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Der Beton der Teilung als Kunstwerk

Die Berliner East Side Gallery gedenkt dem Mauerfall bunt und international
20 Jahre nach dem Mauerfall erstrahlen die Reste der Mauer in Friedrichshain zu neuem Glanz. Die East Side Gallery, ein von Künstlern aus aller Welt bemaltes Stück Geschichte, wurde in diesem Jahr saniert. Pünktlich zum Jahrestag ist das bunte Kunstwerk für Frieden, Toleranz und Freiheit fertig gestellt.

Der Trabi, der durch die Mauer fährt - ein bekanntes Motiv der East Side Gallery (Foto: Julia Radgen)

„Ich habe die Mauer der Schande bemalt, damit sich die Freiheit nur ja nicht mehr schämt…“, „Frieden für alles, was auf dieser Erde lebt“, „Es gilt viele Mauern abzubauen“. Diese und weitere Botschaften prangen auf der East Side Gallery in Berlin. So wird das längste, noch erhaltene Mauerstück in Friedrichshain – genauer zwischen Oberbaumbrücke und Ostbahnhof – genannt. Diese 1.300 Meter lange „Open-Air-Galerie“ wurde von Februar bis September 1990 geschaffen.

Insgesamt 106 Bilder von Künstlern aus Deutschland und vielen anderen Ländern schmückten damals das Mauerstück. So unterschiedlich die Motive auch sein mögen, alle kreisen um die Themen Freiheit, Frieden und natürlich um die Schattenseiten, die die deutsche Teilung mit sich brachte. Ziel sei es daher nach Angaben der Stadt Berlin auch, dass die East Side Gallery nicht nur die Erinnerung an die Mauer, sondern vor allem auch das Gedenken an deren Opfer unterstützt. Denn das Mauerstück direkt an der Spree sei ein Punkt gewesen, an dem viele Fluchtversuche unternommen wurden, von denen einige tödlich endeten.

Nicht überall sind die Mauerreste so ansprechend bemalt. (Foto: Julia Radgen)Bereits 1992 verfielen einige Bilder an der Mauer durch Wind und Wetter, so wurde im Jahr 2000 der Entschluss gefasst, die Mauer zu sanieren. Bis die Künstler aber damit anfangen konnten, ihre Motive neu aufzumalen, verstrich noch viel Zeit. Nicht nur die Oberfläche der Mauer war angegriffen, auch der Beton und so mussten erst die Bauarbeiter an die Arbeit und die Mauerstücke von Grund auf sanieren.

Dann wurden die Flächen weiß grundiert und es konnte endlich für die Künstler losgehen. Dass die Bilder komplett getilgt und neu aufgemalt wurden, brachte der East Side Gallery dabei einige Kritik ein, es konnten auch nicht alle Künstler für die Wiederbemalung gewonnen werden. Doch für die Erhaltung des seit 1991 unter Denkmalschutz stehenden Mauerstück war es notwendig.

In diesem Jahr konnte man dann bei einem Spaziergang an der Spree einen Blick auf farbbekleckste Künstler werfen, die ihre Motive wieder auf die Wände übertrugen. Diese reichen von verzierten Sprüchen, über fantasievolle und abstrakte Abbildungen bis hin zu dem berühmten „Bruderkuss“.Der Bruderkuss auf der East Side Gallery (Foto: Julia Radgen)

Erst am 30. Oktober war offiziell Schluss mit dem Malen. Nun wird die „neue“ East Side Gallery am 6. November feierlich der Stadt übergeben. Etwas Neues ist sie auch wirklich, denn längst nicht alle Motive sind identisch mit ihren ursprünglichen Vorlagen. Viele Künstler arbeiteten Veränderungen ein, um die 19 Jahre seit der ursprünglichen Bemalung einzubeziehen. Bleibt nur zu hoffen, dass die neue Betonkonstruktion beständiger ist als die frühere. Nur dann kann die East Side Gallery als Denk- und Mahnmal ihren Zweck erfüllen.

(Text und Fotos: Julia Radgen)
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Über den Autor

Julia Radgen
Ressortleiterin Gesellschaft

Julia Radgen lebt in Mainz und schreibt am liebsten über Kultur- und Gesellschaftsthemen - und interessante Menschen. Sie ist Social Media-süchtig und verzichtet nur freiwillig auf Internet und Handy, wenn sie zu einem Festival fährt. Wenn sie groß ist, will Julia mal Journalistin werden.

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