen Wünschen fragte: „Geh bitte. Geh mir einfach aus der Sonne.“

Jetzt kommen die nervösen Tage

Das gesamte Leben ist eine reine Nervensache im wahrsten Sinne des Wortes. Die meisten Organismen bestehen aus unterschiedlichsten Nervensystemen. Sei es von der Mücke bis zum Elefanten, wir nerven uns und Nerven nerven uns. Man unterscheidet zwischen dem peripheren und dem vegetativen Nervensystem. Während wir ersteres willentlich steuern und weitgehend kontrollieren können, reguliert sich das vegetative Nervensystem von ganz alleine.
Wir haben keine Kontrolle über diesen Teil des Körpers, wie über so vieles im Leben.

Termine, Zeitdruck und eine immer größere Flexibilität um ihrer selbst Willen setzen die Menschheit unter Strom, fast bis zum Kurzschluss. Sei es an einer Bushaltestelle oder im Supermarkt an der Kasse zu warten, jede ungenutzte Minute lässt so manchen auf dem Schlauch stehen. Stets muss jede Minute produktiv verbracht werden. Ohne Strom, ohne Energie funktioniert nichts in unserer hochtechnologisierten Leistungsgesellschaft. Dies würdigt auch die Wissenschaft und bezeichnet dies als Eustress, positiven Stress, der Sinnesorgane stimuliert und fördert. Aber wie soll der stetig höhere Energiebedarf gedeckt werden, wenn wir uns die Energie für die täglichen Aufgaben der modernen Welt selber rauben.

Ein Blick in die Krankheitsstatistiken der Industrienationen genügt: Psychische Erkrankungen wie Burn-Out und Depression häufen sich und zählen mittlerweile zu den Hauptgründen für Krankschreibungen. Im Schnitt sorgen psychische Erkrankungen für Arbeitsausfälle von bis zu 70 Arbeitstagen. Zeitgleich sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste Todesursache.

All dies steht symbolisch für eine Welt, deren Kreislauf aus den Fugen geraten ist.
„Früher hatten wir kein Brot aber Zeit. Heute haben wir genug Brot aber keine Zeit mehr“, lamentierte einst der französische Philosoph Henri Lefebvre. Die Nervenfaden eines Menschen würde bis zum Mond reichen. Spulen wir also den roten Faden der Geschichte zurück, zurück in die Zeit, als die Welt nervös wurde.

Nun habe ich den Faden verloren

Es ging ein Licht auf und die Welt stand unter Strom. Es ist nicht selbstverständlich, das Licht, Energie jederzeit zur Verfügung steht. Bis in die frühe Neuzeit hinein gingen sogar die Uhren anders. Jede Stadt, jedes Dorf hat eine eigene Zeitzone, wobei Zeit auch eher relativ war. Den Tagesrhythmus bestimmte die Sonne. Kirchturmuhren dienten höchstens als grobe Orientierung.

KoerperEine Vereinheitlichung der Zeit wurde höchste Eisenbahn als die ersten Gleise verlegt wurden. Die Industrialisierung und der damit verbundene technische Fortschritt machten es nötig zu vereinfachen und zu standardisieren. Erst seit 1893 gilt mit dem „Gesetz betreffend die Einführung einer einheitlichen Zeitbestimmung“ in Deutschland die Mitteleuropäsche Zeit, oder anders gesagt die Zeiger deuteten auf eine Zeitenwende. Dampfschiffe überquerten den Atlantik, Eisenbahnen verbanden die Welt fast binnen 80 Tagen, wie es der zeitgenössische Autor Jules Verne in seinem Roman darstellte.
Die Menschheit schritt fort, wurde mobil und modern.„Wo sind all die Leute? Wo sind se hin? Ich will auch gar nicht wissen, wo ihr seid ich hab Zivilisationsmüdigkeit“, singt Rainald Grebe.

Die Menschheit entdeckte die Möglichkeiten. Bald gehörte „Neurasthenie“ als Modekrankheit ähnlich dem Burn-Out zum gehobenen Ton einer gehobenen Schicht. 1880 hatte der New Yorker Arzt George M. Beard das Symptom der Nervenschwäche als Reaktion auf den „Modernisierungsschock“ definiert. Dabei verstand man hierunter weniger eine Krankheit sondern vielmehr eine Funktionsstörung, wobei die Nerven durch die wachsenden geistigen und körperlichen Anforderungen der modernen Lebenswelt überfordert waren. Das „Zeitalter der Nervosität“ war angebrochen wie es der Historiker Joachim Radkau ausdrückt.

„Wer ist heute nicht neurasthenisch?". Diese Frage des Psychiaters Carl Pelman im Jahre 1900 ist wohl heute aktueller den je. Damals begann sich ein Netz aus wirtschaftlichen, politischen, sozialen und kulturellen Verflechtungen um die Welt zu spannen.
Mittlerweile steht die Welt nicht mehr nur unter Strom, sie steht unter Hochspannung. Hochfrequenzhandel beispielsweise ermöglicht es Computern binnen Mikrosekunden unzählige Transaktionen zu vollziehen. Alles wird digitalisiert und die Welt scheint an der Glasfaser zu hängen. Alles hängt am Internet. Je schneller desto bester, real, digital völlig egal.

In allen diesen Möglichkeiten der neuen digitalen Welt wird es immer schwieriger sich zu konzentrieren, Nerven zu bewahren. Alles wird immer unsichtbarer. „Man sieht es nicht man schmeckt es nicht man weiß es nicht“. Der Nerv unserer Zeit, von griechisch neuron für Faden, eine immer schnellere immer flexiblere Welt, doch in Zeiten von Grenzenlosigkeit scheint die Menschheit den Faden verloren zu haben. Alte Sicherheiten sind verschwunden, neue nicht abzusehen. Diese Unsicherheit macht nervös und beunruhigt viele.

Es ist zum leise schreien

„Ich weiß nicht, was soll es bedeuten.“ Deutschland ist nicht nur das Land der Dichter und Denker, sondern auch der Richter und Stänker. Deutschland empfindet sich selbst als ein unzufriedenes, getriebenes Volk. Motzen, Meckern, Stänkern, Deutsche sind Experten darin viel Lärm um nichts zu machen. Immer wieder ist in den Nachrichten von Ruhestörung zu hören, sei es gegen Autos spielende Kinder, Sportvereine oder Kulturveranstaltungen. Allein in München gibt es jedes Jahr über 16.000 Klagen wegen Ruhestörung aus den unterschiedlichsten Gründen.

KopfSchon 1908 nahm sich der deutsche Antilärmverein diesen Geräuschen an, klagte gegen Lärmbelästigung vor allem von Seiten der Mitmenschen. Dabei ging es weniger um Geräusch an sich, sondern vielmehr um den vermeintlichen Sittenverfall der Störenfriede aufzuzeigen. Dabei ist Lärm per se kein Geräusch sondern eine Kategorie, die je nach Gesellschaft unterschiedlich empfunden wird. Lärm ist ein Recht das man sich nehmen muss, es geht darum wer in einem sozialen Zusammenleben den Ton angibt.

„Die heutige Jugend ist von Grund auf verdorben, sie ist böse, gottlos und faul. Sie wird niemals so sein wie die Jugend vorher, und es wird ihr niemals gelingen, unsere Kultur zu erhalten“
steht schon auf einer Babylonischen Tontafel um 1000 v. Chr.

Ältere Menschen sind davon genervt, wie jüngere sich benehmen und verhalten. Jüngere Menschen sind davon genervt, das ältere Menschen in der Vergangenheit leben und die Welt von heute nicht mehr verstehen. Aber der klassische Generationenkonflikt klingt heute eher nach einem intergenerationalen Schweigen. Man redet nicht mehr miteinander, sondern nur mehr übereinander. Whatsapp, Facebook, Twitter, „die Kommunikationsmöglichkeiten nehmen zu, die Kommunikationsfähigkeit nimmt ab, wie der Schweizer Philosoph Markus Wild bedauert“. „Jetzt wo Kommunikation einfacher wäre denn je, haben wir uns nichts mehr zu sagen“, ergänzt der österreichische Dirigent Bernhard Steiner.

Das Leben ist eine Nervensache

Diese Debatte kann einem auf die Nerven gehen. Eine Welt, die den Faden verloren hat, welche bisher selbstverständliches in Frage stellt, liegt vor uns. Wir sind genervt davon uns immer wieder aufs Neue die Frage danach zu stellen, wer wir sind, was wir wollen und wohin wir gehen. Die Antwort bringt die Zeit, sie braucht Zeit. Zeit ist Geduld, Geduld braucht Nerven. Der „Verein zur Verzögerung der Zeit“ setzt sich aktiv dafür ein, sich diese zu nehmen. Viele Widersprüche arm gegen reich, jung gegen alt, Vergangenheit gegen Zukunft prägen unsere Gegenwart. Es mag schwer sein, nervös machen, sie auf unbekanntes, gegensätzliches einzulassen. Aber Nervensysteme sind elektrische Impulse, Elektrizität entsteht nur über die Spannung gegensätzlicher Pole.

Wir leben in einer nervösen Gesellschaft am Rande eines Nervenumbruchs. Die Nerven liegen blank, die Welt nervt uns, doch genau das ist es was uns antreibt, was uns Energie gibt.
Was die Zukunft bringt ist unklar. Nur eines steht sicher fest, sie wird anders als gedacht. Wir stehen also permanent unter Stress, der Spannung auf was da kommen mag. Schließlich baumeln wir doch alle am seidenen Faden, die Frage ist nur, wer die Fäden in der Hand hat. Leben ist eine reine Nervensache, es gilt daher die Nerven zu behalten, oder anders gesagt:

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lego_uhr

[divide]„Geh bitte!“. Kurz und doch prägnant fast der Österreicher die Weltsituation zusammen. Wir sind genervt. Bereits der bekannteste Grießgramm der Antike Diogenes von Sinope entgegnete Alexander dem Großen, als dieser ihn nach seinen Wünschen fragte: „Geh bitte. Geh mir einfach aus der Sonne.“

Jetzt kommen die nervösen Tage

Das gesamte Leben ist eine reine Nervensache im wahrsten Sinne des Wortes. Die meisten Organismen bestehen aus unterschiedlichsten Nervensystemen. Sei es von der Mücke bis zum Elefanten, wir nerven uns und Nerven nerven uns. Man unterscheidet zwischen dem peripheren und dem vegetativen Nervensystem. Während wir ersteres willentlich steuern und weitgehend kontrollieren können, reguliert sich das vegetative Nervensystem von ganz alleine. Wir haben keine Kontrolle über diesen Teil des Körpers, wie über so vieles im Leben.Termine, Zeitdruck und eine immer größere Flexibilität um ihrer selbst Willen setzen die Menschheit unter Strom, fast bis zum Kurzschluss. Sei es an einer Bushaltestelle oder im Supermarkt an der Kasse zu warten, jede ungenutzte Minute lässt so manchen auf dem Schlauch stehen. Stets muss jede Minute produktiv verbracht werden. Ohne Strom, ohne Energie funktioniert nichts in unserer hochtechnologisierten Leistungsgesellschaft. Dies würdigt auch die Wissenschaft und bezeichnet dies als Eustress, positiven Stress, der Sinnesorgane stimuliert und fördert. Aber wie soll der stetig höhere Energiebedarf gedeckt werden, wenn wir uns die Energie für die täglichen Aufgaben der modernen Welt selber rauben.Ein Blick in die Krankheitsstatistiken der Industrienationen genügt: Psychische Erkrankungen wie Burn-Out und Depression häufen sich und zählen mittlerweile zu den Hauptgründen für Krankschreibungen. Im Schnitt sorgen psychische Erkrankungen für Arbeitsausfälle von bis zu 70 Arbeitstagen. Zeitgleich sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste Todesursache.All dies steht symbolisch für eine Welt, deren Kreislauf aus den Fugen geraten ist. „Früher hatten wir kein Brot aber Zeit. Heute haben wir genug Brot aber keine Zeit mehr“, lamentierte einst der französische Philosoph Henri Lefebvre. Die Nervenfaden eines Menschen würde bis zum Mond reichen. Spulen wir also den roten Faden der Geschichte zurück, zurück in die Zeit, als die Welt nervös wurde.

