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Ein Hoch auf die Sensibelchen!

Frankreichs Kinoecke: ‚ÄěLes √©motifs anonymes“

Zwei Chocolatiers, die talentierte Ang√©lique und der unsichere Monsieur Van Den Hugde, geraten in einer romantischen Kom√∂die von Jean-Pierre Am√©ris aneinander. Doch beide stehen vor einem gro√üen Problem: ihrer Sch√ľchternheit, ihrer nahezu manischen Angst vor anderen Menschen.

Ang√©lique ist √©motif, hypersensibel. Bei der kleinsten Herausforderung bekommt sie ein m√∂rderisches Lampenfieber und bringt kaum ein Wort heraus. Dabei h√§tte sie allen Grund, selbstsicher zu sein, schlie√ülich ist sie die beste Chocolati√®re Frankreichs. Nur wei√ü das keiner, denn bisher zauberte sie ihre herrlichen Pralinen zu Hause im stillen K√§mmerlein. Jeden Morgen lieferte sie die Schoko-Kreationen p√ľnktlich bei ihrem Arbeitgeber Monsieur Mercier ab, als Lieferantin getarnt, um anonym zu bleiben. Doch als den betagten Herrn das Zeitliche segnet, geht Ang√©lique durch die H√∂lle: Sie muss einen neuen Job suchen und die Vorstellungsgespr√§che √ľberstehen.

Schlie√ülich landet sie in der Schokoladenfabrik von Monsieur Van Den Hugde, die kurz vor der Pleite steht. Leider wird sie durch einen Irrtum nicht als Chocolati√®re, sondern als Vertreterin engagiert. S√ľ√üwarenh√§ndlern mittelm√§√üige Schokolade zu verkaufen ist ohne Zweifel ein ungeeigneter Beruf f√ľr jemanden, der riesige Angst vor Menschen hat.¬† Was Ang√©lique noch nicht wei√ü, ist, dass auch ihr neuer Chef nicht so selbstsicher und streng ist, wie er zun√§chst scheint. Um seine h√∂llische Angst vor anderen Menschen – und vor allem vor Frauen – zu besiegen, gibt sein Therapeut ihm die Aufgabe, jemanden zum Essen einzuladen. Und just als Ang√©lique k√ľndigen m√∂chte, weil sie sich sicher ist, dem Job nicht gewachsen zu sein, l√§dt ihr Chef sie ins Restaurant ein.

Die s√ľ√üe Romanze lebt von den Ticks der zwei Protagonisten. So wird etwa das Restaurant-Date zum Desaster: Van Den Hugdes entschuldigt sich alle zwei Minuten, um sich ein frisches Hemd aus dem mitgebrachten Vorrat anzuziehen. W√§hrenddessen sucht Ang√©lique zwanghaft auf ihren Karteikarten nach m√∂glichen Gespr√§chsthemen, erfolglos. Als bei der x-ten ‚ÄěErfrischungspause“ pl√∂tzlich auf der Toilette das Licht ausgeht, greift Van Den Hugdes aus Versehen zum R√ľschenhemd und setzt sich so wieder Ang√©lique gegen√ľber. Die schaut so verdutzt, dass er schnell den R√ľckzug in Richtung Spiegel antritt, nur f√ľr den Kontrollblick. Doch als Van Den Hugdes sieht, was er angezogen hat, ergreift er Hals √ľber Kopf die Flucht.

‚ÄěLes √©motifs anonymes“ stellt seine Hauptfiguren nie blo√ü, sondern beschreibt liebevoll die kleinen und gro√üen Manien dieses seelenverwandten P√§rchens. Beide finden ihren Frieden in der Schokolade und vielleicht liegt darin ja auch eine gemeinsame Zukunft? Die Schauspieler, Beno√ģt Poelvoorde und Isabelle Carr√©, spielen so intensiv, dass sogar der Zuschauer nicht anders kann, als hin und wieder aufgeregt im Kinosessel hin- und herzurutschen.¬†‚ÄěLes √©motifs anonymes“ l√§uft seit dem 22. Dezember in franz√∂sischen Kinos, ein deutscher Starttermin steht jedoch noch nicht fest.

Fazit: ‚ÄěLes √©motifs anonymes“ ist eine leichte, unaufdringliche Kom√∂die ohne Riesenlacher, die aber mit einigen guten Schmunzlern aufwartet. Der Film zweier skurriler Charaktere ist gut geeignet f√ľr einen ruhigen Abend mit der Familie, oder vielleicht auch f√ľr ein Date, bei dem man ordentlich Lampenfieber hat…?

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(Text: Anna Franz / Zeichnung: Christina Koormann)


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Anna Franz
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