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L’état C’est Moi

Ein Porträt über Nicolas Sarkozy

Seit 2007 ist Nicolas Sarkozy Frankreichs Präsident. Er reformiert im Rekordtempo, bei den Regionalwahlen im letzten Monat mussten der Präsident und seine Partei UMP eine herbe Niederlage einstecken. Sarkozy ist ein sehr stolzer Mann, man könnte ihn vielleicht schon arrogant nennen. Er besitzt Macht, die er zu nutzen weiß. Demokratisch ist das oft aber so gar nicht.

Er ist ein kleiner Mann mit tiefen Falten und großen Ringen unter den Augen. Er ist ein kleiner Mann mit einer schönen und großen Frau. Er ist ein kleiner Mann mit großer Macht. Und mit viel Energie. Er ist auch ein sehr stolzer Mann, vielleicht ist es typisch für seine Nationalität. Er will viel verändern, aber ist auch sehr konservativ.
Er ist ein Mann, der die Spielregeln bestimmt, er ändert sie auch gerne mal so, wie es ihm passt. Ja, er hat Macht, die er zu nutzen weiß. Auch wenn das manch anderem nicht passt. Manche sagen, dass der kleine Mann auch ein bisschen verrückt sei und dass er es übertreibe mit der Macht. Vor gut einem Monat spürte der Franzose auch, dass einige damit sehr unzufrieden sind. Es wird ungemütlich für den kleinen, sehr mächtigen Mann.

Nicolas Sarkozy ist nun seit drei Jahren Frankreichs Präsident. Er gehört der französischen UMP an, den Konservativen. Er kann sich als französischer Präsident auf die direkte Legitimation durch das Volk berufen. Das ist sehr wichtig und bedeutet viel, denn er – der kleine französische Mann – ist auch sehr stolz. Und schnell eingeschnappt.
Er forderte einst von der Bundeskanzlerin Angela Merkel, sie solle Peer Steinbrück, den damaligen Finanzminister, rügen, da dieser seine Ehre verletzt haben soll. Ziemlich lächerlich und ein bisschen kindisch ist das auch. In Deutschland regiert man jedoch anders. Die Kanzlerin wies diese Bitte frech zurück: „Sprich doch einfach mit ihm!“. Angeblich, soll sie das zum kleinen, stolzen Monsieur gesagt haben.

Das Prädikat „Französischer Präsident“ und der damit verbundene Stolz bringen ihn vielleicht in Frankreich Macht und Privilegien ein, aber nicht in Deutschland und schon gar nicht bei der Bundeskanzlerin. DIE ZEIT nannte ihn mal den „napoleonische Präsidenten“. Diese Aussage lässt einen erst mal schmunzeln, doch bei genauerer Betrachtung, erkennt man die Ähnlichkeiten. Ob man das dann immer noch witzig finden sollte oder eher ein wenig beängstigend, steht dann auf einem anderen Blatt.

Nicolas Sarkozy ist nicht nur der mächtigste Mann Frankreichs, er ist auch ziemlich machtbesessen. Er wollte schon gleich zu Beginn seiner Amtszeit Frankreichs Führungsrolle in den Konflikten der Welt klarstellen. Er verändert viel, er reformiert so viel und so schnell, dass man gar nicht mehr nachkommt. Sein Tempo ist durchaus beeindruckend für einen Konservativen. Er ist aber auch überheblich und verliert schnell mal den Boden unter den Füßen.

Vor den Regionalwahlen kündigte er kürzlich eine Reformpause für das Jahr 2011 an, der Präsident merkte wahrscheinlich selbst, dass er sich den Boden unter den eigenen Füßen wegriss. Schon vor den Wahlen sah die Prognose nicht gut für Sarkozy und seine Partei aus. Es half dennoch nichts. 21 der 22 Regionen werden ab sofort von den Linken regiert. Ein ziemlich großer Hieb auf des Präsidenten Stolz‘. Vielleicht findet sich jemand, der die Linken Frankreichs rügt, wie sie nur so die Ehre des französischen Präsidenten verletzen konnten. Aber noch viel mehr zeigt das Ergebnis der Wahl im März die Unzufriedenheit der Bevölkerung. Dass sich das Volk nicht von Macht beeindrucken lässt. Und schon gar nicht von Machtmissbrauch.
prsident
Als ein Blogger Anfang des Jahres im Internet Gerüchte über den Präsidenten und seine Gattin Carla Bruni und eine angebliche Ehekrise verbreitete, entwickelte sich der Klatschskandal zu einem politischen Skandal, ja gar zu einer Staatsaffäre. Sarkozy soll zur Informationsbeschaffung über die Quelle des Bloggers sogar den französischen Geheimdienst eingeschaltet haben.

Sarkozy bestimmt die Spielregeln. Und wenn sie ihm nicht mehr passen, dann ändert er sie eben. Er weiß genau, wie er sich in den Medien inszenieren kann – vor allem mit der schönen Madame Bruni. Doch wenn die Medien ihn vorführen, so wie im Fall des Bloggers, dann verliert ein Journalist auch schon mal seinen Job. Der Präsident nutzt die Gegebenheiten so, wie sie ihm passen: Er benutzt die Medien für seine Popularität und, wenn die nicht berichten, wie es der stolze Mann wünscht, dann werden die Medien eben abgeschaltet – dann nutzt man auch mal den Geheimdienst, um die Quelle der Gerüchte ausfindig zu machen.

Doch in einer demokratischen Ordnung funktioniert es nicht so, wie es sich der kleine, stolze, überhebliche Mann vorstellt. Die Regeln lassen sich nicht einfach brechen – nur weil man Sarkozy heißt oder Präsident ist. Man kann auch nicht eben mal den Geheimdienst wegen so etwas engagieren, auch – und vor allem – kann es nicht sein, dass Journalisten ihren Job verlieren, nur weil sie „ungemütlich“ sind. Das grenzt tatsächlich an Zensur. Undenkbar, gerade im rebellischen Frankreich. Und so wird es immer unglaublicher, wie es sein kann, dass ein Mann, wie Nicolas Sarkozy Frankreichs Präsident ist.

Sichere Aussagen, ob Sarkozy wieder gewählt wird, sind im Moment noch nicht vorherzusagen – doch gut sieht es für den kleinen, stolzen Napoleon wahrlich nicht aus.

(Text: Miriam Gräf / Foto: Louis Villers by jugendfotos.de)
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Über den Autor

Miriam Gräf
Ressortleiterin Weltenbummler

Wenn Miriam nicht gerade durch Russland reist, dann schreibt sie darüber. Ansonsten erzählt sie noch gerne von der großen Liebe oder schreibt Hassreden gegen Schokonikoläuse. Miriam ist freie Journalistin für verschiedene Online Medien, darunter generationanders.com und to4ka-treff. Seit 2013 ist sie Mentee im Mentorenprogramm der Jugenpresse und Jungejournalisten.de

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