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„Es ist wichtig, dass die Völker für ihre Rechte kämpfen“

Umfrage zum Titelthema zu arabische Unruhen

Seit einigen Wochen sind die Unruhen in Nordafrika die Schlagzeile überhaupt. Aber wie viel von den Nachrichten kommt bei den Menschen an? Ob es an einem generellen Desinteresse liegt, ob die Unruhen zu komplex sind oder, ob die Medien nicht verständlich genug berichten? Einige Befragte in Metz waren jedenfalls erstaunlich uninformiert.

Gauthier, 25, Internationaler Handel:
„Die Aufstände sind sicher nötig, die Lebensumstände dort haben das gefordert. Wenn wir dorthin reisen, sehen wir ja nicht das Leben der normalen Bewohner, sondern genießen nur unseren Sonderstatus als westlicher Tourist. Es braucht erst solche Aufstände, damit uns mal klar wird, dass es den Leuten dort ziemlich schlecht geht. Die Tatsache, dass die Aufstände sich über Landesgrenzen hinaus verbreiten, zeigt auch, dass sie begreifen, dass etwas gegen das Regime getan werden kann. Leider ist dieser Protest mit Gewalt verbunden. Ob es nach einem Regierungswechsel besser aussehen wird, weiß keiner. Wir sagen zwar immer, dass eine Demokratie angestrebt werden sollte, aber es ist noch lange nicht bewiesen, dass es wirklich die beste Lösung ist. Auch die Korruption ist nicht besiegt, sie ist nur besser getarnt.“

marion
Marion, 24, Kundenbeauftragte von Electricité de France:
„Ich verfolge die Nachrichten nicht. Ich hab zwar gesehen, dass es dort Aufstände gibt, aber ganz ehrlich, was wann warum passiert ist, könnte ich jetzt nicht sagen. Ich glaube nicht, dass durch die Unruhen Frankreich irgendwie gefährdet ist, aber andere Länder möglicherweise schon.“

mathieuMathieu, 21, studiert Soziologie:
„Das sind Aufstände des Volkes und daher absolut legitim. Die Jugendlichen haben auch einen großen Beitrag dazu geleistet, in Tunesien und Ägypten. Das Problem ist, dass sie von der Regierung vernachlässigt werden und deshalb protestieren. Diese Aufstände werden Breschen schlagen für die Zukunft. Demokratie kann die Lösung sein, oder zumindest der richtige Weg. Zu meinem größten Leidwesen denke ich, dass die Islamisten gute Chancen hätten, etwaige Wahlen zu gewinnen. Das hat man ja im Iran gesehen, nach der Revolution haben die Islamisten die Wahlen gewonnen und ihren Profit daraus geschlagen. Ich hoffe einfach, dass das Volk nicht umsonst für seine Rechte kämpft.“

nawel_naouelNawel, 20, und Naouel, 18:
„Es tut mir leid, wir wissen echt nicht Bescheid. Na ja, wenn noch mehr Länder von den Aufständen betroffen sind, nervt das Frankreich bestimmt. Also hat das vielleicht schon einen Effekt für uns. Aber es wird jetzt keine Aufstände in Paris geben, oder so. Wenn es noch auf Algerien übergreift, dann wird es für Frankreich eher gefährlich, weil Algerien ja eine ehemalige Kolonie ist. Ich bin Algerierin, ich interessiere mich nicht für Ägypten. Aber einen Systemwechsel braucht es unbedingt.“

fabiella

Fabiella, 20 Jahre:
„Ich habe davon echt nichts gehört, das tut mir leid.“

raphaelRaphaël, 23, studiert Information und Kommunikation:
„Es ist recht erstaunlich, dass die Lage so schnell explodiert ist. Vielleicht ist das unseren Medien vorzuwerfen, die früher zu einseitig über die Lage in den nordafrikanischen Staaten berichteten, so dass uns nicht klar war, wie schlecht es den Leuten dort geht. Es ist beeindruckend, das „live“ mitzubekommen, gerade auch übers Internet. Wir haben alle Livestreams von Al Dschasira verfolgt. Es ist eine gute Sache, dass diese Völker ihr Recht auf Demokratie einfordern. Mich bewegt es besonders, das so unmittelbar mitzubekommen.“

Pierre, Buchhalter, 30, Lisienne, Buchhalterin, 27:
„Es ist nötig, das System zu verändern. Aber wir sind ja nicht drüben, wie sollen wir das also beurteilen? Ich interessiere mich ja schon für die Politik hier, da habe ich keine Zeit, mich auch noch darüber zu informieren, was dort passiert.“

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(Umfrage & Fotos: Anna Franz / Zeichnungen: Christina Koormann)
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Über den Autor

Anna Franz
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