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„Die Schauspielerei ist nur ein Hobby“

Interview mit Andreas Hermann
Bei der TV-Serie Stromberg kommt er kaum zu Wort. back view hat sich mit dem Nebendarsteller Andreas Hermann getroffen und hinter die Kulissen der Serie geblickt. Der 28-Jährige spricht mit uns über seine Träume, die Schauspielerei und der Umgang mit den Hauptdarstellern bei Stromberg.


back view: Andreas, du bist im realen Leben Tontechniker- wie kommt man auf so einen Beruf?
Andreas Hermann:
In der Schule gibt es ja immer Theater AGs – wir hatten bei uns in der Kleinstadt Spenge (bei Bielefeld) damals zum Glück eine AG Musikstudio. Das habe ich von der siebten bis zur zehnten Klasse gemacht und fand es einfach schon immer spannend. Danach kam die Abizeit, wodurch zunächst andere Dinge im Vordergrund standen. Nach der Schule bin ich aber weiter drangeblieben und für ein privates Studium der Tontechnik nach Köln gezogen.

Wie muss man sich die Arbeit eines Tontechnikers vorstellen?
Im Grunde gibt es zwei unterschiedliche Richtungen. Auf der einen Seite kann man live bei Veranstaltungen den Ton mischen, was dann häufig Musikveranstaltungen sind. Da geht es vor allem darum, die Mikrophone abzustimmen und mögliche Einspielsequenzen abzuchecken. Die andere Richtung ist die Arbeit im Tonstudio.

andreas_hermann_text1Welches macht dir mehr Spaß?
Im Grunde ist beides spannend. Aber müsste ich mich entscheiden, würde ich lieber im Tonstudio tätig sein. Dort ist es deutlich stressfreier, man arbeitet genauer. Und ein großer Vorteil ist für mich, dass der Kontakt zu den Künstlern und Bands im Studio deutlich persönlicher ist. Da kann man sie auch mal kennenlernen – dafür ist bei Liveveranstaltungen einfach keine Zeit.

Und was machst du aktuell?

Da die Firma, bei der ich angestellt war, kürzlich pleite gegangen ist, mach ich noch bis 2013 eine Umschulung zum Mediengestalter. An Wochenenden gehe ich auch mal einer Art Studentenjob nach, um mir ein wenig Geld nebenher zu verdienen. Und zwar bin ich bei verschiedenen Studentenfilmen an der Kunsthochschule für Medien in Köln für den Filmton verantwortlich. Ansonsten mache ich auch in meiner Heimat ab und zu was ehrenamtlich. Einfach um die Jugendlichen dort zu unterstützen. Zuletzt habe ich zum Beispiel Songs für die „Raplektion“ aufgenommen.

Welche Ziele und Träume hast du?
Mein größter Wunsch wäre es, eine komplette Filmmusik zu komponieren. Das ist so ein Traum, der mir immer wieder durch den Kopf fliegt.

Wie bist du als Tontechniker zur Schauspielerei und zu Stromberg gekommen?
Das ist eine ganz witzige Geschichte. Während meines Studiums hat mich die Freundin eines Mitbewohners angequatscht, dass ich mich doch mal für eine Rolle bewerben sollte. Sie arbeitete bei Brainpool und diese suchten für die Produktion von Stromberg gerade neue Gesichter für die zweite Staffel. Ich habe das, ehrlich gesagt, gar nicht ernst genommen. Auf die Schnelle habe ich mich dann mit irgendeinem Foto von mir aus der Disco beworben und trotzdem wurde ich schon am nächsten Tag eingeladen und bekam die Rolle. Ich habe wohl perfekt ins Bild gepasst.

Ist die Schauspielerei etwas, wo du in Zukunft gerne mehr machen würdest?
Eigentlich nicht wirklich. Die Schauspielerei ist für mich nicht primär sondern eher ein Hobby. Es macht natürlich Spaß und man kann gut Kontakte knüpfen, die ich auch als Tontechniker nutzen kann, aber es ist im Moment nicht mein großes Ziel. Die Rolle bei Stromberg spiele ich aber sehr gerne.

Als besonderes Highlight gibt es auf der aktuellen DVD zur fünften Staffel ja eine Dokumentation über die Nebendarsteller.
Das fanden wir alle richtig gut –  war quasi als Dankeschön für unser langjähriges Mitwirken, weil wir ja sonst keine große Rolle in der Serie selbst spielen.

Aber es schwingt bei dieser Dokumentation ja auch der Unterton mit, dass ihr als Nebendarsteller schon gerne mal mehr im Vordergrund steht. Es kommt ja auch der Vorschlag, dass es mal eine Folge gibt, in der ihr im Mittelpunkt steht.
Ja, das wurde tatsächlich unter uns Nebendarstellern mal angesprochen. Aber für mich ist das nicht so wichtig. Wie gesagt, ich mache das nur als Hobby. Aber es gibt eben auch andere, die in der Schauspielerei nach vorne wollen und deswegen auch bei Stromberg gerne mal eine größere Rolle übernehmen würden.

Wie eng oder getrennt seid ihr beim Set von Stromberg von den Hauptdarstellern?

Aus rein organisatorischen Gründen sind wir in der Regel getrennt. Die Hauptakteure brauchen zwischendurch auch einfach mal Ruhe und müssen ihren Text für die nächsten Szenen lernen. In den Pausen sitzen wir aber schon alle zusammen. Es verstehen sich auch alle wunderbar – was sich über die letzten Jahre noch gesteigert hat.
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Wo siehst du die Gründe für den Kult der Serie?
Ich denke, es ist in erster Linie die Rolle von Stromberg. Wegen seiner Sprüche – seinem Verhalten. Und dazu kommt sicherlich noch der Stil der Dokumentation. Aber sicherlich schaut es kaum jemand aufgrund der Geschichten an sich.

Wie viel kannst du als Darsteller an den Szenen mitwirken?
Für mich gibt es da nicht viele Möglichkeiten – ehrlich gesagt, ist das aber auch okay für mich. Bei den Dreharbeiten schaue ich meine Szenen auch nie im Monitor an. Mir reicht es vollkommen, wenn der Regisseur sagt, dass es gut war. Dann bin ich auch zufrieden.

Da verlässt du dich aber sehr auf die anderen.

Ja. Die haben ja auch mehr Ahnung als ich. Ich lese auch die Drehbücher nie vorher. Ich lasse mich da viel lieber am Set überraschen. Da gibt es in der aktuellen Staffel eine Szene, in der ich die Treppe hochlaufe und mich Stromberg wie aus dem Nichts anschreit. Meine Reaktion war da nicht gespielt. Ich wusste ja von nichts und bin wirklich total erschrocken. Aber normalerweise müssen auch wir als Nebendarsteller schauspielern – der Regisseur versucht mit solchen Vorgehensweisen nur manchmal ein wenig zu tricksen.

Andreas Hermann, vielen Dank für das Gespräch.

(Interview und Fotos: Katherine Lukat und Sinan Sengöz)
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