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Ein Thriller wie ein Schraubstock

Kinoecke: „Drive“
Auf der Flucht vor wahrer menschlicher Nähe eilt der namenslose Driver durch die Nacht. So schnell er auch fährt, entkommen kann er der Liebe jedoch schließlich nicht, die sich in Form von Irene in sein Leben schleicht. Doch kann er eines Tages die Maske der Coolness abnehmen?


Tagsüber ist der Driver (Ryan Gosling) Stuntman beim Film und schraubt in einer Garage, nachts fährt er Fluchtwagen. Langweilig ist das Leben unseres namenlosen Helden nicht, nur an wahrer Motivation fehlt es ihm. Er schleicht so durch die Tage, erträgt Stunts und kritische Fluchtfahrten mit dem gleichen stoischen Gesichtsausdruck. Völlig übermüdet erscheint er am folgenden Tag am Set, die Regisseure kennen das schon. Der Zuschauer ahnt: Ewig kann das so nicht weitergehen.

Doch sein Leben bekommt eine neue Dimension, als er seine hübsche Nachbarin Irene (Carey Mulligan) mit ihrem kleinen Sohn kennen lernt. Beide schaffen es in Nullkommanichts, mit großen Kulleraugen und süßem Kindchenschema das Herz des Zuschauers und das des harten Kerls von Nebenan zu erobern. Das Ganze läuft erstaunlich unromantisch ab, von kurzen Ausflugsfahrten im coolen Wagen und einem Picknick im Gras mal abgesehen. Statt Liebesgeflüster gibt es nur kleine schüchterne Blicke und Babysitting. Dem Driver steht seine Coolness im Weg – oder ist sie doch nur getarnte Schüchternheit?Als der Held erfährt, dass seine Nachbarin verheiratet ist und der Mann in wenigen Tagen aus dem Gefängnis entlassen wird, zeigt er keine Regung, zieht sich aber von ihr zurück. Doch dann wird der Mann kurz nach seiner Rückkehr zusammengeschlagen – und der Driver setzt sich das Ziel, ihn zu rächen.

Angekündigt wurde der Film als Thriller mit heftigsten Gewaltausbrüchen. Das kann man so unterschreiben. Schade allerdings, dass der Held so eindimensional bleibt, auf seinen coolen Gesichtsausdruck reduziert. So muss der Zuschauer alle Handlungen interpretieren, um einen Schluss auf seine Gefühle zu ziehen.

Die Spannung baut sich eher langsam auf – Thriller-Fans werden in der ersten Hälfte wohl enttäuscht sein. Dafür zieht der Film in der zweiten Hälfte ordentlich an. Menschen mit schwachen Nerven und einem schwachen Magen sollten besonders beim Showdown besser wegsehen. Gosling und Mulligan verleihen ihren Figuren leider einen eher stereotypen Charakter: der gute Coole und die Süße mit dem kleinen Kind.

Ein solider, spannender Thriller, der wie ein Schraubstock langsam immer fester anzieht. Viel passiert nicht, aber dafür passiert’s spannend. „Drive“ ist kein typischer coole-Männer-dicke-Autos-hübsche-Frauen-Film, sondern lässt der Geschichte Raum und protzt nicht mit Effekten. Die Gewalt zeigt er dafür umso schonungsloser.

Bewertung: 4 von 5 Sternen
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(Text: Anna Franz / Zeichnung: Christina Koormann)


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Über den Autor

Anna Franz
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