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Wahlfaktor Atomenergie?!

Wie Japans Katastrophe Einfluss auf den Landtagswahlkampf hat

Makaber und zugleich ‚Äěpolitisch korrekt“:¬†Im Zuge der kommenden Landtagswahlen pinnen sich viele Politiker zwischenzeitlich den ‚ÄěAtomkraft? – Nein danke!“ – Button an den Anzug. Doch wem sagt dieses Statement dauerhaft zu?

Die Katastrophe in Fukushima schockierte ganz Deutschland. Nicht umsonst wird den Deutschen von anderen die typische ‚ÄěGerman angst“ attestiert, wobei das englische ‚Äěangst“ hierbei tats√§chliche Existenz√§ngste beschreibt. Diese √ľbersteigerte Angst hatte seit den Terrorwarnungen im November/Dezember letzten Jahres geschlummert und erwachte am 11. M√§rz wieder, als das Erdbeben in Japan einen Tsunami und den GAU ausl√∂ste. Geigerz√§hler und Jodtabletten sind mittlerweile vielerorts ausverkauft.

Die Deutschen t√§tigen Hamsterk√§ufe, um sich vor Strahlung zu sch√ľtzen, die nicht st√§rker ist als gew√∂hnlich messbar.Es ist somit nicht weiter verwunderlich, dass die Parteien im Landtagswahlkampf das Thema Atomkraft aufgreifen. W√§hrend die einen erneut ihren Unmut signalisieren und bekr√§ftigen, dass Atommeiler abgeschaltet werden sollen, heucheln die anderen den W√§hlern Interesse an erneuerbaren Energien vor. Selbstverst√§ndlich ist allen Parteien unabh√§ngig vom Bundesland eines klar: Mit dem Ausstieg aus Atomenergie lassen sich W√§hler heranziehen.

Sachsen-Anhalt
Das Thema Atomenergie spielt in Sachsen-Anhalt eine eher untergeordnete Rolle. W√§hrend der gro√üe Nachbar Niedersachsen f√ľnf Atomkraftwerke beherbergt, steht in Sachsen-Anhalt keines. Der Fokus lag im Wahlkampf eher auf Arbeit und Bildung. Es wurde erwartet, dass das Echo der Sachsen-Anhalter W√§hlerschaft nicht besonders gro√ü sein w√ľrde, k√§mpft das Bundesland doch ohnehin mit einer niedrigen Wahlbeteiligung. Diese stieg immerhin leicht auf nun 50 Prozent. Und ein weiterer Effekt l√§sst sich am Wahlabend ebenfalls nicht leugnen: Die Gr√ľnen haben nach¬† 13 Jahren erstmals wieder den Einzug ins Parlament in Sachsen-Anhalt geschafft.

Rheinland-Pfalz
In Rheinland-Pfalz schl√§gt sich die Atomkatastrophe bereits in den ersten Umfragewerten nieder. Laut einer ARD-Umfrage sind CDU und SPD hier gleich stark. Da die SPD jedoch um zwei Prozentpunkte verlor, geht man davon aus, dass an dieser Stelle keine W√§hler durch die Atomdebatte herangezogen wurden. Die Gr√ľnen hingegen profitierten von der Diskussion um Atomenergie: Drei Prozentpunkte gewannen sie mit ihrem Einstehen f√ľr den Ausstieg.

Baden-W√ľrttemberg
F√ľr die Politiker im „L√§ndle“ ist die Lage prek√§rer als in irgendeinem anderen Bundesland: Stefan Mappus, der zuletzt noch die Verl√§ngerung der Laufzeiten forderte, unterzog sich nun einem Sinneswandel. Der CDU-Politiker zieht die Notbremse, bevor seine √Ąu√üerungen bez√ľglich der Atomkraft weitreichendere Folgen haben k√∂nnten. Nicht alle d√ľrften wissen, dass Mappus noch zuletzt mit Angela Merkel an einem Strang zog und die Laufzeiten um mindestens f√ľnfzehn Jahre verl√§ngern wollte.

Nun wurden sowohl das AKW Philippsburg, als auch das AKW Neckarwestheim vom Netz genommen, bevor die B√ľrger am 27. M√§rz den Gang zur Wahlurne antreten. Vorsichtsma√ünahmen, um den Machtverlust zu verhindern, die laut j√ľngster Umfragen wohl nicht fruchten werden. Zu gro√ü war bereits durch ‚ÄěStuttgart 21″ der Zuspruch, den die Gr√ľnen in der Bev√∂lkerung fanden, zu gro√ü die Sympathien, die dem SPD-Kandidaten Nils Schmid entgegen gebracht werden.
So kamen die Gr√ľnen in der „Sonntagsfrage“ auf 24 Prozent, die SPD auf 22 Prozent, womit sich eine rot-gr√ľne Koalition bilden lie√üe. Beide Parteien pl√§dierten ganz klar f√ľr einen Ausstieg aus der Atomenergie, der in einer ZDF-Umfrage von 46 Prozent aller Baden-W√ľrttemberger zum wichtigsten Thema erkl√§rt wurde.

Welche Parteien letztendlich von der Atomdebatte profitieren, wird sich bei den kommenden Landtagswahlen herausstellen. Eines ist jedoch schon jetzt klar: An der Glaubw√ľrdigkeit einzelner Parteien hat die Katastrophe in Fukushima genagt. Andere hingegen erhalten nun den Lohn f√ľr jahrelanges Einsetzen gegen Atomkraft.

(Text: Ronja Heintzsch)
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√úber den Autor

Ronja Heintzsch
Ressortleiterin Kultur

Konstruktive Kritik in bitterscharfen Kommentaren √ľben, die Welt bereisen, auf aktuelle Problematiken hinweisen - all dies sind Gr√ľnde, aus denen Ronja beschloss, sich dem Metier Journalismus zu verpflichten. Schlie√ülich gibt es noch einige unaufgedeckte Watergate-Aff√§ren in dieser Welt.

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