Nun habe ich den Faden verloren

Es ging ein Licht auf und die Welt stand unter Strom. Es ist nicht selbstverständlich, das Licht, Energie jederzeit zur Verfügung steht. Bis in die frühe Neuzeit hinein gingen sogar die Uhren anders. Jede Stadt, jedes Dorf hat eine eigene Zeitzone, wobei Zeit auch eher relativ war. Den Tagesrhythmus bestimmte die Sonne. Kirchturmuhren dienten höchstens als grobe Orientierung.KoerperEine Vereinheitlichung der Zeit wurde höchste Eisenbahn als die ersten Gleise verlegt wurden. Die Industrialisierung und der damit verbundene technische Fortschritt machten es nötig zu vereinfachen und zu standardisieren. Erst seit 1893 gilt mit dem „Gesetz betreffend die Einführung einer einheitlichen Zeitbestimmung“ in Deutschland die Mitteleuropäsche Zeit, oder anders gesagt die Zeiger deuteten auf eine Zeitenwende. Dampfschiffe überquerten den Atlantik, Eisenbahnen verbanden die Welt fast binnen 80 Tagen, wie es der zeitgenössische Autor Jules Verne in seinem Roman darstellte. Die Menschheit schritt fort, wurde mobil und modern.„Wo sind all die Leute? Wo sind se hin? Ich will auch gar nicht wissen, wo ihr seid ich hab Zivilisationsmüdigkeit“, singt Rainald Grebe.Die Menschheit entdeckte die Möglichkeiten. Bald gehörte „Neurasthenie“ als Modekrankheit ähnlich dem Burn-Out zum gehobenen Ton einer gehobenen Schicht. 1880 hatte der New Yorker Arzt George M. Beard das Symptom der Nervenschwäche als Reaktion auf den „Modernisierungsschock“ definiert. Dabei verstand man hierunter weniger eine Krankheit sondern vielmehr eine Funktionsstörung, wobei die Nerven durch die wachsenden geistigen und körperlichen Anforderungen der modernen Lebenswelt überfordert waren. Das „Zeitalter der Nervosität“ war angebrochen wie es der Historiker Joachim Radkau ausdrückt.„Wer ist heute nicht neurasthenisch?". Diese Frage des Psychiaters Carl Pelman im Jahre 1900 ist wohl heute aktueller den je. Damals begann sich ein Netz aus wirtschaftlichen, politischen, sozialen und kulturellen Verflechtungen um die Welt zu spannen. Mittlerweile steht die Welt nicht mehr nur unter Strom, sie steht unter Hochspannung. Hochfrequenzhandel beispielsweise ermöglicht es Computern binnen Mikrosekunden unzählige Transaktionen zu vollziehen. Alles wird digitalisiert und die Welt scheint an der Glasfaser zu hängen. Alles hängt am Internet. Je schneller desto bester, real, digital völlig egal.In allen diesen Möglichkeiten der neuen digitalen Welt wird es immer schwieriger sich zu konzentrieren, Nerven zu bewahren. Alles wird immer unsichtbarer. „Man sieht es nicht man schmeckt es nicht man weiß es nicht“. Der Nerv unserer Zeit, von griechisch neuron für Faden, eine immer schnellere immer flexiblere Welt, doch in Zeiten von Grenzenlosigkeit scheint die Menschheit den Faden verloren zu haben. Alte Sicherheiten sind verschwunden, neue nicht abzusehen. Diese Unsicherheit macht nervös und beunruhigt viele.

Es ist zum leise schreien

„Ich weiß nicht, was soll es bedeuten.“ Deutschland ist nicht nur das Land der Dichter und Denker, sondern auch der Richter und Stänker. Deutschland empfindet sich selbst als ein unzufriedenes, getriebenes Volk. Motzen, Meckern, Stänkern, Deutsche sind Experten darin viel Lärm um nichts zu machen. Immer wieder ist in den Nachrichten von Ruhestörung zu hören, sei es gegen Autos spielende Kinder, Sportvereine oder Kulturveranstaltungen. Allein in München gibt es jedes Jahr über 16.000 Klagen wegen Ruhestörung aus den unterschiedlichsten Gründen.KopfSchon 1908 nahm sich der deutsche Antilärmverein diesen Geräuschen an, klagte gegen Lärmbelästigung vor allem von Seiten der Mitmenschen. Dabei ging es weniger um Geräusch an sich, sondern vielmehr um den vermeintlichen Sittenverfall der Störenfriede aufzuzeigen. Dabei ist Lärm per se kein Geräusch sondern eine Kategorie, die je nach Gesellschaft unterschiedlich empfunden wird. Lärm ist ein Recht das man sich nehmen muss, es geht darum wer in einem sozialen Zusammenleben den Ton angibt.„Die heutige Jugend ist von Grund auf verdorben, sie ist böse, gottlos und faul. Sie wird niemals so sein wie die Jugend vorher, und es wird ihr niemals gelingen, unsere Kultur zu erhalten“ steht schon auf einer Babylonischen Tontafel um 1000 v. Chr.Ältere Menschen sind davon genervt, wie jüngere sich benehmen und verhalten. Jüngere Menschen sind davon genervt, das ältere Menschen in der Vergangenheit leben und die Welt von heute nicht mehr verstehen. Aber der klassische Generationenkonflikt klingt heute eher nach einem intergenerationalen Schweigen. Man redet nicht mehr miteinander, sondern nur mehr übereinander. Whatsapp, Facebook, Twitter, „die Kommunikationsmöglichkeiten nehmen zu, die Kommunikationsfähigkeit nimmt ab, wie der Schweizer Philosoph Markus Wild bedauert“. „Jetzt wo Kommunikation einfacher wäre denn je, haben wir uns nichts mehr zu sagen“, ergänzt der österreichische Dirigent Bernhard Steiner.

Das Leben ist eine Nervensache

Diese Debatte kann einem auf die Nerven gehen. Eine Welt, die den Faden verloren hat, welche bisher selbstverständliches in Frage stellt, liegt vor uns. Wir sind genervt davon uns immer wieder aufs Neue die Frage danach zu stellen, wer wir sind, was wir wollen und wohin wir gehen. Die Antwort bringt die Zeit, sie braucht Zeit. Zeit ist Geduld, Geduld braucht Nerven. Der „Verein zur Verzögerung der Zeit“ setzt sich aktiv dafür ein, sich diese zu nehmen. Viele Widersprüche arm gegen reich, jung gegen alt, Vergangenheit gegen Zukunft prägen unsere Gegenwart. Es mag schwer sein, nervös machen, sie auf unbekanntes, gegensätzliches einzulassen. Aber Nervensysteme sind elektrische Impulse, Elektrizität entsteht nur über die Spannung gegensätzlicher Pole.Wir leben in einer nervösen Gesellschaft am Rande eines Nervenumbruchs. Die Nerven liegen blank, die Welt nervt uns, doch genau das ist es was uns antreibt, was uns Energie gibt. Was die Zukunft bringt ist unklar. Nur eines steht sicher fest, sie wird anders als gedacht. Wir stehen also permanent unter Stress, der Spannung auf was da kommen mag. Schließlich baumeln wir doch alle am seidenen Faden, die Frage ist nur, wer die Fäden in der Hand hat. Leben ist eine reine Nervensache, es gilt daher die Nerven zu behalten, oder anders gesagt:

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Flüchtlingswelle 2015http://backview.eu/fluechtlingswelle-2015/ http://backview.eu/fluechtlingswelle-2015/#comments Tue, 14 Mar 2017 15:25:33 +0000 http://backview.eu/?p=26154 fluechtlinge

Menschen sind schon immer geflüchtet. Auch schon immer nach Deutschland. Im Jahr 2015 erreichte die Zahl der Menschen, die aus ihren Heimatländern flüchteten und nach Deutschland kamen, ihren Höhepunkt. Eine Million Menschen kamen in die Bundesrepublik mit dem Ziel sich hier ein neues Leben aufzubauen. Ein Leben ohne Terror. Ein Leben ohne Angst. Ein Leben ohne Hass. Ein Neuanfang. Ein Neuanfang in einem Land, das ihnen fremd ist. Ein Land, das sie nicht kennen, in dem aber Frieden herrscht.[divide]

Mittlerweile ist diese Welle an neuen Menschen im Land zu einem Stopp gekommen. Viele durften bleiben, aber einige mussten auch wieder gehen. Menschen, die aus Gebieten kommen, die als nicht sicher eingestuft werden, haben ein Recht auf ein Leben in Deutschland.

fluechtlinge

Die Gastfreundschaft zur Flüchtlingswelle 2015

Als Mitte 2015 diese Masse an Menschen ankam, gingen Bilder um die Welt, die zeigten, wie herzlich die Deutschen diese willkommen hießen. Alle waren beeindruckt von dieser unglaublichen Gastfreundschaft. Der Begriff Willkommenskultur ließ nicht lange auf sich warten.

Trotzdem verflog die Euphorie, denn nicht alle wollten diese Menschen willkommen heißen. Nicht alle wollten Menschen aus einem anderen Kulturkreis im Land. Viele wussten vielleicht auch einfach nicht, wie sie damit umgehen sollten. Ereignisse wie die Silvesternacht in Köln und der Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt passierten. Von der anfänglichen Euphorie spürt man heute nicht mehr viel.
Menschen, die mit all dem nichts zu tun haben und nach Deutschland gekommen sind, weil ihr Leben im eigenen Land in Gefahr war, sind nun hier. Von Willkommenskultur hört man in den Medien nichts mehr. Wie geht es den Menschen jetzt?

Ein Iraker in Deutschland

Milad Jaffer ist 26 Jahre alt und kommt aus dem Irak. Er ist Jesit und wird in seiner Heimat, dem nördlichen Teil des Landes, auf Grund seiner Religion, verfolgt. Er sagt, seine Flucht nach Deutschland, habe ihm das Leben gerettet. Nach Deutschland wollte er unbedingt, weil auch sein Bruder sich hier vor Jahren schon ein neues Leben aufbauen konnte.

„Ich habe alles gesehen“, erzählt er. „Ich habe gesehen wie Kinder in meinem Dorf umgebracht wurden, wie alles zerstört wurde.“ Milad ist stark traumatisiert. Er habe ständig Kopfschmerzen und könne nachts kaum schlafen. Die Angst ist immer noch da.

