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Die kölsche Wundertüte

Der 1. FC Köln schwankt in der Bundesliga zwischen den Extremen
Wer momentan ein Spiel des 1. FC Köln schaut, der weiß nicht, was einen erwartet. Auch die Gegner haben keinen blassen Schimmer, wie stark der FC am Spieltag sein wird. Glorreiche Siege wechseln sich ab mit bitteren Niederlagen. Die „Geißböcke“ sind die kölsche Wundertüte der Bundesliga.


23 Euro kostet derzeit die günstigste Sitzplatzkarte im Kölner Rhein-Energie-Stadion, ob es das Geld wert sein könnte, erfährt man in dieser Saison meist erst nach Abpfiff. Vor Ablauf der 90 Minuten verbittet sich momentan jede Weissagung. Die Glaskugel in Köln ist derzeit mit milchigem Nebel durchzogen, die Wettquoten müssten wöchentlich verrücktspielen. Wer viel Geld für eine Eintrittskarte in Köln bezahlt, der spielt Vabanque.

Dass sich davon noch die wenigsten einen Stadionbesuch vermiesen lassen, liegt wohl an der sadistischen Kölner Ader, immerhin ist das Stadion meist fast ausverkauft. Die Kölner sind leiderprobt, doch eine derartige bergauf-bergab-Fahrt mussten sie auch schon länger nicht mehr durchstehen.

Auf Siege folgen Niederlagen
Auf die überaus überzeugenden Auftritte gegen Leverkusen (4:1) und Hoffenheim (2:0) folgte am achten Spieltag ein lustloser Kick gegen Berlin, der mit 0:3 verloren ging. Schnell rappelten sich die Kölner mit einem 2:0-Sieg gegen Hannover auf, um dann wiederum am zehnten Spieltag wie die Lemminge in Dortmund mit 0:5 unterzugehen.

Es folgte ein wenig spektakulärer, aber immerhin sehr souveräner 3:0-Erfolg gegen Aufsteiger Augsburg. Am 12. Spieltag schoss die kölsche Wundertüte dann in Bremen den Vogel ab: Eine ordentliche 2:0-Führung verdaddelte man noch und stand mit dem 2:3 letztlich mit leeren Händen da.

Ob auswärts oder im heimischen Stadion – Prognosen sind derzeit unmöglich. Einmal an der Bergspitze angekommen, verschnaufen die Spieler nicht, sie trudeln vielmehr wieder steil bergab. Kein Wunder also, dass es nur ein Unentschieden auf Seiten der „Geißböcke“ gab. Nur beim 1:1 gegen Kaiserslautern teilte man sich die Punkte, ansonsten hieß es top oder flopp.

Podolski alleine reicht nicht
Diese fehlende Konstanz hängt auch immer noch mit einer Personalie zusammen. Spielt Lukas Podolski formidabel, steigen die Aktien des FC immens. Gönnt er sich jedoch mal eine Pause, ist derselbe Klub aufgeschmissen wie ein zahnloser Hund. Podolski hat zwar in den letzten Monaten eine Entwicklung hin zur Führungsfigur mit wichtigen Toren, vielen Vorlagen und phasenweise positiver Körüersprache durchgemacht, doch vor allem in der Breite zeigt der Kader der Kölner wiederholt Schwächen.

So können dann selbst neun Saisontore und fünf Vorlagen vom Nationalspieler nicht genügen. Insbesondere dann nicht, wenn mit Milivoje Novakovic der einzige Sturmpartner mit Bundesliganiveau verletzt ausfällt. Und pünktlich zur fehlenden Konstanz folgt mit „Prinz Poldi“ die nächste Debatte.

Vertragsverlängerung ist noch ungewiss
Arsenal London, aber auch der AC Mailand sollen angeblich Interesse an Podolski zeigen. Der gibt sich bedeckt, will alles erst mal auf sich zukommen lassen: „Wenn eine Anfrage kommt, muss man auch eine Entscheidung treffen. Auch für sich alleine. Ich werde mir Gedanken machen mit meiner Familie. Und dann wird man gucken, wohin der Weg geht.“ Für den klammen Verein könnte eine Vertragsverlängerung mit dem 26-Jährigen eine abermalige Mammutaufgabe werden.

Doch vor allem ist die Podolski-Personalie eine weitere Baustelle in einem ohnehin schon fragilen Konstrukt. Punktetechnisch steht man mit 16 Zählern auf Rang 11 ordentlich da, doch sicher ist beim FC der Hinrunde bis dato nichts. Bis zur Winterpause könnte der FC weiter die Wundertüte der Liga bleiben – auch mit Podolski.

(Text: Jerome Kirschbaum)


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Über den Autor

Jerome Kirschbaum
Ressortleiter Sport

Jerome Kirschbaum schreibt am liebsten über Sport, wenn er denn nicht selbst auf einem Platz steht. Seit Oktober 2010 verdingt sich Jerome als Schreiberling für back view, neben den Leibesübungen widmet er sich sich auch politischen Themen. Im wahren Leben musste Jerome zahlreiche Semester auf Lehramt studieren, um dann schlussendlich doch etwas ganz anderes zu werden.

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