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Eine Entscheidung gegen das Fleisch

Das Leben als Vegetarierin

Seit fast zwei Jahren esse ich kein Fleisch mehr. Die Entscheidung kam eher spontan, ohne groĂźes Ăśberlegen. Im Ethikunterricht haben wir darĂĽber gesprochen. Irgendwie fand ich es schon immer nicht ganz richtig Tiere zu essen und ich fand es immer gut, Vegetarier zu sein. Fleisch habe ich aber bis dahin trotzdem noch gegessen.

Erst die Diskussionen im Unterricht haben mich dazu gezwungen, mal ein bisschen ĂĽber das Essen von Fleisch nachzudenken. Mein erstes Fazit war mein eigenes heuchlerisches Verhalten. Denn, ich fand es zwar gut, wenn sich Vegetarier fĂĽr den Schutz der Tiere aussprachen, ich habe aber selbst trotzdem immer weiter alles gegessen. Also habe ich mich dazu entschlossen, es zumindest einmal ohne Fleisch auszuprobieren. Und so wurde ich doch noch zum echten Vegetarier.

Ich bin keiner dieser Vegetarier, die denken, dass sie bessere Menschen sind oder, die meinen, andere bekehren zu müssen; diese Sorte Vegetarier habe ich immer schon gehasst. Kein Fleisch zu essen, ist meine eigene Sache, ich belästige damit niemanden und urteile schon gar nicht über Menschen, die Fleisch essen. Ich erwarte im Gegenzug aber auch, dass man meine Entscheidung respektiert. Das Kein-Fleisch-Essen hat auch für mich weniger etwas mit Verzicht oder Askese zu tun. Ich quäle mich damit nicht selbst und ich glaube, wenn ich wirklich Fleisch essen wollte, dann würde ich es auch tun.

Anfangs hat mich eher der generelle Gedanke, dass Tiere essen „falsch“ sei, dazu bewegt, das Fleisch wegzulassen. Das spielt zwar fĂĽr mich heute noch eine Rolle, ist aber eher in den Hintergrund getreten. Viel mehr sind es mittlerweile die Haltungsweisen und Behandlungen von Tieren, die mich davon abhalten, deren Fleisch zu essen. Wenn man sieht, wie sich hunderte Tiere in einer dunklen, verdreckten Halle tot treten und, wenn man hört, wie viel Antibiotika und Hormone den Tieren zugefĂĽhrt wird, dann will ich das nicht essen und vor allem diese Art der Tierhaltung nicht durch den Kauf unterstĂĽtzen.

Natürlich kann man jetzt sagen, man könne auch das Fleisch beim Bio-Bauern holen, aber dann kommt für mich die Frage, ob man Tiere überhaupt essen darf. Da gibt es Leute, die sagen, dass es so bestimmt sei von der Natur. Das sehe ich nicht so und finde auch, dass sich die, die das sagen das Ganze ein bisschen einfach machen. Ich sehe für mich keine Notwendigkeit, Tiere zu essen. Auch nach fast zwei Jahren ohne Fleisch lebe ich noch gesund und habe keine Mangelerscheinungen.

Ich glaube dennoch nicht, dass es auf die Frage, ob man Tiere essen darf, eine eindeutige, allgemeingĂĽltige Antwort gibt. Klar, fĂĽr mich lautet die Antwort erst mal „nein“. Aber das ist eben meine persönliche Einschätzung, die ich niemandem aufzwinge. Ethisch gesehen ist der Verzehr von Fleisch eine Grauzone, aber aus GrĂĽnden von Massentierhaltung und nicht artgerechter Behandlung, entscheide ich mich ganz klar dagegen. Ich denke, man hat als Mensch die Wahl, was man isst. Diese sollte man nutzen.

(Text: Miriam Gräf / Foto: Christian Wolf by jugendfotos.de)


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Ăśber den Autor

Miriam Gräf
Ressortleiterin Weltenbummler

Wenn Miriam nicht gerade durch Russland reist, dann schreibt sie darüber. Ansonsten erzählt sie noch gerne von der großen Liebe oder schreibt Hassreden gegen Schokonikoläuse. Miriam ist freie Journalistin für verschiedene Online Medien, darunter generationanders.com und to4ka-treff. Seit 2013 ist sie Mentee im Mentorenprogramm der Jugenpresse und Jungejournalisten.de

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