Du bist hier: Home » Kultur » Bildung » Die Hürden und Chancen der eigenen Wohnung

Die Hürden und Chancen der eigenen Wohnung

Was beim Auszug aus dem Elternhaus beachtet werden sollte

40 000 zusätzliche Studierende wird es in diesem Wintersemester geben – der Wunsch, an der Hochschule der Heimatstadt zu studieren, wird sich daher nur noch selten erfüllen. Andere finden vielleicht nur in einer der Metropolen Deutschlands ihren Wunschstudiengang. Deswegen heißt es für viele dieses Jahr: raus aus der Geburtsstadt, rein in die eigene Wohnung, rein in den fremden Ort. back view zeigt euch, was euch im neuen Leben erwartet.


Die junge Generation strebt nach Freiheit. Wir wollen flexibel, spontan sein, unsere Entscheidungen selbst treffen, nicht mehr auf andere angewiesen sein. Das oberste Gebot lautet daher: Unabhängigkeit.
Nach dem Abitur haben wir eine gehörige Portion Selbstbewusstsein getankt. Vielleicht mit der Folge, dass es für uns schwerer geworden ist, uns in den Alltag unserer Eltern zu integrieren, was zu Konfrontationen führen kann. Vielleicht führt das bestandene Abitur aber auch zum Wunsch, die gewohnte Umgebung in der Heimatstadt hinter sich zu lassen und weiter weg zu studieren – in beiden Fällen zieht der junge Mensch von zu Hause aus, mietet eine eigene Wohnung oder findet eine WG. Doch was ist dabei zu beachten? Welche Tipps sind hilfreich für den Alltag?

Als ich nach meinem Umzug 2008 von meinen Eltern verabschiedet wurde, führte mich mein erster Gang in den Supermarkt. Tütensuppen, Uncle Ben’s, Spaghetti: Für mich selber kochen – eine Umstellung. Doch ich sammelte Erfahrung, lernte, wie ich auch mit einem fast leeren Kühlschrank etwas Wohlschmeckendes und Sattmachendes zaubern konnte, auch, wenn Besuch da war. Brühpulver, Eier, Nudeln, Tiefkühlfisch und Mehl habe ich so gut wie immer im Haus. Gewürze, Brot und verschiedenes Gemüse dazu, und in jedem Fall lässt sich was abwechslungsreiches Kochen. Pfannkuchen zum Beispiel machen lange satt, gehen schnell von der Hand und wirken, etwa mit Erdbeeren und Schlagsahne, auch ansprechend auf Gäste.

Versicherungs- und Anmeldedschungel
Doch das Selberkochen ist nur eine kleine Facette, wenn man an die Aufgaben denkt, die unbedingt auch beim Auszug getan werden müssen. Stichwort Versicherungen: Unfall und besonders Haftpflicht sollte jeder für sich erwägen. Wie schnell kann durch unbedachtes Radfahren eine Person angefahren und dauerhaft verletzt werden – der unfallverursachende Radler muss dafür geradestehen, jeden Monat zahlen. Dafür ist die Haftpflichtversicherung da. Interessierte finden im Internet umfangreiche Informationsportale, das einfache Googlen der Stichworte „Haftpflichtversicherung Test“ führt schon zu aussagekräftigen Ergebnissen. Diese Versicherungen haben eine Preisspanne von 50 bis 120 Euro jährlich aufwärts, Angebote und Summen vergleichen lohnt also.

Was ist noch zu beachten? Ummelden! Dem Einwohnermeldeamt/ Bürgerbüro ist schnellstmöglich – nach offiziellen Angaben innerhalb einer Woche – deine neue Anschrift mitzuteilen. Verzögert sich das, kann schnell eine Strafe, auch dreistellig, fällig werden. Dies ist im Meldegesetz festgehalten. Die Sachbearbeiter lassen bei kleinen Verstößen aber auch oft Kulanz walten. Wenn du Zeitschriftenabonnements abgeschlossen hast, die jeden Monat in deinen Briefkasten geschickt werden sollen, gilt es auch, diese umzumelden.
Auch das Studentenwerk will benachrichtigt werden. Bedenke beim BAFöG, – welches beim Studentenwerk beantragt werden kann – dass ein eigener Wohnsitz 224 Euro extra bedeutet (BAFöG §13). Des Weiteren vergeben einige Städte eine Art „Begrüßungsgeld“ an frisch Hinzugezogene. Natürlich muss auch die Post informiert werden, genauso wie die GEZ – man ist als Bafög-Bezieher aber von den Gebühren befreit – und die Krankenkasse, falls man nicht mehr familienversichert ist.

Neben Tipps für den Umgang mit Firmen und Behörden noch ein paar für das private Umfeld. Um Geld zu sparen und um gleich Kontakte zu knüpfen, ziehen viele angehende Studenten in eine WG. Für ein geregeltes WG-Leben ist in meinen Augen eine gewisse Struktur wichtig. Letztendlich entstehen Konflikte durch andere Vorstellungen in Puncto Sauberkeit, Zimmerlautstärke und dem allgemeinen Umgang miteinander. Gerade deswegen solltest du, auch wenn euch nur eine Zweck-WG vorschwebt, den Dialog suchen und einen gemeinsamen Konsens finden. Zu oft passiert es, dass Probleme und andere Vorstellungen nicht angesprochen und verschwiegen werden – bis diese sich zu stark aufgestaut haben und im Streit entladen.
Als WG-Gruppe in der Mensa essen, abends zusammen einen Film schauen – so lernt man sich kennen und legt den Grundstein für eine funktionierende Wohngemeinschaft. Man profitiert gegenseitig voneinander, egal, ob der Wohngenosse die Zimmerpflanzen von einem in den Semesterferien gießen wird, oder, wenn man sich über die neuesten Locations für Events austauscht. Die Kooperation in der WG sollte immer großgeschrieben werden.

Mit der Zeit wird dir klar werden, dass es noch weitere neue Aufgaben gibt, nachdem man von zu Hause ausgezogen ist. Wie wasche ich meine Wäsche? Meine Hemden müssen jetzt von mir selbst gebügelt werden! Der Wasserhahn tropft! Aber du wirst sehen: Du wächst mit deinen Aufgaben. Der Einzug in die erste eigene Wohnung ist ein neuer Lebensabschnitt, der von dir mehr Verantwortung und Leistung erfordert, dich aber auch reifer und selbstständig werden lässt. Diese Erfahrung führt letztendlich zu dem, was wir uns vor dem Auszug gewünscht haben: Unabhängigkeit.

(Text: Eric Elert)
Download PDF  Artikel drucken (PDF)

Schreibe einen neuen Kommentar

You must be logged in to post a comment.

Über den Autor

Eric Elert
Anzahl der Artikel : 15

© back view e.V., 2007 - 2017

Scrolle zum Anfang