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Für Obama ist es zu wenig glamourous

Kommentar zur Obamania in Europa

Ich las gerade über die letzten Artikel der Tageszeitung zum Wahltag, als mich in der Stadtbahn ein Schüler fragte, wann denn die Obama-Wahl sei. Selbst für ihn schien Barack Obamas Wahl zum 44. US-Präsidenten schon vor der Wahl in trockenen Tüchern zu sein. Der Zuspruch den der junge Senator aus Illinois in Deutschland hat ist enorm. Woher rührt diese Begeisterung für den afro-amerikanischen Jurist und Politiker?

Jedes Online-Magazin, jede Tageszeitung stimmt ab. Sogar das StudiVZ glänzt mit eindeutigen Zahlen für Obama: bei knapp anderthalb Millionen Stimmen liegt Obama mit etwa 91,4% zu 8,6% deutlich vor dem Veteran McCain. Es steht außer Frage, dass der Demokrat in Deutschland das Rennen gemacht hätte. Der einzige Haken daran ist: Es war ja nicht unser Wahlkampf.
Als Obama im Sommer in Berlin war stand unsere Hauptstadt Kopf. Spätestens da lag der direkte Vergleich zu John F. Kennedy näher denn je. 1963 einte Kennedy die geteilte Frontstadt mit seinem berühmten Satz – ich kann ihn an dieser Stelle nicht wiedergeben – zu inflationär ist er in diesem Sommer gebraucht worden! Fakt ist nun einmal, dass Obama begeistert – nicht nur die jungen und alten Demokraten jenseits des Atlantiks, sondern auch die Europäer.

Er gilt als Hoffnungsträger für eine bessere US-Politik. Doch je hoffnungsvoller man ist, desto größer sind Ernüchterung und Enttäuschung. In Sachen Außenpolitik hat auch ein Obama nicht viel mehr Bewegungsfreiraum als sein republikanischer Kontrahent John McCain. Vielleicht läuft Obama Gefahr zu viel verändern zu wollen. Gerade wir Europäer, die sich den Obama so sehr als neuen US-Präsidenten wünschen, werden schlucken, wenn wir seiner Forderung nach größerer militärischer Beteiligung nachkommen sollen. Dennoch sehen die Deutschen in ihm die Chance auf eine neue amerikanische Außenpolitik. Er verzichtet auf rasselnde Säbel und beweist auch Blick für die andere Probleme wie beispielsweise den Klimawandel oder Aids.

Ein wirklich entscheidender Faktor ist sicher die Jugend die Barack Obama lebt. Er wirk nicht so verstaubt und gezwungen wie seine Vorgänger und begegnet den kulturellen Verschiedenheiten scheinbar offener. Viele verdrehen die Augen bei Präsidentschaftskandidaten wie McCain, der wieder diesen nunmehr unerwünschten konservativen Amerikanismus verkörpert. Er wirkt verstaubt, steif und macht vielen Angst, dass jemand aus der weißen amerikanischen Elite den Kurs des Landes nicht ändern wird.

Obama zeigt, dass er den Wandel der Nation sieht, fühlt und bereit ist gerade diesen auch zu leben – in seiner Politik und in den Medien. Sicher folgt Obama in manchen Zügen einem Stereotypen: Tänzelnd in einer US-Fernsehshow aufzutreten kommt gut an – gehört aber zum Wahlkampf. Clever hat er Themen wie den Rassismus umschifft, nichts dummes gesagt und ist beherrscht geblieben. Er ist smart, schwarz und schwungvoll – das sollte in den USA für einen ‚change‘ ein sehr guter Anfang sein.

(Text: Felix Klabe)
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Über den Autor

Felix Klabe
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