„In Deutschland zu sein ist eine große Chance für mich. Ich bin endlich weg von dort. Hier muss ich nicht mehr so viel Angst haben wie in meiner Heimat“ erzählt der gebürtige Iraker.

Seit 2015 ist Milad schon in Deutschland. Zuerst kam er in München an und wurde dann in ein Flüchtlingslager nach Lebach im Saarland weitergeleitet. Ein Jahr später bezog er in Saarbrücken eine Wohnung und ist nun regelmäßig im Jobcenter der Agentur für Arbeit anzutreffen. Zurzeit wird Milad vom Staat finanziell unterstützt. Das gefällt ihm überhaupt nicht. Er will zurück in die Selbstständigkeit und Deutschland nicht auf der Tasche liegen.

„Im Irak war ich Schreiner und arbeitete als Dolmetscher. Ich hatte Geld, ein großes Haus und zwei Autos. Hier habe ich nichts. Ich musste alles zurücklassen“, beschreibt Milad sein altes Leben. Vielen Flüchtlingen geht es ähnlich wie ihm. Die Situation ist nicht leicht. Ankommen und leben in einem fremden Land, mit fremden Menschen und einer fremden Kultur ist schwer.

Startschwierigkeiten der Flüchtlinge

Dass die Situation für Neuankömmlinge in Deutschland alles andere als einfach ist, bestätigt auch die Sozialarbeiterin Anna, die in einer der vielen Clearing Stellen arbeitet: „Diese Menschen mussten ihre gewohnte Umgebung verlassen und kommen hier in einem ganz anderen Kulturkreis an. Hier ist wirklich alles anders. Schon alleine das, stellt für viele Schwierigkeiten dar. Viele von ihnen sind zudem stark traumatisiert, was die Situation noch problematischer macht.“

Milad macht es zu schaffen, dass er vom Staat abhängig ist. Er will das nicht. „Ich will mich nicht auf dem Deutschen Staat ausruhen. Ich will mein eigenes Geld verdienen. Ich will arbeiten und selbstständig sein. Ich will hier ganz normal leben können. Ich möchte wie jeder andere arbeiten und einfach etwas leisten.“ Die Situation ist frustrierend. Arbeit hat er noch keine gefunden. Die Ämter sind überlastet und vieles geht langsamer als sonst. Obwohl er schon seit über einem Jahr in Deutschland ist, kann er erst in ein paar Wochen mit einem Sprachkurs beginnen.

„Die Wartelisten für Deutschkurse sind je nach Standort sehr lang. Da müssen die Leute leider schon mal bis zu einem Jahr warten. Das frustriert, aber die momentane Lage ist leider so, dass viele Stellen einfach extrem überlastet sind“ erklärt Anna. Sie weiß, dass die meisten sich bemühen Deutsch zu lernen. Noch ist ihr keiner untergekommen, der die Sprachen nicht lernen oder nicht arbeiten wollte. Anna ist beeindruckt von dem Mut und dem Willen der Menschen sich hier in Deutschland zu integrieren und sich ein neues Leben aufzubauen.

„Ich kann wirklich allen nur raten Geduld und Ausdauer zu haben und nicht schnell aufzugeben“ sagt die Sozialarbeiterin. „Wer sich hier wirklich integrieren will, kann das auch schaffen, man muss nur offen sein und sich wirklich in jeder Hinsicht darum bemühen. Sei es nun die Sprache zu lernen, auf Leute zuzugehen oder sich mit der deutschen Bürokratie auseinanderzusetzen. Es ist auf jeden Fall machbar.“

Milads Traum ist es später als Dolmetscher in Deutschland arbeiten zu können. Er möchte mit Sprachen helfen und vermitteln. „Es ist nicht leicht hier in Deutschland, aber ich will mich in die Gesellschaft integrieren. Ich weiß, dass hier in Deutschland meine Träume in Erfüllung gehen können und dass ich es hier schaffen kann.“

Der erste Schritt in die richtige Richtung ist getan. Nach seinem Deutschkurs möchte Milad eine Ausbildung beginnen um sich hier ein richtiges Leben aufzubauen.

Milad glaubt an sich. Er sieht der Zukunft positiv entgegen und weiß jetzt schon, dass es die richtige Entscheidung war nach Deutschland zu kommen. Seine Erlebnisse kann er hier verarbeiten und seine Angst nimmt langsam, aber stetig ab. Er fühlt sich sicher.

„Mir gefällt es hier. Ich mag das Land, die Leute und das Essen. Ich will hier nicht mehr weggehen. Ich freue mich, dass ich bald endlich mit dem Deutschkurs beginnen kann und dann vielleicht auch einfach mehr Chancen habe“ sagt Milad. „Wenn ich an meine Zukunft denke, freue ich mich. Ich denke, dass es hier in Deutschland nur gut werden kann.“

Doch wie stehen die Chancen für Menschen wie Milad wirklich?

Eine der großen Fragen, die die Flüchtlingswelle mit sich gebracht hat, ist ob eine Integration von so vielen Menschen aus unterschiedlichen Kulturräumen wirklich klappen kann. Sozialarbeiterin Anna blickt optimistisch nach vorne.

„Meiner Meinung nach stehen die Chancen ziemlich gut, dass die Menschen, die sich hier integrieren wollen und hier arbeiten und in Zukunft leben wollen, das auch schaffen. Natürlich hängt es immer auch vom Typ Mensch ab und wie sehr sich dieser bemüht.“

Anna gibt allerdings zu bedenken, dass es nicht gleich leicht für alle hier ist. Akademiker oder ähnlich gut ausgebildete Menschen zum Beispiel haben es oft keine so großen Probleme, da diese oft über gute Englischkenntnisse verfügen und so besser kommunizieren können. Trotzdem sieht sie auch Chancen für Nicht-Akademiker. Sie erklärt, dass es für diese Menschen vielleicht etwas länger dauern wird Arbeit zu finden oder sich zu integrieren, aber möglich sei es auf jeden Fall.

Erst die Zeit wird zeigen, ob eine Integration möglich ist. Zum jetzigen Zeitpunkt ist es schwierig eine Prognose zu geben. Anna hat schon viele geflüchtete Menschen kennengelernt, bei denen sie keinerlei Zweifel hat, aber eben auch einige die an kleinen Hürden wie zum Beispiel der Bürokratie scheitern.

„Generell ist es schwer etwas über die Zukunft und insbesondere die Integration dieser Menschen zu sagen. Ich glaube fest daran, dass es funktionieren kann, möchte aber auch betonen, dass zur Integration immer zwei Seiten gehören. Der geflüchtete Mensch muss offen sein, aber seine Umgebung muss es auch. Dann kann eine Integration funktionieren.“

 

(Foto: Frank Wunderatsch by jugendfotos.de)

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Menschen sind schon immer geflüchtet. Auch schon immer nach Deutschland. Im Jahr 2015 erreichte die Zahl der Menschen, die aus ihren Heimatländern flüchteten und nach Deutschland kamen, ihren Höhepunkt. Eine Million Menschen kamen in die Bundesrepublik mit dem Ziel sich hier ein neues Leben aufzubauen. Ein Leben ohne Terror. Ein Leben ohne Angst. Ein Leben ohne Hass. Ein Neuanfang. Ein Neuanfang in einem Land, das ihnen fremd ist. Ein Land, das sie nicht kennen, in dem aber Frieden herrscht.[divide]Mittlerweile ist diese Welle an neuen Menschen im Land zu einem Stopp gekommen. Viele durften bleiben, aber einige mussten auch wieder gehen. Menschen, die aus Gebieten kommen, die als nicht sicher eingestuft werden, haben ein Recht auf ein Leben in Deutschland.fluechtlinge

Die Gastfreundschaft zur Flüchtlingswelle 2015

Als Mitte 2015 diese Masse an Menschen ankam, gingen Bilder um die Welt, die zeigten, wie herzlich die Deutschen diese willkommen hießen. Alle waren beeindruckt von dieser unglaublichen Gastfreundschaft. Der Begriff Willkommenskultur ließ nicht lange auf sich warten.Trotzdem verflog die Euphorie, denn nicht alle wollten diese Menschen willkommen heißen. Nicht alle wollten Menschen aus einem anderen Kulturkreis im Land. Viele wussten vielleicht auch einfach nicht, wie sie damit umgehen sollten. Ereignisse wie die Silvesternacht in Köln und der Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt passierten. Von der anfänglichen Euphorie spürt man heute nicht mehr viel. Menschen, die mit all dem nichts zu tun haben und nach Deutschland gekommen sind, weil ihr Leben im eigenen Land in Gefahr war, sind nun hier. Von Willkommenskultur hört man in den Medien nichts mehr. Wie geht es den Menschen jetzt?

Ein Iraker in Deutschland

Milad Jaffer ist 26 Jahre alt und kommt aus dem Irak. Er ist Jesit und wird in seiner Heimat, dem nördlichen Teil des Landes, auf Grund seiner Religion, verfolgt. Er sagt, seine Flucht nach Deutschland, habe ihm das Leben gerettet. Nach Deutschland wollte er unbedingt, weil auch sein Bruder sich hier vor Jahren schon ein neues Leben aufbauen konnte.„Ich habe alles gesehen“, erzählt er. „Ich habe gesehen wie Kinder in meinem Dorf umgebracht wurden, wie alles zerstört wurde.“ Milad ist stark traumatisiert. Er habe ständig Kopfschmerzen und könne nachts kaum schlafen. Die Angst ist immer noch da.„In Deutschland zu sein ist eine große Chance für mich. Ich bin endlich weg von dort. Hier muss ich nicht mehr so viel Angst haben wie in meiner Heimat“ erzählt der gebürtige Iraker.Seit 2015 ist Milad schon in Deutschland. Zuerst kam er in München an und wurde dann in ein Flüchtlingslager nach Lebach im Saarland weitergeleitet. Ein Jahr später bezog er in Saarbrücken eine Wohnung und ist nun regelmäßig im Jobcenter der Agentur für Arbeit anzutreffen. Zurzeit wird Milad vom Staat finanziell unterstützt. Das gefällt ihm überhaupt nicht. Er will zurück in die Selbstständigkeit und Deutschland nicht auf der Tasche liegen.„Im Irak war ich Schreiner und arbeitete als Dolmetscher. Ich hatte Geld, ein großes Haus und zwei Autos. Hier habe ich nichts. Ich musste alles zurücklassen“, beschreibt Milad sein altes Leben. Vielen Flüchtlingen geht es ähnlich wie ihm. Die Situation ist nicht leicht. Ankommen und leben in einem fremden Land, mit fremden Menschen und einer fremden Kultur ist schwer.

