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Eine endende Ewigkeit

Über eine mutmaßlich falsche Todesstrafe

Obwohl viele Zeugen ihre Aussagen zurückgezogen haben, rückt die Staatsanwaltschaft nicht von ihrem Urteil ab. Dem zum Tode verurteilten US-Amerikaner Troy Davis bleibt nur noch wenig Zeit um seine Unschuld zu beweisen.


Savannah/Georgia. Schenkt man den Gerichtsakten Glauben ist der Tatbestand eindeutig. Demnach hörte der Polizist Mark Allen McPhail am 19. August 1989, kurz nach Mitternacht, die Hilferufe des obdachlosen Larry Young auf einem Parkplatz vor einem Fast-Food Restaurant. Als er sah, dass der obdachlose Young von einem Mann zusammen geschlagen wurde, eilte er diesem zu Hilfe.

Als der Täter versuchte davon zu rennen, nahm McPhail die Verfolgung auf und befahl dem Flüchtenden stehen zu bleiben. Als sich dieser umdrehte, feuerte er seine Waffe ab. Die zwei Schüsse trafen den Polizisten im Gesicht und in der Lunge. McPhail starb noch am Ort an den Folgen seiner Verletzungen.

Nicht unweit von dem Tatort kam es in einem benachbarten Viertel zu einer weiteren Schießerei. Ein Unbekannter feuerte dort auf einen Mann namens Michael Cooper, der gerade eine Party verließ. Cooper wurde durch die Schüsse verletzt, überlebte aber. Den Gerichtsakten zufolge sollen die Täter ein und dieselbe Person sein.

todesurteil_textTroy Davis wurde offenbar zum Verhängnis, dass er in der Nähe des Fast-Food Restaurants gesehen worden war. Als er erfahren habe, dass die Polizei nach ihm suche, sei er freiwillig zur Wache gefahren, um das Missverständnis zu klären. Während des Verhörs gab er zu, an dem Abend dort gewesen zu sein, beteuerte aber, mit den beiden Schießereien nichts zu tun zu haben.
Das Gerichtsverfahren im Jahre 1991 befand Troy Davis aber für schuldig. Mehrere Augenzeugen wollen beobachtet haben, dass Davis den 27-jährigen Polizisten tötete. Die Aussagen belasteten den damals 22-Jährigen so schwer, dass er zum Tode verurteilt wurde.

Die offensichtliche Wende
Mittlerweile haben viele der Zeugen von damals ihre Aussagen zurückgezogen und angeben, dass sie von der Polizei und der Staatsanwaltschaft unter Druck gesetzt und bedroht worden seien, um Davis als Täter zu bezichtigen. Davis selbst bestreitet die Vorwürfe gegen ihn bis heute. Die Tatwaffe wurde nie gefunden.
Für die Schuld Davis gibt es, außer die inzwischen von den meisten Zeugen zurückgezogenen, keine Beweise oder Indizien. Dennoch soll er am 21. September 2011 hingerichtet werden. Für den Angeklagten ist dieser Hinrichtungstermin der vierte innerhalb von vier Jahren. Im Jahr 2007 bewirkte der ein Begnadigungsausschuss einen Aufschub einen Tag vor der geplanten Hinrichtung.

Mittlerweile hat der Fall für weltweites Aufsehen gesorgt. Prominente Unterstützter wie der frühere US-Präsident Jimmy Carter, Papst Papst Bendedkt XVI, Bischof Tutu von Südafrika und die Menschenrechtsorganisation Amnesty International setzen sich für das Aussetzen der Todesstrafe und gerichtliche Überprüfung des Verdächtigten ein.

Laut Amnesty International wurden in den USA im Jahr 2010 114 Todesurteile in zwölf Bundesstaaten ausgesprochen. Am 1. Januar 2010 gab es landesweit 3261 zum Tode Verurteilte. Die Zahl der jährlich verhängten Todesurteile in den USA ist rückläufig und hat 2010 den zweitniedrigsten Stand seit der Wiedereinführung 1976 erreicht. Seitdem berichtet Amnesty International von 123 Personen, die aus amerikanischen Todestrakten entlassen wurden, weil sie sich als unschuldig herausstellten – fünf davon saßen jahrzehntelang in einer Todeszelle in Georgia.
Troy Davis und seinen Anwälten bleiben nur noch wenige Stunden, um Beweise vorzulegen und das Todesurteil auszusetzen.

Weitere Informationen unter: Amnesty International

(Text: Benjamin Eichler / Foto: Tobias Mittmann by jugendfotos.de)
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Über den Autor

Benjamin Eichler
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