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Die Moral des Hintergehens

Kinoecke: „Fremd Fischen“ mit Kate Hudson
Darcy und Rachel sind seit ihrer Kindheit die besten Freundinnen. Doch während Darcy überglücklich verlobt mit Dex ist, stürzt sich Rachel verbissen in ihre Arbeit als Anwältin. Bis es an ihrem 30. Geburtstag zum großen Knall kommt.

Es ist wie immer: Die energiegeladene und fröhliche Darcy organisiert eine rauschende Party für ihre eher introvertierte Freundin Rachel, als diese dreißig wird. Rachel sieht dem Spektakel schweigend zu, während sich Darcy in die feiernde Menge stürzt, als wäre es ganz allein ihr großer Tag. Sie lässt nichts unversucht und schafft es, in ihrer Rede das Thema „Rachel“ von der einen auf die andere Sekunde ins Thema „Darcy“ umschwingen zu lassen. Schließlich wird sie in den kommenden Wochen die Hauptperson sein.

Darcy (Kate Hudson) steht die Hochzeit mit dem smarten, gut aussehenden Dex (Colin Egglesfield) bevor. Doch dass dieser nicht vollständig zufrieden mit seinem Leben ist, zeichnet sie kurz darauf an jenem 30. Geburtstag in einem Taxi ab. Als Rachel (Ginnifer Goodwin) ihm gesteht, dass sie während ihrer Studienzeit unsterblich in ihn verliebt war, kommen sie sich näher als es die beste Freundin der Braut und der Bräutigam für gewöhnlich sollten. Und so nimmt die Geschichte ihren Lauf …

Während Darcy mitten in Hochzeitsvorbereitungen steckt, für die sie des Öfteren auch Rachel als Beraterin rekrutiert, schläft diese erneut mit Dex und obwohl dies eigentlich absolut verwerflich sein sollte, entwickelt der Zuschauer schon rasch eine Sympathie für die im Schatten ihrer besten Freundin stehende Rachel. Die Rachel, die so lange alles hinnahm und ihrer Freundin die großen Kuchenstücke hinwarf.

Tatsächlich war es Rachel, die sich zuerst in Dex, ihren Freund aus Studienzeiten, verliebte. Sie verbrachten unzählige Nächte in der Bibliothek und das Knistern in der Luft schien greifbar. Doch mehr als gute Freunde wurden nicht aus Dex und Rachel, die vermutete, dass Dex eher auf Frauen wie Darcy abfuhr. Nachdem sie ihre beste Freundin und den eigenen Schwarm verkuppelt hatte, zog sich das Mauerblümchen zurück und überließ die Bühne weiterhin Darcy.

Etliche Jahre später bröckelt nun die Fassade. Dex weiß genau, dass ihn das Leben an Darcys Seite nicht erfüllt, will jedoch seine Eltern nicht enttäuschen. Rachel bekommt bei einem gemeinsamen Ausflug mit Darcy, Dex und weiteren Freunden in die Hamptons Eifersucht zu spüren.
Ginnifer Goodwin brilliert in ihrer ersten Rolle als Hauptdarstellerin und verzaubert den Zuschauer durch ihre liebe, zurückhaltende Art. Auch Colin Egglesfield als Dex zeigt zum ersten Mal vor großem Publikum, dass er für mehr geschaffen ist als kleine Serienrollen.

Hätte man zu Anfang noch gedacht, dass Fremdfischerin Rachel nicht das Objekt ihrer Begierde zugesprochen bekommt, so wendet sich am Ende alles zu ihren Gunsten. Trotz der Tatsache, dass ihre Handlung moralisch nicht vertretbar ist, bekommt Rachel zuletzt das, was sie ein Leben lang an Darcy abgetreten hat.

Leider dümpelt „Fremd Fischen“ die meiste Zeit vor sich hin und verliert sich in Randhandlungen mit Dex‘ Kumpel Marcus, der es auf Rachel abgesehen hat, oder Ethan, zu dem Rachel nach London fliegt, um sich über ihre Wünsche klar zu werden. Außergewöhnlich mag die Bestsellerverfilmung des Buches von Emily Griffin nicht sein, dass der Film jedoch reichlich Stoff zur Diskussion der Frage „Was darf ich eigentlich?“ liefert, dürfte ihn auszeichnen.

Auf der Internetseite www.fremdfischen.de kann unter „Extras“ abgestimmt werden, ob man im Team Darcy oder Team Rachel ist, wobei Rachel mit über 550 Stimmen bereits eindeutig vor Darcy mit 140 Stimmen liegt.

Jeder bekommt also schlussendlich das, was er verdient hat.

Bewertung: 3,5 von 5 Sternen 

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(Text: Ronja Heintzsch / Zeichnung: Christina Koormann)


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Über den Autor

Ronja Heintzsch
Ressortleiterin Kultur

Konstruktive Kritik in bitterscharfen Kommentaren üben, die Welt bereisen, auf aktuelle Problematiken hinweisen - all dies sind Gründe, aus denen Ronja beschloss, sich dem Metier Journalismus zu verpflichten. Schließlich gibt es noch einige unaufgedeckte Watergate-Affären in dieser Welt.

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