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Die gute Tat zu Weihnachten

Kommentar: Warum wir zu Weihnachten in Spendenlaune kommen

Ende November, ich gehe zum Briefkasten und fische die Post heraus. Werbung, Werbung und ein Brief von „Ärzte ohne Grenzen”. Einmal habe ich zu einer der inzwischen unzähligen Naturkatastrophen einen Betrag an die genannte Organisation überwiesen. Und ich bin ganz ehrlich, danach kam nichts mehr von mir. Die Briefe blieben unbeantwortet.

Doch nun, kurz vor dem dritten Advent, gerate ich ins Grübeln. Wieso nicht noch einmal einen Obolus an die treuherzigen und tapferen Lebensretter von „Ärzte ohne Grenzen” spenden? Der Brief samt Spendenaufruf landete nun nicht mehr im Papierkorb, er wurde nicht sofort entsorgt. An Weihnachten scheinen wir in Geberlaune.

Spendenaufrufe zu Weihnachten
Die karitativen Organisationen machen sich diese Determinanten zu Nutze. So wirbt das Rote Kreuz beispielsweise explizit zur Weihnachtszeit mit einem Spendenaufruf: „Spenden statt Schenken – Die gute Tat zu Weihnachten. Weihnachten – Zeit der Besinnung, der Familie und der Nächstenliebe. Gibt es etwas Schöneres als Hoffnung zu schenken? Bitte widmen Sie Ihre Weihnachtsspende den Menschen, die in Deutschland und weltweit auf unsere Hilfe angewiesen sind. Es gibt viele Möglichkeiten zu helfen. Herzlichen Dank!”

Spenden statt schenken? So weit wird es bei den meisten wohl nicht kommen. Die Spenden sind trotz aller Begeisterung sicherlich eher additiv zu den Geschenken für die Familie zu sehen. Auch Misereor setzt auf Heiligabend und die Spenderlaune der Gesellschaft: „Sinnvoll schenken: Hier finden Sie Geschenkideen, mit denen Sie lieben Menschen Freude bereiten und langfristige Hilfe zur Selbsthilfe unterstützen.”

Katharsis der ersten Welt?

Klar, die Weihnachtszeit lädt zum Spenden ein, man möchte etwas von den eigenen positiven Gefühlen an andere weitergeben. Wer den Liebsten und Nächsten Dinge schenkt und im Genuss der ersten Welt badet, der strebt mit der guten Tat doch auch irgendwie eine Form der Katharsis an.
Skeptiker meinen, der Mensch tue ohnehin nichts ohne einen Hintergedanken. Das ist beim Spenden scheinbar oft und sehr wahrscheinlich der Fall. Es ist nicht immer ein Anfall von Altruismus, der uns zur guten Tat animiert. Es ist vielleicht das schlechte Gewissen eines privilegierten Menschen, der zur Weihnachtszeit ohnehin in Geberlaune ist.

Gute Stimmung erhöht Geberlaune

In der Sozialpsychologie wird davon ausgegangen, dass eine positive Stimmung das Hilfsverhalten steigert. Durch eben jene gute Stimmung wird eine positive Sicht auf Andere evoziert. Hinzukommt, dass prosoziales Verhalten der Stimmungserhaltung dient.
Isen und Levin strichen 1972 heraus, dass positive Stimmung eine höhere Hilfeleistung nach sich zieht. Ganz profan ausgedrückt: Unsere gute Laune zur Weihnachtszeit lässt uns in Spendenstimmung kommen.

Bei aller Weihnachtszeit und guter Laune bleibt nur zu hoffen, dass einigen – hoffentlich vielen Menschen – die Weihnachtsspenden in Erinnerung bleiben und sie nicht zu einem einmaligen Ereignis verkümmern. Am besten geschieht das mit einem Dauerauftrag bei der Organisation des Vertrauens – auch über Weihnachten hinaus!

(Text: Jerome Kirschbaum)

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Über den Autor

Jerome Kirschbaum
Ressortleiter Sport

Jerome Kirschbaum schreibt am liebsten über Sport, wenn er denn nicht selbst auf einem Platz steht. Seit Oktober 2010 verdingt sich Jerome als Schreiberling für back view, neben den Leibesübungen widmet er sich sich auch politischen Themen. Im wahren Leben musste Jerome zahlreiche Semester auf Lehramt studieren, um dann schlussendlich doch etwas ganz anderes zu werden.

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