Startschwierigkeiten der Flüchtlinge

Dass die Situation für Neuankömmlinge in Deutschland alles andere als einfach ist, bestätigt auch die Sozialarbeiterin Anna, die in einer der vielen Clearing Stellen arbeitet: „Diese Menschen mussten ihre gewohnte Umgebung verlassen und kommen hier in einem ganz anderen Kulturkreis an. Hier ist wirklich alles anders. Schon alleine das, stellt für viele Schwierigkeiten dar. Viele von ihnen sind zudem stark traumatisiert, was die Situation noch problematischer macht.“Milad macht es zu schaffen, dass er vom Staat abhängig ist. Er will das nicht. „Ich will mich nicht auf dem Deutschen Staat ausruhen. Ich will mein eigenes Geld verdienen. Ich will arbeiten und selbstständig sein. Ich will hier ganz normal leben können. Ich möchte wie jeder andere arbeiten und einfach etwas leisten.“ Die Situation ist frustrierend. Arbeit hat er noch keine gefunden. Die Ämter sind überlastet und vieles geht langsamer als sonst. Obwohl er schon seit über einem Jahr in Deutschland ist, kann er erst in ein paar Wochen mit einem Sprachkurs beginnen.„Die Wartelisten für Deutschkurse sind je nach Standort sehr lang. Da müssen die Leute leider schon mal bis zu einem Jahr warten. Das frustriert, aber die momentane Lage ist leider so, dass viele Stellen einfach extrem überlastet sind“ erklärt Anna. Sie weiß, dass die meisten sich bemühen Deutsch zu lernen. Noch ist ihr keiner untergekommen, der die Sprachen nicht lernen oder nicht arbeiten wollte. Anna ist beeindruckt von dem Mut und dem Willen der Menschen sich hier in Deutschland zu integrieren und sich ein neues Leben aufzubauen.„Ich kann wirklich allen nur raten Geduld und Ausdauer zu haben und nicht schnell aufzugeben“ sagt die Sozialarbeiterin. „Wer sich hier wirklich integrieren will, kann das auch schaffen, man muss nur offen sein und sich wirklich in jeder Hinsicht darum bemühen. Sei es nun die Sprache zu lernen, auf Leute zuzugehen oder sich mit der deutschen Bürokratie auseinanderzusetzen. Es ist auf jeden Fall machbar.“Milads Traum ist es später als Dolmetscher in Deutschland arbeiten zu können. Er möchte mit Sprachen helfen und vermitteln. „Es ist nicht leicht hier in Deutschland, aber ich will mich in die Gesellschaft integrieren. Ich weiß, dass hier in Deutschland meine Träume in Erfüllung gehen können und dass ich es hier schaffen kann.“Der erste Schritt in die richtige Richtung ist getan. Nach seinem Deutschkurs möchte Milad eine Ausbildung beginnen um sich hier ein richtiges Leben aufzubauen.Milad glaubt an sich. Er sieht der Zukunft positiv entgegen und weiß jetzt schon, dass es die richtige Entscheidung war nach Deutschland zu kommen. Seine Erlebnisse kann er hier verarbeiten und seine Angst nimmt langsam, aber stetig ab. Er fühlt sich sicher.„Mir gefällt es hier. Ich mag das Land, die Leute und das Essen. Ich will hier nicht mehr weggehen. Ich freue mich, dass ich bald endlich mit dem Deutschkurs beginnen kann und dann vielleicht auch einfach mehr Chancen habe“ sagt Milad. „Wenn ich an meine Zukunft denke, freue ich mich. Ich denke, dass es hier in Deutschland nur gut werden kann.“

Doch wie stehen die Chancen für Menschen wie Milad wirklich?

Eine der großen Fragen, die die Flüchtlingswelle mit sich gebracht hat, ist ob eine Integration von so vielen Menschen aus unterschiedlichen Kulturräumen wirklich klappen kann. Sozialarbeiterin Anna blickt optimistisch nach vorne.„Meiner Meinung nach stehen die Chancen ziemlich gut, dass die Menschen, die sich hier integrieren wollen und hier arbeiten und in Zukunft leben wollen, das auch schaffen. Natürlich hängt es immer auch vom Typ Mensch ab und wie sehr sich dieser bemüht.“Anna gibt allerdings zu bedenken, dass es nicht gleich leicht für alle hier ist. Akademiker oder ähnlich gut ausgebildete Menschen zum Beispiel haben es oft keine so großen Probleme, da diese oft über gute Englischkenntnisse verfügen und so besser kommunizieren können. Trotzdem sieht sie auch Chancen für Nicht-Akademiker. Sie erklärt, dass es für diese Menschen vielleicht etwas länger dauern wird Arbeit zu finden oder sich zu integrieren, aber möglich sei es auf jeden Fall.Erst die Zeit wird zeigen, ob eine Integration möglich ist. Zum jetzigen Zeitpunkt ist es schwierig eine Prognose zu geben. Anna hat schon viele geflüchtete Menschen kennengelernt, bei denen sie keinerlei Zweifel hat, aber eben auch einige die an kleinen Hürden wie zum Beispiel der Bürokratie scheitern.„Generell ist es schwer etwas über die Zukunft und insbesondere die Integration dieser Menschen zu sagen. Ich glaube fest daran, dass es funktionieren kann, möchte aber auch betonen, dass zur Integration immer zwei Seiten gehören. Der geflüchtete Mensch muss offen sein, aber seine Umgebung muss es auch. Dann kann eine Integration funktionieren.“ (Foto: Frank Wunderatsch by jugendfotos.de)

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FASCHING versus KARNEVALhttp://backview.eu/fasching-versus-karneval/ http://backview.eu/fasching-versus-karneval/#comments Sun, 26 Feb 2017 10:15:16 +0000 http://backview.eu/?p=26122 fasching

fasching kl

FaschingUlrike Botha kommentiert, warum sie den Sinn hinter Karneval nicht versteht:

Ein Kommentar von Ulrike Botha über Sinn und Unsinn vom Fasching. Sie versteht den ganzen Hype rund um diese fünfte Jahreszeit nicht wirklich und zeigt uns in diesem Kommentar, woran das vor allem liegt.

Mazel TovÜber den jüdischen Karneval schreibt Stephan Raab:

Jedes Jahr am 11. 11. um 11:11 beginnt sie die fünfte Jahreszeit. Dann herrscht in den Karnevalshochburgen Ausnahmezustand. Doch auch andere Regionen und Religionen feiern Karneval. Am 11. März ist Purim, der jüdischen Karneval.

PapageiIn einem zweiten Artikel stellt sich Stephan Raab die Frage: Wo kommt eigentlich der Humor her?

Die Antwort ist wohl ein Witz. Die besten Pointen schreibt das Leben. „Lachen ist Ausdruck der Seele“, so sagte es einst der chilenische Dichter und Autor Pablo Neruda. Nichts ist so international und wird weltweit in allen Kulturkreisen verstanden wie ein Lachen. Lange bevor die Menschen miteinander sprechen konnten, konnten sie übereinander lachen. Auch unsere direkten Vorfahren die Menschenaffen lachen auf ihre Weise wenn sie Freude empfinden. Dabei ist der Ursprung wohl eher weniger zum Lachen.

Und aus unserem Archiv gibt es noch das große Faschings-ABC für Nicht-Karnevalisten von Julia Radgen und Felix Klabe:

Die närrischste Zeit des Jahres kommt unweigerlich auf uns zu und lässt nur zwei Möglichkeiten: Entweder im Bett vergraben und warten, bis alles vorüber ist oder sich ins Chaos stürzen. Für alle, die Letzteres vorhaben, gibt es unser Faschings-ABC, das selbst den größten Laien die wichtigsten Begriffe erklärt.

(Foto: Helene Timm by jugendfotos.de)

Der Beitrag FASCHING versus KARNEVAL erschien zuerst auf backview.eu.

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FaschingUlrike Botha kommentiert, warum sie den Sinn hinter Karneval nicht versteht:
Ein Kommentar von Ulrike Botha über Sinn und Unsinn vom Fasching. Sie versteht den ganzen Hype rund um diese fünfte Jahreszeit nicht wirklich und zeigt uns in diesem Kommentar, woran das vor allem liegt.
Mazel TovÜber den jüdischen Karneval schreibt Stephan Raab:
Jedes Jahr am 11. 11. um 11:11 beginnt sie die fünfte Jahreszeit. Dann herrscht in den Karnevalshochburgen Ausnahmezustand. Doch auch andere Regionen und Religionen feiern Karneval. Am 11. März ist Purim, der jüdischen Karneval.

PapageiIn einem zweiten Artikel stellt sich Stephan Raab die Frage: Wo kommt eigentlich der Humor her?

Die Antwort ist wohl ein Witz. Die besten Pointen schreibt das Leben. „Lachen ist Ausdruck der Seele“, so sagte es einst der chilenische Dichter und Autor Pablo Neruda. Nichts ist so international und wird weltweit in allen Kulturkreisen verstanden wie ein Lachen. Lange bevor die Menschen miteinander sprechen konnten, konnten sie übereinander lachen. Auch unsere direkten Vorfahren die Menschenaffen lachen auf ihre Weise wenn sie Freude empfinden. Dabei ist der Ursprung wohl eher weniger zum Lachen.
Und aus unserem Archiv gibt es noch das große Faschings-ABC für Nicht-Karnevalisten von Julia Radgen und Felix Klabe:
Die närrischste Zeit des Jahres kommt unweigerlich auf uns zu und lässt nur zwei Möglichkeiten: Entweder im Bett vergraben und warten, bis alles vorüber ist oder sich ins Chaos stürzen. Für alle, die Letzteres vorhaben, gibt es unser Faschings-ABC, das selbst den größten Laien die wichtigsten Begriffe erklärt.
(Foto: Helene Timm by jugendfotos.de)

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Fasching — nicht schon wieder!http://backview.eu/fasching-nicht-schon-wieder/ http://backview.eu/fasching-nicht-schon-wieder/#comments Sun, 26 Feb 2017 10:05:07 +0000 http://backview.eu/?p=26117 Fasching

Ein Kommentar von Ulrike Botha über Sinn und Unsinn vom Fasching. Sie versteht den ganzen Hype rund um diese fünfte Jahreszeit nicht wirklich und zeigt uns in diesem Kommentar, woran das vor allem liegt.

[divide]

FaschingHo Narro!

So oder so ähnlich wird man in Konstanz an Fasching begrüßt — wobei die Konstanzer immer anmerken, dass es bei ihnen Fasnacht heißt. Und genau diese Konstanzer Fasnacht musste ich mehrere Jahre ertragen. Dies ist wohl das Prägendste, dass zu meiner jetzigen Meinung zu Fasching geführt hat. In Konstanz wird Fasching auch in der Schule gefeiert—man geht verkleidet in die Schule, nur um dann in die Fasnacht entlassen zu werden. Es gab also kein entkommen. Wer nicht verkleidet in die Schule kam, war direkt „uncool“. Schon Wochen zuvor wurde das Gruppenkostüm für den Freundeskreis geplant und das Taschengeld auf den Kopf gehauen. Die ersten paar Jahre war es noch witzig, mit dem Alter kam dann aber auch der Verstand. Ich bin mir bewusst, dass das sehr hart ausgedrückt ist, aber im Folgenden möchte ich zwei unbestreitbare Argumente aufbringen, die wohl nicht für jeden gelten, aber trotzdem meine „Unlust“ auf Teilhabe an diesen Festtagen verständlich machen.

