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EURO total

FLUTLICHT – Die back view-Sportkolumne
Die Vorrunde der Europameisterschaft ist vorbei. Nun blĂŒht der erste freie Fußballtag seit einer zweiwöchigen Dauereuphorie, am Donnerstag erst geht es mit dem ersten Viertelfinale weiter. Wir blicken fĂŒr Euch auf die EURO-Vorrunde zurĂŒck und suchen nach Höhe- und Tiefpunkten auf und neben dem Platz.


Das Turnier begann mit einem Lichtblick fĂŒr den Gastgeber, als der Dortmunder Robert Lewandowski seine Polen im Eröffnungsspiel mit 1:0 in Front schickte. Der Jubel war noch nicht abgeflaut, da standen sich nur noch zehn Polen und zehn Griechen bei einem Ergebnis von 1:1 gegenĂŒber. Der polnische Traum vom ganz großen Wurf erhielt schon frĂŒh grobe Risse. Sie sollten recht behalten. Zwar kĂ€mpfte sich das Gastgeberteam durch die Gruppenphase, dennoch reichte die limitierte Spielweise nicht.

Anstelle der Polen hat ĂŒberraschend Griechenland den Sprung ins Viertelfinale geschafft und trifft dort auf den politischen DĂ€mon aus Deutschland. Seitdem die EU mit der teutonischen Giftkrake Angela Merkel an der Spitze die Griechen schröpft, sind vor allem die Deutschen im Land der Philosophen verhasst. Hier die schönsten Schlagzeilen zum bevorstehenden Spiel gegen Deutschland: „Nach Zidane, Ronaldo und Arschawin wird sich auch wohl Özil verbeugen“ / „Die grausamen Deutschen“ / „Die ‚Panzer‘ sollen in die Liste der griechischen Opfer aufgenommen werden“ / Der „Santos-Plan fĂŒr Deutschland: EURO-Austritt!“ Aber das griechische Spielerteam ist sich einig: Es geht hier nicht um Politik – richtig, aber dennoch spaßig…

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Wo wir auch schon bei der deutschen Gruppe wĂ€ren. Und flugs auf die HollĂ€nder kommen. Die nĂ€mlich sind als einer der Topfavoriten gehandelt worden und sind im Sturzflug auf die Erde zurĂŒckgekehrt. Kein Punkt, zwei geschossene Tore. Eine Schmach in oranje… Ebenfalls aus dem Turnier geflogen, aber wohl weitaus weicher gelandet ist DĂ€nemark. Als Underdog gestartet, konnte man zumindest den HollĂ€ndern ein Beinchen stellen. FĂŒr Angreifer Niklas Bendtner allerdings könnte es zu einem teuren VergnĂŒgen werden. Er hatte wĂ€hrend seines Torjubels gegen Portugal seine Unterhose gezeigt, dort prangte ein Schriftzug eines nicht UEFA-offiziellen Partners. Der Wettanbieter aber soll sich schon bereit erklĂ€rt haben, die 100.000 Euro-Strafe zu blechen. Immerhin war man in den Schlagzeilen – Mission erfĂŒllt!

Auch die deutsche Elf startete mit Komplikationen ins Turnier. Da war nicht nur der spielerisch wenig glĂ€nzende Auftritt gegen Portugal, da war auch die Stahlhelm-Entgleisung von Hansi Flick, wegen dieser er flugs olympiareif zurĂŒckruderte. Sicherlich nur als ironische Metapher gemeint, aber doch irgendwie ĂŒbers Ziel hinaus. Auch die deutschen Kommentatoren standen dem in nichts nach. Mehmet Scholl wollte Mario Gomez gerne einmal wenden, damit sich dieser „nicht wund liegt“. Und Katrin MĂŒller-Hohenstein und Oliver Kahn bekamen beim Boulevard ihr Fett weg. Nicht nur, dass KMH in silbernen Astronautenkleidern auf die Erde zurĂŒcksteigt. Da ist auch der gereizte Kahn, da ist das betagte Publikum am Strand von Usedom. Und da ist der twitter-Account vom internet-kritischen Oldschool-Keeper Kahn. LĂ€cherlich, meinte da so mancher…

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In Gruppe C ging es schon frĂŒh zur Sache. Bereits im ersten Spiel fuhr der Kroate Mario Mandzukic den irischen Trainer-Greis Trapattoni an der Seitenlinie um. Der Einsatz hat sich gelohnt, zumindest in diesem Spiel. Kroatien besiegte Irland, musste aber gemeinsam mit den mitreißend singenden Iren heimfahren.

