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Einmal Pädagogenhölle, bitte!

Kommentar zu einem komplizierten Bildungsweg

mangelhaft – ungenügend – unfähig! Das sind die Worte, die mich mein Leben lang begleiten und sich versuchen wie ein Krebsgeschwür in meinem Kopf zu verbreiten. Ich weiß ganz gewiss, das ich für das deutsche Schulsystem nicht gemacht bin – wie so viele unter uns. Einmal Pädagogenhölle und zurück bitte.

Kommentar BildungssystemUm meinen beruflichen Traum leben zu können, muss ich mich hart durch unser deutsches Bildungssystem kämpfen. Grundschule, Hauptschule, Berufsschule, Gymnasium und dann noch die Uni. Hätte ich in meinem bisherigen Leben immer auf Lehrer – sogenannte Pädagogen – gehört, würde ich schonbeim Buchstabieren meines Namens verunsichert sein, ob ich dieser Leistung wirklich standhalten kann. Mein sinnloser Kampf gegen Pädagogen hat schon in der Grundschule begonnen: “Du bist dem deutschen Sprachgebrauch nicht gewachsen!”

Die fortan zwingende Bücherleserei, um die eigene Muttersprache besser zu verstehen, lässt das eigentliche Problem aber auch nicht unter den Tisch fegen! Trotzdem habe ich mich nun begeistern lassen, meinen eigenen Gedanken freien Lauf zu lassen und ganz eigene Texte zu schreiben. Und nicht nur das, ich habe mich mit diesen Texten sogar schon auf die Poetry Slam-Bühne getraut.

Sportliche Herausforderungen

In der Hauptschule wurde ich durch meine Lehrkraft als leistungsunfähige Sportlerin dahingestellt und nicht für den Sportquali zugelassen. Trotzdem habe ich mich nun begeistern lassen und bin Mitglied in einem Sportverein geworden. Ich liebe es mich zu bewegen, beim Halbmarathon die eigene Bestzeit zu jagen, bei Preisverleihungen den Hass gegen Lehrkräfte auszusprechen (innerlich) und dabei bedauern zu müssen, das mein eiserner Wille, der mir schon tausend Tränen kostete, mich zu meinem Ziel führen wird.

Mit Mut und ein wenig erzwungenem Selbstvertrauen kann ich dies nun als erwachsene Frau erleben. Wer hätte gedacht, dass ich mittlerweile wirklich von mir überzeugt bin, etwas leisten zu können. Und das habe ich ganz gewiss keinem dieser selbst ernannten Pädagogen zu verdanken, die meine Schullaufbahn gepflastert haben. Jeder kennt gute Lehrer. Die Wissen vermitteln, Schüler motivieren sowie fördern. Die wissen, wie der korrekte Umgang mit Heranwachsenden zu funktionieren hat. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass das die großen Ausnahmen sind.

Warum ausgerechnet DIE?!

Eine Frage stell ich mir immer wieder aufs Neue: Wie können es manche Lehrer eigentlich schaffen, Lehrer zu werden? Ich meine die Lehrer, die nervöser vor einer Schulklasse stehen, als ein Amateurtaucher im Meer zehn Haien gegenüber stehen würde. Lehrer die ihren Abschluss zwar mit befriedigend bestanden haben, aber keine Kinder mögen. Es ist mir doch egal ob Herr XY ein Experte in seinem Fach ist, wenn er Menschen von Grund auf nicht ausstehen und Wissen nicht vermitteln kann. Warum dann nicht einen anderen Berufszweig wählen?

Lehrer ist nicht gleich Lehrer. Professor ist nicht gleich Professor. Unterrichten heißt nicht Monologe zu führen. Unterrichten heißt nicht Notenbewertung nach dem Sinn “Was ich kann, können Sie nicht – an meinem Wissensstand kommen Sie nie heran!” zu vergeben. Unterrichten heißt fördern, vermitteln und begeistern. Ich verspüre oft den Drang, alt eingesessenen Dickbauchpädagogen einen Test „Sind Sie noch in der Lage zu lehren?“ vor die Nase zu legen. Und wer ihn nicht besteht, der fliegt. Ganz einfach!
In unserer heutigen Zeit heißt es noch lange nicht Lernen mit Hilfe von gutem Fachpersonal, sondern Lernen durch Mut, den man sich selbst hart erkämpfen muss.

(Text: Rebecca Welzel / Foto: Constantin Röse / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by-nc) http://creativecommons.org/licenses/by-nc/3.0/deed.de)

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