„Geldmacherei“

Ich denke viele kennen die folgende Situation, wenn sie bereits an Faschingsfesten anwesend waren. Jedes Jahr soll das Kostüm gut aussehen und meist auch zu der Gruppe passen. Zu simpel soll es nicht sein und Kostüme sind nicht günstig. Man könnte zwar das vom Vorjahr wieder anziehen, aber das wäre doch langweilig und würde alles doch viel zu entspannt machen. Demnach häuft sich der Stapel an unnützen Kostümen im Schrank, die alle nur einmal getragen wurden. Es ist ja nicht mal so, als könnte man sie zu anderen Veranstaltungen regelmäßig tragen oder gehe ich doch als Biene verkleidet auf die Hochzeit meiner Schwester? Man kann mir nicht sagen, dass daraus niemand finanziellen Profit schlagen möchte. Ich denke jedoch nicht, dass dort das größte Problem liegt, denn am meisten profitieren wohl diejenigen, die alkoholische Getränke verkaufen. Mit diesem Satz kann ich auch zu meinem nächsten und wohl wichtigsten Argument übergehen.

Reichen Oktoberfest und Volksfeste nicht aus?

Neben den gerade genannten Festen ist auch Fasching meiner Meinung nach vor allem eins—ein Grund um ungehemmt trinken zu können. Wenn man an Fasching oder Fasnacht durch die Straßen geht, ist es laut, voll—und damit ist nicht nur die Menge der Menschen gemeint, sondern auch deren Zustand. Schon etwas merkwürdig, wenn man damals als Schüler frei bekommen hat, um an diesen Festivitäten teil zu nehmen. Mit den alten Traditionen, die an Fasching wiederbelebt werden sollen, hat dieses Saufgelage nichts zu tun. Und da ich kein Freund davon bin, in der Kälte von lauter Betrunkenen umgeben zu sein, reicht mir das eine Mal an Silvester. Ich kann auf Fasching gerne verzichten. Es gibt noch weitere Gründe, warum ich nicht gerne Fasching feier. Dazu gehört vor allem auch die groteske musikalische Untermalung. Schlager muss man nicht mögen, oder? Die hier genannten Argumente sollten jedoch den Kern wiedergeben, die Fasching für mich unsinnig machen.

 

(Foto: Ulf Petersohn by jugendfotos.de)

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Fasching

Ein Kommentar von Ulrike Botha über Sinn und Unsinn vom Fasching. Sie versteht den ganzen Hype rund um diese fünfte Jahreszeit nicht wirklich und zeigt uns in diesem Kommentar, woran das vor allem liegt.[divide]

FaschingHo Narro!

So oder so ähnlich wird man in Konstanz an Fasching begrüßt — wobei die Konstanzer immer anmerken, dass es bei ihnen Fasnacht heißt. Und genau diese Konstanzer Fasnacht musste ich mehrere Jahre ertragen. Dies ist wohl das Prägendste, dass zu meiner jetzigen Meinung zu Fasching geführt hat. In Konstanz wird Fasching auch in der Schule gefeiert—man geht verkleidet in die Schule, nur um dann in die Fasnacht entlassen zu werden. Es gab also kein entkommen. Wer nicht verkleidet in die Schule kam, war direkt „uncool“. Schon Wochen zuvor wurde das Gruppenkostüm für den Freundeskreis geplant und das Taschengeld auf den Kopf gehauen. Die ersten paar Jahre war es noch witzig, mit dem Alter kam dann aber auch der Verstand. Ich bin mir bewusst, dass das sehr hart ausgedrückt ist, aber im Folgenden möchte ich zwei unbestreitbare Argumente aufbringen, die wohl nicht für jeden gelten, aber trotzdem meine „Unlust“ auf Teilhabe an diesen Festtagen verständlich machen.

„Geldmacherei“

Ich denke viele kennen die folgende Situation, wenn sie bereits an Faschingsfesten anwesend waren. Jedes Jahr soll das Kostüm gut aussehen und meist auch zu der Gruppe passen. Zu simpel soll es nicht sein und Kostüme sind nicht günstig. Man könnte zwar das vom Vorjahr wieder anziehen, aber das wäre doch langweilig und würde alles doch viel zu entspannt machen. Demnach häuft sich der Stapel an unnützen Kostümen im Schrank, die alle nur einmal getragen wurden. Es ist ja nicht mal so, als könnte man sie zu anderen Veranstaltungen regelmäßig tragen oder gehe ich doch als Biene verkleidet auf die Hochzeit meiner Schwester? Man kann mir nicht sagen, dass daraus niemand finanziellen Profit schlagen möchte. Ich denke jedoch nicht, dass dort das größte Problem liegt, denn am meisten profitieren wohl diejenigen, die alkoholische Getränke verkaufen. Mit diesem Satz kann ich auch zu meinem nächsten und wohl wichtigsten Argument übergehen.

Reichen Oktoberfest und Volksfeste nicht aus?

Neben den gerade genannten Festen ist auch Fasching meiner Meinung nach vor allem eins—ein Grund um ungehemmt trinken zu können. Wenn man an Fasching oder Fasnacht durch die Straßen geht, ist es laut, voll—und damit ist nicht nur die Menge der Menschen gemeint, sondern auch deren Zustand. Schon etwas merkwürdig, wenn man damals als Schüler frei bekommen hat, um an diesen Festivitäten teil zu nehmen. Mit den alten Traditionen, die an Fasching wiederbelebt werden sollen, hat dieses Saufgelage nichts zu tun. Und da ich kein Freund davon bin, in der Kälte von lauter Betrunkenen umgeben zu sein, reicht mir das eine Mal an Silvester. Ich kann auf Fasching gerne verzichten. Es gibt noch weitere Gründe, warum ich nicht gerne Fasching feier. Dazu gehört vor allem auch die groteske musikalische Untermalung. Schlager muss man nicht mögen, oder? Die hier genannten Argumente sollten jedoch den Kern wiedergeben, die Fasching für mich unsinnig machen. (Foto: Ulf Petersohn by jugendfotos.de)

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Wer zuerst lachte über die witzigen Zeitenhttp://backview.eu/wer-zuerst-lachte-ueber-die-witzigen-zeiten/ http://backview.eu/wer-zuerst-lachte-ueber-die-witzigen-zeiten/#comments Sun, 26 Feb 2017 09:56:40 +0000 http://backview.eu/?p=26114 Papagei

Man hat ihn oder man hat ihn nicht, doch wo kommt eigentlich der Humor her? Die Antwort ist wohl ein Witz. Die besten Pointen schreibt das Leben. „Lachen ist Ausdruck der Seele“, so sagte es einst der chilenische Dichter und Autor Pablo Neruda. Nichts ist so international und wird weltweit in allen Kulturkreisen verstanden wie ein Lachen. Lange bevor die Menschen miteinander sprechen konnten, konnten sie übereinander lachen. Auch unsere direkten Vorfahren die Menschenaffen lachen auf ihre Weise wenn sie Freude empfinden. Dabei ist der Ursprung wohl eher weniger zum Lachen. Evolutionär habe sich diese Eigenschaft aus einer Abwehrgeste entwickelt, Feinde abzuschrecken, indem diesen die Zähne gezeigt wurden.

[divide]

Dennoch, das Lachen selbst ist ein Alleinstellungsmerkmal des Menschen und nur ihm zu eigen, wie es schon Aristoteles beschrieb. „"Lacht!", forderte der Jesuitenpater Karl Rahner seine Gemeinde auf, "denn dieses Lachen ist ein Bekenntnis, dass Ihr Menschen seid."

Lachen ist gesund. Jedes Mal, wenn wir es tun, werden im Körper bis zu 80 Muskeln betätigt.
Es stärkt unser Immunsystem und beugt Herzinfarkten vor. Aber man kann sich auch tot lachen. So verstarb der antike griechische Maler Zeuxis von Herakleia als ihm beim Anblick seines Gemäldes ein besonders lustiges Gefühl überkam. Ebenso endete eine Pointe für den italienischen Renaissancemaler Pietro Arentino tödlich, als er nach einem Witz vor Begeisterung vom Stuhl fiel und sich das Genick brach. Einer der neuern Fälle ist der des britischen Maurer Alex Mitchell. Als er am 24. März 1975 die Serie „The Goodies“ verfolgte, erlag er nach einem 30minütigen Lachanfall seinem Vergnügen. Doch seine Witwe Nessie Mitchell nahm es mit Humor und schrieb den Hauptdarstellern der Serie:

„Die letzte Erinnerung an meinen Mann ist, wie ich ihn ansah über eure Sendung lachen hörte.“

Irgendwie komisch

„Humor ist, wenn man trotzdem lacht.“ Das Wort selber leitet sich vom lateinischen Wort für Feuchtigkeit ab. Dahinter steht die Idee der Temperamentlehre auch als Humoralpathologie bekannt, nach welcher der Mensch aus verschiedenen Körpersäften bestehe, die ins Gleichgewicht zu bringen sind. Bis heute bitte die Erforschung des Humors der Wissenschaft viel Grund zum Lachen. Die „International Society for Humor Studies“ beschäftigt sich seit vielen Jahren wissenschaftlich mit dem Phänomen des Lachens. Verschiedene Theorien beschreiben dies unterschiedlich.

Die Distanztheorie geht davon aus, dass die Komik durch die distanzierte Wahrnehmung des Zuschauers entsteht, ein Missgeschick zu erleben ohne selbst davon betroffen zu sein, anders: „Frühmorgens wird ein Delinquent geweckt und zur Hinrichtung geführt wird. Darauf er: »Na, die Woche fängt gut an« – Humor, ist in diesem Fall Galgenhumor.

Als solcher hilft dieser mit auch schier unfassbaren wie dem Tod umzugehen. Bestes Beispiel hierfür ist der Darwinarward. Seit 1994 wird dieser für den dümmsten Todesfall vergeben. Auch der Brandner Kasper hätte sicher seine Freude daran. Er ist es, von dem der Boandlkrammer, auch bayerischer Tod genannt, beim Kartenspiel erst mit Kirschgeist betrunken und dann um 18Jahre betrogen wird. Alles nur um zu erkennen, das man aufhören soll, wenn es am schönsten ist.

Wie es Sigmund Freud in seiner wissenschaftlichen Abhandlung mit dem Titel „ Der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten“ schrieb, dient Humor als Befreiung des Ichs vom Überich. In anderen Worten die Hemmschwelle über Tabuthemen sinkt, wenn etwas mit einem Witz gesagt wird. Damit kommt dem Witz etwas entlastendes Befreiendes zu. Auf diese Weise erfüllt der Karneval eine Ventilfunktion für angestauten Unmut und Kritik.

Derart hilft das Lachen mit schier unverständlich schwierigen Situationen umzugehen, wie besonders der jüdische Humor durch seine hohe Selbstironie beweist:
„Kohn beklagt sich bei Grün: „Meine Frau, die red’t und red’t und red’t, ich werd noch ganz meschugge.“ „Was red’t sie denn?“ „Nu’, das sagt sie nicht.“

Bereits in der Antike gab es Feste bei denen Herren und Sklaven für einen Tag die Rollen tauschten. Im Mittelalter entstanden große Traditionen die Obrigkeit zu veralbern. Vielerorts war es üblich für einen Tag einen Narrenbischoff aus dem Volk zu wählen, dem alle unbedingten Gehorsam zu leisten hatten. Dabei ging es nicht zu ernst zu. Pfarrer und hohe Geistliche als Dirnen und Bettler verkleidet nahmen am feuchtfröhlichen Treiben teil. Dies artete manchmal derart aus, dass 1199 der Pariser Bischoff eine eigene Karnevalsverordnung erließ. Damit ist dies eine große Ausnahme im sonst so humorlosen Mittelalter. Viele Geistliche vertraten die Auffassung wie der Abt Jorge von Burgos im Roman „Im Namen der Rose“, das Jesus nie gelacht habe. Damit begründeten sie ein allgemeines Lachverbot, das jedoch sehr unterschiedlich ausgelegt wurde. Lange war es trotz allem Brauch in der Osternacht einen Osterwitz zu erzählen.

