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24 Stunden voller Sport

Leid oder Wohltat für den Körper?

Wie leicht man sich körperlich übernehmen kann, merkte Denise Nestler am Abend eines Selbstversuches nach einem Tag voller Sport. Schwimmen, Basketball und Tanzen holen einen leichter auf den Boden der Tatsachen zurück als gedacht. Gelernt hat sie dabei, dass Sport in Maßen Spaß macht und es in ein Leben – in ihr Leben – gehört.

Auf was habe ich mich da nur eingelassen? Einen Tag voller Sport? Einen Ganzen! Ich bin unsportlich. Zwar bin ich beim Hochschulsport angemeldet, aber auch nur, damit ich mein schlechtes Gewissen beruhigen kann. „Ja klar gehe ich jeden Montag um neun Uhr zum Pilates, besser kann doch die Woche gar nicht beginnen.“

Ich und Sport?
Um ehrlich zu sein, ich war dreimal da. Sonst sieht es sportlich nicht viel besser aus. Früher spielte ich Handball im Verein. Heute gehe ich allerhöchstens zum Frühlingsanfang joggen. Nur eines mache ich wirklich regelmäßig, Übungen beim Schauen von „90210“. An diesen Gedanken klammere ich mich für diesen Tag des Selbstversuches.

Die Möglichkeiten sind groß
Brainstorming zum Thema Sport: Tennis, Basketball, Joggen, Schwimmen, Übungen machen, Seilspringen, Fahrradfahren, Schach. Brillant, dass Schach ein Sport ist. Doch der schönste Sport steht in der Stube und trägt den Namen „Kinect“: Tanz-, Abenteuer- und Sportspiele und das ganz ohne Wind und Wetter. Ich kalkuliere Pausen, Getränke und andere mögliche Ereignisse ein, die an einem extremen Tag wie diesem auftreten können. Der Plan sieht von Anfang an sehr voll und anstrengend aus.

Schwimmen ordnet Gedanken

Ich bin also gerüstet. Um acht Uhr geht es zum Schwimmen. Zweieinhalb Stunden hin und zurück, hin und zurück. Das Schwimmbad ist fast leer. Nach einer Weile vergesse ich alles um mich herum und schwimme nur noch mit mir und für mich selbst. Aber auch gegen mich.

Ich finde die Liebe zum Schwimmen wieder. Ich krame alte Gedanken heraus, über die ich nachdenke. Die Zeit ist ja vorhanden. Regelmäßig mache ich an kurze Pausen. Nach zwei Stunden trudeln mehr und mehr Schwimmer ein, die Ruhe vergehe und ich tue es ihr gleich. Und steige aus dem Wasser mit ordentlichen Schmerzen und schrumpeligen Omahänden.

Pause, Pause, Pause.

Basketball
Als Nächstes gehe ich ein paar Körbe werfen, 200 um genau zu sein. Danach gilt die Regel: ohne einen Dreier gehe ich nicht vom Platz. Das Schönste am Basketball ist, dass ich dabei nicht alleine spielen muss. Da ist jemand, der zum Anstacheln und Anheizen dabei ist. Erst hinterher merke ich, dass die zwei Stunden nicht ohne Schmerzen in den Muskeln vorüber gingen. Auf meine Merkliste notiere ich mir: Sport unter Vielen hilft.

Kinect sei Dank
Eigentlich habe ich schon gar keine Lust mehr. Um noch Energie aufzubringen, müsste ich bei Red Bull einbrechen und alles leertrinken. Das ist unmöglich. Also feuere ich mich, ganz in der Manier von David Kirsch, in meinem Kopf an und startete die Xbox.

Fünf bis sechs Lieder durchgetanzt, sogar den Highscore in zwei Songs gebrochen. Ich liebe tanzen, plane umzusatteln und Tänzerin zu werden. Ich sehe mich schon in Musikvideos mit Miley Cyrus und Selena Gomez. Bald darauf folgt aber die Ernüchterung. Die Erschöpfung nimmt mehr und mehr von meinem Körper ein. Die Punkte werden weniger, der Spaß nimmt ab. Die Folge: Ich kann wohl doch keine Tänzerin werden.

Ich gebe auf. Mein Bett sieht weich aus und so bequem. Die Dusche ist beruhigend. Und das Buch auf dem Nachtschrank muss unbedingt gelesen werden.

Eines bleibt noch: Sport ist Mord

Aber nächste Woche gehe ich wieder schwimmen. Wenn das Wetter wieder gut ist, habe ich ein Date auf dem Court. Und eine neue Challenge habe ich auch schon angenommen: Wer kann besser zu Katy Perry tanzen? Dafür muss ich allerdings noch üben. Vielleicht werde ich mir auch wieder öfter den Wecker stellen und in Zukunft tatsächlich regelmäßig zu früher Stunde zum Hochschulsport gehen. Aber alles schön auf die Woche verteilt und nicht an einem einzigen Tag.

(Text: Denise Nestler)

back view stellt sich 24 Stunden lang besonderen Herausforderungen
Einen ganzen Tag ohne Internet
Einen ganzen Tag mit einem Schweigegelübte
Einen ganzen Tag ohne Nachrichten
Einen ganzen Tag vor dem Fernseher
Einen ganzen Tag im selben Vorlesungssaal
Einen ganzen Tag mit einem Videospiel

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