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Die rätselhafte Rolle Pakistans

Ein doppeltes Spiel?
Am 02. Mai 2011 wurde der saudi-arabischen Al-Qaida-Chef Osama bin Laden gezielt getötet. Nach der erfolgreichen amerikanischen Operation Neptune Spear, bleibt die Rolle Pakistans weiterhin undurchsichtig. Ein Blick auf die Entwicklungen der vergangenen Jahre.

Die islamische Republik Pakistan entstand 1947 bei der Teilung Indiens. In dem muslimischen Staat in Südasien treffen nicht nur fünf Ländergrenzen aufeinander, sondern auch kulturelle Besonderheiten: Pakistan grenzt im Westen an Afghanistan und den Iran, im Osten an Indien. Die nördliche Grenze teilen sich Tadschikistan und China.
Aus religiöser Sicht treffen der Islam und der Hinduismus aufeinander sowie aus kultureller Sicht die persische und die indische Kultur. Die Stammesgebiete im Westen und das Kastensystem in den indisch geprägten Regionen im Osten, die Wüsten Belutschistans und die fruchtbare Indus-Ebene stellen weitere inner-pakistanische Extreme dar.

Eine kulturelle und gesellschaftliche Vielfalt, die selten ist auf der Welt.Die rund 145 Millionen Einwohner, die auf 800 000 Quadratkilometer Landesfläche verteilt wohnen, leben hauptsächlich von dem Weizen-, Reis-, und Baumwollanbau. Somit ist der primäre Sektor der wichtigste für die pakistanische Wirtschaft.Pakistan – das sind auch Atomwaffen und Terrornetzwerke. Seit 1998 ist Pakistan nun schon eine der Atommächte außerhalb des Atomwaffensperrvertrags. Was anfangs als Schutzvorkehrung vor dem unmittelbaren Nachbarland und der Atommacht Indien vorgesehen war, entwickelte sich als internationales Problemfeld, vor allem in Verbindung mit Ländern wie dem Iran, bei denen der ABC-Waffenbesitz angenommen wird.

Islamabad und insbesondere der pakistanische Geheimdienst ISI halfen den Taliban, an die Macht zu kommen. Die Internetseite WikiLeaks veröffentlichte sogar Dokumente, die offenbarten, dass besagter Geheimdienst der „vermutlich wichtigste außerafghanische Helfer der Taliban“ sei. Diese wiederum haben Osama bin Laden Schutz gewehrt, indem sie ihm in Kaschmir ein Versteck boten.
Pakistan gestaltet sich als eine Art Sammelplatz für die Gotteskrieger des Dschihad. Trotzdem kann Pakistan auf die Unterstützung und Kooperation der USA bauen, weder auf deren Liste der „rogue states“ steht es, noch gehört es der „axis of the evil“- der Achse des Bösen- an. Pakistan wird oft als der Schlüssel zur Bekämpfung des internationalen Terrorismus gesehen, gerade, weil sich dort die radikalsten antiamerikanischen Kräfte sammeln. Auch als Umschlagplatz für den internationalen Waffenverkauf und den Handel mit Schlafmohn, der aus den afghanisch-pakistanischen Stammesgebieten stammt, hat sich Pakistan einen Ruf gemacht.

Doch wie konnte Osama bin Laden nur 50 Kilometer nördlich von der Hauptstadt Islamabad mit seinen Frauen, Kindern und Vertrauten unentdeckt leben? Wer baute das eine Millionen Dollar teure Anwesen? Und warum erregte besagtes Anwesen keinen Verdacht?
Abottabad, die Stadt in der sich bin Laden versteckt hielt, gilt als Militärstadt. Welche Rolle spielt der pakistanische Geheimdienst? Neueste Informationen deuten auf eine Förderung indischer Terrorgruppen wie der Lashkar-e- taiba durch ISI hin und auch die Unterstützung der Taliban ist bewiesen. Endgültig und sicher werden einige der Fragen wohl nie beantwortet werden können. So oder so: Das Land ist von Terroranschlägen gezeichnet. An der pakistanisch-afghanischen Grenze sind rund 100 000 Soldaten im Einsatz gegen islamistische Aufständische.

Der Name „Pakistan“ setzt sich übrigens aus den Silben der Provinzen Punjab, Sindh, Kaschmir und Belutschistan zusammen und bedeutet aus der Landessprache Urdu frei übersetzt „das Land der Reinen“. Ob das Land auch ein „reines Gewissen“ in Bezug auf die Maßnahmen zur Bekämpfung des internationalen Terrorismus hat, bleibt weiterhin offen. In die Karten lässt es sich jedenfalls freiwillig nicht schauen. Pakistan bleibt also ein Land mit einer völlig widersprüchlichen Politik.

(Text: Lisa Brüßler)
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