„Würden die Christen erlöster aussehen, dann würden auch mehr Menschen an die Erlösung glauben“, sagte einst Nietzsche. Ein Seminarleiter erklärte den angehenden Geistlichen: „Wenn Ihr vom Himmel predigt, lasst Euer Gesicht strahlen. Wenn Ihr von der Hölle predigt, genügt Euer normales Aussehen.“

Im christlichen Verständnis wird damit die Auferstehung Jesu, der Sieg des Lebens über den Tod verdeutlicht. Witz macht die Erlösung verständlich. In anderen Worten in Lukas 6 21: Glücklich seid ihr, die ihr jetzt weint. Denn ihr werdet lachen.“

Was für ein Witz

Das besondere am Witz besteht anders zur Situationskomik in seiner Genialität. Das Wort selbst leitet sich vom englischen „wit“ für Verstand ab. Als solcher steht er für besondere Einfälle, besonderes Agieren in speziellen Situationen. Nürnberg beispielsweise ist bis heute für seinen Nürnberger Witz bekannt, Dinge auf eine eigene Weise zu lösen.

Hier ist speziell die Kipptheorie wichtig, die scheinbar unverständliches zusammenbringt. Bereits Arthur Schopenhauer, der seinerzeit nicht gerade als Witzbold bekannt war, sah die plötzliche Wahrnehmung einer Inkongruenz zwischen Konzept und realem Objekt als Ursache für das Lachen. Ziel des Witzes ist es scheinbar unvereinbares, unerwartetes, widersprüchliches miteinander zu verbinden. Ein gutes Beispiel hierfür liefert das alte China. Qin Shihuangdi, der Begründer des chinesischen Reiches, verstarb an einer Quecksilbervergiftung, nachdem er Quecksilbertabletten eingenommen hatte um unsterblich zu werden.

Ein Witz folgt dabei stets dem gleichen Muster. Das Exordium verschafft dem Erzähler die Aufmerksamkeit, die Exposition stellt die handelnden Figuren vor. In der Complicatio handeln die Figuren und bietet schließlich Anlass zur Interpretation der Pointe. Dies kann auf viele Weisen erfolgen, das Spektrum der Witze ist so unermesslich wie das Leben selbst.
Witzigkeit kennt keine Grenzen, Witzigkeit kennt kein Pardon und wer witzig ist der hatte schon immer gut lachen.

PapageiDer Papagei ist tot. Ach der ruht sich nur etwas aus. Bereits vor über 2000 Jahren lachten die Menschen über diesen Klassiker der britischen Komikertruppe Monty Python. Bereits im „Philogelas“ (dt. Witzefreund) , der ältesten bekannten Witzesammlung um 400 nach Christus, lachten die Menschen über ihre Mitmenschen. Solche Ratgeber galten als wichtige Vorbereitung für Symposien, auf denen es dem Wortursprung her, von gr. πίνω für trinken selber feucht fröhlich herging.

Andre Länder andre Pointen:

„Als ein Platzregen kam, tauchte ein Kymäer beim Baden unter, um nicht nass zu werden.“
Gefunden im Philogelas erinnert dieser Ausspruch doch sehr stark an unsere Humorkultur.

„Ein Ostfriese lacht dreimal über einen Witz: Einmal, wenn man ihn erzählt, das zweite Mal, wenn man ihn erklärt und das dritte Mal, wenn er ihn versteht. Der Bayer lacht nur zweimal: Einmal, wenn man ihn erzählt, das zweite Mal wenn man ihn erklärt. Begreifen tut er ihn eh nicht.“

Bekannte Beispiele sind die ewigen Rivalitäten zwischen Köln und Düsseldorf, Witze über Deutsche und Österreicher. Die kulturell am nächsten gelegene Gruppe dient dabei immer wieder als das Objekt von Spot. Niederländer machen sich etwa über Belgier lustig und Brasilianer über Portugiesen. Indem man sich gegenseitig Witze erzählt stärkt man das Gruppengefühl und grenzt sich damit gegen andere ab. Im Sinne der Superioritätstheorie kann der Witz damit auch als Waffe gegen andere verwendet werden. Im Mittelalter war es daher der Hoffnarren allein, der die Narrenfreiheit besaß, alles das zu sagen, was keiner anderen sich zu sagen traute. Aber Narren gehören nicht der Vergangenheit an. Einen besondere Beruf hat Russel Erwood . Er ist der erste offizielle Stadtnarr des walisischen Conwy seit dem Jahre 1295.

„Der Narr hält sich für weise, aber der Weise weiß, dass er ein Narr ist.“, schrieb einst Shakespeare. Besonders komisch ist sicher der Lebenslauf des offiziellen Hofnarren von Tonga, Jesse Bogdonoff, der zuvor als Banker der Bank of America mehrer Millionen in windigen Investition im wahrsten Sinne des Wortes in den Sand gesetzt hat.

Cicero sieht genau hierin eine wichtige Aufgabe des Witzes, bestehende gesellschaftliche Abweichungen aufzuzeigen und gegen diese vorzugehen. Inwieweit dabei der Spruch „Satire darf alles“ Gültigkeit besitzt ist von Kulturkreis zu Kulturkreis unterschiedlich zu verstehen.

Jedoch hat sich die Taktik Kritik durch Humor zu üben als sehr erfolgreich erwiesen. Insbesondere in Ländern, die durch ein autoritäres System gekennzeichnet sind, ist die Komik eine wichtige Säule gesellschaftlichen Unmut zu äußern. In der ehemaligen DDR zum Beispiel waren die Radio Eriwan-Witze sehr beliebt. Basierend auf einem fiktiven Radiosender in der armenischen Hauptstadt konnten so durch das Telefon gesagt Kritik und Unmut geäußert werden: „Können Sie uns sagen, wo der Erfinder der Radio-Eriwan-Witze sitzt? Wir wissen nicht, wo er sitzt, aber er sitzt bestimmt.“

Aber je nach Kontext wird ein Witz besser, schlechter oder gar missverstanden. Daher machte sich der britische Psychologe Richard Wiseman 2001 auf die Suche nach dem besten Witz der Welt. Über 500.000 Menschen aus über 70 Ländern konnten ihre Lieblingswitze einreichen und bewerten. Gewonnen hat diese Begebenheit aus der Welt des Jagdsportes:

„Zwei Jäger sind im Wald unterwegs, als einer von ihnen zusammenbricht. Er scheint nicht mehr zu atmen, und seine Augen sind glasig. Der andere Typ zückt sein Telefon, ruft den Notdienst an und stößt hervor: ‚Mein Freund ist tot! Was kann ich nur machen?‘ – Darauf der Telefonist: ‚Beruhigen Sie sich. Ich kann Ihnen helfen. Zuerst sollten wir sicherstellen, dass er tot ist.‘ Kurze Pause, dann ein Schuss. Zurück am Telefon sagt er: ‚OK, was jetzt?“

Das Leben selbst ein Witz

Was ist also der Humor im Leben? Die Botschaft die uns der Karneval vermitteln will ist einfach. Das Leben ist selbst ein Witz, es mit all seinen Mühen, Ängsten und Nöten nicht zu Ernst zu nehmen. Wenn es zum Weinen nicht reicht, soll man Tränen lachen. Ein bisschen Spaß muss sein, denn der Ernst kommt von ganz allein. Häufig ist das Leben voller Widersprüche, voll von Scheitern, doch die beste Antwort bietet ein jüdisches Sprichwort.
„Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, so erzähl ihm von deinen Plänen.“

Nicht selten stoßen wir an unsere Grenzen, können Dinge nicht begreifen, nicht fassen, sind Widerständen und Unvernunft ausgesetzt. „Lächeln ist die beste Art seinen Gegnern die Zähne zu zeigen,,“ wusste schon der Kabarettist Werner Finck. „Komisch ist etwas oder muss es sein, mit dem man – grausamer- und angenehmerweise – nicht fertig wird, schon gar nicht durch eine Theorie“, schrieb einst der Philosoph Odo Marquard. In diesem Sinne rät der Komiker Charlie Chaplin: „ Jeder Tag an dem du nicht lächelst, ist ein verlorener Tag.“
Wo kommt also eigentlich der Humor her? Diese Frage kann wohl niemand besser beantworten, als der Großmeister des Humors selbst, Victor von Bülow, Loriot.

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Papagei

Man hat ihn oder man hat ihn nicht, doch wo kommt eigentlich der Humor her? Die Antwort ist wohl ein Witz. Die besten Pointen schreibt das Leben. „Lachen ist Ausdruck der Seele“, so sagte es einst der chilenische Dichter und Autor Pablo Neruda. Nichts ist so international und wird weltweit in allen Kulturkreisen verstanden wie ein Lachen. Lange bevor die Menschen miteinander sprechen konnten, konnten sie übereinander lachen. Auch unsere direkten Vorfahren die Menschenaffen lachen auf ihre Weise wenn sie Freude empfinden. Dabei ist der Ursprung wohl eher weniger zum Lachen. Evolutionär habe sich diese Eigenschaft aus einer Abwehrgeste entwickelt, Feinde abzuschrecken, indem diesen die Zähne gezeigt wurden.[divide]Dennoch, das Lachen selbst ist ein Alleinstellungsmerkmal des Menschen und nur ihm zu eigen, wie es schon Aristoteles beschrieb. „"Lacht!", forderte der Jesuitenpater Karl Rahner seine Gemeinde auf, "denn dieses Lachen ist ein Bekenntnis, dass Ihr Menschen seid."Lachen ist gesund. Jedes Mal, wenn wir es tun, werden im Körper bis zu 80 Muskeln betätigt. Es stärkt unser Immunsystem und beugt Herzinfarkten vor. Aber man kann sich auch tot lachen. So verstarb der antike griechische Maler Zeuxis von Herakleia als ihm beim Anblick seines Gemäldes ein besonders lustiges Gefühl überkam. Ebenso endete eine Pointe für den italienischen Renaissancemaler Pietro Arentino tödlich, als er nach einem Witz vor Begeisterung vom Stuhl fiel und sich das Genick brach. Einer der neuern Fälle ist der des britischen Maurer Alex Mitchell. Als er am 24. März 1975 die Serie „The Goodies“ verfolgte, erlag er nach einem 30minütigen Lachanfall seinem Vergnügen. Doch seine Witwe Nessie Mitchell nahm es mit Humor und schrieb den Hauptdarstellern der Serie:
„Die letzte Erinnerung an meinen Mann ist, wie ich ihn ansah über eure Sendung lachen hörte.“

