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„Dinner for one“

Kommentar: Selbstversuch mit Omas Kochbuch

Das Essen in der Mensa ist nicht sehr beliebt. Doch gegen die Qualen des Selbst-Kochens scheint es eine gute Alternative zu sein. Oder kann sich das Kochen vielleicht doch lohnen?


Kochbücher sind eine Last. Von Omas werden sie liebend gerne verschenkt, denn die Enkelkinder müssen ja schließlich richtig essen. Der Gedanke ist edel, aber die Umsetzung scheitert stets am inneren Schweinehund. Der Gang zur Mensa ist um einiges leichter, als der mühselige Weg an die eigenen Töpfe. Da hilft auch das beste Kochbuch nichts.
Schon bevor es tatsächlich losgehen kann, steht man immer und immer wieder vor der Frage: Welches Gericht soll es sein? Das fällt aufgrund der großen Auswahl schon mal ziemlich schwer. Sicherheitshalber wird das Mahl mit der Überschrift „leicht und schnell“ genommen.

text_omaDoch schon zeigt sich das nächste Problem: Die nötigen Zutaten müssen eingekauft werden. Leider gibt es nicht einen einzigen Esslöffel Öl zu kaufen und so artet die Beschaffung der Zutaten in einen Großeinkauf aus. Tüten werden nach Hause geschleppt und die ursprüngliche Lust auf das Kochen ist schon längst wieder verflogen.
Egal. Jetzt wird es auch durchgezogen. Schließlich stehen die Einkaufstüten nun auf dem Küchentisch. Und Oma würde heute Abend auch wieder jammern am Telefon, wenn von Mensaessen die Rede. Also wird das Kochbuch aufgeschlagen und die Zutaten angemischt.Dabei ist echtes Multitasking gefragt: Rezept lesen, in den Töpfen rühren und Gemüse schneiden.

Der Stresspegel gleicht dem eines fünf-Sterne-Kochs zur Stoßzeit.Eine dreiviertel Stunde später liegt das Festmahl dann tatsächlich auf dem Teller. Die Küche sieht aus wie ein Schlachtfeld: Töpfe und Geschirr stapeln sich. Die angebrannte Soße kocht noch vor sich hin. Von Verona Poots – ehemalige Feldbusch – entspanntem „Komm-mach-nochmal-Blub“ ist keine Spur. Die Stimmung erreicht endgültig ihren Tiefpunkt, vor allem weil das Essen der Abbildung in Omas Kochbuch kein Stück gleicht.

Die letzte Hoffnung ist und bleibt: der Geschmack. Die ganze Arbeit und der teure Großeinkauf müssen sich doch irgendwie gelohnt haben. Die Hoffnung stirbt zuletzt – an einer Lebensmittelvergiftung. Das Gericht schmeckt angebrannt und eigenartig. Nach zwei Bissen gibt der Sterne-Koch Omas Traum auf, schnappt sich die Jacke und geht zum Essen aus. Nach dem Stress hat man sich eine ordentliche Mensa-Mahlzeit aber auch mehr als verdient.

(Text: Regina G. Gruse / Foto: Stephan Langer by jugendfotos.de)

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