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Die große Frage vor dem Kühlschrank

Kommentar über die tägliche Nahrungssuche
Es sind Semesterferien. Das ist toll, denn trotz Hausarbeiten, Praktika oder Nebenjobs, kann man ausschlafen und sich die Zeit frei einteilen. Semesterferien bedeuten aber auch: Kein Essen in der Mensa mehr und ein weiterer Tag, an dem ich mir selbst die quälende Frage stelle: Was esse ich heute bloß?

Er ist zur Gewohnheit geworden, zu einer unangenehmen: Der Gang an den Kühlschrank mit einem großen Fragezeichen auf der Stirn. Als junger Mensch, der nicht mehr zuhause wohnt, muss man tagtäglich dafür sorgen, dass der eigene Magen gefüllt wird. Allerdings soll er nicht einfach nur gefüllt werden: Nein, abwechslungsreich soll die Kost sein, nicht zu teuer, vielleicht auch ein wenig gesund. Bei manchen kommen noch andere Auflagen wie fleischlos oder laktosefrei hinzu. Wer würde da nicht verzweifeln?

Bei meiner Wenigkeit hat sich dieser Zustand auch nach drei Jahren eigenen Kühlschranks nicht gebessert. Die Ideenlosigkeit, was die Essenszubereitung angeht, ist geblieben, wenn sie sich nicht sogar gesteigert hat. Nicht besonders hilfreich ist noch dazu, dass ich eine totale Niete in der Küche bin, McDonalds verabscheue und es mein Finanzstatus nicht erlaubt, jeden Abend Döner oder Pizza zu bestellen.

Zumeist ergibt es sich, dass ich einmal die Woche in der Uni-Mensa (die übrigens besser ist als ihr Ruf, sei an dieser Stelle mal angemerkt) speise, ab und an ergibt es sich auch, dass mit Freunden gekocht wird, oder noch besser, diese vor haben große Mengen zu kochen und mich mit durchfüttern. An manchen Tagen erlaubt es das Zeitmanagement nicht anders, dass ich mich nur „kalt“, sprich von Broten, ernähre. Doch auch das ist nicht wirklich abwechslungsreich.Wenn es so im eigenen Kühlschrank aussieht, fällt abwechslungsreiches Essen schwer.

Alles in allem bleibt die große Frage bestehen: Was esse ich heute bloß? Ich bewundere meine Mitmenschen, die jeden Tag die Kreativität aufbringen, etwas Abwechslungsreiches, irgendwie Neues zu kochen. In meiner Küche wiederholen sich Gerichte, wie die wohl allseits bekannten, pfannenfertigen Schupfnudeln – so peinlich es ist – meist ein Mal pro Woche, natürlich dicht gefolgt von DEM Lieblingsgrundnahrungsmittel Nudeln, in allen Formen, Farben und Variationen.

Abwechslung in der Küche ist ein Luxus und Ideenlosigkeit und hektischer Alltagsstress deren Betäubungsmittel. Und dabei ist Essen doch, wenn ihr mich fragt, eine der schönsten Sachen der Welt. Viele meiner Mitmenschen durchforsten auf der Suche nach eben jener Abwechslung und kulinarischen Inspiration Rezept-Websites auf der Suche nach neuen Anregungen – oder sie improvisieren einfach in der Küche. Doch auch diesbezüglich bin ich durch eine gewisse Faulheit und Ungeduld geprägt.

Schnell muss es gehen, wenn ich abends nach Hause kommen oder mittags in einem Zwei-Stunden-Zeitfenster Etwas zwischen die Zähne bekommen will. Außerdem ist jedes Mal vor dem Kochen extra einkaufen nervig und zeitaufwendig. Aus Fertig-Kartoffelbrei, Reis und einer Dose Mais, und anderen tollen Dingen, die sich auf meinem Lebensmittelregal befinden, lässt sich nun wirklich von der besten Improvisations-Koch-Show nichts Schmackhaftes zaubern. Noch nicht mal den Milchreis könnte ich kochen, Milch ist zwar immer im Haus, aber für das Glas Kirschen oder eine sonstige Beilage müsste ich noch einmal in den Supermarkt, also: „Hm, nee…“.

Die ideale Lösung habe ich deshalb noch nicht gefunden. Immerhin schaue ich mir Gerichte von Freunden oder von seltenen Auswärts-Essen-Abenteuern ab. So gab es neulich für Freunde selbstgemachten süßen Flammkuchen mit Beeren und Schoko-Kouvertüre – in der Self-Made-Variante allerdings etwas matschig, sei hinzugefügt. Manchmal kommt sogar, woher auch immer, eine Inspiration und das, was ich in die Pfanne schmeiße, schmeckt richtig, richtig gut. Meistens ist es nämlich nur durchschnittlich, aber okay.

Ich habe mich also damit abgefunden, dass beim täglichen Gang zum Kühlschrank meist ein großes Fragezeichen auf meiner Stirn prangt, wenn ich mich frage, was ich denn heute essen kann. Zum Glück bekommt man aber ab und an etwas von irgendwem gekocht und fährt ja auch mindestens zwei Mal im Jahr zu den Eltern, bei denen die Küche in aller Regel besser ist als die eigene. Und wenn alles nichts hilft, beginnt ja in wenigen Monaten wieder das neue Semester und man kann mindestens einen Tag der Woche in der Uni-Mensa speisen. Das Einzige was man sich dort fragen muss, ist praktischerweise, zu welcher Theke man geht.

(Text: Julia Radgen / Foto: Philip Steimel)


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Über den Autor

Julia Radgen
Ressortleiterin Gesellschaft

Julia Radgen lebt in Mainz und schreibt am liebsten über Kultur- und Gesellschaftsthemen - und interessante Menschen. Sie ist Social Media-süchtig und verzichtet nur freiwillig auf Internet und Handy, wenn sie zu einem Festival fährt. Wenn sie groß ist, will Julia mal Journalistin werden.

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