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Drei Ziele für ein Bologna

Die historische Entwicklung des Bologna-Prozess

Die aktuellen Diskussionen spalten auch die Meinungen der Experten. Bringt die Einführung des Bachelor-/Mastersystems nun wirklich so viele Vorteile im Vergleich zum Diplom? Beantworten kann diese Frage wohl noch niemand endgültig. Wir werfen jedoch einen Blick darauf, wie der Bologna-Prozess überhaupt entstanden ist.

Unter dem Begriff „Bologna-Prozess“ versteht man heute das Bestreben von inzwischen 45 europäischen Staaten, einen gleichermaßen homogenen wie durchlässigen europäischen Hochschulraum zu schaffen und die Wettbewerbsfähigkeit Europas als Bildungsstandort zu stärken. Auf der Grundlage einer Vereinbarung des Jahres 1998 zwischen den Bildungsministern Frankreichs, Deutschlands, Italiens und Großbritanniens entstand ein Jahr später die Erklärung der Bildungsminister, die von Vertretern aus 29 europäischen Ländern am 19. Juni 1999 in Bologna unterzeichnet wurde. Die Vorbereitung und die Umsetzung dieser – im Grunde unverbindlichen – Erklärung wird als Bologna-Prozess bezeichnet.

Die Initiatoren versprachen sich eine Verwirklichung von drei Hauptzielen: Die Förderung von Mobilität, der internationalen Wettbewerbsfähigkeit und der Beschäftigungsfähigkeit. Des Weiteren wird durch die Umstellung ein zweistufiges System von Studienabschlüssen geschafft und ein Leistungspunktesystem – European Credit Transfer System (ECTS) – eingeführt. Großen Wert wird vor allem auf die Beseitigung der Mobilitätshemmnisse gelegt. Darunter fallen nicht nur die räumliche Mobilität, sondern auch kulturelle Kompetenzen und die Mobilität zwischen den Hochschulen und Bildungsgängen.
Für die konkrete Umsetzung der vereinbarten Ziele sind die zuständigen Ministerien in ihren jeweiligen Ländern verantwortlich. Es gibt also kein konkretes Konzept, welches den Staaten vorgegeben und aufgezwungen wird. Im europäischen Vergleich zeigt sich dennoch eine grundlegende Umstrukturierung der Studiensysteme im Großteil der Unterzeichnerstaaten der Bologna-Erklärung.

So brachte die Reform auch für die deutschen Hochschulen umfassende Veränderungen mit sich. Die Auswirkungen beschränken sich dabei nicht nur auf die Studiengangsstruktur und die Studieninhalte, sondern auch auf Organisationsabläufe in den Hochschulen, auf Prozesse in den Verwaltungen und Entscheidungen der Studierenden. Als eine der größten Herausforderungen hat sich dabei die Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge entwickelt.

Akkreditierungen, ECTS, Modularisierungen, Schlüsselqualifikationen – Dies sind nur einige wenige Schlagwörter, die die grundlegende Neustrukturierung der Studiengänge und den Alltag der Hochschüler stark beeinflussen. Der verschulte Bachelor soll dabei einer akademischen Grundausbildung und der Master einer tiefer greifenden wissenschaftlichen Weiterbildung dienen.

Alle zwei Jahre treffen sich die Bildungsminister der europäischen Staaten, um die Ziele und bisherigen Umstellungen zu besprechen und zu analysieren. Als zeitlicher Rahmen der Umsetzung des Bologna-Prozesses wurde das Jahr 2010 festgehalten. Unwahrscheinlich ist jedoch, dass diese Umstellung bis dahin sowohl am Arbeitsmarkt, als auch bei den Universitäten selbst etabliert sein wird.

(Text: Konrad Welzel)
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Über den Autor

Konrad Welzel
Gründer und Chefredakteur von back view

Konrad hat back view am 06. April 2007 gegründet - damals noch in diesem sozialen Netzwerk StudiVZ. Mittlerweile tobt sich Konrad ganz gerne im Bereich Social Media aus und versteht Menschen ohne ein Facebook-Profil nicht - dafür ist er viel zu neugierig!!!

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