Spanien hingegen war nicht zu stoppen. Auch nicht – bzw. nur bedingt – von den stark auftrumpfenden Italienern, die sich langsam aber sicher zum Mitfavoriten aufschwingen konnten. Einen VerbĂŒndeten hatte Italien im Spiel gegen die spanischen Welt- und Europameister: den Rasen. Der wurde nicht gewĂ€ssert, weil beide Teams einer Befeuchtung zustimmen mĂŒssen. Generell steht das GelĂ€uf bei dieser EURO im Fokus. Es ist ein Natur-Kunst-Gemisch. Aber scheinbar eines, das auch Wasser benötigt…

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Last but not least folgen noch England, Frankreich, Ukraine und Schweden. Nach Polen muss auch der zweite Gastgeber die Segel streichen. Die Ukraine konnte nur ein Spiel gewinnen, verlor das letzte Gruppenspiel gegen England nur knapp mit 0:1. Streitpunkt dort: Der ĂŒberflĂŒssige, blinde Torrichter, den UEFA und FIFA an der Torauslinie platzieren, um mögliche Torstreitigkeiten zu klĂ€ren. Bisher gibt es keinen dokumentierten Fall, bei dem dieser krĂ€nkelnde Zusatz einen Vorteil gebracht hĂ€tte. Im Spiel zwischen England und Ukraine aber gab es den Beweis, dass das nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann. Der Ball war drin, der Ukraine wurde ein Tor geklaut. Torrichter – braucht keiner. Entweder Torkamera oder alles belassen, wie es ist. Aber keine halbgaren Sachen machen, die keinem helfen. Erst recht nicht den ĂŒberforderten Schiedsrichtern an dieser Position.

Aber es gibt auch Positives zu berichten aus der Gruppe D. Immerhin gab es keine neuerliche Revolution im französischen Team. Die Equipe tricolore ist tatsĂ€chlich immer noch vollzĂ€hlig, auch wenn sie sportlich noch nicht gĂ€nzlich ĂŒberzeugen konnten und nun gegen die Übermacht aus Spanien ran muss.

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Diese EURO kann wohl nicht ohne einen kurzen Blick auf die Politik auskommen. Daher sei an dieser Stelle erwĂ€hnt, dass die Kritik an der UEFA wĂ€chst. Bilder von demonstrierenden Fans samt Plakaten sollen rigoros ausgeblendet worden sein. Auch darĂŒber hinaus kam keine Stellungnahme zu den politischen Verfehlungen der ukrainischen Politiker. Wie unpopulĂ€r und umstritten PrĂ€sident Wiktor Janukowytsch aber ist, lĂ€sst sich an einer Tatsache ablesen: Bisher hat sich noch kein westeuropĂ€ischer Politiker auf der TribĂŒne neben ihm blicken lassen.

 

(Text: Jerome Kirschbaum / Foto: Benjamin Radzun, flickr.com)


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Über den Autor

Jerome Kirschbaum
Ressortleiter Sport

Jerome Kirschbaum schreibt am liebsten ĂŒber Sport, wenn er denn nicht selbst auf einem Platz steht. Seit Oktober 2010 verdingt sich Jerome als Schreiberling fĂŒr back view, neben den LeibesĂŒbungen widmet er sich sich auch politischen Themen. Im wahren Leben musste Jerome zahlreiche Semester auf Lehramt studieren, um dann schlussendlich doch etwas ganz anderes zu werden.

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