Irgendwie komisch

„Humor ist, wenn man trotzdem lacht.“ Das Wort selber leitet sich vom lateinischen Wort für Feuchtigkeit ab. Dahinter steht die Idee der Temperamentlehre auch als Humoralpathologie bekannt, nach welcher der Mensch aus verschiedenen Körpersäften bestehe, die ins Gleichgewicht zu bringen sind. Bis heute bitte die Erforschung des Humors der Wissenschaft viel Grund zum Lachen. Die „International Society for Humor Studies“ beschäftigt sich seit vielen Jahren wissenschaftlich mit dem Phänomen des Lachens. Verschiedene Theorien beschreiben dies unterschiedlich.Die Distanztheorie geht davon aus, dass die Komik durch die distanzierte Wahrnehmung des Zuschauers entsteht, ein Missgeschick zu erleben ohne selbst davon betroffen zu sein, anders: „Frühmorgens wird ein Delinquent geweckt und zur Hinrichtung geführt wird. Darauf er: »Na, die Woche fängt gut an« – Humor, ist in diesem Fall Galgenhumor.Als solcher hilft dieser mit auch schier unfassbaren wie dem Tod umzugehen. Bestes Beispiel hierfür ist der Darwinarward. Seit 1994 wird dieser für den dümmsten Todesfall vergeben. Auch der Brandner Kasper hätte sicher seine Freude daran. Er ist es, von dem der Boandlkrammer, auch bayerischer Tod genannt, beim Kartenspiel erst mit Kirschgeist betrunken und dann um 18Jahre betrogen wird. Alles nur um zu erkennen, das man aufhören soll, wenn es am schönsten ist.Wie es Sigmund Freud in seiner wissenschaftlichen Abhandlung mit dem Titel „ Der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten“ schrieb, dient Humor als Befreiung des Ichs vom Überich. In anderen Worten die Hemmschwelle über Tabuthemen sinkt, wenn etwas mit einem Witz gesagt wird. Damit kommt dem Witz etwas entlastendes Befreiendes zu. Auf diese Weise erfüllt der Karneval eine Ventilfunktion für angestauten Unmut und Kritik.Derart hilft das Lachen mit schier unverständlich schwierigen Situationen umzugehen, wie besonders der jüdische Humor durch seine hohe Selbstironie beweist: „Kohn beklagt sich bei Grün: „Meine Frau, die red’t und red’t und red’t, ich werd noch ganz meschugge.“ „Was red’t sie denn?“ „Nu’, das sagt sie nicht.“Bereits in der Antike gab es Feste bei denen Herren und Sklaven für einen Tag die Rollen tauschten. Im Mittelalter entstanden große Traditionen die Obrigkeit zu veralbern. Vielerorts war es üblich für einen Tag einen Narrenbischoff aus dem Volk zu wählen, dem alle unbedingten Gehorsam zu leisten hatten. Dabei ging es nicht zu ernst zu. Pfarrer und hohe Geistliche als Dirnen und Bettler verkleidet nahmen am feuchtfröhlichen Treiben teil. Dies artete manchmal derart aus, dass 1199 der Pariser Bischoff eine eigene Karnevalsverordnung erließ. Damit ist dies eine große Ausnahme im sonst so humorlosen Mittelalter. Viele Geistliche vertraten die Auffassung wie der Abt Jorge von Burgos im Roman „Im Namen der Rose“, das Jesus nie gelacht habe. Damit begründeten sie ein allgemeines Lachverbot, das jedoch sehr unterschiedlich ausgelegt wurde. Lange war es trotz allem Brauch in der Osternacht einen Osterwitz zu erzählen.„Würden die Christen erlöster aussehen, dann würden auch mehr Menschen an die Erlösung glauben“, sagte einst Nietzsche. Ein Seminarleiter erklärte den angehenden Geistlichen: „Wenn Ihr vom Himmel predigt, lasst Euer Gesicht strahlen. Wenn Ihr von der Hölle predigt, genügt Euer normales Aussehen.“Im christlichen Verständnis wird damit die Auferstehung Jesu, der Sieg des Lebens über den Tod verdeutlicht. Witz macht die Erlösung verständlich. In anderen Worten in Lukas 6 21: Glücklich seid ihr, die ihr jetzt weint. Denn ihr werdet lachen.“

Was für ein Witz

Das besondere am Witz besteht anders zur Situationskomik in seiner Genialität. Das Wort selbst leitet sich vom englischen „wit“ für Verstand ab. Als solcher steht er für besondere Einfälle, besonderes Agieren in speziellen Situationen. Nürnberg beispielsweise ist bis heute für seinen Nürnberger Witz bekannt, Dinge auf eine eigene Weise zu lösen.Hier ist speziell die Kipptheorie wichtig, die scheinbar unverständliches zusammenbringt. Bereits Arthur Schopenhauer, der seinerzeit nicht gerade als Witzbold bekannt war, sah die plötzliche Wahrnehmung einer Inkongruenz zwischen Konzept und realem Objekt als Ursache für das Lachen. Ziel des Witzes ist es scheinbar unvereinbares, unerwartetes, widersprüchliches miteinander zu verbinden. Ein gutes Beispiel hierfür liefert das alte China. Qin Shihuangdi, der Begründer des chinesischen Reiches, verstarb an einer Quecksilbervergiftung, nachdem er Quecksilbertabletten eingenommen hatte um unsterblich zu werden.Ein Witz folgt dabei stets dem gleichen Muster. Das Exordium verschafft dem Erzähler die Aufmerksamkeit, die Exposition stellt die handelnden Figuren vor. In der Complicatio handeln die Figuren und bietet schließlich Anlass zur Interpretation der Pointe. Dies kann auf viele Weisen erfolgen, das Spektrum der Witze ist so unermesslich wie das Leben selbst. Witzigkeit kennt keine Grenzen, Witzigkeit kennt kein Pardon und wer witzig ist der hatte schon immer gut lachen.PapageiDer Papagei ist tot. Ach der ruht sich nur etwas aus. Bereits vor über 2000 Jahren lachten die Menschen über diesen Klassiker der britischen Komikertruppe Monty Python. Bereits im „Philogelas“ (dt. Witzefreund) , der ältesten bekannten Witzesammlung um 400 nach Christus, lachten die Menschen über ihre Mitmenschen. Solche Ratgeber galten als wichtige Vorbereitung für Symposien, auf denen es dem Wortursprung her, von gr. πίνω für trinken selber feucht fröhlich herging.

Andre Länder andre Pointen:

„Als ein Platzregen kam, tauchte ein Kymäer beim Baden unter, um nicht nass zu werden.“ Gefunden im Philogelas erinnert dieser Ausspruch doch sehr stark an unsere Humorkultur.
„Ein Ostfriese lacht dreimal über einen Witz: Einmal, wenn man ihn erzählt, das zweite Mal, wenn man ihn erklärt und das dritte Mal, wenn er ihn versteht. Der Bayer lacht nur zweimal: Einmal, wenn man ihn erzählt, das zweite Mal wenn man ihn erklärt. Begreifen tut er ihn eh nicht.“
Bekannte Beispiele sind die ewigen Rivalitäten zwischen Köln und Düsseldorf, Witze über Deutsche und Österreicher. Die kulturell am nächsten gelegene Gruppe dient dabei immer wieder als das Objekt von Spot. Niederländer machen sich etwa über Belgier lustig und Brasilianer über Portugiesen. Indem man sich gegenseitig Witze erzählt stärkt man das Gruppengefühl und grenzt sich damit gegen andere ab. Im Sinne der Superioritätstheorie kann der Witz damit auch als Waffe gegen andere verwendet werden. Im Mittelalter war es daher der Hoffnarren allein, der die Narrenfreiheit besaß, alles das zu sagen, was keiner anderen sich zu sagen traute. Aber Narren gehören nicht der Vergangenheit an. Einen besondere Beruf hat Russel Erwood . Er ist der erste offizielle Stadtnarr des walisischen Conwy seit dem Jahre 1295.„Der Narr hält sich für weise, aber der Weise weiß, dass er ein Narr ist.“, schrieb einst Shakespeare. Besonders komisch ist sicher der Lebenslauf des offiziellen Hofnarren von Tonga, Jesse Bogdonoff, der zuvor als Banker der Bank of America mehrer Millionen in windigen Investition im wahrsten Sinne des Wortes in den Sand gesetzt hat.Cicero sieht genau hierin eine wichtige Aufgabe des Witzes, bestehende gesellschaftliche Abweichungen aufzuzeigen und gegen diese vorzugehen. Inwieweit dabei der Spruch „Satire darf alles“ Gültigkeit besitzt ist von Kulturkreis zu Kulturkreis unterschiedlich zu verstehen.Jedoch hat sich die Taktik Kritik durch Humor zu üben als sehr erfolgreich erwiesen. Insbesondere in Ländern, die durch ein autoritäres System gekennzeichnet sind, ist die Komik eine wichtige Säule gesellschaftlichen Unmut zu äußern. In der ehemaligen DDR zum Beispiel waren die Radio Eriwan-Witze sehr beliebt. Basierend auf einem fiktiven Radiosender in der armenischen Hauptstadt konnten so durch das Telefon gesagt Kritik und Unmut geäußert werden: „Können Sie uns sagen, wo der Erfinder der Radio-Eriwan-Witze sitzt? Wir wissen nicht, wo er sitzt, aber er sitzt bestimmt.“Aber je nach Kontext wird ein Witz besser, schlechter oder gar missverstanden. Daher machte sich der britische Psychologe Richard Wiseman 2001 auf die Suche nach dem besten Witz der Welt. Über 500.000 Menschen aus über 70 Ländern konnten ihre Lieblingswitze einreichen und bewerten. Gewonnen hat diese Begebenheit aus der Welt des Jagdsportes:
„Zwei Jäger sind im Wald unterwegs, als einer von ihnen zusammenbricht. Er scheint nicht mehr zu atmen, und seine Augen sind glasig. Der andere Typ zückt sein Telefon, ruft den Notdienst an und stößt hervor: ‚Mein Freund ist tot! Was kann ich nur machen?‘ – Darauf der Telefonist: ‚Beruhigen Sie sich. Ich kann Ihnen helfen. Zuerst sollten wir sicherstellen, dass er tot ist.‘ Kurze Pause, dann ein Schuss. Zurück am Telefon sagt er: ‚OK, was jetzt?“

Das Leben selbst ein Witz

Was ist also der Humor im Leben? Die Botschaft die uns der Karneval vermitteln will ist einfach. Das Leben ist selbst ein Witz, es mit all seinen Mühen, Ängsten und Nöten nicht zu Ernst zu nehmen. Wenn es zum Weinen nicht reicht, soll man Tränen lachen. Ein bisschen Spaß muss sein, denn der Ernst kommt von ganz allein. Häufig ist das Leben voller Widersprüche, voll von Scheitern, doch die beste Antwort bietet ein jüdisches Sprichwort. „Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, so erzähl ihm von deinen Plänen.“Nicht selten stoßen wir an unsere Grenzen, können Dinge nicht begreifen, nicht fassen, sind Widerständen und Unvernunft ausgesetzt. „Lächeln ist die beste Art seinen Gegnern die Zähne zu zeigen,,“ wusste schon der Kabarettist Werner Finck. „Komisch ist etwas oder muss es sein, mit dem man – grausamer- und angenehmerweise – nicht fertig wird, schon gar nicht durch eine Theorie“, schrieb einst der Philosoph Odo Marquard. In diesem Sinne rät der Komiker Charlie Chaplin: „ Jeder Tag an dem du nicht lächelst, ist ein verlorener Tag.“ Wo kommt also eigentlich der Humor her? Diese Frage kann wohl niemand besser beantworten, als der Großmeister des Humors selbst, Victor von Bülow, Loriot.

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Mazel Tov und Alaafhttp://backview.eu/mazel-tov-und-alaaf/ http://backview.eu/mazel-tov-und-alaaf/#comments Sun, 26 Feb 2017 09:55:20 +0000 http://backview.eu/?p=26107 Mazel Tov

Jedes Jahr am 11. 11. um 11:11 beginnt sie die fünfte Jahreszeit. Dann herrscht in den Karnevalshochburgen Ausnahmezustand. Doch auch andere Regionen und Religionen feiern Karneval. Am 11. März ist Purim, der jüdischen Karneval.

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Das entscheidende Los  

Einst war Königin Watschi bei ihrem Gemahl dem Perserkönig Achashverosch, auch als Xerxes I bekannt, in Ungnade gefallen. Daraufhin schickte der König nach einer potenziellen Gemahlin. Unter den Kandidatinnen war auch die jüdische Waise Ester. Als es ihr gelingt mit ihrem Gemahl Mordechai einen Mordanschlag auf den König zu vereiteln, gewinnt sie dessen Gunst und wird Königin. Ihre jüdische Abstammung verheimlicht sie aber auf Anraten Mordechais. Dieser ist dem Premierminister des Reiches Haman aber ein Dorn im Auge.

Als Jude weigert sich Mordechai wie geboten vor Haman niederzuknien.

Mazel Tov

Aus Zorn und mit dem Ziel den Besitz der Juden in Persien zu erlangen, überzeugt Haman König Achashverosch, die Juden müssten vernichtet werden. Über den schicksalhaften Tag lässt Haman das Los entscheiden. Daher leitet sich auch der Name Purim hebräisch für Los ab.

Kurz vor der geplanten mörderischen Tat wird Mordechai eine besondere Ehre zu Teil. In ein königliches Gewand zu Pferde reitet dieser durch die Stadt. Allerdings empfindet Haman dies als persönliche Kränkung und beschließt Mordechais beschlossenen Tod vorzuziehen.

Daraufhin schickt dieser nach Ester, welche dem König eröffnete, welches Schicksal auch sie erwarte. Darüber erbost lässt Achashverosch Haman am Galgen, der für Mordechai bestimmt war, hinrichten. Trotzdem kann Ester keine Gnade beim König erflehen, da er ein königliches Edikt nicht zurückzunehmen kann. Daher gestattet er den Juden in einem zweiten Edikt sich selbst zu verteidigen. Auf diese Weise sind sie vor dem schrecklichen Schicksal errettet.

Ein missverstandenes Fest

Leider hat dieses sehr fröhliche Fest auch eine sehr traurige Seite, die hier nicht verschwiegen werden soll. Bewusste Missverständnisse und Unwissenheiten dienten  auch als Grundlage für Antisemitismus. Gemäß dem Buch Ester gelang es den Juden in Persien 75.000 Feinde zu töten. Das Hetzblatt „ Der Stürmer“  stellte dazu die Behauptung auf, immer wieder, bei exzessiven Trinkgelagen würden die jüdischen Gemeinden zu Gewalt und Provokation gegen Nichtjuden aufrufen. Mit dieser Begründung, man müsse die Söhne Hamans rächen, kam es in der Zeit des Nationalsozialismus immer wieder zu brutalen Übergriffen und Pogromen auf die jüdische Bevölkerung. Als Julius Streicher, der Herausgeber des „Stürmers“ 1946 nach seiner Verurteilung hingerichtet wurde soll er gar gesagt haben: „ Das ist mein Purim.“

Damit war das Fest völlig falsch verstanden, hat es doch eine völlig andere Tradition.

Laut, Lustig und Lecker

Glücklicherweise ist Purim heute eine leckere, lustige und laute Angelegenheit. Dabei sind es vor allem vier Mitzwa, also Gebote, welche die Feiernden einzuhalten haben.

Im Gottesdienst, bei dem es selbst nicht so ernst zugeht, sind die Kinder dazu angehalten jedes Mal mit Ratschen, Klappern und Rasseln laut Lärm zu machen, wenn der Name Haman zu hören ist. Auf diese Weise soll symbolisch der Name Hamans ausgelöscht werden. Dazu werden Hamantaschen gebacken und mit Freunden und Verwandten genossen. Alle Feiernden sind dazu aufgefordert die Lesung zweimal zu hören und zusammenzukommen.

Im Zentrum des Festes stehen der Zusammenhalt und die gemeinsame Anstrengung, welche das Wunder der Errettung ermöglichten. Daher ist es üblich Freunden und Verwandten einen Esskorb, den Mischloach Manoth,  mit mindestens zwei essfertigen Speisen zu schicken.

Üblich ist an diesem Tag  auch der symbolische halbe Schekel. Früher war jeder Jude dazu verpflichtet einmal im Jahr einen halben Schekel für das Tempelopfer zu spenden. In Erinnerung daran werden noch heute ähnliche Summen für wohltätige Zwecke gespendet.

Purim ist ein Fest der Einheit und Freundschaft gemeinsam das Wunder zu feiern. Aus diesem Grund besagt die dritte Mitzwa man soll mindestens zwei Bedürftigen ein Geschenk machen.

Purim ist ein fröhliches buntes Fest, bei dem sich ähnlich dem christlichen Karneval die Menschen verkleiden. Damit soll die Präsenz Gottes nachempfunden werden.  Dieser war zwar nicht sichtbar, aber spürbar, wie durch eine Maske, was die Verkleidung symbolisiert. Im Laufe der Geschichte kam es dabei auch zu vereinzelten Angleichungen zwischen Karnevalstraditionen und Purimgebräuchen.

Die vierte Mitzwa ist sicherlich die schönste. Schließlich besagt diese:

Esst trinkt und seit fröhlich  In diesem Sinne: Mazel Tov und Alaaf!

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Mazel Tov

Jedes Jahr am 11. 11. um 11:11 beginnt sie die fünfte Jahreszeit. Dann herrscht in den Karnevalshochburgen Ausnahmezustand. Doch auch andere Regionen und Religionen feiern Karneval. Am 11. März ist Purim, der jüdischen Karneval.[divide]Das entscheidende Los  Einst war Königin Watschi bei ihrem Gemahl dem Perserkönig Achashverosch, auch als Xerxes I bekannt, in Ungnade gefallen. Daraufhin schickte der König nach einer potenziellen Gemahlin. Unter den Kandidatinnen war auch die jüdische Waise Ester. Als es ihr gelingt mit ihrem Gemahl Mordechai einen Mordanschlag auf den König zu vereiteln, gewinnt sie dessen Gunst und wird Königin. Ihre jüdische Abstammung verheimlicht sie aber auf Anraten Mordechais. Dieser ist dem Premierminister des Reiches Haman aber ein Dorn im Auge.Als Jude weigert sich Mordechai wie geboten vor Haman niederzuknien.Mazel TovAus Zorn und mit dem Ziel den Besitz der Juden in Persien zu erlangen, überzeugt Haman König Achashverosch, die Juden müssten vernichtet werden. Über den schicksalhaften Tag lässt Haman das Los entscheiden. Daher leitet sich auch der Name Purim hebräisch für Los ab.Kurz vor der geplanten mörderischen Tat wird Mordechai eine besondere Ehre zu Teil. In ein königliches Gewand zu Pferde reitet dieser durch die Stadt. Allerdings empfindet Haman dies als persönliche Kränkung und beschließt Mordechais beschlossenen Tod vorzuziehen.Daraufhin schickt dieser nach Ester, welche dem König eröffnete, welches Schicksal auch sie erwarte. Darüber erbost lässt Achashverosch Haman am Galgen, der für Mordechai bestimmt war, hinrichten. Trotzdem kann Ester keine Gnade beim König erflehen, da er ein königliches Edikt nicht zurückzunehmen kann. Daher gestattet er den Juden in einem zweiten Edikt sich selbst zu verteidigen. Auf diese Weise sind sie vor dem schrecklichen Schicksal errettet.Ein missverstandenes Fest Leider hat dieses sehr fröhliche Fest auch eine sehr traurige Seite, die hier nicht verschwiegen werden soll. Bewusste Missverständnisse und Unwissenheiten dienten  auch als Grundlage für Antisemitismus. Gemäß dem Buch Ester gelang es den Juden in Persien 75.000 Feinde zu töten. Das Hetzblatt „ Der Stürmer“  stellte dazu die Behauptung auf, immer wieder, bei exzessiven Trinkgelagen würden die jüdischen Gemeinden zu Gewalt und Provokation gegen Nichtjuden aufrufen. Mit dieser Begründung, man müsse die Söhne Hamans rächen, kam es in der Zeit des Nationalsozialismus immer wieder zu brutalen Übergriffen und Pogromen auf die jüdische Bevölkerung. Als Julius Streicher, der Herausgeber des „Stürmers“ 1946 nach seiner Verurteilung hingerichtet wurde soll er gar gesagt haben: „ Das ist mein Purim.“Damit war das Fest völlig falsch verstanden, hat es doch eine völlig andere Tradition.Laut, Lustig und Lecker Glücklicherweise ist Purim heute eine leckere, lustige und laute Angelegenheit. Dabei sind es vor allem vier Mitzwa, also Gebote, welche die Feiernden einzuhalten haben.Im Gottesdienst, bei dem es selbst nicht so ernst zugeht, sind die Kinder dazu angehalten jedes Mal mit Ratschen, Klappern und Rasseln laut Lärm zu machen, wenn der Name Haman zu hören ist. Auf diese Weise soll symbolisch der Name Hamans ausgelöscht werden. Dazu werden Hamantaschen gebacken und mit Freunden und Verwandten genossen. Alle Feiernden sind dazu aufgefordert die Lesung zweimal zu hören und zusammenzukommen.Im Zentrum des Festes stehen der Zusammenhalt und die gemeinsame Anstrengung, welche das Wunder der Errettung ermöglichten. Daher ist es üblich Freunden und Verwandten einen Esskorb, den Mischloach Manoth,  mit mindestens zwei essfertigen Speisen zu schicken.Üblich ist an diesem Tag  auch der symbolische halbe Schekel. Früher war jeder Jude dazu verpflichtet einmal im Jahr einen halben Schekel für das Tempelopfer zu spenden. In Erinnerung daran werden noch heute ähnliche Summen für wohltätige Zwecke gespendet.Purim ist ein Fest der Einheit und Freundschaft gemeinsam das Wunder zu feiern. Aus diesem Grund besagt die dritte Mitzwa man soll mindestens zwei Bedürftigen ein Geschenk machen.Purim ist ein fröhliches buntes Fest, bei dem sich ähnlich dem christlichen Karneval die Menschen verkleiden. Damit soll die Präsenz Gottes nachempfunden werden.  Dieser war zwar nicht sichtbar, aber spürbar, wie durch eine Maske, was die Verkleidung symbolisiert. Im Laufe der Geschichte kam es dabei auch zu vereinzelten Angleichungen zwischen Karnevalstraditionen und Purimgebräuchen.Die vierte Mitzwa ist sicherlich die schönste. Schließlich besagt diese:Esst trinkt und seit fröhlich  In diesem Sinne: Mazel Tov und Alaaf!

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